Eine Hochzeit, zu wenig Wein und zu viele Viren

Warum ist diese Geschichte in der Bibel?

Johannes erklärt es so:

Von allem Anfang an war es da; wir haben es gehört und mit eigenen Augen gesehen, wir haben es angeschaut und mit unseren Händen berührt – das Wort des Lebens.

Ja, das Leben ist erschienen; das können wir bezeugen. Wir haben es gesehen, und wir verkünden es euch – das ewige Leben, das beim Vater war und unter uns erschienen ist.

Und warum verkünden wir euch das, was wir gesehen und gehört haben? Wir möchten, dass ihr mit uns verbunden seid – mehr noch: dass ihr zusammen mit uns erlebt, was es heißt, mit dem Vater und mit seinem Sohn, Jesus Christus, verbunden zu sein.

 

Johannes sagt also:

Ich schreibe das für euch auf, weil ich es genau so erlebt habe.

Ich war dabei.

Ich habe es gehört, gesehen, genau betrachtet und angefasst.

Damit sind alle möglichen Kategorien von Zeugenaussagen abgedeckt.

Und ich schreibe das nicht zur Unterhaltung, sondern damit ihr dadurch einen Zugang zu Jesus und zu seinem Vater haben könnt.

Und an der Geschichte von der Hochzeit wird auch deutlich:

Das muss sich so ereignet haben, denn so etwas zu erfinden macht keinen Sinn.

Als erstes Zeichen seiner Macht ein Ereignis, das kaum jemand mitbekommen hat und das einen jungen Mann aus einer Verlegenheit geholfen hat und mit einem großen Besäufnis zu tun hat?

Besser wäre: Spektakuläre Heilung! Totenauferweckung! Übers Wasser laufen!

Und Johannes erzählt: Jesus hat dabei Mutter öffentlich blamiert und sie ganz grob angeredet.

Er sagte eben nicht: Ach Mama, lass mich bitte in Ruhe.

Sondern was er sagte ging eher in die Richtung: Blödes Weib, von Dir lasse ich mir nichts sagen.

Und das in einer Kultur, in der die eigene Mutter wie eine Heilige zu behandeln ist!

Das für den ersten öffentlichen Auftritt zu erfinden ist ungefähr so sinnvoll, als wenn einer der Kandidaten für den CDU-Vorsitz in seiner Rede als erstes gesagt hätte: Übrigens – ich verprügle gerne meinen Hund.

Die Geschichte war außerdem ein Misserfolg: Nur seine Jünger glaubten danach an ihn – niemand sonst.

Und dann auch noch dieses merkwürdige hin- und her:

Zuerst sagt er „meine Stunde ist noch nicht gekommen“ und dann dreht er sich um und macht doch was.

Was soll das?

Nein – das zu erfinden macht keinen Sinn.

Johannes schreibt es auf, weil es sich genau so ereignet hat.

Und weil wir in dieser Geschichte etwas wichtiges sehen können:

Wer Jesus ist, warum er da ist und wie wir ihn kennenlernen können.

Der Rahmen dieser Begebenheit ist eine Hochzeitsfeier.

Nicht ein sonstiges Fest, sondern eine Hochzeitsfeier.

Und das ist wichtig, um diese Begebenheit zu verstehen.

Damals hat man jung geheiratet Frauen mit 14-15, Männer mit 18-20

Und groß und lang gefeiert.

Mehr oder weniger das ganze Dorf und die Feier hat mehrere Tage bis eine Woche lang gedauert.

Jesus war also auf einer Hochzeit etwa 30 Jahre alt und er war Single.

Worüber denkt ein 30-jähriger Single auf einer Hochzeitsfeier nach?

Ich vermute mal stark: Über seine eigene Hochzeit.

Ob es die mal geben wird, wann sie sein wird, mit wem und wo und wie.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Jesus darüber nachgedacht hat.

Und dann macht auch seine Antwort Sinn, dieser Satz: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“

Er meint damit eben nicht: Jetzt ist noch nicht der richtige Moment für ein Wunder sondern: Jetzt ist noch nicht die Zeit meiner Hochzeitsfeier.

Aber was meint er damit?

Ehe und Hochzeit spielen in der Bibel eine große Rolle.

Die Beziehung  zwischen Gott und uns Menschen wird immer wieder mit Beispielen veranschaulicht und beschrieben.

Ein Hirt und seine Herde.

Ein Vater und seine Kinder.

Und am engsten und intimsten:

Ein Bräutigam und seine Braut.

Und das Ziel der Geschichte ist eine große Hochzeitsfeier.

Das finden wir zuerst beim Propheten Jesaja.

Jesus selber hat auch immer wieder darüber geredet und sich als den Bräutigam bezeichnet.

Und in der Offenbarung wird das Hochzeitsmahl des Lammes beschrieben.

Und bei dieser Hochzeit geht es immer um Befreiung, um Erlösung, um Reinigung, und um die Überwindung von Tod und Teufel.

Diese Hochzeit hat Jesus vor Augen, als er sagt: Jetzt steht sie noch nicht auf dem Programm.

Der Anfang dieser Hochzeit ist in Jerusalem.

Als er am Tag vor seiner Kreuzigung verhaftet wird, da sagt er:

Jetzt ist die Stunde gekommen.

Und er ist bei diesem Gedanken angespannt, denn er weiß, was da alles auf ihn zukommen wird.

Kein Wunder, dass er seine Mutter anmault – denn er ist zwar Gottes Sohn, aber gleichzeitig eben ganz und gar Mensch.

Und er ist ein Mensch, der ganz und gar zugewandt und hilfsbereit ist.

Na klar hilft er dem jungen Bräutigam aus seiner Verlegenheit, rettet ihn vor der Blamage.

Indem er einfach mal so aus 600 l Wasser 600 l Spitzenwein macht. Spätlese mit Prädikat.

Alle Menschen, die denken, dass Jesus eine Spaßbremse ist und das Christsein vor allem bedeutet, ein trauriges Gesicht zu machen und zum Lachen in den Keller zu gehen und sich alles zu verbieten, was Freude macht – die kennen Jesus nicht im geringsten.

Also: Wer ist Jesus und warum ist er da?

Er ist Gottes Sohn, er ist Gott selber (wer mich sieht, sieht Gott) und er ist gekommen, um Freude und Freiheit und Erlösung und Befreiung und Heil zu bringen.

Befreiung sogar von der Macht des Todes.

Auch wenn es ihn das Leben kostet.

Das ist das eine, warum Johannes diese Geschichte erzählt.

Weil sie so stattgefunden hat und weil sie etwas wichtiges über Jesus zeigt.

Und dann kommt noch dazu:

Wir sehen hier ein Musterbeispiel – fast wie im Lehrbuch – wie man Jesus kennenlernen kann.

Und warum verkünden wir euch das, was wir gesehen und gehört haben? Wir möchten, dass ihr mit uns verbunden seid – mehr noch: dass ihr zusammen mit uns erlebt, was es heißt, mit dem Vater und mit seinem Sohn, Jesus Christus, verbunden zu sein.

Und das geht in 4 Schritten:

  1. Jesus einladen und in seiner Nähe sein
  2. Auf den Rat von Menschen hören, die Jesus schon kennen
  3. Scheinbar sinnlose Sachen tun.
  4. Erfahrungen machen.

 

Jesus war auf der Hochzeit da, weil er eingeladen worden war.

Wenn man Jesus einlädt, dann kommt er.

Die Jünger haben das alles in der ersten Reihe miterlebt, weil sie die Nähe von Jesus gesucht haben.

Wer offen ist für eine Begegnung mit Jesus und ihn einlädt, zu dem kommt er.

Todsicher.

Das ist der erste Schritt.

Der Zweite:

Auf den Rat von Menschen hören, die Jesus schon kennen.

In diesem Fall ist es Maria.

Sie sagt den Dienern: Was auch immer er euch sagt – das tut!

Wenn man Jesus kennen lernen will, dann kann man das im Alleingang versuchen.

Aber erfahrungsgemäß geht es besser, wenn man dabei die Begleitung von Menschen sucht, die ihn schon kennen, die schon Erfahrung haben, die schon weiter sind.

Das ist ähnlich wie beim Bergsteigen.

Alleingänge sind schwierig und Anfängern nicht zu empfehlen.

Die Diener waren in der Nähe von Jesus und sie haben sich entschieden, auf den Rat von Maria zu hören.

Und die Folge war:

Sie sollten etwas machen, das a) anscheinend sinnlos b) offensichtlich anstrengend und c) möglicherweise riskant war und d) ohne erklärt zu bekommen, warum sie das machen sollen.

Füllt die Krüge und bringt davon dem Speisemeister – heute würden wir sagen: Hochzeitsmanager.

Sinnlos: Das Wasser für die Reinigung wird am Anfang gebraucht, wenn die Leute kommen – nicht mitten im Fest. Jetzt da noch Wasser reinfüllen ist doch Quatsch. Sie machen es trotzdem.

Obwohl es auch anstrengend war. Zum Brunnen laufen, Wasser hochhieven, zum Haus tragen und um füllen und das mit über 600 l – das ist schon mit Anstrengung verbunden.

Und es ist riskant. Denn was ist wohl zu erwarten, wenn sie dem Speisemeister Wasser zum Probieren geben? „Wollt ihr mich verarschen“ ist das mindeste – oder einen großen Anschiss und einen Tritt in den Hintern.

Und das alles sollen sie tun, ohne dass Jesus ihnen vorher erklärt, was passieren wird.

Sie lassen sich darauf ein und dabei geschieht ein Wunder. Ohne Blitz und Donner, ganz heimlich, still und leise.

Weil sie tun, was Jesus ihnen sagt.

Sie machen eine Erfahrung.

Sie machen die Erfahrung: Dieser Jesus kann außergewöhnliche Dinge tun.

Und noch eine Erfahrung machen sie: Sie bekommen dafür kein Lob.

Der Speisemeister mault den Bräutigam an und sie werden ignoriert.

Christsein bedeutet also: In der Nähe von Jesus sein, sich von ihm was sagen lassen, darum Dinge zu tun, die sinnlos, anstrengend und riskant sind, dabei Dinge zu erleben, für das Alles nicht einmal ein Dankeschön zu bekommen und das alles, ohne vorher erklärt bekommen zu haben, was passieren wird und warum ich das machen soll.

Mit anderen Worten:

Es geht darum, immer wieder neue Experimente mit Jesus zu machen und dabei Erfahrungen zu machen und Erlebnisse zu sammeln.

Das mit den Erfahrungen ist wichtig.

Denn über etwas viel wissen und etwas erlebt zu haben ist ein großer Unterschied.

Nehmen wir mal als Beispiel das Küssen.

Jemand kann viel über das Küssen wissen. Indem er Filme anschaut. Bilder betrachtet. Berichte darüber liest.

Aber wie das wirklich ist weiß er erst, wenn er selber geküsst hat.

Erfahrungen sind durch nichts zu ersetzen.

Der Speisemeister ist an dieser Erfahrung leider vorbeigegangen, denn er steht sich dabei selber im Weg.

Denn er war einer von diesen starken Alphatieren, die meinen, immer alles am besten zu wissen.

Als der Spitzenwein kommt, da kommt er überhaupt nicht auf die Idee zu fragen, wo der eigentlich herkommt – sondern er macht sich sofort selber einen Reim darauf, denn er weiß doch eh immer alles am besten.

Den muss der Bräutigam als Reserve zurückgehalten haben und ihm nichts davon gesagt haben. Geht ja gar nicht anders. Und jetzt ist er der Blamierte, weil die Leute denken werden, dass er seinen Job nicht kann.

Und das macht ihn wütend.

Und er lässt seine Wut am Bräutigam aus.

Blöd gelaufen.

Es gibt leider viele solche Menschen.

Und die Diener wussten dass er so ein Mensch ist.

Reden zwecklos.

Er hört eh nicht.

Und darum versuchen sie es gar nicht erst.

Auch schade.

Denn versuchen muss man es.

Und wenn jetzt vielleicht jemand denkt:

Ist ja schön und gut das Alles, aber wir haben im Moment nicht das Problem, dass wir zu wenig Wein haben, sondern dass wir zu viele Corona-Viren haben und wie wäre es, wenn Jesus nicht Wein herbringt sondern Viren wegschafft?

Ein Wunder macht und die Corona-Viren verschwinden lässt?

Was sagst denn Du Pfarrer jetzt dazu?

Dann sage ich:

Jesus möchte, dass Menschen ihn kennenlernen, mit ihm in Kontakt kommen, mit ihm verbunden werden – weil das Rettung und Befreiung bringt.

In der Sprache der Bibel heißt das: Zum Glauben kommen.

Wie viele Menschen sind durch das Wunder auf der Hochzeit zum Glauben gekommen?

Genau Null.

Seine Jünger, die schon an ihn glaubten, die wurden im Glauben gestärkt.

Durch Wunder kommen Menschen im Allgemeinen nicht zum Glauben.

Wir müssen uns das nur einmal vorstellen:

Angenommen, am heutigen Sonntag bitten Christen auf der ganzen Welt, dass Jesus ein Wunder tut und Corona verschwinden lässt.

Und es passiert.

Ab morgen Null Fälle mehr.

Alles weg.

Wie werden die Menschen reagieren?

Die Beter (zumindest viele oder die meisten) werden in ihrem Glauben gestärkt werden.

Und die anderen werden meistens sagen: So ein Zufall.

Aber es ist ja auch einfach plötzlich gekommen, da ist es ja fast logisch, dass es auch einfach plötzlich verschwindet.

Hat ja auch Donald Trump schon so gesagt.

Und jetzt machen wir Party. Und können endlich weitermachen wie vorher.

Das würde passieren. Oder seht Ihr das anders?

Und weil das so ist, hat Jesus damals auf der Hochzeit auch nicht groß die Werbetrommel gerührt.

Achtung, alle aufgepasst! Der Spitzenwein, den ihr jetzt alle trinkt, den habe ich gerade durch ein Wunder aus Wasser hergestellt!

Nein, er macht keine Reklame, keine Öffentlichkeitsarbeit.

Ich bin mir sicher: Auch jetzt, in dieser Pandemie tut Jesus viele Wunder.

Aber er tut sie im Verborgenen – so wie auf der Hochzeit.

Was bleibt ist die Zukunftsperspektive:

Das Hochzeitsmahl des Lammes. Glücklich zu preisen, wer da dabei sein wird!

Und: Vier Schritte, um Jesus kennen zu lernen.

Und darum hat Johannes das für uns aufgeschrieben.

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