Fürchte dich nicht, glaube nur! (Mk 5,36b)

Mk 5,36b
[36b] Fürchte dich nicht, glaube nur!

Liebe Familie xxx, liebe Angehörigen und Freunde, liebe Trauergemeinde.

Diesen Freitag wurde unsere Schwester in Christo Xxx vor ihren Schöpfer gerufen. Sie verstarb im hohen Alter von 91 Jahren – im April hätte sie ihren 92. Geburtstag begehen können. Der Tod kam schnell und trotz des Alters überraschend, aber er war schmerzlos und bedeutete keine Plage für unsere Schwester in Christo. Darin will unser erster Trost liegen, dass der Tod gnädig mit ihr war und ihr ein Leiden erspart blieb.

Ich möchte das Gedenken an Frau Xxx unter ein Wort der Schrift stellen, welches zugleich ihr Konfirmationsspruch war. Wir lesen es im Evangelium nach Markus im fünften Kapitel, den 36. Vers: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“ Dies Wort steht im Zusammenhang mit der Frage nach der Auferstehung und der Überwindung des Todes. Ich möchte es als nicht zufällig ansehen, dass wir es uns heute zu Beginn sagen lassen dürfen: der Tod hat nicht das letzte Wort. Im Gegenteil: er ist besiegt in Christus Jesus und wir, die wir ihm folgen sind aufgehoben in seinen Sieg und werden ein neues Leben schauen dürfen! „Fürchte dich nicht – glaube nur!“

Wer so auf Gott vertraut, also glaubt, der darf ein Leben ohne Furcht führen. Denn was gibt es schon, was fürchterlicher sein kann als der Tod? Wenn aber der Tod überwunden ist, so darf die Furcht im Leben weichen! Dies ist an uns heute hier gerichtet, die wir noch unter den Lebenden weilen. Wer an Gott glauben kann, der kann die Furcht überwinden.

Unsere Schwester in Christo, Frau Xxx wurde nicht allzu weit von hier geboren, am xxx in der Xxx und wurde in St. Helena zu Großengsee im Jahre 1928 konfirmiert. Zwölf Jahre später kam sie durch ihre Heirat nach Möchs, wo sie zusammen mit ihrem Mann den „Schütze-Hof“ führte. Ein Leben voller Arbeit und voller Hingabe. Dass der Hof bis heute existiert und der Übergang vom Landwirt zum Energiewirt eigentlich gut geklappt hat – daran dürfen wir auch ihr einen Anteil zuschreiben. Denn wer die „Schütze-Oma“ kennt, weiß, dass sie immer an allem interessiert war und ihre Sorge dem galt, dass alles klappt. „Läfft dei Woar?“ fragte sie oft und war bis zuletzt auch im Geiste wachsam. So schnell konnte ihr nichts entgehen.

Ich will glauben, dass auch dies mit einer Furchtlosigkeit vor der Endlichkeit zu tun hatte. Einer Furchtlosigkeit, die frei macht, im Leben den Blick auf den anderen zu wenden und sich für ihn zu interessieren. Und so hatte sie ihre große Freude an der Familie. Vier Kinder wurden ihr geschenkt, von denen sie allerdings auch zwei hat wieder sterben sehen, 1990 und 2002. Auch ihr Mann verstarb schon früh, fast 41 Jahre ist es nun her.

Dennoch blieb die Freude an ihrer Familie und den Mitmenschen erhalten. Der Schmerz über den Verlust konnte ihren Sinn dafür nicht trüben. Mit ihrer Leidenschaft fürs Kochen und Backen konnte sie dieser Freude am Mitmenschen gut Ausdruck verleihen: je mehr Leute mitessen konnten, umso lieber stand sie dafür in der Küche. Und oft war das Haus ja voll: sieben Enkel und 12 Urenkel hat unsere Schwester in Christo noch erleben dürfen.

„Fürchte dich nicht, glaube!“ „Fürchte dich nicht, vertraue auf Gott allein – er weiß deinen Weg und kennt dein Ziel.“ Ein wenig Sorge um sich selbst wird dem Menschen damit genommen und Platz geschaffen für das Leben in der Gemeinschaft. Mir ist erzählt worden, dass Frau Xxx bis ins hohe Alter hinein immer noch jeden Konfirmationsspruch aus der Familie kannte und die vielen Geburtstag nicht durcheinander brachte. Ihr Repertoire an Kinderliedern schien unerschöpflich.

Über den Glauben freilich hat sie nie viel gesprochen. Vielleicht war es nicht nötig, das, was man selber gelebt hat, noch weiter in Worte zu fassen. Vielleicht war es auch nicht ihre Art, dies zum Thema des Gesprächs zu machen. Aber wir wissen, dass sie immer noch – oft mit der Nachbarin – die Kassetten hörte, die unsere Gottesdienste aufzeichnen, als es ihr nicht mehr möglich war, selber weiterhin die Kirche aufzusuchen. Ich bin sicher, dass für sie ein Trost und eine Hoffnung in dieser wöchentlichen Übung lagen.

Es ist ein Segen, dass die Menschen, mit denen ich über sie sprechen konnte, sie in solch guter Erinnerung behalten werden, durch ihre Art und ihr Wesen.

Frau Xxx ist uns nun einen Schritt voraus. Sie darf die Früchte ernten, die ein Glaube einem Menschen bereiten kann. Sie ist befreit von den Fesseln, die uns unser irdisches Leben oft genug anlegt und kann nun hinter die Schwelle blicken, über die wir nicht hinauskommen.

In dem neuen Leben, welches uns Christus verheißt, wird es kein Sterben und kein Leiden mehr geben. Keine Schmerzen mehr und keine Einschränkung, die den Menschen daran hindern würde ganz dem zu entsprechen, wie er als Ebenbild Gottes gemeint war. Es ist diese große Hoffnung der Auferstehung, die unserem Glauben an Christus Gewicht verleiht und uns Freude schenken kann an den kleinen Dingen des Lebens, so wie es bei unserer Schwester in Christo gewesen ist. So dient uns, den Zurückgebliebenen, ihr Tod als Anlass über unser eigenes Leben nachzudenken und zu prüfen, worin unsere Hoffnung besteht und ob wir fähig sind, dem zu folgen, worauf Frau Xxx hin ihren Glauben bekräftigt hat: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“

Wenn wir nachher ans Grab gehen, um den sterblichen Leib unserer Schwester in Christo zu ihren letzten Ruhestätte zu gleiten, so dürfen wir wissen, dass dies Grab mit seinem Grabstein nur für uns dient als Ort der Sammlung und als Ort der Erinnerung. Unsere Verstorbene, so wie wir sie kannten, finden wir dort nicht mehr. Die Trauer über die Lücke, die ihr Verlust in unsere Gemeinschaft reißt, wird und darf noch weiter Raum nehmen, wenngleich wir getröstet werden durch die Gnade, die Gott hat unsere Schwester in Christo erfahren lassen.

Wir erfüllen unsere Christenpflicht, wenn wir die Angehörigen stützen und ihnen beistehen, soweit es in unserer Macht steht und selber ein Beispiel geben für die Hoffnung, die sich im biblischen Wort von Frau Xxx wiederfindet:

„Christus spricht: fürchte dich nicht – glaube nur!“

Und der Friede Gottes, der fähig ist, uns die Furcht vor dem Tod zu nehmen, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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