Ich bin dein Glück

Predigt am 5. Jan. 2013 Sulingen über die Jahreslosung, Psalm 73,28 „Ich bin dein Glück!“

Der Pulverdampf der Böller und Raketen hat sich verzogen. Die Tage bleiben länger hell. Die Sicht wird wieder klarer. Aber noch, oder zum Glück, werden wir vieles nicht gewahr, was das neue Jahr für uns bereit hält.

Eine bewährte Starthilfe für die ersten Schritte dabei ist die Jahreslosung. So kurz wie diesmal war sie lange nicht mehr: „Gott nahe zu sein ist mein Glück!“ Bibelkenner wundern sich etwas. So kannte man den Spruch bisher nicht. Er ist verkürzt. Völlig okay, solange die Kurzform das Wesentliche wiedergibt. „Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setzte auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.“ So die Langversion.

Zumindest einige Sulinger haben am Jahresende ihr Glück gefunden. Leider gehöre ich nicht dazu. Seit Wochen lagen die zwanzig Lose in der Küche. Bei den Hauptgewinnen war schon kein Treffer. Silvester wurden die restlichen gezogenen Nummern verglichen. Wieder nichts. Kein ein einziger Treffer.
Ich gönne den beiden Hauptgewinnern, die jetzt mit ihrem Kleinwagen oder E Bike ihre Runden drehen, ihren Gewinn. Aber ob sie jetzt glücklichere Menschen sind?

Da müssen wir doch wohl unterscheiden zwischen Glück haben und glücklich sein. Der Asaf, der den 73. Psalm geschrieben hat, musste diesen Unterschied erst entdecken. Zunächst war er richtig sauer. Auf das Glück der anderen.

Er beobachtet, wie sie leben. Es geht ihnen gut. Sie haben keine finanziellen oder gesundheitlichen Sorgen. Das macht sie hochmütig. Sie geben an und führen das große Wort. Es sind Leute, denen der Glaube nichts bedeutet. Es scheint ihnen an nichts zu fehlen. Asaf kommt zu dem Urteil: „Siehe, das sind die Gottlosen. Die sind glücklich in der Welt und werden reich.“

Dieses Urteil ist definitiv falsch. Die Reichen sind nicht glücklicher. Und ganz so viele gibt es auch nicht. Wenn der Asaf heute durch die Sulinger Neubaugebebiete spazieren würde am Suletal oder an der Linderner Straße, er würde denken, booh, so tolle Häuser, was die sich alles leisten können. Ginge der zuständige Berater von Volksbank oder Sparkasse da entlang, der sieht die Außenstände und wird ganz anders urteilen.

Und noch einen Fehler hat der Asaf gemacht, den wir auch immer machen. Er denkt: Die Glücklichen, das sind die anderen. Das Glück scheint anderswo platziert, man selber ist unglücklicherweise in der falschen Firma gelandet. Beim falschen Partner. Ins falsche Haus eingezogen. Hat das falsche Studienfach gewählt. Den falschen Telefonanbieter.
Die Werbung macht sich das zunutze. Sie flüstert es uns ein. Sie singt es uns mit wunderbarer Melodie ins Ohr wie die Sirenen dem Odysseus. Und wir fühlen uns gefesselt an eine falsche Lebenskonstellation. Keine Sorge, wir helfen deinem Glück nach:

Der Wechsel ist ganz unproblematisch: Anderer Provider, anderer Stromanbieter, andere Bank, alles ganz einfach. Ein paar Unterschriften, das war´s. Den Rest erledigen wir.
Es ist wirklich ganz einfach, sagte die Schlange. Eva konnte es kaum glauben. Eigentlich hab ich es wunderschön hier. Adam himmelt mich an. Die Tiere sind alle ganz friedlich. Sie reagieren sogar auf die Namen, die er ihnen gegeben hat. Diese Farbenpracht. Die Bäume mit den vielen Früchten. Herrlich! Es ist alles da, in Fülle, Überfülle. Und dieser eine Baum mitten im Garten. Die Früchte hängen so hoch, da komm ich kaum ran. Ich hab ihn in Ruhe gelassen. Wenn Gott das so möchte, weiß er schon warum.

Aber die Schlange sagt, es ist alles gar nicht so toll. Sie sagt, Gott hat uns in ein Reservat eingesperrt. Ein frommer Gazastreifen. Abgeschnitten vom wirklichen Leben. Wenn Gott vorbei kommt, dann ist es gar nicht, um uns zu treffen und sich mit uns zu unterhalten. Er horcht uns aus. Er schirmt uns ab. Neulich fragt mich doch die Schlange, ob ich glücklich sei. Wir haben doch alles, was wir brauchen, sage ich. Sagt sie: Schon, aber es gibt noch so viel anderes. Noch brauchst du es nicht, aber man kann nie wissen.

Jetzt weiß ich es. Wir waren an dem Baum. Es war eigentlich ganz einfach. Ich weiß gar nicht mehr, wie die Frucht geschmeckt hat. Ich weiß nur, wie es danach war. Danach waren wir zum ersten Mal richtig unglücklich. Die Schlange hat sich nicht mehr blicken lassen. Wir hatten Angst vor Gott, zum ersten Mal. Dann mussten wir zum Ausgang. Hinaus in eine andere Welt. Hinter uns fiel der Vorhang. Wir haben uns noch umgedreht, aber das Paradies war nicht mehr auffindbar.
Das ist jetzt schon lange her. Gut, tot umgefallen sind wir nicht. Es lässt sich aushalten da draußen, wenn wir uns Mühe geben. Wir haben jetzt ja auch die beiden Jungs. Die müssen sich anstrengen, der eine auf dem Feld, der andere bei den Tieren. Aber mir ist nicht wohl dabei, wenn ich sehe, wie einer neidisch ist auf den andern.

Wir wollten glücklicher sein. Und haben dabei das, was wir hatten, gering geachtet. Manchmal unterhalte ich mich mit Adam darüber, wie es früher war. Dann überlegen wir: Was war das schönste? Und beide sind wir der Meinung: Gott war so nahe. Das war einfach großartig.

Asaf, der Beter von Psalm 73, kam zum gleichen Resultat. Allerdings auf anderem Weg. Er hatte verglichen. Ganz objektiv. Unwiderlegbar hatte seine Untersuchung das Ergebnis gebracht: Es gibt mehr Gottlose als Gläubige. Aber die Gläubigen haben mehr Probleme als die anderen, denen nichts heilig ist. Das Glück ist total ungerecht verteilt. Is halt so. Die Party geht anderswo ab, bei uns geht es sittsam und geordnet zu. Aber am Ende werden wir hoffentlich belohnt. Dafür, dass wir uns durchgebissen haben. So dachte Asaf: Er war ein treuer Diener Gottes, aber ein unzufriedener.

Viel Ausdauer, wenig Ausstrahlung. Und jedesmal, wenn er die anderen sah, mit ihrer Leichtlebigkeit, fühlt er den Stich im Herzen. Ich darf ja nicht, was die sich da erlauben.
Und er bleibt unglücklich. Bis dann doch die Wende kommt. Als er ins Haus Gottes geht. Wieder mal, muss man hinzufügen, denn dahin geht er oft. Aber an diesem Tag ist es auf einmal ganz anders. Er hat eine Begegnung mit Gott. Das erfüllt ihn total. Das verwandelt ihn. Von da an wird für ihn alles andere zweitrangig. „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.“ Das hört man sonst nur von unvernünftigen jungen Leuten, die sich Hals über Kopf ineinander verliebt haben. Die meinen, es genügt, wenn sie nur einander haben. Sie könnten von der Liebe leben.

Aber eigentlich ist das mit Jesus und dir genauso, wenn ihr beide wirklich zusammen kommt. Er gibt dir alles was du brauchst. Nein, mehr: Er ist alles was du brauchst.
Und wenn du mit Jesus eng verbunden bist, dann bleibt er bei dir und dann ist das Glück bei dir. Das heißt überhaupt nicht, es klappt alles. Sondern dieses Glück der Nähe Jesu begleitet dich wahrnehmbar. Es zieht andere an.

Wie bei Josef. Also dem aus dem Alten Testament, der mit den Träumen von den dicken und dünnen Ähren und den drallen und mageren Kühen. An Josef sehen wir: Das äußere Glück, einen Gönner haben, bevorzugt sein, viel haben oder kriegen, es bringt gar nichts. Das macht einen selber eitel und die anderen neidisch. Die Brüder konnten ihn nicht leiden, wegen diesem äußeren Glück, er war Vatis Liebling und bildete sich noch was ein darauf. Das äußere Glück verdirbt seinen Charakter. Er wird zur Petze: Trägt alles vor seinen Vater, wenn er etwas schlechtes über seine Brüder hört.

Die Brüder zahlen es ihm heim. Eigentlich wollen sie ihn töten. Da hat er noch Glück im Unglück, es gibt nur eine Tracht Prügel und Beugehaft im Brunnenloch. Dann verkaufen sie ihn für eine Handvoll Dollar an fahrende Händler.

Er wird also verschleppt. Auf dem Sklavenmarkt wird er meistbietend verhökert und landet auf dem Landgut eines hohen Staatsbeamten. Wahrscheinlich ist er dort einer von vielen Hausangestellten gewesen. Aber seinem Herrn, dem Potifar, fällt dieser Mann auf. Er unterscheidet sich von den anderen.

Die Bibel erzählt, inwiefern:
„Und der HERR war mit Josef, so daß er ein Mann wurde, dem alles glückte. Und er war in seines Herrn, des Ägypters, Hause. 3 Und sein Herr sah, daß der HERR mit ihm war; denn alles, was er tat, das ließ der HERR in seiner Hand glücken, so daß er Gnade fand vor seinem Herrn und sein Diener wurde. Der setzte ihn über sein Haus; und alles, was er hatte, tat er unter seine Hände. Und von der Zeit an, da er ihn über sein Haus und alle seine Güter gesetzt hatte, segnete der HERR des Ägypters Haus um Josefs willen, und es war lauter Segen des HERRN in allem, was er hatte, zu Hause und auf dem Felde.“

Auch danach lief nicht alles glatt. Josef wurde verleumdet, zu Unrecht angeklagt, zu Unrecht eingesperrt, sitzt 2 Jahre im Gefängnis. Aber das ändert nichts an dieser Charakterisierung. Auch in der Gefängnishierarchie steigt er auf, sein Rat wird gesucht, der Gefängnisdirektor schenkt ihm volles Vertrauen.
Das was den anderen an Josef auffällt ist nicht dass alles zu Gold wird was er anfasst. Es ist nicht, dass ihm Schwierigkeiten und gemein behandelt werden erspart bleibt. Seine Biografie ist ein auf und ab wie deine, ein Mix aus Siegen und Niederlagen und Hoffen und Enttäuschungen wie deine. Was aber auffällt: Der Herr ist mit ihm, und das sehen die Leute. Und deshalb fassen sie Vertrauen zu ihm. Sie merken, von dem geht Segen aus.

Zu solchen Leuten will Gott seine Kinder machen. Wie kommt es denn, dass in den Entwicklungsländen und von Bürgerkriegen und Katastrophen heimgesuchten Gegenden die Hilfsorganisationen nach den Kirchen suchen, nach den Christen suchen, wenn sie ihre Spendengelder in örtlichen Projekten investieren? Da können sie noch Leute finden, die nicht in die eigene Tasche wirtschaften.

So war auch der Josef ein Glücksbringer allen die mit ihm zu tun hatten. Und auch du sollst einer sein. Das ist der Auftrag der Gläubigen und die Bibel ist voller Geschichten von solchen gesegneten Leuten. Der Prophet Jesaja schwärmt von ihnen:
„Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König!“

Und was wurde dann aus dem Josef? Man hat ihn rehabilitiert. Denen, die ihn ins Verließ gebracht haben, trug er nichts nach. Pharo brauchte einen Minister mit Weitsicht. Er gab dem Josef bei der nächsten Kabinettsumbildung das Landwirtschaftsministerium. Anders als manch heutige Minister, die nur bis zur nächsten Wahl denken und sich dann im Aufsichtsrat einen Sessel sichern, entwickelt Josef ein langfristiges Konzept. Er hat noch Visionen, Träume. Er entwirft einen 14Jahresplan. In den folgenden 7 Jahren mit satten Haushaltsüberschüssen wird angespart. Für die folgende Zeit der Rezession sind dann Vorräte da. Mit anderen Worten. Es wechseln sich auch weiterhin ab schlechte Zeiten und gute Zeiten. Auch für Josef.

Und bei dir wird es genauso sein. Aber du kannst etwas von Josef lernen genau wie von der Jahreslosung: In den schlechten Jahren zurück greifen auf die Vorräte der guten Jahre. Auf die Vorräte der Segnungen Gottes. Die Glücksstunden. Greife darauf zurück, hole sie hervor.

Genau dazu rät die Jahreslosung im Zusammenhang. Wörtlich übersetzt, lautet sie: „Ich will mich Gott nähern, das wird mir gut sein. Übrigens dasselbe Wort für gut auch bei den guten Ähren und den fetten Kühen in der Josefsgeschichte. Ich nehme meine Zuflucht zu Gott dem Herrn, dass ich aufzähle (bzw erzähle) alle deine Werke.“

Wenn wir uns in Erinnerung rufen, wo Gott uns geholfen hat früher. Und das dann laut aussprechen, und damit uns es sagen und den anderen: Dann werden wir wieder getrost. Dann weichen die Sorgen und Unglückserwartungen. Und andere werden angeregt, mit Gott die Zukunft anzugehen und nicht auf gut Glück.

Wir vergessen diese früheren Segnungen, Glücksstunden über den Anforderungen des Alltags. Der Satan achtet besonders darauf, dass wir nicht mehr daran zurück denken, an die Stunden seiner Niederlagen, wo wir Gott gedankt und gelobt haben.

Es waren Stunden, wo Gott uns überhäuft hat mit unverdientem Glück. Und zwar in einer Lage, wo von anderer Seite nichts zu erhoffen war.
Wie beim Volk Israel auf dem Weg von Ägypten nach Kanaan. Wüste. Trostlose Lage. Da erlebten sie Wunder über Wunder. „Er ließ Manna auf sie regnen zur Speise und gab ihnen Himmelsbrot. Brot der Engel aßen sie alle, er sandte ihnen Speise in Fülle. Er ließ Fleisch auf sie regnen wie Staub. Da aßen sie und wurden sehr satt. Was sie verlangten, gab er ihnen.“

Unser Gott speist die Seinen nicht ab mit dem Minimum, er gönnt ihnen das Beste, das Sahnestück und sie dürfen noch nachnehmen. Für sich und andere.

Darum schickte er uns Jesus. Das Beste was er hat, teilt er mit uns. Wir durften Menschen begegnen, die Jesus kennen. Wir durften aus der Heiligen Schrift Rat und Kraft holen. Was sind wir doch für Glückspilze.
Dieser wunderbare Herr will dich im neuen Jahr an die Hand nehmen. Von ihm singt Andi Weiss:

Wenn niemand deine Lebensgeister weckt. Dein Naturtalent entdeckt. Und sieht was in dir steckt.
Wenn keiner dich beim Namen nennt.
Wenn sich das Leben von dir trennt und kein Erbarmen kennt:

Dann halt ich dich nur dicht an mich.
Ich lass nicht zu dass du alleine von hier gehst.
Ich geh mir dir. Halt mit dir Schritt.

Im Blick zurück siehst du: Ich bin dein Glück. Ich bin dein Glück.

Amen.

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