Es ist eine Zumutung! (Joh 6,66-69)

Joh 6,66-69
[66] Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm. [67]
Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt ihr auch weggehen? [68] Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr,
wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; [69] und wir haben geglaubt und
erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

I. Es ist eine Zumutung! Das haben sich sicher die Jünger Jesu damals gedacht. Im Abendmahlsgottesdienst am Freitag: Rede Jesu über das Himmelsbrot. Esst mein Fleisch! Trinkt mein Blut! Anstößig! Auch von euch haben ein paar das Gesicht verzogen! Viele Jünger verlassen ihn!!! Auch diese Konfirmation ist eine Zumutung! … denkt vielleicht mancher … aber in anderem Sinn: jemandem etwas zumuten = ihm zutrauen, dass er es aushält bedeutet auch: ich habe das Vertrauen, dass du es schaffen kannst.

II. 1,5 Jahre Konfirmanden-Zeit – herausragende Elemente: … aber auch weniger Spektakuläres: z.B. … Ich bin sicher: Ihr wisst jetzt mehr als vorher über den christlichen Glauben, darüber wie man ganz persönlich seinen Glauben leben kann oder wie Christinnen und Christen in Gemeinden das gemeinsam tun. Wir Erwachsenen trauen euch nach dieser Zeit, nach diesem Unterricht zu, dass ihr euch eure eigene begründete Meinung zu diesen Themen bilden könnt. Und ihr habt euch ja auch schon soweit eine eigene Meinung gebildet, dass ihr euch zu einem Leben als Christin bzw. Christ bekennen werdet. Vielleicht ist euer Bekenntnis innerlich eher etwas zögernd oder zurückhaltend, aber das kann ruhig so sein. So wie ihr innerlich und äußerlich noch wachsen werdet, so kann euer Glaube das auch noch. Auch in der Bibel gibt es Bekenntnisse und eines hören wir uns jetzt mal an, kurz nach dem Jesus seine Rede über sich selbst als das Himmelsbrot gehalten hat.

[TEXT]

III. Petrus bekennt: Du bist der Heilige Gottes: erinnert an Taufgottesdienst: Aufnahme in die Gemeinschaft der Heiligen, Glasscheibe: Heilige sind Menschen, durch die das Licht Gottes durchscheint – in Jesus wurde Gott ganz besonders sichtbar. Petrus bekennt: Du hast Worte des ewigen Lebens. Es sind Worte, die Leben bringen, weil sie von Gott erzählen, weil sie Menschen gesund machen, weil sie erzählen, wie Menschen gut miteinander auskommen können. Jesus spricht Worte des Lebens, die Menschen aufbauen und sie nicht klein halten, Worte, die zu einem sinnvollen Leben ermutigen und die nicht sagen: Es hat doch sowieso alles keinen Zweck. Du hast Worte des ewigen Lebens! Das ist für Petrus so deutlich, dass es für ihn nichts anderes gibt. Wohin sollen wir gehen? Für ihn gibt es keine Alternative zu Jesus. SO felsenfest ist er überzeugt.

IV. In der Lesung war jedoch eindeutig von zwei Wegen die Rede,
einem breiten Weg, der in die Verdammnis führt und einem schmalen, der zum Leben führt. Ich will jetzt nicht über die Verdammnis oder Nicht-Verdammnis reden. Aber die Lesung hat verdeutlicht, dass wir immer wieder vor der Alternative stehen, welchen Weg wir nehmen, welche Richtung wir in den großen und kleinen Entscheidungen unseres Lebens einschlagen. Wohin soll es gehen? Immer wieder wird diese Frage in eurem Leben auftauchen. (So wie es auf der Grafik auf dem Titel des Liedblattes abgebildet ist.)

V. Wohin aber gehen wir? Mit dieser Frage beginnt auch das Gedicht „Reklame“ von Ingrid Bachmann, das wir nun hören werden:

REKLAME (Ingeborg Bachmann)
wohin aber gehen wir
ohne sorge sei ohne sorge
wenn es dunkel und wenn es kalt wird
sei ohne sorge
aber
mit musik
was sollen wir tun
heiter und mit musik
und denken
heiter
angesichts eines endes
mit musik
und wohin tragen wir
am besten
unsere fragen und den schauer aller jahre
in die traumwäscherei ohne sorge sei ohne sorge
was aber geschieht
am besten
wenn totenstille
eintritt

Lauter ernsthafte Fragen, die da in dem Gedicht gestellt werden und die doch kaum zu verstehen sind, weil sie immer wieder von heiteren und beruhigenden Zwischenrufen unterbrochen werden. Wenn man die mal weglässt, klingt es so: Wohin aber gehen wir, wenn es dunkel und wenn es kalt wird? Aber was sollen wir tun und denken angesichts eines Endes? Und wohin tragen wir unsere Fragen und den Schauer aller Jahre? Was aber geschieht, wenn Totenstille eintritt? Schon Jahrzehnte vor dem Start des Privatfernsehens hat Ingrid Bachmann hier in Worte gefasst, was heute Alltag ist: Immer wieder werden auch die ernstesten Themen durch heitere und muntere Werbung unterbrochen. Und das scheint mir in gewisser Weise typisch zu sein für unsere Situation heutzutage insgesamt: Es ist mühsam wichtige Fragen beieinander zu halten und sie in Ruhe zu durchdenken. Die Chance der Ablenkung, des reinen Zeitvertreibs um des Zeitvertreibs willen, erscheint mir heute so hoch wie selten zuvor. Und es bedarf sicher einer besonderen Anstrengung sich darum zu bemühen. Und wie es in der Lesung gesagt wurde, muss man auch mal den Mut haben, eigene Wege zu gehen, die anders sind als die der anderen. Wohin aber gehen wir, wenn es dunkel und wenn es kalt wird? – fragt Ingrid Bachmann. Wohin geht ihr, wenn es dunkel und wenn es kalt wird? – dieser Frage solltet ihr euch stellen!

VI. Wohin sollen wir gehen? fragt Petrus. Und für ihn ist die Antwort klar. Er geht mit Jesus, dem Heiligen Gottes. Auch wenn er immer wieder mal schwache Momente in seinem Leben hat, wird er doch später einer der führenden Persönlichkeiten der frühen Christenheit. Man muss kein besonderer Glaubensheld sein, um mit Jesus zu gehen. Er braucht keine Vorleistungen, keine Zeugnisse, keine Prüfungsnachweise. „Folge mir nach“ – das war das ganze Einstellungsgespräch – so heißt es auf der Grafik im Liedblatt. Zu ihm kann jede und jeder kommen. Das heißt aber nicht, dass Christus anspruchslos ist. Ganz und gar nicht. Denn seine Einladung ihm zu vertrauen, umfasst unser ganzes Leben. Bei ihm gibt es keine Unterscheidung zwischen „Arbeit“ und „Freizeit“. Man kann nicht vormittags Christ sein und abends nicht, oder vielleicht nur am Wochenende.

VII: Es ist eigentlich ein bisschen so wie beim Schwimmen: Die Erfahrung, dass Wasser trägt, mache ich erst, wenn ich mich hineintraue und Schwimmen lerne. Dass Jesus der Heilige Gottes ist, dass es gut ist, zu ihm zu kommen und nach seinen Worten zu leben, dass er mich tragen kann, wenn es dunkel und wenn es kalt wird – diese Erfahrungen mache ich erst, wenn ich mich auf ihn einlasse, wenn ich versuche mit ihm zu leben.

VIII. Dazu möchte ich euch Mut machen. Das möchte ich euch zu-muten!

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