Gott verwandelt Fluch in Segen (Dtn 23,6)

Dtn 23,6
[6] Aber der HERR, dein Gott, wollte Bileam nicht hören und wandelte dir den Fluch in Segen um, weil dich der HERR, dein Gott, lieb hatte.

[Tod nach schwerer Krankheit]

Wir sind hier zusammengekommen um von N.N. Abschied zu nehmen. In unsere Trauer hinein wollen Worte der Heiligen Schrift sprechen, wie sie aufgeschrieben sind im 5. Buch Mose im 23. Kapitel (V 6): „Der Herr, dein Gott wandelte dir den Fluch in Segen um; weil der Herr, dein Gott, dich liebhatte.“

Liebe Angehörige, liebe Trauergemeinde! Wie ein Fluch kommt er uns vor, der Tod. Und da kann auch das Alter von N.N. nichts ändern. Denn dieser Tod zeigt doch deutlich sein Gesicht. All die Tage, Wochen und Monate, wo er Menschen ans Bett fesselt, sie sprachlos, freudlos und hilflos macht. Wie sich auch der alte Mensch jäh verändert, wenn der Tod nach ihm greift. Was macht er aus Menschen, deren Augen einmal blitzten und deren Wangen einmal voll waren. Es tut uns weh, das mit anzusehen; so weh, dass wir schon wieder von einer Erlösung sprechen, wenn der Tod sein Werk endlich vollbracht hat.

Auch die Bibel betreibt keine Schönfärberei, wenn sie vom Tod redet. Der Tod ist der Sünde Sold, sagt sie (Römer 6/23). Der Tod ist wie ein Fluch, den unsere Welt auf sich gezogen hat, weil sie sich von Gott losgesagt hat. Und so muss wohl jeder Tod auch etwas davon haben. So müssen wir in jedem Tod auch etwas davon erkennen. Mehr oder weniger. Mehr wenn das Sterben ein Kampf ist. Weniger, wenn der Sterbende schließlich friedlich einschlafen darf.

An Sterbebetten müssen wir unsere Hilflosigkeit dem Tod gegenüber eingestehen. Dem Sterbenden gegenüber sind wir hilflose Helfer, denn wir sehen in ihm doch nur unser eigenes Schicksal, dem wir einmal nicht entgehen. Wir können mit dem Tod nichts machen. Er ist es, der uns in der Mache hat. Ein Fluch ist es, unter seiner Herrschaft zu sein.

Unser Bibelvers trägt dieser Tatsache Rechnung. Aber er ruft uns heute am Sarg von N.N. Gott in Erinnerung. Den Gott, der uns in unserem Leben nicht nur Gutes wünscht, sondern auch viel Gutes zukommen lässt. Das ist mit dem biblischen Wort vom Segen gemeint. Segen, der auch im Leben von N.N. zur Entfaltung gekommen ist. Betrachten Sie all die guten Erinnerungen, die Sie in dieser Stunde und in Zukunft an N.N. haben. Alles voran Sie in Dankbarkeit zurückdenken.

Und dieser Segen tritt nun nicht einfach in Konkurrenz zu dem Schlechten, das uns im Leben auch zukommt. Gott wiegt uns das Leidvolle im Leben nicht einfach nur mit Gutem auf. Gott ist kein Krämer. Denn welches Glück kann den Tod aufwiegen? Und wer kann schon aus vollem Herzen Danke sagen für die letzten Jahre, in hohem Alter vielleicht, aber in Krankheit, Einsamkeit und ohne rechte Freude am Leben?

Nein, liebe Trauergemeinde, Gott hat ein anderes Geschäft. Er ist am Werk, Fluch in Segen zu verwandeln. Er will nicht zulassen, dass der Tod das letzte Wort über unser Leben behält. Und was kann dem Tod Schlimmeres passieren, als das er uns Menschen letztendlich nicht in den Griff bekommt, sondern von Gott zum Türsteher degradiert wird, zum Türsteher an der Pforte zum Himmelreich. Kein größerer Spott für den Tod, als das der Glaube sogar singen kann: Sterben ist mein Gewinn (EG 516/1).

Fluch in Segen zu verwandeln, das ist Gottes Geschäft. Ein schweres Geschäft, das wir erst recht ermessen, wenn wir betrachten, was Gott selbst es sich kosten lässt. Auch Gott kann den Tod nicht einfach abschaffen. Auch Gott muss in Jesus Christus den bittren Tod erleiden. Er muss ihn sich erst ans eigene Leben gehen lassen, um ihn zu überwinden. Der Tod hat Macht. Solche Macht, dass auch der Christus im Sterben vor Angst zittert und vor Gottverlassenheit schreit. Selbst Gott graust vor dem Tod. Aber er geht den Weg unseres menschlichen Leidens und Sterbens aus einem Grund: Weil er uns lieb hat.

Er wandelte den Fluch, ja den Fluch des Todes in Segen, weil er uns lieb hat. Deshalb dürfen wir als Christen glauben und sagen. Der Tod Jesu Christi bedeutet für uns Heil, Segen und Leben. Kein größerer Spott für den Tod, als dass er am Kreuz Jesu zum Heil der ganzen Welt und ihrer Menschen dienen muss.

Sicher, auch für Christen bleibt das Sterben und das Abschiednehmen von lieben Menschen schmerzlich. Und auch Christen tut es weh, anderen im Leiden und Sterben beizustehen. Aber wir dürfen angesichts von Leid und Schmerzen unseren Blick auf das Kreuz Jesu Christi richten und festhalten, dass der Tod als Fluch seine Macht verloren hat. Was er mit uns auch anstellen mag, er muss uns zum Besten dienen. Darauf wollen wir heute am Sarg von N.N. fest vertrauen.

Und in diesem Vertrauen werden uns heute zwei Dinge leichter fallen. Einmal das Abschied nehmen. Denn unsere Toten, sie gehen in den Tod und durch den Tod hindurch mit dem gekreuzigten Christus. Christen verschwenden deshalb keinen Gedanken an die Kälte und Dunkelheit eines Sarges. Und sie glauben auch nicht der Botschaft der Bilder von sterbenden Menschen, vom Fluch und von der Macht des Todes, auch wenn sie uns oft noch lange im Traum nachgehen. Wir dürfen auch diesen Bildern den Abschied geben im Blick auf den auferstandenen Herrn.

Denn er wandelte den Fluch des Todes in Segen um, weil er uns lieb hat. Die Liebe hat keine Angst vor dem Tod. Sie hält ihm stand. So hält es Gott mit uns, und so sollen wir es auch untereinander halten. Das ist nicht selbstverständlich. Man läuft heute lieber vor dem Tod davon. Man redet nicht über ihn. Ja, man tut so, als gäbe es ihn gar nicht. Und deshalb machen viele lieber einen weiten Bogen um kranke, sterbende und trauernde Menschen. Im Vertrauen auf den Gott, der Gott sei Dank keinen Bogen um uns vom Tod bedrohte Menschen macht, wird es Ihnen auch in Zukunft leichter fallen, sich um solche Menschen zu kümmern.

Alle Menschen müssen sterben. Aber wohl dem, der dann eine helfende Hand, ein freundliches Wort nicht vermissen muss. Sie, die Sie sich bis zuletzt um N.N. gekümmert haben, sie gepflegt und besucht haben, haben nicht weniger getan als ihm/ihr ein Zeichen zu geben, wie auch Gott zu uns ist.

Sicher, da bleibt das Gefühl der eigenen Unsicherheit und Unvollkommenheit nicht aus. Und auch ein solcher Abschied im Guten, wie wir ihn jetzt von N.N. nehmen wollen, hinterlässt immer etwas, was unfertig geblieben ist, was man sich schuldig geblieben ist, Worte, die man noch sagen wollte. Wir überlassen auch das alles Gott, in der Hoffnung, dass er auch unsere Unvollkommenheit und Schwachheit in Segen wandelt. Weil er uns lieb hat.

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