Ich warte auf euch … (Jes 30,18)

Jes 30,18
[18] Darum harrt der HERR darauf, dass er euch gnädig sei, und er macht sich auf, dass er sich euer erbarme; denn der HERR ist ein Gott des Rechts. Wohl allen, die auf ihn harren!

[Tod eines 74jährigen nach langer Krankheit.]

Liebe Familie Xxx, liebe Familie Xxx, liebe Angehörigen und Verwandte. Liebe Freunde der Familie, liebe Trauergemeinde.

Letzten Freitag ist nach langer Krankheit Xxx vor seinen Schöpfer gerufen worden. Ich möchte unser Nachdenken über sein Leben und Sterben unter einen Spruch aus dem Buche des Propheten Jesaja stellen. Wir finden ihn im 30. Kapitel, im 18. Vers:

[TEXT]

Haben wir den Tod vor Augen, so denken wir unwillkürlich an das, was uns danach erwartet. Was wird den Menschen widerfahren? Wie sieht das Gericht aus? Was passiert mit den Menschen, die an Gott nicht glauben konnten? Kein einziger Mensch, liebe Trauergemeinde, ist bisher von den Toten zurückgekehrt, auf dass er hätte erzählen können, was uns jenseits der Grenze, die Herr Xxx bereits überschritten hat, erwartet. Allenfalls können wir sehen, was die Menschen beim Sterben erleben und vielleicht Berichte hören von jenen, die eben die Grenze des Todes erreicht, aber noch nicht überquert haben. Etwas von dem, was jene Menschen berichten, konnten wir auch bei Herrn Xxx beobachten: kurz vor seinem Sterben wurden die Augen wieder klarer, der Blick wissender und vielleicht das Gemüt auch wieder ruhiger. Vielleicht kann man sagen, dass es wie eine Gnade war, nach diesen drei Jahren schwerer Bettlägrigkeit, zu welcher ihn der Schlaganfall gezwungen hatte. Den letzten Monat davon – praktisch seit seinem Geburtstag – konnte er auch nicht mehr essen. Sein Ziel, der Tod, das Sterben-können, hat er am Freitag erreicht. Wir, die wir zurückbleiben, werden ebenfalls gezwungen, loszulassen – wir lassen auch diesen Menschen ziehen mit all seinen Vorzügen und all seinen Schwächen. Und doch sagen einige von uns: „es ist, als wäre ein Stück von mir abgeschnitten“.

Wir feiern diesen Beerdigungsgottesdienst, weil wir glauben, dass nach dem Tode das Leben noch nicht aus ist. Wir glauben einen Gott, der sich der Menschen annimmt, sie richtet und sie wieder aufrichtet, auf dass sie Gnade erfahren vor seinen Augen. Es ist die zentrale Hoffnung, die die Christen darin verbindet, dass ein Gott ist, der unser Leben nicht vergisst und aus unseren krummen Wegen wieder gerade machen kann. „Darum harrt der Herr darauf, dass er euch gnädig sei, und er macht sich auf, dass er sich euer erbarme; denn der Herr ist ein Gott des Rechts.“ Ja, er ist ein Gott des Rechtes und der Gerechtigkeit. Es ist nicht unbegründet, dass die auf ihn trauen, die in diesem Leben viel Leid und Schmerzen zu erfahren hatten, denn Gott wird ihnen einen Ausgleich schaffen. Und so ist das Gericht Gottes, das uns alle erwartet wohl weniger ein Aussortieren in das Paradies und in die Hölle als vielmehr ein Zurechtrücken des Menschen hin zu dem Menschen, der er eigentlich sein sollte. Denn das wir alle Verantwortung übernehmen müssen für unsere Taten vor dem himmlischen Richter, das ist offenbar. Er wird uns fragen, was wir denn aus unserem Leben gemacht haben, aus dem Geschenk, das uns anvertraut war. Aber wird uns das fragen wie ein gütiger Vater, der weiß, dass seine Kinder nicht immer alle den rechten Weg gegangen sind. Und er wird selbst bereit sein, diese Wege wieder zu richten und die Menschen auf ihnen aufzurichten. Denn wer durch das Gericht gegangen ist, der wird gereinigt sein, von all dem Bösen und Schlechten, was ihm in der Welt anhaftete.

In diesem Wissen können wir unsere Toten ziehen lassen und dürfen loslassen von dem, was wir zu Lebzeiten nicht verstanden haben, die dunklen und gefährlichen Seiten, in der christlichen Hoffnung, dass Gott sich seiner erbarmt. Denn wer kann schon ermessen, wie es im Leben zu Veränderung und Wandel kommt. 74 Jahre ist Herr Xxx geworden, 42 davon hat er in Arbeit verbracht und Schicksale haben sein Leben immer wieder aus der Bahn geworfen und verwandelt: der Tod der Tochter bei der Geburt der Enkelin, die Verschleppung und die Vertreibungen im Osten, schließlich der Neubeginn in Deutschland, erst in Hannover, dann nochmals neu in Marktheidenfeld. „Darum harrt der Herr darauf, dass er euch gnädig sei, und er macht sich auf, dass er sich euer erbarme … Wohl allen, die auf ihn harren.“

Wer auf diesen Gott vertraut und an ihn glaubt, so wie wir ihn bei Jesaja lesen und von Christus verkündigt haben, der kann getrost mit Tod und Leben umgehen. Getrost, weil er selbst getröstet wird über erlittenes Unrecht im Diesseits und durch zu erfahrende Gerechtigkeit in neuen Leben. Die Gemeinschaft der Gläubigen, die hier immer nur sehr unzureichend abgebildet werden kann, wird dort in jenem neuen Leben nach dem Tode vollkommen werden. Die Bibel spricht im Bilde von dem neuen Jerusalem, dieser schönen Stadt mit ihren zwölf Toren. Eine Stadt, in deren Mitte ein klarer Strom entspringt und wo die Menschen in Liebe und Freude einander begegnen und ihren Gott sehen können von Angesicht zu Angesicht. Es ist ein Bild der Hoffnung und der Liebe in Gemeinschaft. So kann ich immer wieder nur einladen, angesichts des Todes, diese Gemeinschaft schon auf Erden zu suchen, nach Gott zu suchen und auf ihn zu harren. Denn – unser Gott ist ein Gott des Rechts und er ist ein gnädiger Gott. Er macht sich auf, dass er sich unserer erbarme.

Das Grab und der Grabstein, zu dem wir nachher gehen werden ist nur für uns da: eine Erinnerung, damit wir die Gedanken an Herrn Xxx sammeln können und wir gemahnt werden, angesichts des Todes selber klug zu werden. Herrn Xxx selbst finden wir dort nicht mehr. Wir glauben ihn bereits bei jenem gnädigen Gott, der sich seiner erbarmt hat und ihn aufgenommen hat in sein ewiges Reich.

Uns als Christen aber bleibt es, bei der Familie zu sein. Zu trösten und zu helfen wo es geht und hinzuweisen auf diesen Gott, der zu uns allen spricht: „Ich warte auf euch, dass ich euch gnädig sein kann, denn ich bin ein Gott des Rechts. Wohl allen, die auf mich trauen!“

Und der Friede Gottes, der weiter reicht, als wir es ahnen können, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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