Er schläft in Frieden (Psalm 4,9)

Psalm 4,9
[9] Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.

[78-jähr. Mann, geistig fit. Seit Herzinfarkt vor 24 Jahren ständig mit Krankheiten kämpfend. Trotzdem lebenslustig. Aufgrund starker Beschwerden Entscheidung zu einer nochmaligen OP am Herzen, im Zusammenhang mit der OP wurde Magenkrebs festgestellt, 3 Tage nach der OP verstorben ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Ehefrau und Sohn des Verstorbenen berichten voller Liebe von ihm. Die Trauer um ihn ist groß, aber es herrscht zugleich Erleichterung, dass er friedlich sterben konnte und nicht die Qualen des nicht mehr behandelbaren Magenkrebs erleiden musste.]

Liebe Fam. NN, liebe Trauergemeinde!

Vor 14 Tagen noch hätte es wohl keiner gedacht. Aber heute sind wir hier zusammen gekommen, um Abschied zu nehmen von NN. Nach seiner letzten Operation vor 10 Tagen ist er nicht mehr aufgewacht, heute vor einer Woche ist er verstorben.

Er hat wohl gewusst, dass es mit dieser Operation schwierig werden könnte. Aber er hat gern gelebt, und er hat viele Pläne gehabt, was er alles noch machen wollte. Er war krank – seit er vor 24 Jahren seinen ersten Herzinfarkt hatte, gab es immer wieder etwas. Aber das hat ihn nie eingeschüchtert: Nach jeder neuen Sache hat er sich wieder aufgerappelt, hat sich auf seine beiden Füße gestellt und ist weiter durchs Leben marschiert. Und so ist es nur folgerichtig, dass er sich auch jetzt noch einmal zu einer Operation entschieden hat, die seine Lebensqualität hätte verbessern können. Aber nun war es wohl doch zu viel. Er wäre, nach allem, was wir sagen können, diesmal wohl nicht mehr auf die Beine gekommen. Und vielleicht hat er das auch irgendwie mitbekommen, und ist auch deshalb einfach nicht mehr aufgewacht.

Ich weiß nicht, ob Herr N sich viel damit beschäftigt hat, was mit ihm wohl nach seinem Tode passiert. Sie haben mir erzählt, er habe manchmal so seine Zweifel gehabt, wie das denn mit Gott ist. Er konnte manchmal nicht dran glauben, dass es einen Gott gibt – nicht nach vielen schrecklichen Dingen, die er vor allem im Krieg erlebt hat. Vielleicht ist es ihm auch schwer gefallen zu glauben, dass er zu Gott geht, wenn er diese Erde verlässt. Trotzdem glaube ich: Genau da ist er jetzt. Er ist in Gottes Reich, ohne Krankheit und ohne Beschwerden, die ihm das Leben schwer machen. Ein Vers aus dem Psalm 4 spricht das aus: „Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.“ Ruhe bei Gott, das erwartet ihn jetzt – und so, wie sie mir von ihrem Mann, Vater, Schwiegervater berichtet haben, weiß er das durchaus zu schätzen, wenn er Ruhe und Frieden hat. Denn die hat er nicht immer in seinem Leben gehabt.

Er hat durchaus einiges erlebt, was alles andere als einfach war. Er stammt von einem Bauernhof, wo er als Kind und Jugendlicher schon kräftig mitarbeiten musste. Er ist mit 17 Jahren zum Krieg eingezogen worden, schwer verwundert worden und landete schließlich auch noch in Kriegsgefangenschaft. Seine Verwundungen sind auch nie mehr ganz komplett ausgeheilt – aber das hat ihn nicht daran gehindert, trotzdem ein neues Leben aufzubauen und eine Familie zu gründen. Er hat viel gearbeitet, aber mit 54 musste er nach seinem ersten schweren Herzinfarkt in Rente gehen. Seitdem waren Krankheiten sein ständiger Begleiter.

Und trotzdem hat er sich nicht von seiner Lebensfreude abbringen lassen. Er hat seine Familie, sie, seine Frau, und sie, Sohn und Schwiegertochter, immer in der Nähe gehabt, und sie waren sein großes Lebensglück Er hat es genossen, mit anderen Menschen zusammen zu sein und zu erzählen und zu reden. Er war manchmal dabei vielleicht ein bisschen polterig und dickköpfig. Aber er war immer ehrlich. Und es war auf ihn immer Verlass: Wenn er etwas versprochen hatte, dann wurde das auch erledigt, da gab es nichts. Er hat allerdings auch seine Zeit für sich gebraucht und war gern auch mal allein mit sich selbst. Aber das war in Ordnung so.

Nun geht eine lange Zeit, die sie mit ihm zusammen verbracht haben, zu Ende. Und ich kann mir vorstellen, dass sie ziemlich hin und her gerissen sind zur Zeit. Denn einerseits gönnen wir ihm die Ruhe, die er jetzt hat, die Freiheit von Krankheiten, die ihm so zu schaffen gemacht haben. Aber andererseits fehlt er doch hier, und auch wenn er krank war hat man doch nicht wirklich damit gerechnet, dass er jetzt so plötzlich weg sein würde. Wir wissen wohl, dass Gott uns versprochen hat, dass wir auferstehen werden und ein ewiges Leben haben werden. Aber wir wissen auch, dass wir NN hier in unserer Welt nicht mehr sehen werden. Wir werden ihm erst wieder begegnen, wenn wir selbst hinübergehen in Gottes Reich. Und das ist ein harter Verlust.

Eines aber hilft da vielleicht weiter: Denn NN gehört – auf eine bestimmte Art – doch immer noch zu uns. Er ist getauft – wie wir auch. In der Taufe hat sich unser Leben mit dem Leben Gottes verbunden, und diese Verbindung bleibt – über den Tod hinaus. So sind wir mit Gott verbunden – und auf diese Weise eben auch mit NN. Gott hält uns alle in seiner Hand, ob wir nun leben oder sterben.

Gott hat selbst auch Leiden und Sterben erfahren. Jesus Christus ist auf eine bittere Art und Weise gestorben – und hat so das erlebt, was wir alle erleben. Im Tod ist er uns verbunden. Und genau so wird er uns auch in der Auferstehung verbunden sein: Wer glaubt und getauft ist, der wird leben, auch wenn er stirbt, so hat Jesus Christus einmal gesagt. NN lebt mit Gott – und wir auch, nur zur Zeit noch in einem anderen Bereich. Es ist noch nicht unsere Zeit, dass wir auch hinüber gehen. Wir sollen noch hier leben, sollen Dinge erleben, sollen Trauer und Freude spüren. Trauer um NN, aber auch Freude darüber, dass er da war. Trauer und Freude auch über viele andere Dinge. Bei all dem sind wir aber nie allein: Wir sind getauft, wir gehören zu Gott und keiner wird uns von ihm trennen. In seinem Frieden sollen wir leben.

„Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne!“ – diese Zuversicht und diesen Frieden, den wünsche ich NN – und uns allen hier ganz genau so. Dass wir diesen Frieden spüren, dazu helfe uns Gott – er bewahre uns in seinem Frieden, der höher ist als alles, was wir verstehen können.

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