Gott war zu Beginn der Adventszeit auf der Erde

Gott war zu Beginn dieser Adventszeit auf der Erde, auch in unserem Land, in unseren Städten. Er wollte mal nachsehen, wie wir uns auf das Geburtstagsfest seines Sohnes vorbereiten. Ob wir das würdevoll tun. Er wollte sehen, wie wir dieses Fest feiern, was wir daraus gemacht haben. Was meint ihr, wie wird sein Urteil gewesen sein? Ich glaube, vorsichtig ausgedrückt: nicht alles, was er da sah, hat ihn froh gemacht. Manchmal soll er nur lange da gestanden und sich umgesehen haben, um zu verstehen, was da so vor sich ging. Das Haus, in das die Menschen strömten, war, wie er feststellte, nicht die Kirche, sondern das Kaufhaus. „Gut, dass das keine Kirche ist“, beruhigte er sich selbst, „die Musik, die da dudelt, ist unerträglich.“ Er ging an den Schaufenstern entlang. Da warb ein Kaffeehersteller: „Jede Woche eine neue Welt.“ Gott musste schmunzeln – das würde nicht einmal er schaffen – geschweige denn wollen. Obwohl – ganz in Ordnung schien ihm unsere Welt auch nicht. Aber deshalb gleich eine Neue? „Nein, ich entlasse sie nicht aus dem Schöpfungsauftrag diese Welt zu bewahren!“ dachte er bei sich. „Ob die Menschen noch begreifen, worum es zur Weihnacht geht? fragte er sich manchmal. Dann sah er die nächste Reklame: „Geiz ist geil!“ – „aber doch bitte nicht bei Spenden und Kollekten!“ murmelte er. Nein, vieles kam ihm so vor, wie …er suchte nach passenden Worten und sein Blick viel auf eine große Werbung: genau „saubillig“ – hohl und leer. Es kränkte dass viele Menschen zu dieser Zeit viel mehr den Weihnachtsmann feierten, aber nur das erklärte ihm, dass sie so feierten, und das beruhigte ihn, denn das hatte mit ihm und seinem Sohn nichts mehr zu tun. Er war irritiert. Er war sicherlich viel Licht gewohnt aus dem Himmel, aber das ganze Geblinke und Leuchten strengte ihn doch an. So setzte er sich an einem Brunnen nieder. Dort saß ein Junge. Mit dem kam er ins Gespräch. Sie sprachen über das Leben, über Weihnachten, über Gott und die Welt. Selten hatte sich der Junge so verstanden, geborgen und vorbehaltlos angenommen gefühlt. Endlich jemand, der ihn verstand. Deshalb fragte er: „ Hast du auch einen Sohn?“ Gott zögerte einen Augenblick: Sollte er sagen: ja, viele Milliarden Kinder, alle Menschen, die da sind, die da waren, die da kommen. Aber das würde den Jungen überfordern. Also fing er an von dem einen, besonderen Sohn zu sprechen. „Oh ja“, sagte Gott, und begann die Geschichte zu erzählen. „Es begab sich aber zu einer Zeit, da in Rom der Kaiser Augustus herrschte … Der Junge hörte gebannt zu. Und während er lauschte, öffnete sich ihm das Herz und der Himmel – was im Grunde genommen eins ist -. Und es war ihm, als ob er selbst in die heilige Nacht hineingezogen würde. Er spürte förmlich den Frieden, den die Engel verkünden.

Liebe Schwestern und Brüder, nicht weniger suchen wir in jedem Gottesdienst und in jedem Jahr wieder besonders am Heiligen Abend. Das Wort vom „Frieden auf Erden“ muss immer wieder neu in unser Leben und in unsere Welt hinein gesprochen werden. Solange dieses Wort noch gesprochen und verkündet wird und Licht und Kraft von ihm ausgehen, solange wir nicht aufhören, vom Frieden zu träumen und uns mit Herz, Sinn und Verstand, mit Wort und Tat für ihn einzusetzen, solange brennt in uns das Licht der Hoffnung: dass Frieden möglich ist, dass Vergebung eine Chance hat, dass die Liebe den Hass besiegt, dass Gerechtigkeit über Unrecht siegt, dass die Auferstehung dem Tod seine Dunkelheit nimmt. Damals wie heute hat das Wort von der Liebe Gottes und vom Frieden auf Erden es schwer, sich auszubreiten. Es ist kein Machtwort, das donnernd von oben gesprochen und durchgepeitscht wird, sondern es ist ein Wort, das zunächst sich lieblich und sanft im Gesang der Engel, dann im Lächeln eines Kindes und anschließend in den unbeholfenen Worten der Hirten ausbreitet. Es wächst von unten, es geht von Mund zu Mund, von Mensch zu Mensch, von Herz zu Herz. Und es hat die ganze Kraft des Heiligen Geistes, jeden Menschen und die Welt zu verändern. Aber es trifft auf Völker, die Krieg führen, auf Menschen, die im Streit liegen, auf Menschen, die sich in Trauer, Angst und Sorge von Gott verlassen fühlen. Das Dunkel, das den Stall umgibt, kennen wir alle. Und wir alle haben die Sehnsucht, dass Gottes alles durchdringende Liebe auch aus unserem Herzen einen Stall macht, aus dem Licht nach außen dringt, so dass wir selbst erleuchtet werden, und zugleich andere mit diesem Licht einladen. Jedes Licht, jede Kerze hat die Kraft, die Dunkelheit um sich zu vertreiben. Solange die Kerze brennt, hat die Dunkelheit keine Chance, das Licht zu verschlingen und zu löschen. Das Licht ist stärker als die Dunkelheit, es kann die Dunkelheit vertrieben, nicht umgekehrt!

Und Gott erzählt dem Jungen weiter von seinem Sohn, davon, dass die Geburt im Stall ein Vorzeichen für sein ganzes Leben war. Denn er ging zu den Menschen, die arm und ohne Hoffnung waren, er ging zu denen, die begannen am Leben und an Gott zu zweifeln, er heilte die Menschen, er schenkte Vergebung und Liebe. „Die Menschen müssen ihn auch sehr geliebt haben. Sie müssen in Scharen zu ihm gekommen sein, oder?“ fragte der Junge. „Nein, mein Junge“, sagte Gott. „Die Menschen spüren zwar alle, dass es nichts Wichtigeres als die Liebe gibt, aber es fällt ihnen schwer zu lieben. Lieben ist Nehmen und Geben. Das Geben fällt ihnen oft schwer, sie haben Angst dabei etwas zu verlieren Dabei wissen sie, dass sie, wo sie etwas geben, in ihrem Herzen auch viel empfangen. Und wer sich auf den Glauben einlässt, muss etwas verloren geben. Der muss sein altes Leben verloren geben, um ein neues, aber viel Glücklicheres zu gewinnen. Glauben ist wie neu geboren werden. Jeder Mensch trägt die Liebe und den Glauben in sich, wir gehen alle schwanger damit, aber die meisten Menschen lassen dieses Kind nicht wachsen, obwohl sie damit endlich zu sich selbst fänden. Denn jeder Mensch kommt zwar als Mensch zur Welt, doch er muss lernen, ein wahrer Mensch zu werden. Dazu musst du im Glauben neu geboren werden. Nein, mein Junge, die meisten Mensch haben meinen Sohn nicht geliebt. Die Mächtigen hatten Angst um ihre Macht, weil ihre Macht, die auf Gewalt beruhte, durch ihn bedroht war, die religiösen Führer seines Landes fürchteten um ihr Lehrgebäude, das er ins Wanken brachte. Die meisten haben gar nicht erkannt, wer er in Wirklichkeit war und ist.“ Und dann erzählte Gott dem Jungen auch folgende Begebenheit. Sie ist nachzulesen bei Johannes im 7. Kapitel:

[TEXT]

Liebe Schwestern und Brüder! Jesus schrie. Und dieser Schrei durchbricht die stille Nacht. Ich möchte mich für einen Augenblick lösen von meiner Geschichte um Gott und den Jungen, um mit Euch über diesen Zwischenruf nachzudenken. Es ist ein Schrei der Verzweiflung: die Menschen erkennen ihn nicht, sie verschließen die Augen vor ihm, sie verschließen die Ohren vor seinem Wort. Sie sehen und sie hören, aber sie glauben nicht. Sie feiern lieber den Weihnachtsmann als Gott. Es ist ein Schrei der Offenbarung: ich bin der Sohn Gottes! Doch Jesu Worte sind doppelbödig. Er sagt: ihr wisst, wer ich bin, ihr kennt mich, aber ihr er-kennt mich nicht. Ihr kennt mich als Jesus aus Nazareth, Beruf Zimmermann. Doch ihr erkennt mich in Wirklichkeit nicht. Denn nicht Nazareth ist meine Herkunft, sondern Gott selbst. „Wer mich sieht“, so kann Jesus anderer Stelle sagen, „sieht den Vater.“

Ich möchte diese Frage als Spiegel benutzen für uns selbst. Wisst ihr, wer ihr seid? Wenn wir uns vorstellen, antworten wir auf diese Frage auch meistens mit Name, Herkunft und Beruf. „Ich bin Daniel Birkner, komme aus Bredstedt und bin Pastor.“ Ist es das, was wir wirklich sind? Sind wir nicht mehr? Auch wir sind viel mehr! Sind aus Gott geboren. Es heißt im 8. Psalm: "Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk."

Wir sind wenig niedriger als Gott, der uns, wie es im Schöpfungsbericht heißt, zu seinem Ebenbild als Wesen geschaffen hat, deren Kern und Bestimmung die Liebe ist. Diese Botschaft ruft uns die Weihnacht immer wieder ins Gedächtnis unseres Herzens zurück. „Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts“ ruft uns der Verfasser des Epheserbriefs zu. Mir ist es deshalb auch zu wenig, wenn das Lebensmotto lauten soll: Jeder möge nach seiner Facon glücklich werden. Das ist zuwenig. Denn ein Mensch, der sein Leben vor dem Computer oder Fernseher zubringt, fügt zwar nicht einmal einem anderem damit Schaden zu, hat aber, selbst wenn er dabei glücklich wird, zu wenig aus seinem Leben gemacht. Er hat sich selbst Schaden zugefügt. Unsere Bestimmung ist zu lieben. Liebe, Gerechtigkeit und Glauben auszuteilen, für den Frieden einzutreten, die Schöpfung zu bewahren. Jeder an seinem Ort und mit seinen von Gott gegebenen Möglichkeiten. Jede Liebe ist Geben und Nehmen. Gott schenkt uns aus lauter Liebe seinen Sohn, er will um unsere Liebe werben, damit wir daraus die Kraft zur Nächstenliebe finden. Geht dem Durst eurer Seele nach, setzt euch selbst zu Gott an den Brunnen.

Fürchtet euch nicht! Nicht vor Gott, nicht vor der Liebe. Setzt euch zu ihm. Gebt Gott die Hand, denn euch ist heute der Heiland geboren. „Wie ging es weiter?“ Wollte der Junge wissen. „Es wurde dramatisch und traurig“, antwortete Gott. „aber schließlich geschieht etwas, dass das, was zur Weihnacht im Stall geschieht noch übertrifft!“ „Was?“, fragte der Junge. Gott schwieg einen Moment. Dann sah er den Jungen an und lächelte: „Zu Ostern treffen wir uns hier am Brunnen wieder. Dann erzähle ich dir den Rest.“

print

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen