Eine Macht, die alles übersteigt

Liebe Gemeinde,

ich freue mich, heute hier mit Pfr. Cerepack bei Ihnen sein zu können, um diesen ökumenischen Gottesdienst zu Beginn Ihres Bergfestes feiern zu können. Ein Fest auf einem Berg, auf einer Erhöhung in der Landschaft also, ist ein guter Ort, um miteinander dessen zu gedenken, was der Tag der Himmelfahrt Christi uns vorgibt. Denn traditionell sind die Gottesdienste aus Anlass dieses Festes unter freiem Himmel gehalten worden oder aber zumindest nicht in den festen Mauern einer Kirche. Wie, um zu symbolisieren, dass unser Herr Jesus Christus von dieser Erde aufgefahren ist in den Himmel – so wie wir es vorhin im Glaubensbekenntnis gesprochen haben -, in den Himmel also, wo er die Herrschaft an der Rechten Gottes antritt. So finden wir in der Heiligen Schrift das Wort für den heutigen Tag im Evangelium nach Johannes im zwölften Kapitel, den Vers 32: „Und ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“

Jesus spricht von seinem bevorstehenden Tod und dem Leben danach. Er spricht von dem Tal, das er durchschreiten muss und der Erhöhung aus diesem Tal heraus zu einer neuen Herrlichkeit. Und mehr noch: er kündigt uns an, die wir an seinen Namen glauben, dass wir ihm auf diesem Weg nachfolgen sollen und nachfolgen werden. Christi Himmelfahrt ist, wenn Sie so wollen, der Abschluss der Lebensgeschichte dieses Mannes aus Nazareth, dessen wir im ersten Halbjahr so intensiv gedacht haben. Von der Geburt an Weihnachten, über den Einzug in Jerusalem, die Leidenstage in der Karwoche, seine Stiftung des Heiligen Sakraments des Abendmahles, sein Tod am Kreuz, die Auferstehung an Ostern und seine Zeit bei den Jüngern nach der Auferstehung. Nun aber ist das Ende seiner Erdenzeit gekommen, er fährt auf in den Himmel und setzt damit ein deutliches Zeichen. Nämlich, dass sein Leiden und Sterben nicht umsonst war. Nämlich, dass seine Auferstehung nicht nur ihn betrifft, nicht nur bezeugt, dass er alleine den Tod überwunden hat, sondern dass nun seine Herrschaft im Himmel beginnt, die sich auf uns alle bezieht. Der Mann Jesus wurde nun endgültig zum Christus, den wir gemeinsam mit Gott-Vater und dem Heiligen Geist glauben als die Drei-Einigkeit. So sind auch die nächsten Feste ausgerichtet: Pfingsten als das Wunder der Geist-Ausgießung über die Jünger und Trinitatis als das Preisen dieser Einheit in Gott.

Warum aber ist es heilsam für uns, dass wir uns diese Geschichte Jahr für Jahr vergegenwärtigen? Es ist heilsam für uns, weil wir mit hinein genommen werden sollen in diese große Geschichte Gottes, ja, weil Gott seine Geschichte mit der unseren verbinden will. An Christi Himmelfahrt wird uns zum Zeichen gesetzt: wer an diesen Christus glauben darf, der darf gewiss sein, dass er das Vertrauen setzt in eine Macht, die alles übersteigt, was wir auf Erden kennen. Deswegen die Auffahrt in den Himmel: nichts auf Erden ist damit vergleichbar – kein irdischer Thron, keine irdische Macht. Als Menschen, die wir seinen Namen seit der Taufe tragen, sind wir bereits Teilhaber dieser großen Herrlichkeit, die in unserem Leben Raum greifen möchte. „Ich werde alle zu mir ziehen.“, spricht Christus, wenn er von seiner Erhöhung redet. Wir sollen ihm auf seinem Wege folgen dürfen.

Sie alle hier werden nachher beginnen, das große Bergfest zu feiern: Donnerstag, Freitag und Sonntag gibt es ein tolles Programm mit vielen Attraktionen und ich denke auch: mit vielen gutem Essen und Trinken. Es ist gut so, dass wir Menschen Anlässe haben, solche Feste zu begehen und miteinander fröhlich zu sein. Unser Glaube lädt uns dazu ein, in der Gemeinschaft diese Fröhlichkeit zu leben und miteinander zu lachen und zu essen und zu trinken. Aber Jesus verweist auch auf den anderen Bereich des Lebens, mit dem wir alle zu kämpfen haben: mit den dunklen Stellen, mit den finsteren Tälern, mit den nicht erfüllten Sehnsüchten und den enttäuschten Erwartungen. Er verweist darauf, dass unser Leben in dieser Welt noch nicht vollendet ist. Und er gibt uns einen Ausblick, der damals wie heute interessant genug ist, sich dort besseres Leben vorzustellen. Er gibt uns den Blick in den Himmel und spricht: wer an mich glaubt, der darf darauf vertrauen, dass es etwas gibt, dass dieses Leben übersteigt. Etwas, das dieses Leben auffüllt in den dunklen Bereichen, das ausgleicht und Gerechtigkeit verheißt für diejenigen, die bereit sind, auf Gottes Lieben in Ihrem Leben zu antworten. Dieses vollständige Heil aber erwarten wir noch.

An Himmelfahrt bekommen wir davon einen Hinweis geschenkt: den Hinweis auf etwas, das über uns liegt, sichtbar zwar, aber noch nicht greifbar, noch nicht realisierbar für unser Leben. Dieser Himmel aber darf unsere Hoffnung nähren und ihr einen festen Grund geben, auf den wir unser Leben aufbauen dürfen. Davon spricht Himmelfahrt. Wer Gott in seinem Glauben so antworten darf, dass er sagen kann: „ich vertraue dir mein Leben an – ich setzte meine Hoffnung auf diesen auferstandenen und zur Herrschaft eingesetzten Christus“, der kann dann auch getrost feiern und fröhlich sein. Denn er weiß, dass er auch getragen sein wird von diesem Herrscher im Himmel, wenn sein Leben einmal nicht nur aus Festtagen bestehen wird.

Diesen Glauben, diese Hoffnung und diese Liebe zu Ihrem Nächsten wünsche ich Ihnen ganz besonders heute, in dieser festlichen Zeit.

Und der Friede Gottes, der vom Himmel zu uns herab kommt, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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