Gottes Seilschaft

(Als Symbol bei der Ansprache diente ein 15 Meter langes Seil aus dem Baumarkt, in das für jedeN KonfirmandIn eine Schlaufe eingeknüpft war. Dieses Seil habe ich an der entsprechenden Stelle der Predigt wie eine Stola über den Talar gelegt und bis zum Ende des Gottesdienstes getragen.

Mit der Verlesung ihrer Konfirmationssprüche bekamen die KonfirmandInnen ein ca. 1 Meter langes seil mit einer Schlaufe und einem eingehängten Karabinerhaken in Fischform geschenkt. (für 1€ hier zu beziehen: http://www.verlagambirnbach.de/index.php?mode=details&artikelnummer=5764-3841&rslr=faGP)
Mit diesem Karabinerhaken haben sie, statt sich beim Segen nach dem Abendmahl die Hände zu reichen, in das lange Schlaufenseil eingehängt.

Der Konfirmandenunterricht wurde nach „Das Holk Projekt“ gestaltet.)

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

was kann ich euch heute, an eurem großen Tag,
sagen und mit auf euren Weg geben?
Ist ja vielleicht die letzte Gelegenheit für mich, euch noch mal was zu sagen…..
Es sei denn, ihr wollt weiterhin so verlässlich in den Sonntagsgottesdienst kommen, wie bisher.
Das habt ihr nämlich wirklich gut gemacht.
Da war eure Gruppe echt top.

Aber ich fürchte, ihr habt nun andere Pläne für den Sonntagmorgen….

Kennt ihr die Geschichte von der Kirchengemeinde, die ein Taubenproblem im Kirchturm hatte?

3 Pfarrer beklagen das Taubenproblem in der Kirche.
Der erste erzählt, er habe sich ein Gewehr besorgt, jedoch außer Einschüssen im Stuck habe er nichts erreicht.
Der zweite schildert, wie er die Tauben eingefangen und 500 km weiter ausgesetzt hat.
Sie seien eher wieder zurückgewesen als er.
Der dritte hat die Lösung gefunden: Er tauft und konfirmiert die Tauben.
Anschließend sieht er sie nie wieder!

Das ist leider oft die Erfahrung die wir machen –
mit der Konfirmation endet ein Weg, den wir gut ein Jahr lang zusammen gegangen sind.
Manche Wege trennen sich, neue Wege tun sich auf.
Dennoch – wir werden uns bestimmt das ein oder andere Mal noch begegnen –
in der Schule, im Dorf.

Und vielleicht im Düsselstrand am 26. Juni!
Wir müssen ja unseren Gewinn noch einlösen.
Was kann ich über euch und eure Gruppe sagen:

Nein, ihr seid nicht die frechste Gruppe aller Zeiten gewesen – sorry!
Und noch mal sorry – die liebste Gruppe aller Zeiten wart ihr auch nicht.

Aber vielleicht gerade deswegen haben wir, Gabi und ich,
euch schon ein Stückchen ins Herz geschlossen.
Ihr wart eine große Gruppe.
Und ein gute Gruppe.
Kreativ, selbstbewusst,
laut und oft auch sehr klug.

Und manchmal auch richtig ausgekocht.

Was wir mit Sicherheit niemals vergessen werden,
ist die letzte Konfifahrt mit euch vor drei Wochen.

Zum einen, weil ihr es geschafft habt,
trotz fantastischem Wetter euch zu konzentrieren
und ein Glaubensbekenntnis zu schreiben,
von dem ihr alle gesagt habt,
dass ihr das guten Gewissens sprechen könnt,
weil es euren Glauben in Worte fasst.
Damit habt ihr das Ziel der Konfirmandenzeit erreicht.
Damit habt ihr gezeigt,
dass ihr euch selbstständig in der Welt der Kirche und des Glaubens bewegen könnt,
nachdenken könnt
und Meinungen fassen könnt.

Zum anderen werden wir die Konfifahrt mit Sicherheit niemals vergessen,
weil ihr uns ausgetrickst habt.

Aber so was von.

Ihr habt es geschafft,
Bewegungsmelder lahm zu legen,
Betreuer in Sicherheit zu wiegen
und gemeinsam in den ersten Stock zu gelangen,
ohne Treppen oder Aufzug zu benutzen.

Darum habe ich ein Symbol für eure Gruppe gefunden,
das ziemlich gut passt,
besonders zu diesen beiden unvergesslichen Ereignissen.

(Leine mit Knoten und Karabinerhaken in Fischform als Stola umhängen)

Eine Leine mit Schlaufen.
Und ein Karabinerhaken.

Denn das wünschen wir uns im Nachhinein:
Das ihr wenigstens eine Sicherheitsleine benutzt hättet
bei Eurer Freeclimbing-Aktion.
Eine Leine, die euch hält und auffängt,
wenn der Fuß doch mal abrutscht.
Eine Leine, die euch Sicherheit gibt.

Und ein Haken, mit dem ihr euch in die Leine einhaken könnt.

Gott sei Dank ist euch nichts passiert.
Im wahrsten und wörtlichsten Sinne:
Gott sei Dank!

Immer eine Sicherheitsleine zu haben – das ist es, was wir euch wünschen
und was ich euch heute in diesem Gottesdienst mitgeben möchte.

In diese lange Leine habe ich für jede und jeden von euch eine Schlaufe eingeknüpft.
So kann diese Leine ei Symbol für eure Gruppe werden.
Als Gruppe habt ihr an einer Leine gehangen,
und manchmal auch an einem Strang gezogen.
Nicht alle von euch waren immer gleichzeitig in die Leine eingepickt.
Aber ihr gehört alle dazu.

Jeder von euch hat seine Schlaufe in dieser Konfigruppen-Leine.
Genauso wie jeder von euch eine Schlaufe in der Leine der Gemeinde hat.
Denn mit der Konfirmation seid ihr für die Gemeinde keine Kinder mehr.
Ihr seid vollwertige Gemeindeglieder geworden.

Letztlich hängt unsere ganze Gemeinde,
unsere Kirche
und auch unser Leben und unsere Welt an einer Leine.
Der Leine Gotte nämlich.

Und in der Leine Gottes ist für jeden von euch und für jeden von uns eine Schlaufe eingeknüpft.
Die ist da, ob wir sie nutzen oder nicht.

Eine Schlaufe, in die wir uns einhängen können.
Damit die Leine uns auffängt, oder trägt.
Damit wir uns an der Leine orientieren können
Oder gemeinsam mit anderen daran rumhängen.

Klar können wir auch freeclimben.
Wir müssen uns nicht in die Leine hängen.

Aber trotzdem ist sie da.
Und die für euch vorgesehene Schlaufe wird nicht aufgelöst,
auch dann nicht,
wenn ihr die Leine mal eine Zeit lang nicht benutzt habt.
Sie ist auch dann noch da
Immer für euch da.

Was ich euch damit sagen will:
Wo auch immer das Leben euch hinführt,
was auch immer ihr erleben werdet
Gott will
und Gott wird euch begleiten
und euch begegnen.
Und Gottes Sicherheitsleine wird immer da sein,
wenn ihr sie braucht.
Egal wann, egal wo – ihr könnt euch darauf verlassen,
dass ihr euch in Gottes Seilschaft immer einhängen könnt.

Denn nichts anderes ist die Kirche,
ist diese,
eure und unsere Gemeinde:

Gottes Seilschaft in der Welt.
Die Gemeinschaft der Menschen,
die Gott glauben
und im Vertrauen auf ihn gemeinsam unterwegs sind.

Mit eurer Konfirmation,
mit eurem ganz eigene Glaubensbekenntnis
hängt ihr euch ein in diese weltweite Leine.

Als Symbol dafür habe ich euch einen Karabinerhaken besorgt.
Einen besonderen
In Fischform nämlich.
Geheimzeichen Fisch.
Das Erkennungszeichen der ersten Christen.

Die ersten, die an Jesus Leine hingen, waren Fischer.
Also keine Kletterer, wie ihr.
Aber auch die haben Seile und Leinen dringend gebraucht.

Das hier ist in der Tat auch eine Bootsleine, kein Kletterseil.

Und der Karabinerhaken ist auch kein wirklicher Kletterhaken,
sondern ein Schlüsselanhänger.

Also tut mir den Gefallen:
KEINE EXPERIMENTE!
Diese Ausrüstung taugt nicht, um den Mount Everest damit zu besteigen.
Und auch nicht, um Fassaden damit zu überwinden.
Dafür gibt’s Treppen!

Aber diese Ausrüstung taugt,
um die Erinnerung an eure Konfizeit wach zu halten.

An den Weg den ihr und wir gemeinsam gegangen sind.
Auf dem ihr uns und wir euch ein wenig kennengelernt haben.
Auf dem wir Leonie und Benne und Anna und Maggie und Niko begegnet sind.

Und diese Ausrüstung taugt, um an den Engel Holk zu erinnern
und seine Frage,
ob denn die Menschen heute Gott überhaupt noch brauchen.

Haben wir diese Frage in eurer Konfizeit beantworten können?

Ich glaube ja.
Ich finde ihr habt eine gute Antwort gefunden auf die Frage, ob Menschen
Wir und ihr
Heute Gott noch brauchen.

Ich darf euch zitieren:

Ich glaube,
dass Gott mir viel auf den Weg mitgegeben hat,
er aber jedem den freien Willen gegeben hat,
so dass jeder sein Leben
selbst bestimmt und lenkt.

Ich glaube, dass ich bei Gott Hilfe finden kann.

Daran mögen euch dieses Stückchen Seil und diese Fische,
dieser kleine Karabinerhaken immer erinnern:

Gott hat euch viel auf euren Weg mitgegeben
Alles was ihr braucht, für ein ganzes Leben.

Ihr seid noch nicht erwachsen.
Aber ihr seid auch keine Kinder mehr.
Ihr beginnt ganz eigene Wege zu gehen,
Sachen auszuprobieren.
Vieles wird euch gelingen.
Manches wird schief gehen.

Möge euch diese kleine Seil und eure Karabinerhaken immer daran erinnern,
dass ihr, bei Gott
und bei seinem Bodenpersonal, der Gemeinde
immer Hilfe finden könnt.
An seiner Sicherungsleine ist immer eine Schlaufe für euch frei.

Bleibt gespannt,
was Gott euch in eurem Leben noch so alles schenken will und wird.
Und bleibt ab und an mal angeleint.
Hängt euch ab und an mal rein in Gottes Seilschaft.

Und sei es nur,
damit wir uns ab und an mal wieder begegnen.
Denn das fände ich sehr schön.

print

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen