Gute Zeiten, Schlechte Zeiten. (Ps 31,16a)

Ps 31,16a
[16a] Meine Zeit steht in deinen Händen.

(Wecker läutet. P. geht zur Kanzel) Ah, es ist soweit. Die Zeit ist da. Zeit für die Predigt. Wie gut, dass ich die Uhr dabei habe, mit Alarmfunktion!

Ja, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde! Es ist Zeit. Heute morgen, da hat der Wecker Ihnen und Euch wahrscheinlich genau wie mir unmissverständlich deutlich gemacht:
Es ist Zeit, Zeit aufzustehen. Mir ist das gar nicht leicht gefallen: am Sonntag, und dann so früh! Ich weiß, das manche von Ihnen auch darüber geseufzt haben (– außer Torben vielleicht …). Und ohne den Wecker hätten wahrscheinlich viele von uns glatt verschlafen, ich auch!

Manchmal stelle ich ihn mir übrigens auch während des Tages. Z.B. wenn ich etwas wichtiges vorhabe und vergessen könnte, rechtzeitig auf die Uhr zu gucken. Denn ich will ja die Zeit nicht verpassen.
Eine Bekannte von mir stellt sich auch regelmäßig den Wecker, während des Tages. Aber nicht, weil sie einen wichtigen Termin hat. Nein, weil sie jeden Tag um eine bestimmte Zeit den Fernseher anstellen muss. GZSZ. Vielleicht kennt ja jemand diese Serie? Sie läuft im Vorabendprogramm, so wie „Verbotene Liebe“ und der „Marienhof“.
Also, meine Bekannte, die ist ganz heiß darauf. Da geht es nämlich darum, wer mit wem, und ob die mit dem oder auch nicht und vielleicht ja doch, usw usf. Sie jedenfalls fiebert jeden Tag mit; freut sich mit dem Glück des einen, leidet mit dem Pech einer anderen, findet die ja so gemein, und einen anderen total süß. GZSZ – gute Zeiten, schlechte Zeiten – die will sie auf keinen Fall verpassen.

Mich wundert das etwas. Denn: gute Zeiten, schlechte Zeiten, die verpasst mit Sicherheit absolut niemand in seinem Leben! Ihr Konfirmanden z.B.: Ihr habt heute – hoffe und wünsche ich jedenfalls für euch – eine richtig gute Zeit. Hier im Gottesdienst und nachher bei dem Fest, gemeinsam mit der Familie. Da steht Ihr im Mittelpunkt, da geht es um euch, da wird es allen doch mal richtig klar, wie erwachsen ihr schon geworden seid, wieviel Glück Eure Eltern mit euch haben (das muss ja auch mal gesagt werden!). Und vielleicht gibt’s ja auch die Möglichkeit, Rückblick zu halten, auf die Zeit, die inzwischen hinter euch und eurer Familie liegt. Gute Zeiten, Schlechte Zeiten. Auch die kennt ihr. Und ihr wisst. Nicht immer läuft alles so am Schnürchen, wie wir uns das wünschen und erträumen. Wenn es in der Schule nicht so richtig klappt. Wenn andere sich über einen lustig machen. Wenn die Eltern miteinander Stress haben, oder jemand, den ihr lieb habt, sehr krank wird oder sogar stirbt. Ich weiß, alles das gibt es in Eurem Leben.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten, die liegen auch vor Euch. Und Ihr seid Realisten. Ich habe das gemerkt, als ich Eure Konfirmationsurkunden schrieb und die Sprüche las, die Ihr für Euch ausgewählt habt. Sie sind ja so etwas wie ein Motto für Euer Leben, wie etwas, an dem Ihr euch festhalten könnt in guten und in schlechten Zeiten. Manche von Euch haben da Sprüche rausgesucht, die sprechen davon, dass im Leben nicht immer alles glatt läuft. Sie erzählen davon, an wen ich mich dann wenden kann, woran ich mich halten kann. Und sie sprechen von eurer Sehnsucht nach einem Leben, das gelingt.

In dem Psalm, den wir vorhin gesprochen haben, da sagt jemand: „Herr ich hoffe auf dich und spreche: du bist mein Gott. Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Meine Zeit steht in Gottes Händen. Eure Zeit steht in Gottes Händen, gute Zeiten und schlechte Zeiten.

Ich finde das ein schönes Bild, das mit den Händen Gottes. Wenn ich das nachspüre, dieses: „Gott, meine Zeit liegt in deinen Händen“, dann kann man da verschiedenes raushören: Einer meint vielleicht: Es liegt an Gott, was in unserem Leben passiert. Was kommt, das kommt, und wir müssen uns ins Unvermeidbare fügen. Aber, ehrlich gesagt, das kann ich vielleicht am Ende meines Lebens, wenn ich alt und lebenssatt bin, so empfinden. Aber taugt das auch, wenn ich mein Leben doch erst so richtig gestalten will, wenn ich es gerade in meine eigenen Hände nehmen will? Da muss ich doch auch darauf achten abzuwägen und meine Entscheidungen verantwortlich treffen. Da sollte ich immer auch bedenken: wohin führt die Entscheidung, die ich jetzt treffe, was für Auswirkungen hat sie auf andere Menschen? Kann ich oder sollte ich versuchen, etwas zum Besseren zu verändern? Da muss ich schon selber ran und kann die Verantwortung nicht einfach abschieben an andere oder gar an Gott.

Wenn ich dieses Gebet spreche, dann denke ich eher an etwas ganz anderes: Hände sagen ja etwas über einen Menschen aus, z.B. über die Art seiner Arbeit. Sie erzählen die Geschichte eines Menschen, sie zeigen sein Alter. Und jede Hand trägt in sich die Spuren des Lebens, Furchen und Linien sind da eingegraben. „Gott, meine Zeit steht in deinen Händen“ – da höre ich, dass wie die Linien in der Handfläche meine Lebenszeit eingegraben ist in Gottes Hand. Und das heißt: Ich bin in Gott. Ich bin nicht nur bei ihm. Dann könnte er sich von mir entfernen oder ich mich von ihm. Wir könnten uns verlieren. Manche denken das: wenn es mir schlecht geht, dann ist Gott ganz weit weg. Wenn andere Menschen mich verlassen – bin ich dann ganz allein? Sogar Jesus hat am Kreuz geschrien: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Aber nein, „meine Zeit steht in deinen Händen“. Meine Zeit ist wie eine Furche in Gottes Hand und gehört zu ihm, fest verbunden. Darum sage ich jedem und jeder von Euch: Du gehörst zu Gott. So wie die Linien in meiner Hand zu mir gehören, so gehört meine Lebenszeit zu Gott. So sicher und unzertrennlich die Linien durch eure Hände gehen, so sicher gehört Euer Leben zu Gott. In guten und in schlechten Zeiten, immer, unverlierbar.
Wenn du denkst, du wärst allein – du bist es nicht. Wenn du dich von allen verlassen fühlst – Gott spürt dich in seiner Hand. Wenn du dich fragst, wo Gott ist – Gott weiß, wo du bist. Wenn du glücklich bist und dich freust – Gott lacht mit dir.

In der Heiligen Taufe seid ihr verbunden worden mit Gott, für alle Zeit.
Heute sagt ihr: Ja, ich weiß es, ich bin ein Teil von ihm. Ich bin eine Spur in Gottes Leben. Und in diesem Wissen will ich mein Leben leben und verantworten.

Es ist ein Geschenk, das zu wissen – denn dieses Wissen – oder dieser Glaube – trägt einen durch jede Zeit, durch gute und durch schlechte Zeiten. Und es lohnt sich für euch, für jeden hier unter uns, es sich immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, ja, diese Worte zu beten. Denn das mit dem Beten, das hört ja mit der Konfirmation nicht auf. Das hört auch mit einem Gottesdienst nicht auf. Mit Gott sprechen, das kann ich jederzeit. Und was ich in guten Zeiten geübt habe, daran kann ich mich auch in schlechten Zeiten besser erinnern.
Manchmal tut es auch richtig gut, wenn man sich das fest vornimmt. Z.B. morgens, wenn der Wecker klingelt, dann zu Gott zu sagen: „Danke, dass du mir diesen Tag gegeben hast. Lass mich etwas Gutes damit anfangen. Meine Zeit steht in deinen Händen.“

(Wecker) Die Zeit ist um. Die Zeit meiner Predigt, eure Konfirmandenzeit. Doch der Wecker zeigt uns auch: Es ist soweit. Jetzt. Die Zeit ist da. Ob gute Zeiten oder schlechte Zeiten – jederzeit steht unsre Zeit in Gottes Hand. Und – damit Ihr das auch nicht vergesst, habe ich euch einen Wecker mitgebracht, der euch die Zeit ansagt. Er ist ganz handlich, ein Reisewecker, damit Ihr ihn überall mit hinnehmen könnt. Dazu einen Brief mit einem Foto von einer schönen Zeit, die wir gemeinsam hatten. Das verteile ich euch nun während des nächsten Liedes.

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