Ihr kennt mich!

Liebe Gemeinde!

Und wieder ist Weihnachten! Der Baum steht da, geschmückt. Mit Sternen und Kerzen. Die Krippe steht davor, wir hören vertraute Lieder. Und die bekannten Worte der Weihnachtsgeschichte rühren uns an: Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Damals vor 2000 Jahren, war das ein Aufbruch in eine unbekannte Zukunft, für Maria und Josef. Ein Schritt ins Ungewisse. Aber aus diesem Schritt ins Ungewisse ist eine der beständigsten Größen für unser Leben geworden. Weihnachten hat Tradition. Da ist alles so wie wir es kennen. Und es scheint manchmal so, als sei Weihnachten der letzte Hort der Tradition. Da ist alles so wie wir es kennen. Und wer diese Tradition verändern will hat es schwer. Das Christkind, das kennen wir nun mal, das steht im Mittelpunkt, da lässt sich nichts dran rütteln. Und wir bleiben auch bei dem, was wir kennen.

Aber ein bisschen werden wir durcheinandergebracht von dem, was Jesus da im Tempel verkündet. Ihr kennt mich, sagt er da, aber ihr kennt nicht den der mich gesandt hat. Aus einem ziemlich unweihnachtlichen Zusammenhang sind diese Worte genommen. Aber wann, wenn nicht zu Weihnachten haben wir überhaupt einmal die Gelegenheit darüber nachzudenken, was das alles bedeutet. Also gehen wir einmal Schritt für Schritt durch, was Jesus da gesagt hat.

Zunächst eine vertrauensbildende Maßnahme: Ihr kennt mich, sagt er. Ja, wir kennen ihn. Gerade zu Weihnachten kennen wir ihn ganz besonders. Das Kind in der Krippe. Das da zur Welt gekommen ist in ärmlichen Verhältnissen. Das der Gefahr ausgesetzt war. Das Kind, in das so viele Hoffnungen gesetzt wurden. Das Kind, das auch heute noch Hoffnung gibt. Waffen schweigen und eine versöhnende Hand wird gereicht, wenn man dieses Kind vor Augen hat. Ja, wir kennen das Kind, das in der Christnacht geboren wurde. Und wir sprechen davon. "Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war." Wie damals sind auch heute viele Erwartungen mit diesem Kind verbunden. Hoffnungen, die lange im Inneren der Menschen schlummern, erwachen nun, und kommen ans Tageslicht. Das ist doch der Grund, warum die Hirten zum Stall eilen. Die Himmel haben sich geöffnet und es wurde ihnen jemand angekündigt, den sie schon lange erwartet haben, der Messias, der Christus, der künftige König. Nicht ein König der Paläste, sondern vor allem ein König der Herzen. Sie eilen voller Hoffnung, kommen gelaufen, sie kennen ihn, obwohl sie ihn noch nie gesehen haben, sie eilen, weil sie ihn kennen. Sie kennen ihn, bevor sie ihn kennengelernt haben, er ist ihre Hoffnung. Und dieses Kind ist auch unsere Hoffnung, deshalb kommen wir hierher. Ihr kennt mich, sagt Jesus Und wisst woher ich bin.

Doch da fängt es schon an schwieriger zu werden. Ihr wisst woher ich bin. Wer ist dieses Kind, woher kommt es und was ist aus ihm geworden? Kennen wir vielleicht nur unsere Wünsche und Hoffnungen, die wir in ihn hineinprojizieren, oder kennen wir ihn wirklich so wie er ist. Und woher kommt er? Wer ist das Kind in der Krippe von Bethlehem. Ist es Jesus von Nazareth? In Bethlehem geboren, in Nazareth aufgewachsen als Sohn eines Zimmermannes. Bethlehem, die Stadt des Königs David. "Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll." Doch Nazareth? "Was kann aus Nazareth Gutes kommen?" so fragt Nathanael, der doch so dialogbereite Pharisäer.

Es scheint viel Zeit vergangen zwischen der Geburt des Kindes in Bethlehem und dem Wirken des Mannes aus Nazareth. Eine Zeit die deutlich macht, was an Wünschen und Erwartungen vielleicht nur Projektion war. So geht es auch mit unseren Weihnachstwünschen. Oft erwarten wir etwas ganz anderes, als wir bekommen. Oft erwarten wir auf unsere Geschenke ein ganz andere Reaktion als wir erhalten. Ist das nicht Josefs Sohn? fragen die Leute aus Nazareth, als Jesus in der Synagoge das angebrochene Reich Gottes verkünden will. Ist das nicht Josefs Sohn? als könnten sie selbst nicht glauben, dass aus Nazareth Gutes kommen könne. Ihr kennt mich und wisst, woher ich bin. Kennen wir ihn wirklich und wissen wir woher er kommt Ist das nicht Josefs Sohn? Dieser da, von der Jungfrau geboren?

Aber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen. Wenn das mit den Eltern nicht so klar ist und die Herkunfts-Orte nur Verwirrung stiften, woher kommt er dann wirklich? Die Welt hat ihn erwartet, hat sehnsüchtig einen wie ihn herbeigesehnt. Arme Hirten und reiche Astronomen sie kommen aus nah und fern um ihn zu sehen, als Kind in der Krippe. Kranke und Gelähmte, Verbecher und Rechtschaffene sie kommen zu ihm oder lassen sich bringen, zu dem Mann, der durch die Dörfer zieht, predigt und heilt. Aber wo ist er hergekommen und wo geht er hin? "Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." (Joh 3,16) Es war nicht seine eigene Idee. Er ist kein Weltverbesserer, der das Bad in der Menge genießt. Er ist niemand, der das Volk manipulieren will zu seinen Gunsten. Er ist keiner, der seine Popularität in bare Münze umsetzen will. Wer ist er dann? Er ist mehr als der Augenschein erkennen lassen will. Mehr als nur ein Kind in armseliger Umgebung. Ja das würde in jedem Falle unser Herz anrühren, da muss man doch was tun, man kann doch nicht ein neugeborenes Kind im Stall lassen. Aber er will mehr in uns erregen als Mitleid, er will uns verändern. Er will, dass wir wahrnehmen, dass er Mensch ist, aber er will noch mehr deutlich machen. Ist das nicht Josefs Sohn? – Ist das nicht Gottes Sohn? Er ist nicht aus sich selbst heraus gekommen. Auf so eine Idee kann keiner kommen. Das ist die Idee eines höheren. Jemand hat ihn geschickt. Wie ein Paket, dass wir geschenkt bekommen. Wir wissen nicht was darin ist, wir wissen nicht wie es uns verändert. Aber es lässt unsere Augen strahlen. Wer es geschickt hat, muss uns sehr liebhaben.

… nicht von mir selbst aus bin ich gekommen. Sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat. Wer ist der Absender? Jemand der uns liebhat. Aber wem kann man heute noch trauen, das könnte ja jeder sagen. Wer ist das, der uns jemanden schickt, den wir empfangen, als hätten wir ihn schon lange erwartet. Wer ist das? "Er ist ein Fels. Seine Werke sind vollkommen; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er." (5. Mose 32,4) So singt Mose, als er Abschied nimmt von der Welt. Auch er hatte einen Auftrag. Und es war nicht einfach diesen Auftrag zu erfüllen. 40 Jahre führte er das Volk durch die Wüste. Unzufriedenheit und Auseinandersetzungen markierten den Weg. Doch Mose spürte: Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er. Auch wenn wir den Absender nicht immer erkennen können, so wissen wir doch, dass er wahrhaftig ist uns nichts Böses will, sondern im Gegenteil immer nur Gutes schenken will. Gott ist der Absender. Er hat seinen Sohn geschickt. In die Kälte der Nacht und die Ungeschütztheit des Stalles. Er hat sich in ihm selbst hingegeben. Gott hat es getan. Doch wer ist Gott? Wir nehmen dieses Wort in den Mund, ohne rot zu werden. Aber wissen wir, wer Gott ist?

es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, … den ihr nicht kennt. Oft fragen wir uns danach ob es Gott gibt? Und wir meinen ihn zu kennen, zumindest meinen wir zu wissen, was er denn tun müsste, wenn es ihn gäbe. "Wenn es Gott gibt, dann müsste er doch zusehen, dass keine Unglücke mehr geschehen! Wenn es Gott gibt, dann müsste er sich doch zu erkennen geben!" Jesu Worte sind hart. Sie passen so gar nicht zu dem sanften Kind in der Krippe. Ihr kennt ihn nicht! Wie oft sagen wir, wir kennen jemanden und meinen, nur weil wir einem Menschen schon mal über den Weg gelaufen sind, wüssten wir, wer er ist. Bei solchen Begegnungen lernt man niemanden wirklich kennen. Man weiß vielleicht, wie er aussieht, aber das ist auch alles. Aber bei Gott wäre das schon viel. Weit mehr als man sich erhoffen dürfte. Aber was wissen wir von Gott? Wissen wir mehr über ihn, als dass er der Vater des Kindes in der Krippe ist? Und auch das wäre schon viel. Kennen wir ihn wirklich nicht? Stöbern wir einmal in der Bibel und suchen nach Anhaltspunkten: "Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe." (1.Joh 4,8) Aha, es gibt also einen Anhaltspunkt! Wir wissen zumindest schon mal, wie man es nicht macht, und das ist ja schon viel! Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht. Vielleicht sind wir ja doch auf der richtigen Seite, denn wer will sich schon nachsagen lassen, dass er nicht liebt? Wir lieben unsere Kinder unseren Ehepartner, unsere Eltern unsere Mitmenschen. Also sind wir auf dem besten Weg, Gott kennen zu lernen. Denn Johannes wagt etwas Riskantes, er wagt es in einem Wort auszudrücken, wer Gott ist, oder besser was Gott ist: denn Gott ist die Liebe. Dann kennen wir ihn ja doch, wir sind doch liebende Menschen, wieso sollten wir dann also Gott nicht kennen?

Jesus sagt: Ich aber kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt. Ist das nicht Josefs Sohn? Wie kann er so anmaßend reden? Ja, so möchten wir vielleicht unseren Gefühlen Ausdruck geben. Wir möchten Gott doch kennen, wir möchten ihn verstehen, warum er dies tut und das lässt, und wenn Jesus so deutlich sagt, dass nur er ihn kennt, was bringt uns dann das Kind in der Krippe? Das Kind in der Krippe bringt uns überhaupt erst die Möglichkeit, Gott kennen zu lernen. Das kleine Kind fordert unsere Gefühle heraus. Es weckt unsere Instinkte und sorgt dafür, dass sie sich entwickeln zu einer wahren Liebe. Zu einer Liebe zu Gott und seinen Geschöpfen. Der Prediger in der Synagoge zu Nazareth fordert Widerstand heraus. Der Diskussionspartner der Schriftgelehrten sorgt für Arger in der festgefügten Gelehrtenwelt. Der Wunderheiler in Kapernaum lässt uns ratlos zurück, denn wann erleben wir solche Wunder in unserem Leben. Wir möchten so gerne unsere Ratlosigkeit und unsere Widerstände überwinden und diesem Gesandten Gottes folgen, aber erst das Kind in der Kippe macht es uns möglich, weil wir dies vorbehaltlos annehmen können. Es erscheint doch so hilfebedürftig und dabei ist es doch der einzige, der der Welt Hilfe bringen kann. Die Liebe, die wir dem Kind entgegenbringen ist ein Zeichen der Liebe dessen, der es gesandt hat. Diese Liebe ist ein Zeichen der Liebe Gottes. Und diese Liebe will das Kind uns schenken. Es will sie uns nicht vorenthalten, sondern es will, dass wir sie miteinander teilen: "Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will." (Mt 11,27) Und er will es uns offenbaren, er will es nicht verheimlichen. Gott ist die Liebe. Das Kind in der Krippe zeigt es uns, der Mann aus Nazareth hat es gepredigt und der Leidende auf Golgatha macht diese Liebe für alle möglich. Welche größere Liebe gäbe es, als das Gott sich selbst erniedrigt und seine Liebe zu uns dadurch zeigt, das er auf diese Welt kommt und die Kälte der Welt durch seine Liebe überwindet.

Und wieder ist Weihnachten! Der Baum steht da, geschmückt. Mit Sternen und Kerzen. Die Krippe steht davor, wir hören vertraute Lieder. Und die bekannten Worte der Weihnachtsgeschichte rühren uns an: Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Weihnachten ist das Fest der Liebe so sagt man. Das Fest der Liebe, die Gott uns schenkt, und die er uns durch Jesus Christus zeigt.

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