Gott sieht alles! (Ps 17,8)

Ps 17,8
[8] Behüte mich wie einen Augapfel im Auge, beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel.

[Durch ein Fernglas in die versammelte Gemeinde schauen …]

GOTT SIEHT ALLES … – er sieht wirklich alles: was du tust und lässt, was du denkst und redest, wo du gerade bist und wie du lebst. Glaube ja nicht, du könntest dich seinem Blick entziehen! Stets verfolgt er dich … er kennt dich besser als du dich selbst … jederzeit prüft er dich …

[Fernglas absetzen …]

Vielen Menschen wurde – und wird leider noch bis heute – Gott mit solchen Sätzen madig gemacht. An einen solchen Gott zu denken ist wirklich unangenehm. Weil man den Eindruck bekommt, dass er wie ein Geheimdienstler hinter dir her ist und dich ständig argwöhnisch beobachtet nur um den Augenblick zu erwischen, an dem du dich daneben benimmst. Tja und dann gnade dir Gott, wie man so schön sagt …

Dass sich Menschen Gott so vorstellen, liegt wohl daran, dass es in der Bibel tatsächlich viele Stellen gibt, die man so missverstehen kann. Da ist zum Beispiel davon die Rede, dass Gott ganz nahe bei uns ist und ganz tief in uns hineinschauen kann, sogar bis in unser Herz, wo sich unsere intimsten Gefühle befinden, die wir vor anderen – und manchmal sogar vor uns selbst – verstecken. So eine Vorstellung von Nähe kann schon beklemmend sein.

Dass Gott ganz genau hinschaut, das stimmt! Das kann man auch aus einem Teil des Taufspruches herauslesen, den X und Y für den N.N. ausgesucht haben: „Behüte mich wie einen Augapfel im Auge …“, heißt es da im Psalm 17. Aber damit ist nicht gemeint, dass sich N.N. nun die ganze Zeit beaobachtet fühlen soll. Es bedeutet vielmehr: Sei ganz nahe bei mir, lass mich nicht aus den Augen, behandle mich wie das Kostbarste, was du besitzt. Denn ich brauche dich.

[Fernglas aufsetzen]

Also: Gott sieht alles – das stimmt schon. Aber nicht, um dich zu beobachten, (Fernglas absetzen) sondern um dich zu begleiten!

So verstanden ist Gottes Nähe überhaupt nichts einengendes, sondern befreiend, weil sie mir die Angst im Leben nimmt, alles allein durchstehen zu müssen – gerade weil ich darauf vertrauen kann, dass da jemand ist, der mich kennt und mich manchmal besser versteht als ich mich selbst.

Dass N.N. damit nicht in Ketten gelegt wird, macht auch der zweite Teil des Taufspruchs ganz deutlich. Der lautet nämlich: „Beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel.“ Das ist – wie ich finde – ein tolles Bild. Denn es bedeutet: Wenn du Gott brauchst, kannst du dich beim ihm verkriechen. Aber wenn du fliegen willst, hält er dich nicht zurück.

Ich glaube, viel von dem, was Gott dem N.N. in der Taufe verspricht, werdet Ihr, X und Y, als Eltern mittragen und miterleben. Ihr selbst werdet N.N. wie euren Augapfel behüten, ihn nicht aus den Augen lassen wollen und für ihn da sein, wenn er euch braucht. Aber ihr müsst ihn später auch einmal seinen eigenen Weg gehen lassen, wenn er dazu bereit ist. Wie der aussehen wird, das wissen wir jetzt noch nicht. Aber ihr dürft darauf vertrauen, dass Gott ihn nicht aus den Augen lässt. Das bewahrt ihn nicht vor den schwierigen Erfahrungen, die jeder Mensch in seinem Leben machen muss. Aber es wird ihm helfen, in ihnen nicht zu verzweifeln und ihm das Gefühl geben, ihnen nicht vollkommen ausgeliefert zu sein.

Und dann noch einen Tipp, wenn die Flegeljahre kommen und später dann die Abnabelungsprozesse beim N.N. losgehen: So ein Fernglas kann man auch herumdrehen. [Fernglas umgekehrt aufsetzen.] Dann wirkt alles viel viel kleiner, man bekommt einen anderen Blickwinkel, alles scheint weiter weg zu sein. Das heißt, gelegentlich kann es auch für Euch als Eltern gut sein, das ein oder andere aus der Distanz zu betrachten, Eure Eltern werden mir da bestimmt zustimmen können. Das fällt zwar oft schwer, aber es macht manches leichter.

Auf jeden Fall ist Gott in allem bei Euch und hat ein Auge auf Euch.

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