Gott nimmt sich seiner Geschöpfe an (Jes 49,16)

Jes 49,16
[16] Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet; deine Mauern sind immerdar vor mir.

[Bei einem ungeborenen Kind konnten bei einer frauenärztlichen Untersuchung die Herztöne nicht mehr festgestellt werden. Die Trauerfeier fand im engsten Familienkreis statt.]

Liebe Eltern unserer N.N.

die letzten Tage und Stunden waren sehr schwer und sehr belastend für Sie. Und wenn ich „belastend“ sage, dann meine ich wirklich die Last der Trauer und Ratlosigkeit, mit der Sie zu tun haben. Und diese Ratlosigkeit teile ich seit dem Trauergespräch. Seitdem ich die Bilder Ihrer totgeborenen Tochter N.N. gesehen habe, hat sich mein Verhältnis zu diesem Kasus geändert.

Denn dieses Bild werde ich so schnell nicht los: Dieser kleine Mensch, den Kopf seitwärts liegend, zugedeckt mit einer warmen kuscheligen Decke, neben dem Köpfchen ein Kuscheltier und das eine kleine Händchen lag über den Saum der Decke.

Das hat uns drei alle tüchtig angerührt und auch ich wurde in diesen Tagen immer wieder an dieses Bild erinnert.

Es ist schon gravierend, was Sie durchgemacht haben und es wird Spuren hinterlassen, denn wir begraben heute nicht nur Ihre Tochter, sondern mit ihr eben auch Hoffnung. All das, was Sie diesem kleinen Menschen geben wollten, den Schutz, die Geborgenheit und vor allem die Liebe, die so ein Kind braucht, all dies ist Ihnen jetzt seit dem 8. August versagt worden.

Auch wenn man mit Kirche und Glauben nicht viel zu tun hat, auch wenn einen Fragen des Glaubens nicht unbedingt nahe gehen, ich kann mir schon vorstellen, dass gerade Ihnen seit diesen Stunden die Frage nach Gott in den Sinn gekommen ist. Was ist das für ein Gott, der uns so etwas zumutet? Wie muss man sich diesen Gott vorstellen? Kann man diesen fremden und fernen Gott eigentlich auch wirklich Vater nennen? Es ist möglich, dass Ihnen beiden solche Fragen gekommen sind – ich weiß es nicht ganz genau, aber vorstellen kann ich es mir doch zumindest.

Es kann ganz gut sein, dass uns solche Fragen kommen, denn wer sich mit solchen Fragen auseinandersetzen will oder soll, der muss sich auch mit sich selbst und mit seiner ganz eigenen Position beschäftigen.

In Ihrer Situation geht natürlich nicht gleich – zu tief ist die Trauer zu beklemmend der Schmerz, wenn man solch eine Erfahrung gemacht hat wie Sie. Aber wer weiß, wenn Sie künftig am Grabe Ihrer Tochter stehen, dann kann es sein, dass Sie es spüren, Gott ist uns nahe, auch wenn wir ihn nicht sehen. Gott ist uns nahe auch und gerade in dieser unsagbar schweren Zeit. Sehen können wir Gott nicht, aber er wird sich Ihnen ein weiteres Mal zu erkennen geben, seitdem Sie Ihre Tochter gehabt haben. Sehen werden wir ihn später, dann wenn wir bei ihm sind.

Heute an diesem Tag aber haben wir sein Wort, ein Wort, das unverbrüchlich ist, ein Wort, das Gott selber durch seinen Profeten Jesaja sagt:

[TEXT]

Nein, Sie werden Ihr Kind nicht vergessen. Ganz bestimmt nicht. Aber Sie werden es noch merken: Wenn Tage, Wochen, Monate und Jahre vergangen sein werden, dann wird sich auch die Trauer geändert haben. Das ist das eine, was ich in Anlehnung an unser Wort sagen kann. Und das andere ist dies: Unser aller Schicksal, unsere Zeit ist eingezeichnet in Gottes Hände. Wir dürfen uns aufgehoben wissen in seinen Händen, denn er steht zu seinem Wort. Und wenn wir nun dieses Wort eingezeichnet sein in seine Hände bedenken, dann kann es sein, dass uns die Hände von Jesus einfallen, wie er da am Kreuz auf Golgatha hängt und wo tatsächlich die Wundmale mittels von Nägeln in seine Hände eingegraben waren. Auch diesen Jesus, der für uns gestorben ist, hat Gott nicht vergessen, sondern hat sich seiner angenommen, hat ihn nicht im Tod gelassen, sondern hat ihn auferweckt.

Warum hat er das getan? Er tat es, damit uns deutlich wird, wer sich Gottes Liebe überlässt, wer seinem Wort vertraut, der wird nicht im Tod bleiben, sondern wird ihn schauen und wird bei ihm sein und bleiben.

Gott nimmt sich seiner Geschöpfe an, denn wir sind zum Bilde Gottes geschaffen worden und er hat uns lieb.

Die Liebe, die Sie Ihrer Tochter geben wollten, den Schutz, den Sie ihr gewähren wollten, wird sie jetzt von Gott bekommen. N.N. geht nicht verloren. Wir dürfen in dieser Stunde gewiss sein, dass Ihre kleine Tochter bei Gott ist, denn auch Sie ist Gottes Geschöpf.

Liebe Eltern unserer N.N., ich wünsche Ihnen in dieser Zeit, die vor Ihnen liegt, Gottes Geleit.

print

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen