Hoffnungsträger/innen unter uns

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder in Christus Jesus,

Gott sei Dank sind sie mitten unter uns. Denen, die mitten unter uns sind, gilt insbesondere, was ich heute sagen möchte in Auslegung unseres Predigttextes. Mitten unter uns, mitten in ihrem Lebenskreis, mitten im Kreis derer, mit denen sie heute feiern, mitten im Kreis der Familie, mitten im Kreis der Freunde sind sie dabei.

Wen ich meine? Ich meine die Hoffnungsträgerinnen und Hoffnungsträger. Was sie tun? Sie tragen das große Licht, von dem unser Predigttext spricht, in ihren, liebe Gemeinde, in ihren Lebenskreis.

Stellen sie sich vor, sie hätten keinen Widerspruch mehr, wenn sie die Düsternis ihres Herzens über sich und die Welt ergießen würden?

Mancher kotzt sein Elend den anderen vor die Füße. Er sieht nur Streit, Dunkelheit, Hass, Ichsucht, Habgier, Faulheit, Leben im Elend. Mancher breitet das alles aus und hofft, und hofft inständig das einer da ist, der ihm widerspricht, der das, was er an Elend erleidet, in einen anderen Horizont stellt. "Das wird nix mehr mit uns", sagt man und die Seele schreit im Stillen: Bitte, bitte, widersprich mir.

Was wäre aus mancher Ehe geworden, hätte nicht einer von beiden die Hoffnung aufrecht erhalten. Was wäre, wenn kein Widerspruch mehr käme gegen das Elend? Nicht wenige unter uns haben das spüren müssen.

Was wäre aus vielen unserer Jugendlichen geworden, wären sie nicht da gewesen, die mit ihrer Zuwendung, ihrer Geduld, ihrem Verständnis, mit ihrer Hoffnung Licht in die Zukunft des Lebenslaufes gebracht hätten: Die Mütter, die Väter, die Lehrer und Lehrerinnen, die Ausbilder, die Freunde/innen.

"Du hast immer an mich geglaubt", gestehen wir manchmal, wenn uns das bewusst wird, wie sehr uns die Zuversicht eines uns verbundenen Menschen getragen und darin Leben in harter Zeit ermöglicht hat.

Ich grüße alle Hoffnungsträger/innen in diesem heiligen Raum. Wenn wir euch nicht mehr unter uns hätten. Wie arm wären wir!

Ich schweige jetzt für ein paar Sekunden, damit sie inneren Raum haben, sich derer zu besinnen, die für sie Hoffnungsträger/in sind oder gewesen sind. Falten sie ihre Hände. Wenn ihre/e Hoffnungsträger/in neben ihnen sitzt, greifen sie seine/ihre Hand.

(Stille)

Heute, der Heilige Abend, Weihnachten ist der kritische Tag für unsere Hoffnungsträger/innen. Heute sehnen sie sich ganz besonders danach, die gemeinsamen Stunden harmonisch zu erleben. Sie sehnen sich mit klopfendem Herzen, angefochten durch Sorge und Angst. Sie haben alles bereitet, vielleicht manches an sich gerissen. Seht es ihnen doch einfach nach. Unsere Hoffnungsträger/innen sind heute sehr nervös. Seid gut zu ihnen. Seid gut zu ihnen, denn sie meinen es gut mit euch, so lästig es euch vielleicht erscheinen mag.

Hoffnungsträger/innen halten das Licht fest, halten die Familie, halten den Lebenskreis, halten die Freunde beisammen.

Was wäre aus manchem geworden in seiner Krankheit, wäre nicht die Hoffnung neben ihm gesessen mit Zuversicht, mit oft hilflosen Worten, mit brennendem Herzen, mit zaghaftem Zuspruch: Es wird. Es wird schon wieder.

2. Der Glaube der Hoffnungsträger/innen

Ich habe mir fest vorgenommen, in dieser Predigt nicht von der Dunkelheit unserer Welt zu sprechen. Die kennen wir. Das Evangelium bedarf nicht der Dunkelheit, um zu leuchten.

Mich faszinieren die Worte des Propheten. In dunkler Zeit seines Volkes spricht er von Gottes gegenwärtigem Licht und verkündet uns: Was deine Schultern belastet hat ist nicht mehr da.

"Luft, Wasser, Eis. Mehr muss ich nicht sagen", erzählte mit dieser Tage eine sehr liebe Dame. "Dann wissen alle, was ich meine, Gott, den Dreieinigen. Er trägt uns, er hilft uns, er ist bei uns so fern wir uns oft von ihm wissen. So rätselhaft seine Wege oft sind."

Verzagtheit und Zweifel mögen wie Unkraut im Herzen wuchern, doch dann bahnt sich das Licht neue Wege. Gott zeigt, wie wir weiter leben können, gebeugt im Körper und doch aufrecht im Glauben. Krank und doch gesund im Herzen. Verzweifelt am Leben und doch getröstet in Zuversicht.

Jesaja 9 gehört zu den sogenannten messianischen Texten unserer Bibel. Er spricht auch heute in unsere, in ihre, in deine Lebenswelt hinein: Halte die Hoffnung fest und öffne dich dem Glauben. Das Joch, unter dem du leidest, ist zerbrochen.

Man mag einwenden und sprechen: "Ich sehe nur Lebenskampf. Ich höre das Geschrei der Streitenden. Ich spüre die Schläge. Ich lese Zeitung."

Höre aber auch dies: Das Joch auf deiner Schulter ist zerbrochen. Heute ist Weihnachten. Das wollen wir feiern. Legt alles beiseite: Eure finsteren Gedanken. Eure böse Worte. Euren Zorn. Glaubt mir: Eure Wunden heilen in der Vergebung. Lebe es: Weihnachten wird in deinem Glauben entschieden.

Schenkt einander, wonach ihr euch sehnt: Liebe. Hört auf, einander das "Jüngste Gericht" zu spielen. Das ist doch so einfach und wird geboren in diesem einen Satz: Ich vergebe dir.

3. Leidensfähigkeit

Mancher unter ihnen, liebe Gemeinde, mag jetzt denken: Heute ist er aber sehr emotional. Mein Gott, wie schnulzig wird das noch weiter gehen.

Erinnert sei, dass ich mir vorgenommen habe, die Dunkelheit nicht zu beschwören. Fehlt ihnen das? Wird das, was ich sage, erst glaubhafter, wenn ich uns unter eine dunkle Decke ziehe und damit ihren Zweifel nähre?

Als unsere Kinder noch klein waren, besaßen sie "Glühmännchen", deren fahles Licht nur unter einer muffigen Bettdecke strahlend erschien.
Wollte ich das Evangelium so darstellen, als fahles Licht unter dunkler Decke, würde ich sie, liebe Schwestern und Brüder, betrügen obgleich sie ein besseres Gefühl hätten.

Was ich aber sagen muss und was bislang noch nicht zur Sprache kam, ist die Leidensfähigkeit, die unseren Hoffnungsträger/innen abverlangt wird.

Vor vielen Jahren war ich mit einer Gemeindegruppe zusammen Gast der jüdischen Gemeinde in Nürnberg. Der Kantor hat uns nach dem Gottesdienst die jüdische Liturgie erklärt. "Warum haben sie sich mit dem Gruß `nächstes Jahr in Jerusalem` verabschiedet?", wollte jemand wissen. Daraufhin erklärte uns der Kantor die Hoffnung der jüdischen Gemeinde. Man spürte förmlich, wie schwer es ihm fiel. "Das ist halt unsere Hoffnung, das sich unsere verstreute Glaubensgemeinschaft in Jerusalem dereinst versammelt." Irgendwie hatte ich den Eindruck, er wollte sich für diese gewagte, illusionär erscheinende Hoffnung wegen der tatsächlich bestehenden Realität entschuldigen. Mir aber kommt diese Begebenheit deswegen in Erinnerung, weil ich dies sagen möchte:

Hoffnungsträger/innen müssen enorm leidensfähig sein. Blicken wir in das Licht, so müssen wir unsere Augen schützen. Blickt der/die Hoffnungsträger/in in die Welt muss er/sie das Gemüt, die Seele schützen vor der Finsternis. Hoffnungsträger/innen müssen geduldig sein, Erniedrigung ertragen, hinhörend sein, bereit, das Kreuz zu tragen. Sie müssen geduldig sein. Jahrelange oft und manchmal auch Jahrzehnte. Man sehe Gott nach, dass tausend Jahre ihm wie ein Tag vorkommen.

Messias ist der, der für Gott lebt und leidet in Hoffnung. Vorsicht aber vor denen, die sich als Hoffnungsträger/in darstellen und doch nur sich meinen. Der falsche Messias erhofft Verehrung seiner Person. Recht und Gerechtigkeit sind des Messias Maß, nicht Ichsucht. Gott schaut ins Herz, wir bleiben allzu oft am Glamour, an der Blendung hängen.

Die Messias-Hoffnung ist in Israel gereift wie alter Wein in wertvollen Fässern. Gott-Held, Wunder-Rat, Friede-Fürst. Lauter hochfahrende, glamouröse Titel standen am Anfang. In reifen, erwachsenen, durchdachten Texten heißt es: "Er wird Friede gebieten den Völkern"(Sach 9,9,). Es zeigen sich zwei Wege. Die messianische Aufgabe wird universell, weltweit. Wer heutzutage kleiner meint denken zu können lasse bitte die Finger weg von der Zukunft. Um es direkt zu sagen: Fehlt dir das Vermögen, Zukunft universell zu denken, bist zu dumm. Und das zweite: Messias, Hoffnungsträger ist, wer sozial denkt. Es ist ein "Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel". Fehlt dir, wenn du Zukunft denkst, das Herz, so wird deinem Denken die Hölle entspringen.

Liebe Hoffnungsträger/innen in diesem heiligen Raum: Prüft euch, ob das, was gerade gesagt wurde, euch trifft! Prüfen sie sich, wenn sie ihre Hoffnung auf andere setzen, wir reif, wie durchdacht, wie erwachsen sie das tun?

4. Weihnachtswunsch

Heute feiern wir die Geburt Jesu Christi. Alles, was ich bislang gesagt habe, gründet in ihm, in seinem Aufleuchten, in seiner Geburt, in seinen Wirken, in seinen Taten, in seinem Leiden, in seiner Auferstehung. Meine Worte gründen in Jesus, dem Messias unseres Lebens.

Gott sei Dank sind sie mitten unter uns. Die Hoffnungsträger unseres Lebens. Sei sind es, die – bewusst voll Glauben oder aus bloßer Sehnsucht – das große Licht, die zerbrochene Jochstange verkünden, die Messias Jesus glauben, Christus Jesus ins Herz schließen und leben.
In Christus, im Messias Jesus, ist uns die Heilung unseres Lebens erschienen. Im Messias, in Christus haben alle, die in ihrem Lebensumfeld Hoffnungsträger/innen sind ihren festen Grund, Boden unter den Füßen und Quelle der Hoffnung. Wer Christus folgt, dient dem Leben, nicht sich, dient Gott und gewinnt darin das Leben für die Geliebten.

Frohe Weihnachten wünsche ich uns allen und ich wünsche es besonders denen, die die in der Nachfolge unseres Messias leben.

Seid gut zu denen, Schwestern und Brüder, die in eurem Lebenskreis Hoffnung tragen und Diener des Messias sind für euch und das Leben, dann wird es gut für euch. Lichtträger/innen im Namen Jesu Christi helfen uns zu leben. Gott sei Dank haben wir sie bei uns.

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