Gott ist mit euch (Ps 23,1 + Ps 91,1 + Ps 139,5)

Ps 23,1
[1] Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Ps 91,1
[11] Der Herr hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Ps 139,5
[5] Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Liebe Taufgemeinde,

alle unsere Taufsprüche für unsere vier Täuflinge finden sich im Alten Testament in den Psalmen. Für mich ist es immer wieder erstaunlich und erfreulich, welche Kraft doch diese Gebete, die z.T. älter als 2500 Jahre sind, heute gerade für uns Christen noch haben können. Unsere Täuflinge haben sich z.T. selbst diese Worte ausgesucht, die wie ein Lebensmotto ihrem Weg voran stehen sollen und sie begleiten sollen, wenn sie in der Sicht des Glaubens versuchen, ihre Welt zu deuten. Hören wir zunächst die Worte aus dem 23. Psalm, den ersten Vers, der als Taufwort über der Taufe von Xxx und von Xxx stehen soll: „Der Herr ist mein
Hirte, mir wird nichts mangeln.“

Wie gut fügt sich dieser Taufspruch in diese Woche ein, die unter dem Eindruck der „Barmherzigkeit Gottes“ – Misericordias Domini steht und thematisch zusammengefasst ist unter eben diesem Leitbild: Gott als der gute Hirte, der auf die ihm Anvertrauten acht gibt, sie lenkt und leitet und sie so ihn ihrem Leben begleitet, dass ihnen schlussendlich Gutes widerfährt. Das ist es, was das Bild des Hirten, der seine Schafe hütet, in sich trägt. Es ist ja nicht so, dass die Schafe so dumm wären, dass sie nicht alleine überleben könnten: nein, sie wissen zu essen und zu trinken; sie wissen, sich zu vermehren und bei Gefahr zu fliehen; sie sind gut ausgestattet für unwegsames Gelände und bei Kälte. All dies, liebe Gemeinde, ließe sich im Bild auch für uns Menschen sagen: wir leben ganz gut auch ohne Hirte – unser alltägliches Geschäft: dafür sorgen, dass wir den nächsten Tag erleben, indem wir essen und trinken, indem wir unsere täglichen Kleinigkeiten erledigen und indem wir unseren Verstand benutzten, der uns vor allen anderen Lebewesen auszuzeichnen scheint: all das können wir tun, ohne je an einen Hirten denken zu müssen – und in der Tat, liebe Gemeinde: viele Menschen leben auch so! So, als wäre alles in ihrem Leben ihr eigener Verdienst. Das Bild vom Hirten aber sagt mehr aus: da ist einer, der die größeren Zusammenhänge überblickt; einer, der sich darum kümmert, dass die Herde auch weiterzieht, hin zu fruchtbareren Gegenden, hin zu Gegenden, in denen die Gefahren ausgeschlossen oder zumindest minimiert werden können. Und, liebe Gemeinde: da ist einer, der auch dem verloren gegangenen Schaf hinterhergeht: dem Schaf, das ziel- und haltlos geworden ist, dem Schaf, das möglicherweise gestürzt oder verletzt, hilflos und dem Feinde ausgeliefert ist. Auch das gilt im Bilde wieder für uns Menschen. Gott ist der gute Hirte, der genau all dies für seine Menschen tut: ein Gott, der nachgeht, wenn sich Hilflosigkeit und Verletzung und krumme Wege ohne Ziel auftun. Sehr viel mehr können wir als Verkündiger, als Christen, gar nicht sagen, als genau dieses: auch für dein Leben gilt, was der gute Hirte den Menschen zugesagt hat: „Der Herr ist für euch wie ein
Hirte: euch wird nichts mangeln!“ Die Erfahrung, dass es tatsächlich so ist, dass Gott tatsächlich euer aller Leben behütet und begleitet – die kann ich euch nicht herstellen, weder in der Schule, noch in der Konfirmandenarbeit, noch in den Gesprächen, die wir miteinander hatten. Diese Erfahrung, dass Gott auch euer Leben begleitet, die könnt ihr nur eines Tages selber machen – und eben genau darin: wenn ihr spürt, dass ihr nicht alleine seid, dass eine gute Macht euch wunderbar behütet – dann hoffe ich, dass ihr euch eures Spruches erinnert und diese Macht nicht bloß Zufall oder Glück oder Liebe oder Freundschaft nennt, sondern, dass ihr wisst, dass etwas Größeres, dass Gott dahinter steht.

Der Taufspruch von Xxx aus dem 91. Psalm, Vers elf geht genau in diese Richtung: „Der Herr hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ Xxx ist der jüngste unserer Täuflinge heute – an seinem Lebensweg wird der Wunsch um Begleitung und Behüten vielleicht am deutlichsten. Ganz wie der gute Hirte sein Wirken darauf ausrichtet, die ihm anvertrauten in behütetet und bewahrtes Terrain zu führen, so drückt es in diesem Bild die Vorstellung der Engelsscharen aus, die unsere Täuflinge begleiten sollen. Ihre Füße soll nicht an einen Stein stoßen, wenn sie ihre Wege durch das Leben gehen. Natürlich können wir eines mit Bestimmtheit sagen: es wird wohl keinen Menschen auf dieser Erde geben, der nicht auch Rückschlage wird hinnehmen müssen in seiner Lebensplanung, in seinem Denken und Fühlen. Es wäre auch vermessen zu sagen: mit dem christlichen Glauben bin ich zaubergleich beschützt und alle Gefahr, alle Not und alles Übel wird von mir abprallen als hätte ich einen Schutzschild an. Das meinen auch unsere Psalmen nicht, denn egal, wie alt unsere heutigen Täuflinge sind: wir können alle samt nicht in ihre Zukunft blicken: was wird sie beschäftigen in fünf, zehn, oder zwanzig Jahren? Werden sie ein glückliches, ein zufriedenes, ein erfülltes Leben führen? Werden sie Erfolg haben, in Schule, Ausbildung und Beruf? Werden sie in einer gelungenen Partnerschaft leben – werden sie gesund sein – werden sie alt und lebensfroh werden? All diese Fragen können wir – Gott sei Dank – nicht beantworten. Wir überblicken ihre Tragweite nicht. Aber wir können als Christen zumindest eines sagen: Gott, der gute Hirte – der Gott, der seinen Engeln befiehlt: dieser Gott wird heute mit euch Täuflingen in der Taufe einen Bund schließen, der unverbrüchlich ist. Ein Bund, der nicht zerstört werden kann, weil der Mensch ihn nicht mehr beeinflussen kann durch sein Tun oder Unterlassen. Dieser Bund besagt: „Ich werde mich an euch erinnern, denn heute werdet ihr in das Buch des Lebens eingetragen und euer Leben bekommt damit ein Ziel, das in meiner Hand liegt. Ich werde euch an dieses Ziel führen. Und das gilt – ganz unabhängig davon – was euch in diesem Leben widerfahren wird.“ Die Steine, die zwischen den Menschen und Gott gelegen haben, die sind verbindlich durch seine Engel aus dem Weg geräumt worden.

Die Kirche hat keine Machtmittel, um euch an sie zu binden: das ist gut so, denn Glaube ist das Gegenteil von Zwang: Glaube ist Vertrauen darauf, dass Gott den Weg weiß, dass er – wie der gute Hirte – uns führen und leiten wird, und sei es auch durch das finstere Tal hindurch, weil der Hirte weiß, dass dahinter – hinter diesem Tal – eine fruchtbare Ebene kommt, auf der alle genug zum Leben haben werden. Von diesem Vertrauen redet die Kirche, in diesem Vertrauen handelt die Kirche, wenn sie Kinder tauft, denn sie weiß, dass allein bei Gott schlussendlich die Macht liegt, die unser Leben bestimmt. Wir aber tun unseren Dienst auf Hoffnung hin: auf Hoffnung hin, dass ihr einst erfahren werdet, was es heißt, in Gottes Hand geborgen zu sein.

Hören wir schließlich den Taufspruch von Xxx aus dem 139. Psalm, den fünften Vers: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ Xxxs Taufspruch klingt wie eine Zusammenfassung dessen, was wir gerade bedacht haben. Es ist wichtig, sich dies auch immer wieder bewusst zu machen. Gottes Macht umgibt uns stets von allen Seiten. Es gibt sie ja oft genug die Situationen, in denen wir in eine Richtung gehen oder getrieben werden, in die wie eigentlich gar nicht gehen wollten. Wir tun Dinge, die uns fern liegen, wir verletzten Menschen, die wir lieben. Wir entscheiden uns entgegen aller Vernunft oft genug für das Schlechtere von verschiedenen Möglichkeiten. Ebenfalls zu oft bekämpfen wir uns selber: wir sind unzufrieden mit uns, mögen uns nicht, werden sprachlos über unser eigenes Leben. Wehe dem Menschen, der darin vergisst, dass Gottes Macht ihn nicht loslässt: er wird in sich selber untergehen. Wer aber weiß: oder wer es sich aber sagen lässt: „von allen Seiten umgibt dich Gott“ – der wird nicht verzweifeln müssen, auch im Zweifeln, auch in der Not, auch in der Sorge. Der wird nicht untergehen müssen, sondern der weiß um ein Licht und um einen Morgen hinter all dem Dunkel, mit dem wir kämpfen müssen, denn er weiß um seine Taufe: darin wäscht Christus das Böse, das uns zu verschlingen droht vom Menschen ab – nicht so, dass er auf Erden für alle erkennbar ein neuer Mensch würde – aber so, dass das Böse keine Macht mehr über ihn haben darf: es wird ihn nicht im Kern erreichen, denn dort ist Christus in dem Menschen auferstanden. Darum feiern wir heute mit Freude die Taufe unserer vier Täuflinge, die Taufe von Xxx, von Xxx, von Xxx und von Xxx: „Siehe, Gott ist mit euch wie ein guter Hirte – er lässt durch seine Engel alles aus dem Weg räumen, was von Gott trennen könnte – und er ist bei euch, in jeder Lebenslage, weil er euer Bestes will!“

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