Gib Dich und Deine Zukunft niemals auf

Liebe Gemeinde,

für alles haben wir unsere Instrumente. Bleiben wir bei den einfachen Dingen. Mit der Uhr messen wir unsere Zeit. Mit dem Thermometer die Temperatur. Wir haben unsere speziellen Geräte, um Strom anzuzeigen und Blutdruck zu messen. Mit unseren Statistiken erfassen wir wirtschaftliche Umsätze.

Womit aber messen wir die Zukunft? Ach, mit dieser Frage hatten sie nicht gerechnet. Macht nichts. Womit messen sie ihre Zukunft, liebe Gemeinde?

Was irritiert Sie an dieser Frage? Ich nehme an, es ist die Kombination der Worte „Zukunft“ und „messen“. Das, was noch nicht ist, kann ich doch nicht mit Apparaten oder Methoden erfassen, begutachten, auflisten oder in sonst gewohnter Weise verarbeiten.

Wir leben in einer Zeit, die das Messen, das Qualitätsmanagement, die Statistik, die Umfrage, den Aktienkurs, die Stechuhr und – Sinn von all dem – das Geld zählen sehr liebt. Aber wir haben kein wirkliches Instrument, die Zukunft zu erfassen. Natürlich haben wir unsere Pläne. Und nicht wenige von uns werden oder wurden beruflich gezwungen, Pläne aufzustellen und den Kopf hinzuhalten, wenn sie die Abweichungen, die kommen müssen, nicht hinreichend erklären können. Vielleicht zählen wir angesichts der Angst vor dieser unfasslichen Dimension unseres Lebens permanent unsere Gegenwart durch, in beständiger Sorge, es könne nicht für Morgen reichen und unseren Plänen zuwider laufen.

Im krassen Gegensatz zu unserer Zeit benutzt der christliche Glaube nicht das Wort „planen“, wenn es um die Zukunft geht, sondern zwei Tätigkeitswörter: Festhalten und überwinden. Und drittens eine Methode, von ich noch sprechen werde. Und viertens empfiehlt der christliche Glaube uns eine Tugend.

Wenden wir uns den Tätigkeitswörtern zu. Nein, es geht nicht beim „Festhalten“ nicht um Traditionen. Es geht darum, "das Wort des Lebens" festzuhalten, wie es Paulus sagt (Phil 2,16). Damit ist Christus gemeint; damit ist seine Weise friedvollen Lebens, damit ist seine Weise geduldigen Leidens, damit ist seine Barmherzigkeit gemeint und damit ist gemeint, in tiefer Verbindung zu Gott zu leben. Mit den Begriffen “Recht und Gerechtigkeit“ nennt Jesaja inhaltliche Maßstäbe für zukünftiges, friedvolles Leben. Wenn das bei Ihnen Tradition ist, dann halten sie bitte auch diese Tradition fest.

Das Wort „überwinden“ mag uns klarer sein. Das kennen wir doch: Ich muss mich selbst überwinden. Ich muss Schwierigkeiten überwinden. Ich muss schauen, dass ich nicht zu Grunde gehe in einer Zeit ohne Moral, ohne Werte, ohne Barmherzigkeit, ohne Nachsicht und Liebe. „Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein (Offbarung 21,7).“ So lautet eine der weihnachtlichen Zusagen Gottes.

Es mag ja sein, dass der eine oder die andere von ihnen schon ungeduldig wird. Was will er uns denn sagen? Was ich Ihnen, als Postbote des Evangeliums, sagen will, ließe sich so zusammenfassen: Gib dich und deine Zukunft niemals auf. Nimm dich und deine Zukunft an aus Gottes Hand. Gib dich niemals auf, denn Gott hat dich dir aufgegeben zu leben.

Ich komme auf die Methode zu sprechen, mit der die Bibel sich der Zukunft nähert. Sie gibt uns Hoffnungsbilder. Bilder, an denen wir uns orientieren können. Bilder, mit denen wir ermessen können, wohin es nach Gottes Willen mit uns gehen soll. Eines der Bilder des Propheten Jesaja haben wir heute gehört.

Haben Sie die biblische Lesung noch im Ohr? Lauter Jubel ertönt in der Zukunft. Das Ziel ist erreicht und alle Knechtschaft hat ein Ende. Das drückende Joch ist zerbrochen und ebenso die Stöcke der Treiber. Ich denke, jedem von uns fallen zu diesen Bildern Szenen des eigenen Lebens ein. Wohl jeder von uns hat an seiner Last zu schleppen. Und Lasten lud man in biblischen Zeiten, beidseitig an einer Holzstange festgebunden, dem Sklaven auf den Rücken . Diese Stange hieß das Joch.

Und die Treiber mit ihren Knüppeln, von deren Ende der Prophet sprach? Auch das kann nicht schwer sein, dieses Bild ins eigene Leben zu übertragen. Wer hinter ihnen steht und sie permanent antreibt, wer sie hetzt, wer die Lebenslust und die Zuversicht und die Kraft aus ihnen heraus prügelt und quetscht – das werden sie wissen.

Gewiss doch, ihre Realität kennen sie. Aber was ist das Maß der Zukunft? Jesaja bietet dieses Bild an: Die Jochstange ist von den Schultern geworfen. Der Stecken des Treibers liegt zerbrochen im Dreck und taugt allenfalls nur noch zum Anzünden des Feuers, in dem die Stiefel und Mäntel der Soldaten vom Feuer verbrannt werden. Der Krieg ist vorbei. Niemand hat mehr das Bedürfnis, sich in einer Uniform anonym zu verstecken.

Wie messen wir nun unsere Zukunft? Mit Düsternis oder mit Hoffnung? Wie malen sie das Bild ihres zukünftigen Lebens? Sollte man ihnen heute nur graue Farbe unter den Christbaum legen oder einen Kasten voll bunter Stifte? Reicht ihnen etwa ein Zettel, um schnell Kasse zu machen?

Was kommt dabei heraus, wenn sie ihre Zukunft mit den Bildern der biblischen Verheißungen messen? Ihr Realitätssinn möchte lauter „Wenn“ und „Aber“ und „Vielleicht“ und „ nur unter der Bedingung das“ der Hoffnung beimengen. Das mag schon richtig sein.

Das ist Gottes Wille und Zukunft für Sie: Er will, dass ihr ganz persönliches Joch zerbrechen wird. Er will, dass Sie mit friedlicher Seele leben können, ohne Treiber und deren Peitsche im Rücken.

Aber wie bitte? Sie meinen, dass man diesen Hoffnungsbilder der Bibel nicht vertrauen kann, weil sie doch nicht Erfüllung gehen. Das mag schon sein, dass gemessen an den guten Bilder des Friedens die Gegenwart sehr düster erscheint. Aber man wirft ein Thermometer nicht weg, nur weil es draußen zu kalt ist. Warum wollen sie ein Hoffnungsbild wegwerfen?

Heute feiern wir die Geburt Jesu Christi. In Jesus Christus ist das Bild der Zukunft, so wie es die Bibel sieht, vollendet. Wirksam wird dieses Bild für uns, wenn wir es in unsere Seele, in unser Innerstes aufnehmen. Ich erinnere noch einmal an die beiden Tätigkeitswörter "festhalten" und "überwinden".

Halten Sie das Leben in sich fest. Freuen Sie sich am heutigen Tag. Lassen Sie alles von sich abfallen, was ihnen die Seele, das Gemüt und das Herz bedrückt. Halten Sie das Wort des Lebens, halten sie Christus in ihrer Seele fest. Das ist ihnen zu fromm? Dann sag ich es ihnen noch deutlicher: Halten Sie die Menschen, die sie lieben und für die sie Verantwortung tragen, fest in ihrem Herzen mit Dankbarkeit dafür, dass sie nicht allein sein müssen. Seien Sie von Herzen dankbar dafür, dass Sie eine Aufgabe haben. Halten Sie in Ihrem Gedächtnis fest, dass Sie getauft worden sind; halten Sie fest in ihrem Leben daran, dass Segen über sie gesprochen wurde. Halten Sie fest an Recht und Gerechtigkeit.

Trauen Sie darauf, dass Gott ihnen die Kraft geben wird, die Hindernisse in ihrem Leben zu überwinden. Sie glauben nicht daran? Dann überschlagen Sie doch einmal im Gedächtnis, was sie schon alles bewältigen mussten. Wenn es viel gewesen ist, dann zweifeln Sie bitte nicht daran, auch für künftige Lasten genug Kraft zu erhalten. Wenn von ihnen noch keine wirkliche Lebens-Prüfung abverlangt wurde, dann sind sie entweder sehr kalt und gefühllos gewesen oder sie standen noch nicht auf dem Plan Gottes. In allem: Trauen Sie darauf, dass Gott ihnen die Kraft zum Überwinden geben wird.

Halten Sie Fest an der Tugend der Hoffnung. Denn sobald sie diese verlieren, zieht sich ihre Seele in die Vergangenheit zurück und ist allenfalls fähig, gerade noch die Gegenwart zu ertragen. Ohne Hoffnung kann man nicht leben. Ein Mensch ohne Hoffnung ist wie ein Segelschiff ohne Wind.

Heute feiern wir die Geburt Jesu Christi, in der das beginnt, wovon Jesaja spricht:

Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.

Und dann fügte der Prophet Jesaja noch einen Satz hinzu. Und dieser Satz umreißt den Grund unserer Hoffnung. Er heißt schlicht und einfach: Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth. Daran muss ich glauben? Nein: Daran darf ich glauben. Gib dich und eine Zukunft niemals auf. Nimm dich und deine Zukunft an aus Gottes Hand. Gib dich niemals auf, denn Gott hat dich dir aufgegeben zu leben.

Du willst das messen? Dann zähle doch die Häufigkeit deiner Gebete und die Anzahl deiner künftigen Gottesdienstbesuche. Nein! Es geht viel einfacher: Glaube, hoffe und lebe!

Frohe Weihnachten, Kulmbach!

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