Gott bleibt an unserer Seite (Ps 139,16)

Ps 139,16
[16] Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.

[Tod eines 60jährigen Mannes]

Liebe Frau N.N., lieber Herr N.N., liebe Gemeinde,

wie es Ihnen in dieser Stunde und seit dem Tod Ihres Mannes und Vaters geht, können wir uns denken. Es geht Ihnen schlecht. Wenn wir vom Tod eines geliebten Menschen betroffen sind, fühlen wir uns nicht mehr ganz in dieser Welt. Das Leben rauscht an uns vorbei. Es geht weiter, als wäre nicht gerade ein Mensch aus unserem Leben herausgetreten. Es ist der Mann und Vater gestorben. Das möchten wir vielleicht sogar herausschreien. Haltet doch alle ein wenig an! Der Tod verändert unser Leben total. Noch ist überhaupt nicht abzusehen, wie es weitergeht. Trotzdem pulsiert das Leben um uns herum wie eh und je. Die Welt dreht sich weiter, als gäbe es diesen schweren Einschnitt in unserem Leben nicht.

Doch, einige Menschen haben angehalten. Sie riefen Sie in den letzten Tagen an. Sie sagten Ihnen, dass sie in dieser schweren Zeit des Abschieds an Sie denken. Sie hörten Ihnen zu, wenn Sie noch einmal erzählten, was alles in letzter Zeit geschehen war. Damit halfen Sie Ihnen bereits, mit dem Tod Ihres Mannes schon ein ganz klein wenig klar zu kommen.

Die anderen, wir, nehmen Anteil an dem, was Sie in Ihrem Leben betroffen hat. Ein geliebter Mensch ist von uns gegangen. Den einen hat er viel und den anderen weniger bedeutet. Je nachdem, wie sich Ihr Leben mit seinem Leben berührte. Die Menschen heute in dieser Stunde sehen Sie in Ihrem Schmerz und Leid, einen geliebten Menschen loslassen zu müssen. Sie begleiten Sie auf diesem Weg des Abschiedes und zum Grab hin. Sie sind nicht allein gelassen. Auch dann nicht, wenn Sie wieder in Ihre Wohnung zurückkehren und Ihnen bewusst wird, dass dieser Abschied endgültig ist.

In der nächsten Zeit werden Sie immerwieder einmal gefragt, wie es Ihnen denn jetzt so geht. Das ist keine Neugier, sondern lässt Sie wissen, dass Freunde und Nachbarn mit ihren Gedanken bei Ihnen sind. Sie bieten damit an, ein wenig zu erzählen. Wo wir aber erzählen, verarbeiten wir die schweren Ereignisse. Die Menschen, mit denen Sie bisher verbunden waren, werden auch weiterhin mit Ihnen verbunden sein. Sie sehen Sie. Sie sind nicht allein. Auch dann nicht, wenn Sie meinen, von Gott und der Welt verlassen zu sein.

Es gibt überhaupt keinen Moment, wo Gott uns aus den Augen lassen würde. Denn dann wären wir tot in alle Ewigkeit. Der Beter des Psalmes 139 bekennt mit großem Staunen: „Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.“ Gott schaut auf uns, damit wir im Vertrauen zu seiner Gegenwart unser Leben täglich leben. Wir sollen uns nicht ängstigen. Wir sollen dankbar und fröhlich unsere Lebenszeit gestalten, so gut wir das vermögen.

Er wird an unserer Seite sein, besonders dann, wenn uns das Leben schwer aufliegt. Sie selbst können sicher viele Geschichten davon erzählen, wie Sie oft gemeinsam an den Rand Ihrer Kräfte angelangt waren. Wie oft meinten Sie, es nicht mehr tragen zu können. Aber in allem Schweren und Leidvollen, bleibt Gott an unserer Seite als unser Gott, dass wir uns nicht fürchten. Aus seiner Liebe können wir nicht herausfallen. Er weiß, wie dreckig es uns geht. Er hält an unserer Seite aus, wenn wir ihn verfluchen und zum Teufel wünschen. Er leidet mit uns mit.

Noch leiden wir und noch sterben wir. Doch es hat seine begrenzte Zeit. Jesus Christus diese Welt, Leiden und Sterben bereits überwunden. Wir sollen sie ebenfalls überwinden.

So, wie uns Gottes Augen schon sahen, als wir noch gar nicht „in der Mache“ waren und alle unsere Tage vor ihm bereits da gewesen sind, die es noch gar nicht gab, hat er vor allem Werden der Welt in der Auferstehung Jesu Christie die neue Welt geschaffen. Der Tod ist nicht mehr endgültig vor Gott. Gott hat ihn zum Vorläufer des ewigen Lebens herabgestuft.

Alles hat seine Zeit, sagt uns der Prediger Salomo. Auch diese Welt, das Leiden und zuletzt der Tod, haben ihre Zeit. Dann kommt Gottes Ewigkeit. In sie hinein lassen wir unseren Toten, Klaus N.N., los.

Gott sieht uns nicht? Doch, er lässt es uns erleben durch die Augen der anderen Menschen, die Sie in den letzten Tagen, heute und in Zukunft sehen und Sie in Ihrer Trauer begleiten. Es sind nicht nur Menschen darunter, die Ihnen nahe sind und die Sie kennen. Auch manche fremde Menschen sorgen und kümmern sich um Sie. So sehen Sie und uns alle Gottes Augen. Er lässt uns wissen, dass wir im Tod und in der Auferstehung Jesu Christi das Leben haben. Ja, er gibt uns den Mut und die Kraft, dass gegen alles zu glauben und zu hoffen, was wir vor Augen haben und denken können.

Jesus lebt und mit ihm auch unsere Toten und wir.

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