Gottes Begnadigung eines Sünders

Liebe Gemeinde,
Heilige Orte haben Konjunktur. Z. B. der Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Spanien, Lourdes in Südwest Frankreich, Rom in Italien, Jerusalem u.v.m.

Viele gläubige, auch nicht gläubige, Menschen suchen heilige Wege und Ziele. Auch Prominenz nutz den Weg nach Santiago für eine Auszeit. Warum ist das so? Vielleicht hat das zu tun mit einer heimlichen Sehnsucht nach Gott. Auch mit der Schwierigkeit, dass das Heilige nicht greifbar ist.

Der Weg zu einem solchen „Heiligen Ort“ kann zum Weg der Erkenntnis werden. Allerdings, ist der „Heilige Ort“ dann oft eine Enttäuschung. Zum einen wegen des Rummels, des Kommerzes und der Unmengen von Menschen an solchen Orten. Zum anderen vielleicht auch, weil der „Heilige Ort“ so gar nicht dem entspricht, was sich die Pilger vorstellen.

Zu einem Heiligtum gehört auch immer eine Legende: Es heißt, in Rom sei Petrus gewesen. In Santiago liege das Grab des Apostels Jakobus. In Lourdes sei Maria erschienen.

Eine solche Legende wird auch im Alten Testament erzählt: Hören wir den Predigttext im 1. Mose 28, 10-19a

Jakob, der Sohn von Isaak und Enkel von Abraham war auf der Flucht. Er hatte seinen Vater betrogen. Die Augen des Isaak waren durch das hohe Alter schon sehr geschwächt. Jakob hatte sich als sein Bruder Esau verkleidet und sich so den Vater-Segen erschlichen. Der Segen des Vaters, war dem Erstgeborenen vorbehalten und hätte Esau zugestanden. Nun war der Segen ausgesprochen und es gab keine Möglichkeit diesen zurückzunehmen. Das führte zum Krieg zwischen den Brüdern.

Auf der Flucht vor Esau durchquerte Jakob die Wüste. Unbewusst kam er der Heimat seiner Ahnen, seinen Wurzeln und seinem Gott ganz nahe. In der Nacht hatte er einen Traum – eine Erscheinung. An diesem Ort, an den er wegen seiner Erbschleicherei geflohen war, kam ihm Gott ganz nahe. Gott selbst stellte eine Verbindung zu Jakob her. Später hatte ihm Gott zu „Israel“ umbenannt und mit ihm sein Volk.

Ich kann mir gut vorstellen, wie wichtig dieser Sachverhalt in der Geschichte Israels war und ist. Wie sie erzählt wurde in Zeiten der Gottesferne. Immer dann, wenn die Menschen wussten, dass sie sich gegen Gottes Willen vergangen hatten. Wenn sie ihre Brüder und Schwestern um ihre Rechte und Ansprüche betrogen hatten. Dann erinnerten sie sich, wie sich Gott dem flüchtigen Betrüger gezeigt hatte.

Durch den Betrug an seinem Vater und der Flucht aus dem Vaterhaus war ihm auch der Gott seines Vaters verloren gegangen. Er war heimatlos geworden. Es gab kein Haus Gottes mehr für ihn. Unstet wie ein Nomade zog er durch die Wüste.

Und dann mitten auf der Flucht hatte Jakob diese Erscheinung und darin Gottes Verheißungswort: (1. Mose 28, 13-15),

13 Der Herr sprach: Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. 14 Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden. 15 Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.“

Mit diesen Worten stellte sich Gott dem Jakob neu vor und versicherte, dass der Segen bleibt. Auch dass Gott mit ihm sei – überall. Mit dieser Gewissheit war an diesem Nächtigungsplatz ein heiliger Ort entstanden. Jakob gab ihm den Namen: Beth-El – Haus Gottes! Allerdings, verweilen in der Wüste war nicht. Er musste weiter, um die Verheißung zu erleben.

Jakob gründete ein Heiligtum, an diesem dürfen sich die Menschen erinnern: Gott kommt dem Menschen entgegen. Auch und besonders dem Menschen, der Fehler gemacht hat und auf der Flucht vor den Folgen ist.

Gott besucht den Menschen, gerade in seiner Schuld. Er ist überall bei denen, die zu ihm gehören, auch an Orten, wo sie nicht mit ihm rechnen.

Eine große Leiter, auf der Engel auf- und absteigen können, ohne sich zu behindern. Jakob verspürte keine Lust hochzusteigen. Er wollte Brot essen, Kleider anziehen und in Frieden heimkehren. Er hatte den Ort gefunden, wo sich Himmel und Erde berühren.

Diese Geschichte hat eine Zweifelhaftigkeit. Dieser durchtriebene Jakob war ein Betrüger und ihm erschien Gott? Und Gott erneuerte die Verheißung, ohne Bedingungen zu stellen? Der Erbschleicher wurde von Gott aufgesucht und gerecht gesprochen.

Bethel war erst einmal kein Ort, an dem der Mensch Gott suchte. Sondern Gott suchte hier den Menschen. Er erneuerte, trotz allem was geschehen war, seine Verheißung. Über Bethel stand, für Jakob, der Himmel offen. Und aus diesem kam der Segen: „Ich bin mit dir!“ auch auf allen Um- und Abwegen.

Gott erneuerte die Verheißung, die er Abraham gegeben hatte. Er erneuerte den Vertrag, obwohl der Partner untreu geworden war. Der Partner hatte sich nicht auf Gottes Zusagen verlassen. Gott ist frei genug, auch die Sünder zu berufen. Was aber nicht heißt: mach was du willst, Gott beruft dich.

Durch diese Begegnung kam Jakob zur Ruhe, auch Israel fand seine Ruhe. Ruhe, die sich in festen Heiligtümern dokumentiert. „Heilige Orte“ als solche, gibt es nicht. Aber Orte, wo man sich Gott besonders nahe fühlt. Ein heiliger Ort ist dort, wo ich Gott nahe bin und seinen Zuspruch und Anspruch spüre.

16 Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht!“ Dieser Satz provoziert mich: Wie oft komme ich in den Wüsten meines Lebens an die Stätte Gottes und merke es nicht?
Der Friede Gottes, der höher ist als alles was wir erkennen können, öffne unsere Augen, Ohren und Geist für sein Wirken, und bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Michael Schäfer.)

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