Gemeinde als Klavier

Predigt über Gemeinde als Klavier

GD zur Einführung

 

Die Gnade Jesu Christi

Und die Liebe Gottes

Und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes

Sei mit uns allen.

  1. Kor 13, 13

 

 

Liebe Gemeinde,

ich komme immer wieder gerne in die St.-Kirche. Nicht nur, weil die Architektur einladend ist, sondern auch, weil ich hier schon so viele schöne und berührende Gottesdienste mit Ihnen feiern und erleben durfte.

(…)

 

Heute werde ich über mein Klavier predigen.

Es ist nämlich ein weiterer Grund, warum ich gerne in die St.-Kirche komme.

Seitdem die Maßnahmen gegen das Corona-Virus unser aller Leben einschränken, habe ich wieder begonnen, Klavier zu üben. Zu Hause – und auch hier in der Kirche.

Wenn ich zwischendurch mal meinen Kopf frei bekommen möchte, setze ich mich an die Tasten und spiele und übe. Am meisten übe ich natürlich zuhause – doch lieber hier in der Kirche. Denn hier ist das Klavier gut gestimmt. Bei mir Zuhause aber ist es verstimmt – allerdings nur eine Taste. Aber eine Taste genügt. Man glaubt gar nicht, wie häufig man dieses „cis“ braucht. Jedes Mal bevor ich diese Taste anschlagen muss, bereite ich mich innerlich auf den Missklang vor. Ich bin immer froh, wenn der Ton dann vorüber ist.

Manche Stücke spiele ich erst gar nicht, weil da viele Missklänge vorprogrammiert sind. Schade eigentlich.

„Ja, warum lässt sie ihr Klavier denn nicht stimmen?“, fragen Sie sich wahrscheinlich. Mit dem Stimmen ist es leider nicht getan. Und das liegt am Stimmwirbel. Das ist der Metallpflock, an dem eine Saite befestigt ist. Durch Drehen des Stimmwirbels kann man die Saite spannen oder lockern und sie so stimmen.

Der eine „cis“-Stimmwirbel nun sitzt zu locker im Stimmstock. D.h. der Ton verliert sehr schnell wieder seine Stimmung. Das Ergebnis: siehe oben.

 

Was hat das nun alles aber mit der St.-Gemeinde zu tun?

Für mich ist die Gemeinde wie ein Klavier. Jeder und jede von uns ist eine Taste, ein Ton auf dem Klavier.

Manche Töne erklingen häufig – meist in der Mitte der Tastatur. Andere selten oder fast nie – meist an einem der beiden Enden der Klaviatur – und dann häufig zur Weihnachtszeit.

Am schönsten ist es, wenn mehrere Töne zusammen erklingen, sich abwechseln, mal lange, mal kurz – mal laut, mal leise – mal gebunden, mal abgesetzt angeschlagen werden. So entstehen Melodien.

Das Klavier – es kann ein Bild sein für die Kirche – so wie Jesus das Bild von der Erntebrigade benutzt (Mt 9, 35-38) und Paulus das vom Leib und seinen Gliedern (1. Kor 12).

Immer wieder verstimmt sich ein Klavier.

Das ist ganz normal. Dann muss es gestimmt werden.

Wer nun ist der Klavierstimmer?

Ich denke, einerseits sind wir das alle – indem wir aufeinander hören, uns aufeinander einstimmen – wie die Sänger eines Chores. Indem wir behutsam fragen: „Cis, wie geht es dir?“. Manchmal reicht das schon, um Spannungen zu lösen, Wohlklang wiederherzustellen.

Andererseits bedarf es manchmal einer Hilfe von außen. – Oder ist es in diesem Fall von innen?

Ich meine, Gott stimmt uns immer wieder aufeinander ein, aufeinander ab. Wir sind darauf angewiesen, dass Gott die Stimmung setzt. Dass wir uns gefallen lassen, dass er den Stimmschlüssel ansetzt und uns einstimmt.

 

Und wer spielt das Klavier?

Eine gute Frage, auf die ich mehrere Antworten habe.

Ich glaube, dass mehrere das Klavier spielen, auch vier- oder sechshändig.

Gemeinde lebt, wenn die Aufgaben auf verschiedene Schultern verteilt sind. So sagt es Jesus in seinem Bild von den Erntehelfern. So schreibt es Paulus in seinem Bild vom Leib und seinen Gliedern.

Häufig werde ich auf dem Klavier der Gemeinde spielen. Manches kann ich gut und routiniert, weil ich es schon oft geübt habe. So gehen manche Stücke leicht von der Hand.

Anderes werde ich mir aneignen – da bitte ich um Geduld, denn das braucht seine Zeit bis es gut klingt und flüssig läuft. Ich freue mich, mein Repertoire zu erweitern – und sicher bekomme ich auch Anregungen – von Ihnen – und vom Leben.

Und wieder anderes können andere eindeutig besser und talentierter als ich. Und dann sollen sie auch zum Spiel kommen.

Wer spielt das Klavier?

Ich hoffe und vertraue, dass es immer wieder Christus ist, der hier in die Tasten greift.

Und ich wünsche mir und uns allen, dass wir es merken, wenn er Töne zum Klingen bringt. Dass wir dann innehalten, lauschen – und in den Takt und die Melodie einstimmen, die er vorgibt. Dass wir so manch neues Stück entdecken und manch altes Stück neu zu schätzen lernen.

Und ein verstimmtes „cis“ wird uns dann auch nicht stören.

 

Amen

 

Und der Friede Gottes,

der höher ist als unsere Vernunft,

bewahre unsere Herzen und Sinnen

in Christus Jesus.

Amen

         Phil 4, 7

 

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