In der Mitte der Nacht (Jes 60,2)

Jes 60,2
[2] Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

[3jähriges Kind mit Downsyndrom]

Wir sind in dieser Stunde zusammengekommen, um Matthias auf seinem letzten Weg zu begleiten. In unsere Trauer hinein will der Taufspruch von Matthias sprechen. Er steht im Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 60, Vers 2:

[TEXT]

Liebe Eltern, liebe Angehöre, liebe Trauergemeinde,

Matthias ist tot. Dreieinhalb Jahre ist er alt geworden. Er hat die Operation, die ihm noch viele Jahre schenken sollte nicht überlebt. Finster ist es heute an diesem kleinen Sarg in unseren Herzen und Gedanken. Dunkel vor Trauer und Schmerz. Matthias wird seinen Eltern und seiner großen Schwester fehlen. Als Matthias geboren wurde, habt ihr Euch alle gefreut. Er war ein Wunschkind. Matthias habt ihr ihn genannt. Das heißt „Geschenk Gottes“. Und er war das schönste Baby, das ihr Euch vorstellen konntet.

Dann kam der große Schreck. Matthias hatte eine Behinderung. Sein Herz war nicht so stark, wie das anderer Kinder. Nach wenigen Jahren würde es erschöpft sein, eine Operation unumgänglich werden. Als ihr damals davon erfahren habt, war es auch dunkel in Eueren Herzen vor Sorgen und Schmerz. Matthias hat damals einen großen Beitrag geleistet, Euch aus dieser Dunkelheit herauszuhelfen. Er hat jeden Lebtag, der ihm geschenkt wurde mit großer Freude und Energie begrüßt und ausgefüllt. Sein Taufspruch hatte recht: Über ihm ging auf der Herr und seine Herrlichkeit erschien über ihm. War es nicht herrlich, welche Fortschritte er machte? Strahlte seine Lebensfreude nicht so hell, dass selbst finstere Gemüter nicht widerstehen konnten und zu einem Lächeln hingerissen wurden. Bald hatte keiner von Euch mehr den Gedanken, dass seine Behinderung Euch Mühe machte. Was Ihr ihm an Zuwendung schenktet, gab er mehr als zurück.

Und das tut beim Abschied, den wir von ihm nehmen müssen am meisten weh. Matthias kann uns jetzt nicht mehr anstrahlen oder bei der Hand nehmen und uns aus der Dunkelheit unserer Trauer und unseres Schmerzes hinausführen ans Licht. Wir müssen selbst hinausfinden und wissen nicht wie. Es ist wie im Bild, das im Taufspruch von Matthias steckt. Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker. Nacht ist es und wir Menschen möchten aus dieser Nacht herausfinden und wissen nicht wie. Und können es gar nicht. Aber über dir geht auf der Herr. Aber die Sonne geht auf. Aber Gott geht auf und vertreibt die Nacht.

Liebe Familie N.N., Ihr habt schon mehrmals in Euerem Leben und mit Matthias erfahren müssen, dass das nicht von heute auf morgen geht: Aus der Dunkelheit ins Licht finden. Gott leitet uns nach seinem Rat und der ist oft auf sehr schmerzliche Weise höher als unsere Vernunft und Einsicht. Immer wenn ihr Euch Bilder von Matthias anseht, ist da die Frage warum, kommt der Gedanke, was wäre wenn, kommt der Schmerz über seinen Tod. Aber dieser Schmerz hat einen starken Konkurrenten. Das ist das Lachen von Matthias auf allen seinen Bildern. Als wollte Euch Matthias sagen: „Ja ich war ein Geschenk Gottes. Ihr hattet mich nur kurz, ich war noch klein, aber deshalb war mein Leben nicht klein. Ihr merkt es daran, wie viel Ihr über mich zu erzählen wisst. Manchem fällt zu einem langen Leben weniger ein. Und wie vieles von dem Geschenk, das ich war, habe ich Euch dagelassen. Ihr habt Dinge erfahren, gesehen, gefühlt, von denen Ihr vorher nichts wusstet. Ihr habt Menschen kennengelernt, die wie Ihr Schweres erleiden und trotzdem das Lachen nicht verlernen. So bin und bleibe ich ein wertvoller Teil Eueres Lebens.“

Liebe Eltern, dass Matthias ein Geschenk Gottes war, daran besteht kein Zweifel. Matthias war ein guter Gedanke Gottes. Und er bleibt es auch. Und er bleibt es auch in Ewigkeit, liebe Eltern! Ich bin sicher, dass Matthias in dem Augenblick seines Todes, in dem Ihr so verzweifelt den vergeblichen Bemühungen der Ärzte hilflos zusehen musstet – dass Matthias in diesem Augenblick seine Augen im Licht Gottes aufgeschlagen hat. Dass nicht Finsternis, sondern der Herr über ihm aufgegangen ist. Licht, das Zeit seines Lebens aus seinem Lachen leuchtete. Matthias, heimgetragen in des Hirten Arm und Schoß, wie es in dem geistlichen Kinderlied „Weil ich Jesu Schäflein bin“ (EG 593) heißt.

Ich denke dieses Lied hätte Matthias gefallen. Amen, ja mein Glück ist groß. So heißt es am Schluss. Ein Satz, den wir jetzt nur schwer hören können. Sie, liebe Eltern, haben gern für das Glück von Matthias gesorgt. Ich denke, er hat Ihnen auf seine Weise oft gesagt, dass Ihnen das gelungen ist. Gerne hätten Sie noch viele Jahre für sein Glück gesorgt. Heute müssen wir Adieu sagen. Das heißt „Gott befohlen“. Wir befehlen Matthias Gott an. Jetzt wird Gott für sein Glück sorgen, wie er es in seinem Taufspruch versprochen hat: „Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ Und wir bitten Gott, dass er es auch in unseren Herzen wieder hell werden lässt. Nicht von heute auf morgen. Aber die Mitte der Nacht ist der Anfang eines neuen Tages.

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