Eine letzte Reise (Joel 2,21)

Joel 2,21
[21] Fürchte dich nicht, liebes Land, sondern sei fröhlich und getrost; denn der HERR kann auch Gewaltiges tun.

Liebe Familie N.N., liebe Angehörige und Freunde, liebe Trauergemeinde.

Vergangenen Freitag wurde aus unserer Mitte N.N. vor seinen Schöpfer gerufen. Er verstarb nach langer Krankheit schließlich im Krankenhaus in Marktheidenfeld. Ich stelle das Gedenken an ihn unter ein Wort des Propheten Joel im zweiten Kapitel, den 21. Vers:

[TEXT]

Unser Bruder im Herrn musste in den letzten Jahren seines Lebens viel Leid ertragen und viel Schmerz aushalten. Seit knapp zehn Jahren kämpfte er mit einer Krankheit, die schlussendlich seine Wirbelsäule zerstörte und sein Leben auf einen immer engeren Kreis einschränkte. Ob er da mit seinem Gott gehadert hat? Ich kann es nicht sagen, denn ich durfte Herrn N.N. nicht mehr persönlich kennen lernen. Aber es werden viele Fragen aufgetaucht sein, warum Gott eine solche Krankheit zulassen kann und ein Leben schließlich mit so jungen Jahren beschränkt. X Jahren ist Herr N.N. nur geworden. Trotz alledem beerdigen wir ihn heute bewusst unter einer christlichen Hoffnung, weil wir glauben, auch in dem Leben unseres Bruders im Herrn Gottes Spuren deuten zu dürfen.

„Fürchte dich nicht, liebes Land“ heißt es beim Propheten Joel und das mag etwas sein, was uns Herr N.N. vorgelebt haben kann: so ist er mir beschrieben worden als ein Mensch mit viel Optimismus: einer also, der nach vorne blicken konnte, obwohl ihn viel daran hinderte nach vorne zu kommen. Einer, der selbstständig sein und bleiben wollte, obwohl es zum Schluss hin immer schwieriger damit geworden ist. „Fürchte dich nicht“ ist eine Haltung, die auf Erden Geltung erlangen kann, denn wer sich nicht fürchtet, kann der Gegenwart viel Lebenswertes abgewinnen. Aber „Fürchte dich nicht“ ist v.a. eine Einstellung, die auf Hoffnung sich gründet: denn wer eine Hoffnung hat, die unser Leben übergreift, der braucht sein diesseitiges Leben nicht zu überhöhen und kann furchtlos vor den Dingen der Welt in ihr sich bewegen.

„Sei fröhlich und getrost“ führt unser Prophet seinen Spruch weiter aus: fröhlich – so haben es mir die Angehörigen beschrieben – das war er wohl, Herr N.N. – ein Mensch, der gerne in Gesellschaft war, sich auf Geburtstage und Feiern gefreut hat. Nur in den letzten Jahren musste er sich ein wenig zurückziehen und musste kürzer treten, was die großen Gesellschaften angelangte. Die Freude aber an Menschen und über Menschen ist ihm geblieben: die Ururenkel seiner Mutter und die anderen Kinder der Familie, waren ihm lieb und teuer und seine Freude in diesen Jahren galt v.a. ihnen. Seine Hobbies, die ausgedehnten Reisen ins Ausland z.B. konnte er nicht mehr wahrnehmen, das Sammeln von Briefmarken hingegen behielt er noch lange bei. In der Freude eines Menschen, besonders, wenn er sie empfinden kann, wenn er mit anderen Menschen zu tun hat, will ich etwas davon erblicken, was Gott Herr N.N. als Gabe mit auf den Weg gegeben hat in dieser Welt. Dafür können wir, die wir zurückbleiben, dankbar sein: dass es eine Gabe war, die unser Herz aufleuchten ließ und selber Freude geschenkt und bereitet hat. Die Familie wird sich seiner erinnern mit dieser hervorstechenden Gabe, die vieles anderes nach sich zog. Z.B. auch das Da-Sein für andere, die Hilfsbereitschaft, die unser Bruder in Christo nach allem, was ich gehört habe, seinen Mitmenschen angedeihen ließ.

Ich glaube, dass Freude aber immer einen tieferen Grund besitzt. Ich habe diesen Grund schon genannt, wenngleich er nicht allen Menschen offen vor Augen steht. Sehen wir uns noch einmal das Bibelwort des Propheten an: „Der Herr kann Gewaltiges tun!“ – so schließt unser Wort für die Beerdigung für Herrn N.N.: mit unserem Gott haben wir eine Hoffnung, die unser Leben übersteigt. Eine Hoffnung, die uns nicht nur aufblicken lässt in den freudigen und gesunden Tagen unseres Lebens, sondern eine, die uns Mut macht und Gewissheit geben will gerade in den Tagen der Krankheit und des Todes. Es ist die Hoffnung, dass all unser Leben einen Sinn und ein Ziel hat: jedes Leben, wenngleich wir das nicht immer von außen zu erkennen vermögen. Und dass dieses Ziel eines ist, welches uns einen wird in einer Zukunft, die uns Gott versprochen hat: die Macht des Todes ist gebannt, seit Jesus Christus für unsere Sünde an Kreuze starb und wir seine Zusage erhalten haben, dass wir ihm nachfolgen werden durch den Tod hindurch in eine bessere, lichtere und gerechtere Zukunft. Diese Aussage kann uns wahrlich stärken und stützen in den schweren Zeiten des Abschiednehmens von einem geliebten Menschen. „Der Herr kann Gewaltiges tun“ – er wird den Tod auch für uns dereinst sichtbar besiegen und uns führen in diese neue, versprochene Welt, in der wir unseren Verstorbenen wieder begegnen werden, gereinigt und geklärt, ohne all diese menschlichen Beeinträchtigungen, die uns auf dieser Welt noch anhaften. N.N. ist uns in diese Welt bereits vorausgegangen, er hat eine letzte Reise unternommen, von der wir Menschen, die noch leben, so wenig wissen. Wir haben aber die Gewissheit: diese Reise hat ein Ziel und in diesem Lande angekommen dürfen wir ihn enthoben wissen all dem, womit er sich hier quälen musste. Der Grabstein und das Grab selber, zu dem wir nachher gemeinsam gehen werden, können dieses Ziel nicht fassen. Sie sind nur für uns gedacht: ein Merkstein für die Erinnerung, die wir an Herrn N.N. haben dürfen, aber ihn selbst finden wir dort nicht mehr. Er ist uns schon voraus. Uns Christen aber, die wir versuchen, diese Hoffnung, dieses Gewaltige, was Gott tun kann, in Worte zu fassen, damit wir dieses Leben ein wenig besser gestalten können – uns Christen bleibt es als Aufgabe, die Trauernden zu trösten und zu stützen. Seien Sie also bei der Familie N.N., soweit Sie es vermögen und seien Sie selbst ein lebendiges Beispiel für die Worte des Propheten Joel:

[TEXT]

Und der Friede Gottes, der uns wahrlich froh machen kann, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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