Hör auf die Stimme, hör was sie sagt

Hör auf die Stimme…

Vorstellungsgottesdienst Mappach, 13.03.2016

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern, liebe Gemeinde.

Mit dem heutigen Gottesdienst wollen die Konfirmanden aus unseren Gemeinden sich der Gemeinde vorstellen. So langsam am Ende der Konfirmandenzeit angekommen, hat das auch ein Stück weit damit zu tun, nachzudenken, was denn gewesen ist im letzten Jahr. Davon haben wir eben ja auch gehört.

Als Motto und Thema haben wir die Refrain-Zeile eines aktuellen Schlagers gewählt: Hör auf die Stimme. Aber welche Stimme ist denn damit gemeint. Und was heißt das überhaupt?

Beim Nachdenken über diese Predigt bin ich darauf gestoßen, dass das Hören einer Stimme an ganz vielen Stellen unseres Lebens eine ganz wichtige Bedeutung hat. So ist das Hören der Mutterstimme etwas, das uns schon vorgeburtlich bestimmt. Das Hören der Stimme ist mitunter lebenswichtig und lebenserhalten. Die Stimme hören und unterscheiden können macht manchmal den Unterschied zwischen Leben und Tod aus. Ich denke dabei etwa an ganz unterschiedliche Tiere, die in Kolonien ihre Jungen aufziehen. Wenn da ein Junges die Stimme der Mutter, der Eltern, nicht hören und aus dem Wirrwarr der Stimmen ausfiltern kann, dann hat es von Anfang an verloren.

Hör auf die Stimme…, aber welche Stimme sollen wir denn hören. Als Jugendliche macht ihr im Moment einen großen Umbruch durch. Bisher war das Hören auf die Stimme und die Meinung der Eltern sehr wichtig für euch. Aber zunehmend müsst ihr im Prozess des Erwachsenwerdens lernen, auch andere Stimmen zu hören. Euch eine Meinung dazu zu bilden. Ja eine eigene Stimme zu entwickeln. Exemplarisch deutlich wird das ja, wenn ihr beispielsweise bei einer Wahl demnächst eure Stimme abgeben dürft.

Hör auf die Stimme…, aber da sind so viele Stimmen. Und wie soll ich mich da zurechtfinden. Ja, liebe Konfirmanden, dass ist die Schwierigkeit und Not, wenn man in Freiheit leben darf. Da gibt es nicht nur eine Stimme. Da gibt es nicht nur eine Meinung und eine Richtung; nicht nur einen Weg. Mit der Auswahl an Wegen und Stimmen ist zugleich die Chance des Lebens gesetzt; aber eben auch die Möglichkeit des Scheiterns. Das ist der Preis der Freiheit, in der wir leben dürfen. Chance und Scheitern sind die zwei Seiten der einen Medaille.

Hör auf die Stimme… Im Video haben wir eben einen jungen Mann gesehen, der ganz unterschiedliche Stimmen in ganz unterschiedlichen Situationen des Lebens hört.

Hör auf die Stimme, auf deinen Wegen, durch das Leben,
da kommen Kreuzungen, und du stehst,
du musst abwägen und überlegen, was du wählst und wofür du gehst, die bösen Geister, und all die Quäler,
immer wieder, kommen sie zurück,
es wird nicht leichter, nein es wird schwerer,
du musst ihn meistern, den nächsten Schritt,
da wo guter Rat teuer ist, du grad lost und gebeutelt bist,
war da nicht immer diese Stimme, die dir hilft und zwar immer,
Hör auf die Stimme, hör was sie sagt
..

Ach, was wäre das schön, wenn es diese Stimme zum Guten, zum richtigen Weg, automatisch in uns geben würde. Aber mit der Stimme in uns, ist das so eine Sache. Sie ist nicht einfach da. Sie ist keine wertneutrale Instanz, die immer das Richtige sagt. Diese Stimme in uns ist geprägt durch sehr viele Faktoren und Einflüsse. Viele diese Faktoren, liebe Konfirmanden, habt ihr heute Morgen mit hierher gebracht. Es sind eure Eltern, eure Familien, euer soziales Umfeld. Im Hören dieser Stimmen bildet sich eure eigene Stimme heraus. Aber je größer ihr werdet, desto größer werden auch eure Lebensradien. Und umgekehrt werden die vertrauten Stimmen durch die zunehmende Entfernung immer leiser, immer schwächer. Das ist fast so, wie wenn man hier im Dreiländereck mit dem Auto unterwegs ist und dauernd bimmelt das handy und macht deutlich, dass man den Netzbereich verlassen hat und damit auch die Stimmen, die man zu hören bekommt.

Mit dem Vorstellungsgottesdienst soll auch zur Sprache kommen, dass ihr eine ganz wichtige Stimme zu hören bekommen habt: nämlich die Stimme Gottes. Sei es im Unterricht, in den Gottesdiensten oder bei der Konfirmandenfreizeit. Bloß, wie kann man diese Stimme konservieren. Wie kriegen wir sie zum Klingen? Ich möchte im Folgenden drei Momente des Hörens auf die Stimme Gottes benennen.

1.) Gottes Stimme hören in der Vielzahl der Stimmen:

Das Volk Israel ist auf der Flucht in ein neues Leben. Sie kommen aus der Sklaverei und Unterdrückung. Auf dem Weg in die Freiheit sind sie ein leichtes Opfer für die Seelenfänger der damaligen. Auf einmal sind das so viele Angebote, was man denn braucht zum Leben und welche Helfer denn angeblich die besten Helfer sind. Das Volk Israel steht quasi vor der gleichen Entscheidung wie ihr Jugendlichen heute. Soll man dabei bleiben, dass man auf die alten, die bekannten Stimmen hören; oder wagt man neues? Wer aber sagt einem denn, dass das Neue auch ein Fortschritt ist? In der Situation der Suche nach Wegen, guten Begleitern, Halt und gleichzeitiger Freiheit macht Gott seinem Volk Israel ein Angebot.

(2Mo 23,22) Wirst du aber auf seine Stimme hören und alles tun, was ich dir sage, so will ich deiner Feinde Feind und deiner Widersacher Widersacher sein. Gott will dem Volk Israel einen Engel an die Seite stellen. Einen Begleiter. Er ist der Garant dafür, dass Israel sein Ziel erreicht, nämlich das verheißene Land. Es soll nicht verloren gehen in der Wüste. Es wird bestehen in den unterschiedlichen Streitigkeiten und Kämpfen. Das alles garantiert Gott seinem Volk. Er stellt dafür aber eine Bedingung: Dass Volk soll auf die Stimme des Engels, auf Gottes Wegweisungen und Gebote hören.

Für das Volk Israel galt wirklich, was unser Gottesdienstmotto besagt: Hör auf die Stimme, hör was sie sagt…Das sollte doch wohl keiner Diskussion und keines Zweifels mehr bedürfen. Da gibt es die Garantie zum gelingenden Leben, wenn das Volk sich in seiner Suche nach Freiheit und Zukunft an Gott bindet. Das ist die große Widersprüchlichkeit in jeder Beziehung. In der tiefsten Bindung ist die größte Freiheit zu finden. Das gilt für eine Ehe und das gilt für ein Leben im Glauben. Freiheit in der Bindung und Freiheit durch die Bindung. Das ist keine billige und beliebige Freiheit, aber eine Freiheit die trägt und sich nicht verliert.

Das Volk Israel hat es leider nicht wirklich geschafft, diesen guten Weg der Freiheit für sich zu wählen. Das ist mal gelungen und immer wieder gab es auch Scheitern und Abfall. Da war die Verlockung doch einfach viel zu groß und auch die Angst, man könnte was verpassen. Die Sehnsucht nach Freiheit hat die Menschen blind gemacht. Wie so oft im Leben hat sich die Freiheit nicht eingestellt; vermeintliche Freiheit ist doch bloß wieder in neue Abhängigkeit umgeschlagen.

Hör auf die Stimme, hör was sie sagt…. Leider hat das Volk Israel das nicht umsetzen können. In allen Irrwegen und Umwegen haben sie eines dabei aber trotzdem erleben dürfen: Gott ist treu. Seine Treue ist größer und stärker als die Untreue des Volkes. Seine Liebe hält und bindet sich an sein Volk; lässt es nicht los; gibt es nicht preis. Gott ist treu! Wohl dem, der sich auf ihn verlässt.

2.) Gottes Stimme hören; den Weg zum Leben finden.

Berichtet uns das Alte Testament davon, dass Gott dem Volk einen Engel an seine Seite gestellt hat, um es den rechten Weg zu führen, so erzählt uns das Neue Testament sogar davon, dass er selbst nun an die Seite des Volkes tritt; in Jesus Christus.

In Jesus Christus wird auf eine ganz neue Art und Weise deutlich, wie Gott uns Menschen ins Leben ruft. In einem sehr schönen Bildwort redet Jesus von sich selbst als dem guten Hirten. Um dieses Wort zu verstehen muss man sich aber einmal in die Lebenswelt Palästinas versetzen. Da wimmelt es nur so von Gefahren für Schafe. Berglöwen bedrohen die Schafe. Es fehlt an Gras und Nahrung; ganz zu schweigen vom lebenswichtigen Wasser. Die Situation der Schafe ist eigentlich ziemlich ausweglos. Aber zum Glück gibt es ja den Hirten. Auf seine Stimme zu hören heißt, zu leben; am Leben zu bleiben.

(Joh 10,27) Jesus sagt: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir. Die Schafe sind nicht angebunden. Sie können sich frei bewegen. Sie sind nicht eingepfercht, sie haben allen Freiraum, den sie brauchen. Aber eines garantiert ihnen das Überleben. Die Stimme des Hirte.

Auch hier wird genauso wieder deutlich, was ich eben sagte: Freiheit in der Bindung. Freiheit im Hören. Die Schafe müssen nicht in Zweier-Reihe marschieren. Freiheit ist möglich. Aber in der Bindung an die Stimme des Hirten bleibt Freiheit Freiheit und endet nicht in der Katastrophe.

3.) Gottes Stimme hören: ewig leben.

Ich komme nun zu meinem letzten Punkt. Im Hören auf die Stimme Gottes liegt der Schlüssel zur Freiheit. Das haben wir eben ja auch schon in der Geschichte des Alten Testaments gehört. Das Land der Verheißung steht für die offen, die sich Gott anvertrauen.

Im übertragenen Sinn ist das ewige Leben das Land der Verheißung. Wie auch in anderen Situationen entscheidet sich der Wert und die Richtigkeit eines Weges von seinem Ende her. Jedem dürfte klar sein, dass es fatal wäre, den Ausgang einer Sache gänzlich aus dem Auge zu verlieren. Wie im Film ist dann eine Sache gut gelaufen, wenn am Ende steht: happy End.

Hör auf die Stimme, hör was sie sagt…. Wenn wir heute diesen Gottesdienst mit euch Konfirmanden feiern, dann soll es eben nicht um das Ende eines Weges gehen. Ja, die Konfirmandenzeit nähert sich ihre Ende. Aber wer damit glaubt, er habe schon sein Ziel erreicht, der hat nichts aber auch gar nichts kapiert.

Über all den Wegen eures Lebens steht wie bei jedem Menschen heute hier in der Kirche die Frage: Bestätigt das Ende des Weges den Weg an sich? Oder wird mit einem Atemzug alles ausgelöscht und weggenommen, was angeblich so sicher schien.

Hör auf die Stimme, hör was sie sagt: Jesus sagt im Johannesevangelium: (Joh 5,25) Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören werden, die werden leben.

In den Unterrichtsstunden haben wir einiges von Jesus gehört. Viele Predigten habt ihr auch gehört. Ihr könnt euch ein Bild von Jesus machen. Nun geht es um die Frage, wie es weiter gehen soll. Wir aus dem Konfiteam und auch die Ältesten wünschen euch, dass der Glaube in euch reift und wächst, damit auch ihr einmal wie Petrus antworten könnt.

Wir haben es eben als Lesung gehört. Viele Menschen wenden sich nach anfänglicher Begeisterung von Jesus ab. Das ist ihnen irgendwie alles zu eng und zu verbindlich. Und da fragt Jesus: Und ihr wollt ihr auch gehen? Genau diese Frage wird uns heute wieder gestellt. Und ihr, wollt ihr auch gehen? Ihr Eltern: war es das jetzt mal wieder mit dem Kontakt zur Kirche, bis das das nächste Kind zur Konfirmation kommt, oder die nächste Beerdigung ansteht. Und ihr Jugendlichen: War es das jetzt mit euch. War ja nicht schlecht die Zeit. Ja, die Freizeit war sogar richtig gut. Aber jetzt ist es auch gut. Lass mal stecken!

Als Menschen in der Nachfolge, als Menschen im Hören auf den Ruf Jesu stehen wir unter einer wundervollen Verheißung: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören werden, die werden leben.

Die Stimme Jesu ist so wirkmächtig, dass sie sogar die Toten ins Leben rufen kann. Ja, wer in der Beziehung zu Gott, im Hören auf seine Stimme bleibt, der wird ewig leben.

Hör auf die Stimme, hör was sie sagt… Welche Stimme kann euch so etwas schon sagen oder versprechen. Hört auf die Stimme Jesu, bleibt bei ihm, glaubt an ihn, dann werdet ihr das Land der Verheißung erreichen. Dazu helfe euch und uns allen der dreieinige Gott, der uns aus Liebe zu sich ruft. Seine Stimme lasst uns hören. Amen

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