Entscheide dich!

Liebe Gemeinde,

heute steht eine Erzählung aus der Bibel im Mittelpunkt,
die besonders kostbar für uns ist:

Denn heute stehen drei Frauen im Mittelpunkt unserer Erzählung:
Endlich einmal nicht nur Ur-väter!
Sondern endlich einmal Ur-mütter!

Viel zu oft blendet die Bibel
die Lebensperspektive von Frauen aus.
Heute kommt sie voll zum Tragen.
Endlich einmal!

Und dies sind die drei Frauen, die heute im Mittelpunkt stehen:
No-omi – das ist die Schwiegermutter
Orpa – das ist die eine ihrer Schwiegertöchter
und Rut – das ist die anderer ihrer Schwiegertöchter.

Und nach der letzten – nach Rut – ist auch das ganze biblische Buch im Alten Testament benannt: Das Buch Rut!

Bevor ich Ihnen einen Teil aus dem ersten Kapitel vorlese,
erzähle ich Ihnen den Anfang der Geschichte:

No-omi, die spätere Schwiegermutter in dieser Geschichte, hat einen Mann und zwei Söhne.
Die vierköpfige Familie lebt in Bethlehem.
Aber dann kommt eine Hungersnot über ihr Land.
Und die vier tun das, wozu auch heute immer wieder Menschen gezwungen sind: Die vier flüchten in ein anderes Land:
Nach Moab.

Dort haben sie zwar genug zu essen,
aber – großes Unglück – der Vater der Familie stirbt!
Noomi, die Witwe, bleibt mit ihren beiden Söhnen allein zurück.

Und wie glücklich muss Noomi gewesen sein,
dass ihre beiden Söhne zwei Frauen aus dem Land Moab geheiratet haben: Orpa und Rut!

Aber das Leben kann so ungerecht sein:
Nachdem schon der Ehemann von No-omi gestorben war,
sterben auch ihre beiden Söhne! 

Jetzt sind die drei verwitweten Frauen auf sich gestellt:
Noomi aus Bethlehem! Die Jüdin.
Orpa und Rut aus dem Land Moab! Mit ihrem ganz anderen Glauben.

Wie wird es mit den dreien Witwen weitergeben?
Das erzählt die Bibel so:
im Buch Rut, Kapitel 1:

[TEXT]

Liebe Gemeinde,

was für drei Frauen! was für drei Lebensentscheidungen!

Als erste: Was können wir von No-omi lernen?
An No-omi imponiert mir, dass sie ein Gebot, das für uns alle ganz wichtig ist, mit Leben füllt:
„Liebe deinen Nächsten – wie dich selbst!“

Zwei Seiten einer Medaille:
„Liebe deinen Nächsten – wie dich selbst!“

Auf der einen Seite die Nächstenliebe!
Auf der anderen Seite die Selbst-Fürsorge!

No-omi hat nämlich die Stärke, dass sie auf ihre eigenen Bedürfnisse achtet:
Sie bleibt nicht einfach in Moab, um ihrer Schwiegertöchter willen.
Sie wagt den Aufbruch – zurück in ihre Heimat nach Bethlehem.

Sie ist davon überzeugt, dass es das Beste für sie ist! Bei aller Unsicherheit!
Noomi sorgt für sich selbst.

Zugleich sorgt sie aber auch für ihre beiden Schwiegertöchter.
Sie will dem Lebens-Glück ihrer beiden jungen Schwiegertöchter nicht im Weg stehen.

Fazit – Was wir von Noomi lernen können: 
Nächstenliebe und Selbstfürsorge!
Liebe Deine Nächste – wie dich selbst!

Als zweite: Was können wir von Rut lernen?

Rut lehrt uns Mut!
Den Mut, klare Entscheidungen zu treffen und Prioritäten zu setzen.

Rut besteht darauf, mit ihrer Schwiegermutter nach Israel zu ziehen – obwohl sie dort als Moabiterin mit Zurückweisung zu rechnen hat.

Rut ist es wichtiger, weiterhin ihre Schwiegermutter zu unterstützen, als vermeintliche Sicherheit in ihrem Heimatland zu bewahren.

Und an dieser Stelle wage ich mit ihnen einen Blick nach vorn in unserer Geschichte, wie es mit Rut weitergehen wird:

Rut, die Moabiterin, wird in Bethlehem einen Mann heiraten – einen Juden.
Die beiden werden unter anderem ein Kind bekommen, das heißt Isai.
Und die beiden werden einen Enkelsohn bekommen, der heißt David – und den kennen sie alle, denn das wird einmal der berühmte König David. 
Und sie alle kennen schließlich den berühmtesten Nachfahren von König David: Jesus selbst!

So wird also Rut, die Moabiterin, die nicht Jüdin war, zu einer Vorfahrin von Jesus.
Was für ein Migrationshintergrund für König David und für Jesus.

Liebe Gemeinde: Manchmal brauchen wir mutige Entscheidungen, damit etwas Neues entstehen kann!

Rut lehrt uns Mut!

Schließlich die dritte im Bunde:
Was können wir von Orpa lernen?

Ich stelle mir die Szene vor, wie sich Orpa
von Rut und No-omi trennt.
Orpa will zurück in ihrer Heimat.
Und dann – als sie sich schon von den beiden abwendet – da hört sie noch im Gehen, dass Rut sagt: „No-omi, ich verlasse dich nicht! Ich gehe mit dir.“

Meine Güte!
Hätte sich da nicht auch Orpa ein Herz fassen können?
Hätte sie nicht zu den anderen beiden halten können
und mit ihnen gen Bethlehem gehen können?
Denkt diese Orpa denn nur an sich?

Liebe Gemeinde,
in der Bibel wird Orpa für ihre Entscheidung mit keinem Wort kritisiert.
Da wird gerade nicht gesagt: „Guck mal, Orpa! Rut hat Mut!
Aber Du wählst die vermeintliche Sicherheit und kehrst in die Obhut deines Elternhauses zurück! Na ganz toll!“

Nein, die Bibel akzeptiert, dass Orpa ihren ganz eigenen Weg geht, einen anderen Weg als Rut.

Orpa entscheidet selbständig!

Von ihr können wir das hier lernen:
Schau nach innen – nach deinen eigenen Bedürfnissen!
Schau nach außen – wie verhalten sich die anderen?
Und dann entscheide dich – und triff die Entscheidung, die zu dir passt und die nur du allein fällen kannst.
(Die Formulierung „Schau nach innen. Schau nach außen. Und dann entscheide dich.“ stammt von Ruht Cohn, Begründerin der Themenzentrierten Interaktion.)

Liebe Gemeinde,
was wir von den drei Frauen lernen können?
Von Noomi – die Balance zwischen Nächstenliebe und Selbstfürsorge.
Rut – lehrt uns Mut!
Und Orpa sagt uns: Schau nach innen – schau nach außen – und dann entscheide dich!

print

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen