Frucht oder Früchtchen (Joh 15,4-5)

Joh 15,4-5
[4] Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. [5] Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde,

vertrocknete Früchte wirken nicht gerade appetitlich. Ohne Geschmack und Saft, würden sie hölzern und zäh schmecken. Warum sind sie so ungenießbar geworden? Schon vor längerer Zeit hat jemand sie vom Weinstock abgeschnitten. Irgendwo haben sie herumgelegen, sind ausgetrocknet und haben ihre Frische und ihre gutes Aroma verloren. Bei frischen Weintrauben ist das anders. Sie hingen noch vor kurzer Zeit am Weinstock, bekamen ihre Nährstoffe, Sonne und Luft und konnten reifen. Sie sind genießbar und schmecken gut. Jesus könnte solch eine Weintraube in der Hand gehalten haben, als er sagte:

„Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15,4-5)

Heute ist dieses Bildwort Jesu Euch Konfirmanden gesagt und genauso uns allen in diesem Gottesdienst. Es bedeutet: In Verbindung mit Jesus Christus bringen wir Frucht. Ohne Verbindung zu ihm verdorren wir. Dass wir gute Früchte im Leben hervorbringen – das haben sich unsere Eltern für uns alle gewünscht. Dafür haben sie eine Menge für uns investiert: Zeit, Kraft und Mühe, Verzicht auf eigene Interessen, eine Menge Geld und vieles andere mehr. Vielleicht haben auch einige Eltern Euch Konfirmanden in den kirchlichen Unterricht geschickt in der Hoffnung, dass Ihr dadurch genießbarer werdet. Möglicherweise hatten sie den Gedanken: „Schaden kann es ja nicht, vielleicht kommt sogar etwas Gutes dabei heraus!“ Eltern und Familien werden auch weiter für Euch investieren, in Schule und Ausbildung, immer in der Hoffnung, dass in Eurem Leben gute Früchte herauskommen. Es mag sein, dass sich Eure Eltern für Euch wünschen, dass Ihr einmal etwas ganz Besonderes werdet: Besonders reich oder berühmt oder ein wichtiger Entdecker oder eine bedeutende Politikerin.

Jesus redet auch von „Früchten“ in unserem Leben, aber er lenkt solche Gedanken in eine ganz andere Richtung. Er sagt: In der Verbindung mit Gott können wir „aufblühen“, ein erfülltes Leben führen, zum Segen werden für andere. Die Bibel sagt uns: Wer bei Christus bleibt und sich auf sein Wort verlässt, findet einen Sinn in seinem Leben. Wer bei Christus bleibt und sich auf sein Wort verlässt, findet Geborgenheit im Vertrauen auf Gott. Wer bei Christus bleibt und sich auf sein Wort verlässt, findet Orientierung für das Zusammenleben mit anderen Menschen.

Jesus spricht mit diesem Bild der fruchtbringenden Weinrebe unser Inneres an, unser Wollen, Denken und Fühlen. Auf den äußeren Schein hat Jesus keinen Wert gelegt. Äußerlich kann bei einem Menschen alles wunderbar aussehen: Er kann reich sein, berühmt, wichtig, prominent – und gleichzeitig innerlich verdorrt und fruchtlos. Umgekehrt kann bei einem Menschen von außen nichts Auffälliges und Besonderes zu sehen sein – innerlich aber ist er ein begabter und zufriedener Mensch, der Liebe ausstrahlt und Früchte seines Glaubens weitergibt.

Das ist mein Wunsch für Euch – und für uns alle und für mich selbst: Dass Ihr Konfirmanden Frucht bringt in Eurem Leben aufgrund der Verbindung mit Jesus Christus und seinem Wort. Wie das bei jedem Einzelnen konkret aussieht, kann ganz unterschiedlich ausfallen. Ob jemand Ärztin wird oder Verkäuferin, Manager oder Angestellter, Bundestagsabgeordneter oder Beisitzer im Gartenbauverein, ist vor Gott nicht entscheidend. Jesus sagt: In Verbindung mit dem Wort Gottes wird jeder auf seine Art Früchte hervorbringen.

Eine Rebe braucht Sonne, aber sie muss auch Unwetter überstehen können. Genauso ist das in unserem Leben: Wir freuen uns, wenn die Sonne scheint, wenn das Leben gelingt, wenn wir schöne Tage erleben (wie heute), wenn wir Glück und Erfolg haben. Dann können wir uns entfalten, wachsen und gedeihen. Aber es gibt auch andere Zeiten: Es kann regnen und stürmen, kalt und frostig sein. Auch das muss eine Weinrebe aushalten. Genauso müssen wir Schweres im Leben aushalten:

· Misserfolg in der Schule …
· Eine Freundschaft zerbricht …
· Es gibt Streit in der Familie …
· Jemand wird krank und stirbt …

Wie können wir so etwas ertragen? Die Weinrebe kann Unwetter überstehen, indem sie mit dem Weinstock verbunden bleibt. Das gibt ihr Kraft und Halt. Wir Menschen können Krisen bewältigen, wenn wir mit Jesus Christus verbunden bleiben; wenn wir sein Wort hören, mit ihm reden im Gebet, uns leiten lassen durch seinen Geist. Die Verbindung mit Gott trägt auch durch schwere Zeiten hindurch. Denn Gott ist Mensch geworden und hat seinen Sohn für uns Schweres erdulden lassen bis zum Tod am Kreuz.

Liebe Konfirmanden, Ihr und wir alle müssen uns klar darüber werden, worauf unser Leben abzielen soll: Wollen wir Früchte hervorbringen – oder wollen wir nur „Früchtchen“ werden?

Frucht bringen wir hervor, wenn wir im Glauben mit Gott und dem Wort Jesu verbunden bleiben und daraus Kraft schöpfen. Ein „Früchtchen“ bleiben wir ohne diese Verbindung zu Gott: Dann sind wir isoliert, getrennt von Gottes Wort, auf uns selbst gestellt. Wir können leicht vernascht werden, wir können achtlos beiseite geworfen werden, wir können faulen und ungenießbar werden, denn es ist keine Verbindung zum Weinstock da, nichts, was uns Kraft gibt und uns hält.

Wenn Ihr konfirmiert werdet und wenn wir heute gemeinsam Gottesdienst feiern, drücken wir damit aus: Wir wollen gemeinsam bei Christus bleiben und auf sein Wort hören und danach leben.

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