Fest des Segens

Liebe Gemeinde,

ich weiß nicht genau, mit welchen Erwartungen und Erfahrungen Sie alle heute Abend hier in unsere schöne Kirche gekommen sind. Natürlich geht es um Weihnachten. Aber um was genau geht es denn an Weihnachten?

Es geht – das ist schon aus den Lesungen für den heutigen Abend deutlich geworden – es geht um die Geburt eines Kindes, damals vor ca. 2000 Jahren an einem für uns ziemlich fremden Ort. Die Geburt, die wir heute bedenken, ist die Geburt eines männlichen Kindes, der Vater war ein Zimmermann mit Namen Josef, die Mutter eine noch sehr junge Frau mit Namen Maria. Wegen einer staatlichen Anordnung mussten sie dummerweise gerade zur erwarteten Niederkunft ihren Heimatort Nazareth verlassen und per Esel nach Bethlehem reisen. Dort wurde also Jesus geboren, der, weil er dann weiterhin in Nazareth aufwuchs auch Jesus von Nazareth genannt wurde.

In der Summe ist dies alles ziemlich unspektakulär – nicht einmal besonders aufregend. Zwar geschehen Zeichen und Wunder um diese Geburt selbst – Sie wissen es: ein heller Stern leuchtet über dem Geburtsort, um fremden Besuchern den Weg anzuzeigen. Hirten auf dem Feld hören die Botschaft von einem neuen König aus dem Munde von Engeln und sie alle kommen um anzubeten. Aber dennoch bleibt es dann ziemlich lange ruhig um dieses Kind und später diesen Mann: Jesus von Nazareth, der das gleiche Handwerk lernte wie sein Vater. 30 Jahre, um genau zu sein, hört man nichts Spektakuläres von diesem Menschen. Er wird wohl gelebt haben, wie die meisten anderen auch, mit denen er sich von Familienstand und Ausbildung in Nazareth vergleichen konnte.

Aber so bleibt es nicht. Sonst wären Sie heute Abend nicht hier. Aus diesem Jesus von Nazareth ist Christus geworden: Gottes Sohn ist in ihm offenbar geworden. Die Ankündigungen, die an Maria gingen, die Weissagungen an die Hirten und an die Weisen aus dem Morgenland, all die Propheten, die von ihm gesprochen hatten und die wir vorhin gehört haben: all dies ist wahr gewesen und plötzlich offenbar geworden. Jesus fängt an, zu predigen. Nach einer langen Fastenzeit, versucht vom Teufel, beginnt er seine Arbeit im Weinberg Gottes. Er redet zu den Menschen, er heilt sie und er verkündet mit Vollmacht den Willen seines Vaters im Himmel.

Für die Menschen von damals, gerade für die, die ihn noch aus der Kindheit kannten, ein unglaublicher Vorgang. Sie sagen: „Was will der auf einmal? Ich kannte ihn noch, da hat er noch in die Windeln gemacht.“ Sie sagen zu ihm und über ihn: „Du bist doch der Sohn des Josef, du bist doch Zimmermann. Was soll das Gerede von Gott?“ Aber Jesus antwortet ihnen in unserem Predigtwort und sagt: „Ja, ihr kennt mich und ihr wisst, woher ich bin. Aber es gibt einen, der mich gesandt hat – ich habe einen Auftrag. Ihr aber wollt den nicht kennen, der mich sendet, Gott selbst nämlich. Ich aber kenne ihn und ich weiß von ihm, denn ich selbst bin von ihm.“

Die Menschen um Jesus herum spalten sich wegen dieser Botschaft. Die einen bleiben dabei und sagen: „Der spinnt doch!“ – „Schuster bleibt bei deinen Leisten!“ Noch bösere Zungen werden wohl gesagt haben: „Der war wohl zu lange im Tempel gewesen und der Weihrauchduft hat ihm den Verstand vernebelt!“ Diese Menschen waren sich sicher: Jesus ist nicht der Messias, der von Gott Gesandte, um die Welt zu erlösen. Sie haben beschlossen, noch weiter auf ihn zu warten und die Zeichen als nicht erfüllt zu betrachten.

Die andere Gruppe aber spricht so nicht. Sie ist zögerlich, aber dennoch bereit, die Worte dieses ungewöhnlichen Menschens anzuhören und sie zu prüfen. Denn dieser Jesus stellt die bisher bekannte Ordnung der Welt auf den Kopf. Denn Jesus redet von unglaublichen Dingen:

– dass Gott uns seine Liebe schenkt und er auf uns zuerst zukommt, ja er uns alle einlädt in sein Reich

– dass Gott ein Gott der Liebe ist, der sich einsetzt für die Benachteiligten, die Armen, die, die im Leben dieser Welt zu kurz gekommen sind

– dass Gott ein naher Gott sein will. Ein Gott, der erfahrbar werden kann im Leben eines jeden einzelnen Menschen

– dass Gott den Menschen mehr schenkt, als sie eigentlich verdient haben

– dass Menschen, die zu Gott gehören anders leben können, als es die Ordnungen der Welt vorzuschreiben scheinen.

Menschen aus dieser zweiten Gruppe haben sich davon ansprechen lassen. Ja sie haben sich berühren lassen von dieser Botschaft der Liebe Gottes und haben Heilung erfahren für ihr eigenes Leben. Sie sind Jesu nachgefolgt, als er noch lebte und darüber hinaus, als er den Tod am Kreuz gestorben ist. Der Glaube, dass in diesem Kind in der Krippe der Christus geboren wurde, hat sich rasend schnell verbreitet und hat viele Herzen erreicht und Leben gestaltet.

An Weihnachten, am Heiligen Abend als den Geburtsabend von Jesus von Nazareth erinnern wir uns an diese Unglaublichkeiten, die in Jesus offenbar geworden sind. Und wir stehen vor den gleichen Fragen, die die Menschen damals an Jesus gerichtet haben: „Kann das alles wahr sein? Kann Gott wirklich mein Leben heilen und verändern? Darf ich wirklich frei sein trotz dieser Welt und all ihren Leides?“ Ja, liebe Gemeinde, all dies ist wahr: Gott will euer Leben heilen, euch eure Liebe schenken und euch frei machen in dieser Welt!“

Es ist die Botschaft dieser Heiligen Nacht, die den Anfangsgrund bildet für alle Botschaft, die mit Christus verbunden ist.

Jesus von Nazareth hat dafür sein Leben hingegeben. Er ist sich und seiner Botschaft treu geblieben. Stets war er in den Jahren seines Auftretens als Prediger und Heiler bei den Menschen, bei ihren Nöten, auch wenn es so viele waren, dass sie ihn manchmal zu ersticken drohten. Stets hat er dem widersprochen, was die Welt nach außen als Botschaft sendet. Er sagt und lebt, dass nicht das Starke und das Mächtige, nicht die Großen und Berühmten die Reichen und die Gewalttätigen zählen in dieser Welt, sondern, dass die Liebe im Kleinen beginnt und mit ihrer Hoffnung durchbricht, um in der Welt zu leuchten. Dafür hat sich Jesus schlagen lassen und dafür ist er schließlich ans Kreuz gegangen. Auch für die, die gegen ihn standen und seine Botschaft verachtet haben. Sein Leben und Wirken ist uns Vorbild und Ansporn, ihm nachzufolgen, auf ihn zu vertrauen, nicht aufzugeben in den Zeiten der Kälte und der Dunkelheit, sondern Lichter anzuzünden, die von der Liebe Gottes zu den Menschen erzählen wollen.

Wenn Sie, liebe Gemeinde, das Kind in der Krippe betrachten, hier oder bei Ihnen zu Hause, dann weiten Sie Ihren inneren Blick. Sehen Sie nicht nur den Knaben im lockigen Haar, sondern sehen Sie sein Leben und Sterben dahinter. Sehen Sie die Kraft der Botschaft, die von diesem Menschen ausgegangen ist. Und sehen Sie noch tiefer! Sehen sie in diesem Kind Gott selbst, der der Ursprung dieser Liebesbotschaft für die Welt gewesen ist und weiterhin bleibt. Nehmen Sie diesen Knaben in der Krippe auf in Ihr Herz – schaffen Sie ihm immer wieder neu Raum, nicht weil er es von Ihnen verlangt und Sie drängt, sondern weil er Ihnen seine Liebe neu schenken möchte und Sie tragen möchte auch in den dunklen Stunden Ihres Lebens. In der Erinnerung gesprochen hat heute diese Gnadenzeit begonnen mit der Geburt unseres Heilands.

Und ich, liebe Gemeinde, möchte daran festhalten, mich selbst auch daran festhalten. Weihnachten ist mehr als nur eine gefühlsbeladene Unterbrechung des wirklichen Lebens und der Ordnung dieser Welt. Weihnachten ist vielmehr der Beginn etwas Neuen, etwas Großartigen, das zu Ihnen kommt und Sie gestaltet und verwandelt – wenn Sie es möchten – hin zu einem neuen Leben in Sinne seiner Botschaft der großen Liebe Gottes.

Das wünsche Ich Ihnen heute Abend: ein Fest des Segens für Sie alle. Frohe Weihnachten.

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