Freude am Leben (Röm 8,38-39)

Röm 8,38-39
[38] Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, [39] weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

[Unfalltod eines 20jährigen]

Liebe Familie, liebe Angehörige,
liebe Freundinnen und Freunde,
Vereinskameraden und Kollegen,
liebe Trauergemeinde.

Ihr, liebe Familie, liebe Wegfährten von N.N., habt in diesen letzten Tagen den unsagbaren Schmerz der Trennung, das Gefühl von Ohnmacht und Wut, von Ratlosigkeit und Sinnlosigkeit erfahren. Dieser Unfall hat viel zerstört an Plänen und Hoffnungen, an Lebensperspektiven, auch an Vertrauen und innerer Gewissheit. Euer Leben danach wird nicht mehr das Gleiche sein, das es bisher war. Denn N.N., mit dem Ihr so vieles geteilt, mit dem Euch so vieles verbunden hat, ist nicht mehr an Eurer und unserer Seite, nicht mehr in Eurer und unserer Mitte. Was das bedeutet, werdet Ihr erst mit der Zeit, Schritt für Schritt, für Euch erfahren.

Für einen Augenblick scheint es so, als müsse die ganze Welt stillstehen und jeder Ausdruck von Lebendigkeit und Lebensfreude ist schwer zu ertragen. Denn das war es gerade, was N.N. in Euer gemeinsames Leben eingebracht hat: die Freude am Leben. Diese Lebensfreude gab ihm Antrieb und Auftrieb, sein Leben zu gestalten und sich seinen Aufgaben zu stellen. Seine Ausbildung bei der Dau, auf die er als Jahrgangsbester abgeschlossen hat, seine anschließende Anstellung, wo er sich auf die Zukunft mit seinen Kollegen gefreut hat, weil er dort Wertschätzung erfahren hat.

So wie es seinem Alter und seinem Wesen entsprach, war er eng mit Euch verbunden. Ihr wart einander nicht nur Vater, Mutter, Schwester, Oma und Opa, Onkel und Tante, ihr wart einander auch Freunde. Er konnte mit Euch besprechen, was manch anderer nur seinem engsten Freund anvertraut. Und natürlich gestaltete er sein Leben auch im Freundeskreis. Die Freunde vom Kindergarten an, ihr habt miteinander gefeiert und einander getröstet, wenn es etwas zu Trösten gab, wusstet gegenseitig von der ersten großen Liebe und den kleinen und großen Enttäuschungen und habt sie auf eure eigene Weise miteinander getragen. Und natürlich war da N.N.s Begeisterung für den Fußball, als aktiver Feldspieler ebenso wie als Anhänger des Werder Bremen. Seit seinem vierten Lebensjahr hat er hier im Verein aktiv gespielt. Seine Würdeämter im Schützenverein … Freude am Leben, an den vielfältigen Möglichkeiten und Angeboten, die er wahrgenommen hat. Sie, liebe Freunde und Vereinskameraden, Feuerwehrkameraden gehörten für ihn dazu. Er war einer von Ihnen. Und Freundschaft gehört neben der Liebe zu dem Schönsten und Wertvollsten, was einem Menschen geschenkt werden kann.

N.N. hat seine Freude am Leben nicht für sich behalten. Er hat sie geteilt und ihr einen vielfachen Ausdruck verliehen. Ob es darum ging, Oma den Rasen zu mähen, bei Alwin „die Nase reinzuhalten“, bei der Feuerwehr mit anzufassen, im Sportverein Hilfe zu leisten, oder in der Nachbarschaft auszuhelfen … auf seine Hilfsbereitschaft konnte man sich verlassen. Vielleicht hat ihn die Erfahrung dazu ermutigt, dass Freundlichkeit und eine positive Ausstrahlung Türen und Herzen anderer öffnet.

Ich denke, Ihr könnt stolz sein auf N.N., liebe Familie. Alle Liebe und Sorge, die Ihr für ihn aufgebracht haben, hat sich gelohnt und er hat es Euch mit seinem Leben gedankt. Was er von Euch erfahren und gelernt hat, hat er weitergegeben.

Erinnerungen an N.N., an die gemeinsame Zeit mit ihm. Sie sind so lebendig in diesen Tagen, als könne, als müsse es morgen doch weitergehen und erst mit der Zeit werdet Ihr spüren, dass diese Erinnerungen zu dem gehören, was Euch Trost und Ermutigung sein kann, ohne N.N. zu leben. Was bleibt? Es bleibt neben dem Schmerz und der Dankbarkeit das, was Paulus nach Rom geschrieben hat. Es bleibt, dass wir in der Liebe Gottes miteinander verbunden bleiben. Diese Verbindung kann keine Gewalt, nicht die des Unfalls, nicht einmal die des Todes zerstören. In dieser Liebe bleibet Ihr gehalten und geborgen, auch wenn Ihr sie in diesen schweren Tagen nicht so spüren könnt oder unter dem Eindruck des Geschehens auch zweifelt. Gott lässt Euch nicht fallen, lässt Euch nicht untergehen. Mit seiner Hilfe werdet Ihr wieder festen Boden unter die Füße bekommen.

N.N. aber wollen wir seiner Liebe anvertrauen. Er ruht in den Armen Gottes, wo es keinen Tod und keine Traurigkeit gibt, sondern den Frieden und die Geborgenheit, die uns dies Leben nicht geben kann. Sein Tauf- und Konfirmationsspruch „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen“ hat ihn in seinem Leben geleitet. Daran hat er sich gehalten. Nun soll er in Gottes Armen den Frieden finden, den die Welt nicht geben kann. Daran wollen wir uns halten.

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