Haus Gottes

Lassen Sie sich heute, liebe Gemeinde, zu einer Zeitreise in die Vergangenheit einladen. Ort der Handlung: Ein Fest in Bethel in Israel. Zeit: etwa 750 v.Ch. Mitwirkende: Der Prophet Amos, der Priester Amazja, Besucher des Festes. Es ist das so genannte Laubhüttenfest, das im Herbst nach der Obst- und Weinernte gefeiert wird.

Bethel heißt „Haus Gottes“ und ist eine Kultstätte. Es liegt ein paar Kilometer nördlich Jerusalems. Das gelobte Land war geteilt. Das erwählte Volk hatte sich zerstritten. Es gab Meinungsverschiedenheiten über die Anwesenheit Gottes. Juda berief sich auf den Tempel in Jerusalem, Israel auf Bethel, wo der Erzvater Jakob im Traum eine Himmelsleiter schaute und von Gott Verheißungen empfing.

So ein Fest dauert mehrere Tage. Heute ist so etwas wie ein Zahltag. Die Leute, die im Tempel dienen, die Priester, Sänger, Bläser und Tempeldiener, erhalten, was ihnen zusteht. Die Besucher bringen den zehnten Teil des Ertrags von Feld und Hof. Das wird verteilt. Wer kann, gibt mehr. Schließlich sind die Priester in einem Streitfall auch Richter. Beziehungspflege nennt man das.

Wir mischen uns unter die Besucher des Festes. Ein Mann fällt uns auf, der in seinem Äußeren so gar nicht zu der Gesellschaft passen will. Er scheint direkt vom Feld zu kommen. Sein Gesicht von Sonne und Wind gezeichnet, wirr die Haare, durchdringend sein Blick. Wir folgen ihm. Langsam geht er durch die Menschenmenge. Ab und zu bleibt er stehen, beobachtet, lauscht. Er sieht einen, der sich herausgeputzt hat, hört wie er zu einem andern mit devoter Mine sagt: „Ja, der Höchste, gelobt sei sein Name, war wieder gnädig und hat uns überreich gesegnet“. Doch gleich darauf deutet er zornig auf einen, der eben vorbeigeht: „Hast du den gesehen? Der schuldet mir auch noch Geld. Immer findet er Ausreden. Aber ich sage dir, der ist nur faul.“ Wir sehen viele ärmlich gekleidete Menschen, die scheu mit hungrigem Blick umhergehen. Heute werden sie sich satt essen können. Aber wie soll es weitergehen? Heute darf jeder von dem abgegebenen Zehnten soviel essen und trinken, wie er mag. Der Brauch in unseren Kirchengemeinden, beim Erntedankfest herzhaft zu schmausen, hat also eine alte Tradition.

Da blasen die Posaunen. Amazja, der oberste Priester steht mit ausgebreiteten Armen vor dem Altar und eröffnet mit dem traditionellen Psalmengesang den Gottesdienst. „Singt dem Herrn und lobt seinen Namen. Verkündet von Tag zu Tag sein Heil. Groß ist der Herr und hoch zu loben, mehr zu fürchten als alle Götter. Denn die Götter der Völker sind Götzen, aber der Herr hat den Himmel gemacht“. Und der Chor fällt jubelnd ein und singt: „Der Himmel freue sich und die Erde sei fröhlich vor dem Herrn; denn er kommt, zu richten das Erdreich“.

Unser Blick schweift über die Menschen. Die einen blicken stolz, andere ergriffen zum Altar. Bei wieder anderen haben wir den Eindruck, dass sie in dumpfer Ergebenheit ihr Schicksal hinnehmen.

Der Gesang verklingt, Die Priester beginnen mit den Vorbereitungen des Opfers. Da hastet der Propheten an uns vorbei. Wir hören, wie er wiederholt, was der Chor sang: „Zu richten das Erdreich“. Dann stellt er sich auf die Stufen des Altars und erhebt er seine Stimme:

[TEXT Am 5,21-24 und 8,4-6 lesen]

Drohend und spöttisch hallt die Stimme des Propheten über den Tempelplatz. Entsetzt starren die Menschen auf den wild gestikulierenden Mann vor dem Altar. Auch die Priester und Tempeldiener scheinen wie gelähmt. Ahnen sie, dass dieser Fremde nicht einfach nur den Gottesdienst stören will, sondern im Auftrag Gottes spricht? Solche Propheten, oft waren es einfache Menschen, gab es ja immer wieder im Land. Mit den Worten „So spricht der Herr“ leiteten sie ihre Warnungen ein und machten auf Missstände aufmerksam. Anders als die amtlichen Propheten am Königshof. Doch bald lösen sich die erstarrten Gesichter. „Wie kommt dieser Fremde aus dem verhassten Judäa, dazu, unseren Gottesdienst zu stören?“ Was soll denn das!“ Was zunächst leise gemurmelt wird, wird lauter: „Das ist ein heiliger Ort! Hier hat unser Erzvater Jakob Gott geschaut! Hier ist das Tor des Himmels. Hier hat Gott Jakob seinen Nachkommen das Land versprochen und Segen verheißen. Wir sind die rechten Nachkommen. Wir sind gesegnet, das sieht doch jeder! Also, wir lassen uns von einem verrückten Bauern nicht das heilige Fest verderben!“

Der Tumult wird größer. Der Prophet tritt unter die Menge unter und redet auf die aufgebrachten Menschen ein. Der Priester Amazja lässt einen Psalm intonieren, der Gottesdienst geht weiter, aber die Menschen bleiben unruhig. Nach dem Gottesdienst wird weiter diskutiert. Die Meinungen sind geteilt. Die einen sagen: „Recht hat er, das musste einmal gesagt werden. Die Ungerechtigkeit ist doch nicht zu übersehen. Reiche werden immer reicher und Arme immer ärmer. Hast du schon mal einen Reichen einen Prozess verlieren sehen? Die stecken doch alle unter einer Decke. Unrecht wird verbogen. Immer werden wir benachteiligt“. Andere sagen: „Dieser Mensch muss verschwinden, er stört die Ordnung. Reiche und Arme wird es immer geben, das steht auch in den heiligen Schriften. Wir halten die Gesetze, geben Almosen und den Zehnten und um das Religiöse kümmern sich die Priester. Der Mann soll wieder dorthin, wo er hergekommen ist, in Judäa mag er predigen!

Am Abend hatte sich die Lage beruhigt. Die Menschen saßen beim Essen und Trinken zusammen. Die Worte des Propheten schienen vergessen. Der Priester Amazja zieht sich zurück, will einen Boten an den König senden und ihn von dem Auftreten des fremden Propheten berichten. Das ist überliefert:

[TEXT Am 7,10-11 lesen]

Da tritt Amos in den Raum. Der Priester scheint nicht überrascht und ohne lange zu zögern fährt er ihn an:

[TEXT Am 7,12-13 lesen]

Auch die Antwort Amos ist überliefert: Er stellt sich vor und bekennt:

[TEXT Am 7,14-16a lesen]

Und dann folgen eine Reihe von Warnungen und Drohungen von denen ich nur eine noch lese:

[TEXT]

Wir kehren zurück zum Hier und Jetzt. Amos und Amazja und die Könige Israels sind nicht mehr. Bethel wird Sie vermutlich erinnern an das große Werk der Diakonie in Bielefeld. Der Name „Haus Gottes“ ist nicht an Ort und Zeit gebunden. Auch die Kirche wird Gotteshaus genannt. Aber vielleicht haben Sie es die ganze Zeit schon gemerkt, so fremd ist das nicht, was der Prophet damals im Auftrag Gottes gesagt hat. Ich kenne Christen, die meinen, es wäre an der Zeit, dass sich wieder Menschen wie Amos rufen und senden lassen. Was Gott ihnen zu sagen auftragen würde, dürfte sich kaum von dem unterscheiden, was Amos predigte. Ich kenne Menschen die beten, dass Gott einen Hunger ins Land schicken möge. Nicht nach Nahrung, sondern nach dem Wort Gottes. Das findet sich in der Bibel. Jesus sagt: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern. Wer von diesem Brot isst, wird leben in Ewigkeit. In den meisten Häusern Europas, soweit sie getaufte Christen beherbergen, gibt es eine Bibel. Aber nur wenige haben Hunger auf das Wort, das Gott spricht. Das Angebot an außerbiblischer Kost ist groß und so leicht zu bekommen. Es ähnelt dem Brot des Lebens, macht aber nicht wirklich satt. Man will immer mehr und bleibt doch unbefriedigt. Das Brot des Lebens von dem Jesus spricht, macht lebenslänglich satt. Sie, liebe Gemeinde, kennen das Brot. Sie wissen es zu schätzen, sonst wären Sie nicht gekommen. Noch können wir es anbieten. In Fülle. Noch können viele Menschen davon essen und den Lebenshunger stillen. Noch. Der Prophet spricht davon, dass es einmal nicht mehr zu haben sein wird. Der Hunger wird groß sein und die Menschen werden überall in der Welt danach suchen und es doch nicht finden. Wenn ich es richtig sehe, sind schon viele unterwegs. Sie hätten es nicht nötig, in die Ferne zu schweifen, denn das Gute liegt ganz nah.

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