Gott wird abwischen alle Tränen -Albrecht Burkholz zum Totensonntag 2020

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Liebe Gemeinde,

Sie haben eine Zeit der Trauer hinter sich. Sie haben auch noch eine Zeit der Trauer vor sich. Heute gedenken wir unserer Verstorbenen in besonderer Weise.

Hier in der Kirche, einem besonderen Schutzraum der Gnade.

Hier in der Kirche, gemeinsam mit anderen Trauernden und Glaubenden und Trostbedürftigen. Hier in der Kirche, indem wir für unsere Verstorbenen Kerzen anzünden und ihnen wünschen, dass das ewige Licht ihnen leuchte.

In diese unsere Situation hinein klingen himmlische Worte. Ich lese Offenbarung 21,1-7 Basisbibel

Dann sah ich einen neuen Himmel

und eine neue Erde.

Denn der erste Himmel und die erste Erde

sind verschwunden.

Und das Meer ist nicht mehr da.

2Und ich sah die heilige Stadt:

das neue Jerusalem.

Sie kam von Gott aus dem Himmel herab –

für die Hochzeit bereit wie eine Braut,

die sich für ihren Mann geschmückt hat.

3Dann hörte ich eine laute Stimme

vom Thron her rufen:

»Sieh doch:

Gottes Wohnung bei den Menschen!

Er wird bei ihnen wohnen

und sie werden seine Völker sein.

Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein.

4Und er wird jede Träne abwischen von

ihren Augen.

Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben,

kein Klagegeschrei und keinen Schmerz.

Denn was früher war,

ist vergangen.«

5Der auf dem Thron saß, sagte:

»Sieh doch:

Ich mache alles neu!«

Und er fuhr fort:

»Schreib alles auf,

denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.«

6Dann sagte er zu mir:

»Es ist geschehen!

Ich bin das Alpha und das Omega,

der Anfang und das Ende.

Wer Durst hat,

dem gebe ich umsonst zu trinken.

Ich gebe ihm von der Quelle,

aus der das Wasser des Lebens fließt.

7Wer den Sieg erringt,

wird das alles als Erbe erhalten.

Ich werde sein Gott sein

und er wird mein Kind sein.

 

Ich finde, diese Worte passen wunderbar hier in die Kirche. Sie ist nach oben gerichtet. Wir schauen hier nach oben und gleichzeitig nach innen. Wir sind auf Gott ausgerichtet. Und auf die himmlische Zukunft, die uns erwartet. Und wir sind verbunden mit den Menschen mit denen zusammen wir trauern.

Keine Tränen mehr. Das, was früher war, ist vergangen. Das kennen wir von den Abschieden, durch die wir schon gegangen sind. Irgendwann tritt die Trauer in den Hintergrund und das Leben ist wieder da. Das Erste ist vergangen, heißt es in der Lutherbibel.

Und wer oder was ist da? Der, der Alpha und Omega ist, also der Anfang und das Ende. Der, der unsere Zeit in Händen hält. Der für uns wie eine schützende Burg ist. Mitten in der Trauer, der uns begleitet durch schwierige Zeiten und uns eine Zukunft öffnet hier in dieser Welt und in der kommenden Welt.

Ich hätte gerne, dass Sie von diesen himmlischen Worten etwas mitnehmen in Ihre stillen Stunden zuhause oder in die schlaflosen Stunden in der Nacht. Denn das ist unsere Zukunft, auf die wir ausgerichtet sind. Das ist die irdische und die göttliche Welt, die mit unserer Welt schon längst verwoben ist. In Gott sind wir verbunden, wir Lebenden und unsere Toten. In Gott ist auch für uns das Erste vergangen und die Tränen sind schon abgewischt. Es ist schon da. So wie die Zukunft schon da ist.

Stellen Sie sich vor, Sie sind unterwegs auf einer Wanderung. Sie kennen das Ziel, denn sie waren schon mal da. Sie wissen auch noch ungefähr, wie weit es ist. Sie freuen sich schon auf das kühle  Getränk und das gute Essen dort. Sie sind schon fast da. In Ihrer Erwartung ist es da. In Ihrer Vorfreude ist es da. In Ihrer gespannt Ausgerichtet sein sind Sie quasi schon da.

So sind wir Christen unterwegs mit Jesus Christus zu einer besseren Erde und zum Himmel.

Oder besser gesagt: der Himmel ist unterwegs zu uns. Das Ziel bewegt sich auf uns zu. Die Zeit vergeht mit unserer Trauer und die Zukunft, die uns verändert, rückt näher. Und die Zeit verändert uns und unsere Trauer. Wir verändern uns Tag für Tag. Wir leben unser Leben. Und am Ende gibt Gott uns eine bleibende Gestalt bei ihm.

Wir alle sind unterwegs zu der Zukunft, die Gott uns bestimmt hat. Und diese Zukunft wird eine gute sein. Das sagt uns unser Predigttext. Das sagt uns die Hoffnungs- und Glaubenskraft, die in uns allen ist, und die sich in einem Gottesdienst gegenseitig verstärkt. Selbst in Coronazeiten, wo wir Abstand halten müssen und nicht singen dürfen. Immerhin dürfen wir Gottesdienst feiern und die Orgel hören. Unsere Zukunft wird eine gute sein. Das sagt uns unsere Erfahrung. Wenn wir mitten in der Trauer Trost spüren. Wenn wir mitten in unserem Alleinsein eine Nähe spüren, die uns von dem zukommt, von dem wir kommen und zu dem wir gehen.

Gehen Sie Ihren Weg der Trauer weiter. Nehmen Sie sich immer mal wieder Zeit, sich auf den zu besinnen, der mit Ihnen geht. Er ist in Ihnen. Gott ist ja da. Vielleicht nehmen Sie sich eine Bibel oder ein Gesangbuch oder etwas anderes, das Ihnen guttut. Musik z.B. Und dann öffnen Sie sich. Öffnen Sie Ihre Seele.

Vielleicht hilft es Ihnen, etwas auswendig zu lernen. Das kann man sich viel tiefer vergegenwärtigen. Beim Aufwachen oder Einschlafen. Alles ist gut, was Ihre Seele mit unserer eigentlichen Wirklichkeit verbinden kann. Unsere eigentliche Wirklichkeit, das ist unsere Zukunft, in die wir gehen. Unsere Zukunft, die uns entgegenkommt. Abgewischte Tränen. Kein Leid. Kein Geschrei. Kein Schmerz mehr. Gott mitten unter den Menschen. Eine große Gemeinschaft hier in unseren wie auch immer gebrochenen Gemeinschaften und dort in der himmlischen Stadt. Die Probleme werden hinter uns liegen.

Die gute Zukunft ist jetzt schon für uns da, je mehr wir sie uns vergegenwärtigen.

Also, wir wandern. Wir sind erschöpft. Die Füße tun schon etwas weh. Aber wir wissen. Noch diese Abbiegung. Und dann noch diese Abbiegung. Dann kommt das Ziel. Und das Ziel ist schön. Es ist erquickend. Es wird gut tun. Es ist so nah. Daran zu denken, tut jetzt schon gut.

Liebe Trauernde,

gehen Sie Ihren Weg der Trauer mit Gottes Segen. Ein Tipp zum Auswendiglernen noch zum Schluss, den Sie vielleicht sowieso schon auswendig kennen:

Jesu geh voran

Auf der Lebensbahn

Und wir wollen nicht verweilen

Dir getreulich nachzueilen.

Führ uns an der Hand

Bis ins Vaterland.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere menschliche Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben. Amen.

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