Entdecke das Geheimnis des Glaubens!

Weihnachten lebt vom Geheimnis, liebe Gemeinde. Was wäre Weihnachten ohne die vielen kleinen und großen Geheimnisse? Schon als Kind bekam ich dieses Geheimnis an Weihnachten zu spüren, weil die Tür zum Weihnachtszimmer stets tagelang verschlossen blieb. Und heute verstecke ich die Geschenke vor meinen eigenen Kindern – auch wenn sie nun schon erwachsen sind. Denn was wäre Weihnachten ohne die Geheimnisse der Heiligen Nacht? Wie viel ginge verloren, wenn wir diese Geheimnisse nicht mehr hätten? Das spürt man schon, wenn jemand versehentlich das eine oder andere Weihnachtsgeschenk schon vor dem Heiligen Abend entdeckt. Oder wenn an Heiligabend nur noch Geldscheine den Besitzer wechseln, wie es Loriot beispielhaft in einem unvergesslichen Sketch parodiert hat. Weihnachten braucht das Geheimnis und lebt von den Geheimnissen. Aber auch unsere Gesellschaft lebt davon, dass wir Menschen gewisse Geheimnisse voreinander haben.

Denken Sie nur daran, wie Sie als Kind heimlich unter der Bettdecke ein spannendes Buch zu Ende gelesen haben. Oder wie sie zum ersten Mal bis über beide Ohren verliebt waren – das haben Sie zunächst vermutlich auch geheim gehalten (ich übrigens auch). Wir haben vielleicht sogar ein Recht auf solche Geheimnisse. Denn Geheimnisse sind ein Teil unserer Menschenwürde. Weil wir freie Menschen sind und eben keine Marionetten Gottes, deshalb dürfen wir auch Geheimnisse haben – selbst vor Gott. Selbst Gott scheint unsere Geheimnisse zu achten, denn sonst würde er kaum auf den allerersten Seiten der Bibel, wo vom Paradies die Rede ist, den Adam fragen: „Adam wo bist du?“ Ich glaube nicht, dass das nur eine rhetorische Frage ist, denn die Bibel berichtet uns, dass Adam sich aus Scham vor Gott versteckt. Und wenn also selbst Gott respektiert, dass Adam sich versteckt und vor Gott ein letztes Geheimnis hat, sollten wir Menschen dann nicht uns auch gegenseitig Geheimnisse zubilligen und uns nicht zu gläsernen Menschen machen lassen, die vor Regierungs-institutionen nackt und bloß dastehen?

Zu unserem Leben gehören Geheimnisse wie zu Weihnachten Apfel, Nuss und Mandelkern. Sie schützen etwas sehr Wertvolles und Kostbares: nämlich unsere Identität, unsere Einzigartikeit – den aller innersten Kern unseres Dasein und Menschseins. Wir müssen sorgsam darauf achten, dieses letzte Geheimnis nicht leichtfertig zu verspielen und preiszugeben. Gerade die Schöpfungs-geschichte handelt von einem Tabu, das es zu schützen gilt. Und weil die Menschen dieses Geheimnis nicht beachtet haben, haben sie letztlich das Paradies auf Erden verloren und verspielt. Die roten Christbaumkugeln auf unseren Weihnachtsbäumen erinnern noch heute Jahr für Jahr daran.

Auch die Nüsse sind ein gutes Bild. Bei einer Nuss wird der eigentliche Kern fast immer von einer äußeren Schale geschützt. Bei Erdnüssen ist das so und bei Walnüssen, aber auch bei Kokosnüssen ist das nicht anders. Vielleicht gehören auch deshalb die Nüsse unbedingt zu unserem Weihnachtsfest dazu, weil sie das Geheimnis des Glaubens ein Stück weit veranschaulichen.

Mit der Botschaft des Glaubens ist es nämlich ganz ähnlich. Die braucht immer auch einen schützenden Raum, der sie umgibt. Wer die Schale zerstört, macht den Kern angreifbar und verletzbar. Die Schale von Weihnachten ist das Fest mit seinen lieb gewordenen Traditionen. Mit dem Christbaum und dem Stall, mit der Krippe, mit Ochs und Esel. Diese Traditionen bilden aber eigentlich nur den äußeren Schutzraum für die Botschaft von Weihnachten. Für das Geheimnis, dass Gott uns Menschen so unendlich nahe kommt. Für ein Geheimnis, das wir eigentlich gar nicht richtig verstehen und begreifen können.

Doch wir sind heute schnell dabei die Schale des Glaubens zu knacken. Die Traditionen leichtfertig zu verspielen und zu verlieren und damit auch den Schutzraum, in dem Glaube wachsen und gedeihen kann. Daran ist die Kirche sicher nicht unschuldig, aber auch unsere Gesellschaft nicht. Allzu Menschliches zerstört immer mehr die äußere Schale des Glaubens. Dabei birgt diese Schale doch einen einzigartigen Schatz: das große und wichtige Geheimnis des Glaubens. Das Vertrauen und die Hoffnung die viele Menschen ein Leben lang trägt. Die Kraft, die sie aus der frohen Botschaft vernehmen. Das gilt es doch zu entdecken! Wer bei Weihnachten schon stehen bleibt, der erfährt eigentlich nur die halbe Geschichte von Jesus Christus. Dem erschließt sich nicht gleich das ganze Geheimnis des Glaubens.

Übrigens: „Geheimnis des Glaubens“ diese Worte sind vielen unter uns vertraut. Katholische Christen sprechen Sie regelmäßig bei der Eucharistie. Die meisten von ihnen wissen auch wie dieser Satz weitergeht: „Geheimnis des Glaubens – Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir bis du kommst in Herrlichkeit.“ Darin steckt in der Tat das entscheidende Geheimnis des christlichen Glaubens: dass der Tod eben nicht das Ende ist, weil aus ihm heraus durch Jesus Christus neues Leben wachsen kann. Dieses Geheimnis kann uns das Kind in der Krippe mit seinem Leben hier auf Erden nahebringen. In einem kleinen unscheinbaren Stall in Bethlehem beginnt etwas, das uns helfen kann die Rätsel unseres Lebens zu entschlüsseln; das ist das unglaubliche Geheimnis unseres Glaubens. Eine Geschichte, die sich fortsetzt in den vielen kleinen Geheimnissen, die Menschen haben, die Jesus Christus nachfolgen und seinen Willen tun – wie Nelson Mandela, der sich ein ganzes Leben lang unerschütterlich gegen die Apartheit und für die Menschenwürde aller eingesetzt und stark gemacht hat. Vor wenigen Tagen wurde er in Südafrika beigesetzt und Staatsoberhäupter aus der ganzen Welt haben an der Beerdigung eines Menschen teilgenommen, der jahrzehntelang wegen seiner Überzeugung im Gefängnis gesessen hat. Wie vielen Menschen mag dieser unscheinbare alte Mann in Südafrika ein Vorbild gewesen sein und ist es noch? Mandela ist tot und doch wird er in ganz vielen Menschen weiterleben. Menschen wie er, die sich nicht mit dem status quo zufrieden geben sondern diese Welt immer wieder zum Guten bewegen durch ihr vorbildhaftes Leben und Handeln, weil sie aus dem Geheimnis des Glaubens immer wieder neu eine Paradiesgeschichte machen. Amen.

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