Getrost loslassen (Ps 23,1-6)

Ps 23,1-6
[1] „Ein Psalm Davids.“ Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. [2] Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. [3] Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. [4] Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. [5] Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. [6] Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Liebe Angehörige, werte Trauergemeinde,

Sie alle nehmen heute Abschied von N.N. Das ist nicht leicht, ich weiß es wohl.

[Vita der Verstorbenen …]

Hören wir bitte auf ein Wort aus der Heiligen Schrift. Es ist der Konfirmationsspruch unserer Verstorbenen:

[TEXT]

Liebe Trauergemeinde, ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, wenn Sie diesen Psalm hören, ich zumindest mag ihn und er sagt mir eine ganze Menge. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Elfriede Becker mit diesem Wort, gerade mit diesem Wort ihren Lebensweg gegangen ist. Und dieser Weg war ja alles andere als sonnig, sondern hatte auch mit Schattenseiten zu tun. Und doch, sie hat sich auf diesen Hirten, auf Gott, verlassen können. Gerade auch in den Unwägbarkeiten dieses langen und gesegneten Lebens hat sie sicherlich immer gewusst, was dieser Satz: Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, so fürchte ich kein Unglück, denn DU bist bei mir ihr für eine große Hilfe war.

Sie hat mir damals davon erzählt, wie schlimm zum Beispiel die Flucht und schmerzhaft der Verlust des Sohnes war. Auf meine Frage „Wie haben Sie das bloß alles überstanden“, sagte sie mir: Das konnte ich nur, weil ich an Gott glaube. Er hat mir geholfen und mich geführt.

Was für ein Bekenntnis, liebe Trauergemeinde. In dem Punkt kann N.N. für mich jedenfalls ein Vorbild sein. An den Gott, den wir nicht sehen, an diesen bildlosen Gott zu glauben, an diesen Gott, den wir nicht sehen, der uns aber sieht, das ist schon ein großes Geschenk und wir können uns diesem Geschenk nur würdig erweisen, indem wir darauf antworten, in dem wir sagen: Ja, Vater, nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe. Wenn einem das gelingt durch ein Leben hindurch, sich immer wieder auf Gott zu verlassen, dann kann auch das Ende gut werden. Sehen Sie, liebe Trauergemeinde, wenn alles gut geht, dann währt unser Leben 70 oder 80 Jahre und wenn es einigermaßen mitspielt, dann bleiben wir einigermaßen gesund und können dann dankbar auf diese Zeit zurückblicken. Aber ich frage Sie und gleichzeitig mich selbst: Was sind denn schon 70 oder 80 Jahre gemessen an der Ewigkeit?

Auf diese Frage zu antworten kann man, wenn man folgende Geschichte – sie stammt übrigens aus Pommern -, die ich Ihnen jetzt erzählen möchte. Sie können dabei die Augen schließen und so entspannt wie möglich zuhören.

Stellen Sie sich bitte ein einsame riesig große Wüstenlandschaft vor. In dieser Wüste gibt es nur Sand. Hier wächst kein Strauch und kein Baum, in dieser unwirtlichen Gegend lebt kein Mensch und kein Tier. Man sieht nur Sand und weit weg am Horizont riesige Berge. Berge, die bis in den Himmel reichen. Jeden Tag scheint die Sonne und es weht ein heißer Wüstenwind. Es ist jeden Tag das gleiche Bild: Einöde und Tristess. Jeden Tag, immer das gleiche Bild. Aber eines Tages passiert etwas: Ein großer Vogel kommt in diese Wüste geflogen. Er schwebt lange Zeit über dieser Wüste. Fliegt hinauf zu den Bergen, lässt sich von den Aufwinden tragen und setzt sich dann ganz oben auf dem Gipfel nieder. Dann wetzt er einmal seinen Schnabel an der Spitze des Berges, plustert sich und fliegt davon. Erst nach 5000 Jahren kommt wieder ein Vogel in diese Gegend und das kurze Schauspiel wiederholt sich. Dann sind wieder 5000 Jahre Pause und so weiter und so weiter. Und wissen Sie, liebe Gemeinde, was passiert ist, wenn alle Berge durch das Schnabelwetzen dem Erdboden gleichgemacht sind?

Dann erst, dann, wenn alle Berge dem Erdboden gleichgemacht worden sind, dann ist eine einzige Sekunde der Ewigkeit vergangen.

So haben fromme Pommern versucht, sich den Begriff der Ewigkeit zu nähern. Mir gefällt diese Geschichte und mir gefällt auch der 23. Psalm, der mit den Worten endet:

Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des HERRN immerdar.

N.N. hat das geglaubt und sie wird jetzt schauen, was die geglaubt hat. Sie ist bei Gott und hat die ewige Heimat, aus der sie nicht vertrieben werden kann. Sie ist bei Gott und wird sich satt sehen können an seiner Herrlichkeit. Und weil das so ist, deswegen können wir sie getrost loslassen.

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