Ein, zwei Wunder

Liebe Gemeinde,

wir feiern Pfingsten, das Fest des heiligen Geistes, die Geburtsstunde der Kirche. Wer oder was ist der heilige Geist? Und was bedeutet die Pfingstgeschichte?

[Predigttext]

Ein Wunder, nein zwei Wunder.
Das erste: Die verängstigten Freundinnen und Freunde Jesu trauen sich nach draußen. Sie erzählen die Geschichte Jesu und 3000 Leute lassen sich taufen.

Was ist der heilige Geist: Der heilige Geist ist die Kraft, die den Schülerinnen und Schülern den Mut gibt, zu ihrem Glauben zu stehen und mit ihrer Begeisterung andere anzustecken.

Das zweite Wunder: Menschen aus ganz unterschiedlichen Gegenden der Welt verstehen die Schülerinnen und Schüler Jesu. Es entsteht eine neue Nähe zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen und unterschiedlichen Lebensweisen. Diese Nähe zeigt sich darin, dass jeder sie in der Muttersprache hört. Ein tiefes Verständnis, das bis in die Kindheit reicht. Eine Verständigung, die die Vergangenheit mit einbezieht. Der heilige Geist ist die Kraft, die Menschen in der tiefe ihrer Seele miteinander und mit Gott verbindet.

Und dann geht es weiter. Ein Netz von Gemeinden zieht sich durch die bekannte Welt. Ein internationales Netzwerk entsteht. Die Kirche breitet sich aus bis zu uns nach Europa.

Wir feiern Pfingsten. Und wir sind gerade sehr nähebedürftig. Mein Mann und ich gehen jeden Tag eine Stunde spazieren. Und wir werden von Leuten angesprochen, die vor Corona nicht mit uns geredet hätten. Gespräche über den Gartenzaun, draußen bei warmem Wetter zeigen, dass viele mehr über ihr Leben nachdenken und auch gerne darüber reden, wie sie ihre Welt erleben. Ich glaube, dass momentan wir offener für den heiligen Geist oder die heilige Geistkraft sind denn je. Wir sehnen uns nach tiefem Verständnis. Danach sehnen wir uns immer. Aber in Zeiten, in denen viele Veranstaltungen wegfallen, können wir diese Sehnsucht schlechter überdecken als sonst. Sie kommt an die Oberfläche. Ja, wir möchten verstanden werden mit unseren Schwächen und Fehlern und Ängsten und Verletzungen, aber auch mit unseren Stärken und unserer Freude und dem, was wir Gutes tun. Diesen Wunsch verstanden zu werden können wir uns nicht vollständig selbst erfüllen. Das geht nur, wenn die anderen uns auch verstehen möchten. Nur wenn die anderen sich für uns interessieren und uns zuhören, haben wir eine Chance verstanden zu werden. Ja, es hängt nicht alleine von uns und unserer Sehnsucht ab. Trotzdem können wir etwas dazu beitragen, dass andere uns verstehen. Sie haben nämlich keine Chance, wenn wir ihnen nicht einen Vorschuss an Vertrauen geben und uns ihnen gegenüber zumindest ein wenig öffnen. Wir müssen ihnen ehrlich erzählen, was uns bewegt. Und es hilft, wenn wir uns dabei klar und kurz und deutlich ausdrücken. Das ist sicher gefährlich, denn eine Zurückweisung unseres Vertrauens tut weh. Und wenn wir merken, dass der andere nicht mal versucht, uns zu verstehen, und schnell über das hinweg geht, was wir ihm anvertraut haben, dann ist das verletzend. Insofern rate ich nicht nur zu Offenheit sondern auch zu Vorsicht.

Und vielleicht sind wir auch neugierig auf die anderen. Vielleicht möchten wir auch wissen, was sie bewegt und wer sie sind. Das gehört auch zur Sehnsucht nach Verständigung, nicht nur verstanden zu werden auch andere zu verstehen.

Und das ist viel einfacher zu erreichen. Denn dafür können wir aktiv mehr tun. Zum Beispiel ehrliche Fragen stellen, wenn uns die Antwort wirklich interessiert. Die meisten Leute erzählen gerne von sich. Wenn das Gespräch erst mal angefangen hat und die ersten Hürden überstanden sind, dann läuft vieles ganz von selbst. Dann brauche ich nur noch freundlich zu nicken und vielleicht mal eine Zwischenfrage zu stellen, wenn ich etwas nicht verstanden habe. Ich mag das gerne, wenn andere mir etwas von sich erzählen. Ich fühle mich dann verbunden und freue mich mit ihnen oder habe Mitgefühl. Auch wenn es manchmal schwere Schicksale sind, die mir erzählt werden, so tut mir doch die Nähe gut, die so entsteht. Und ich freue mich über das Vertrauen.

Und was hat das jetzt mit dem heiligen Geist zu tun?

 Ich glaube, dass die heilige Geistkraft in der Kirche wirkt, die Kirche zusammen hält und die Menschen miteinander und mit Gott verbindet. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass wenn wir uns verständigen und Nähe zwischen Menschen entsteht, der heilige Geist am Werk ist und zwar über die Grenzen der Kirche hinaus. Gott wirkt in uns Verständnis für die anderen und in den anderen Verständnis für uns, indem Gott uns die heilige Geistkraft schickt. Gott hat uns als nähebedürftige Wesen geschaffen. Jesus Christus hat uns mit Gott versöhnt. Und die Kraft des heiligen Geistes schafft in uns ein neues Leben, in dem wir verstanden werden und andere verstehen.

Und dann meine Standardfrage: Und was können wir dazu beitragen?

 Erst mal brauchen wir nichts dazu beizutragen. Es geschieht von Gott her aus Gnade. Es gibt in Biographien und in der Bibel viele Beispiele dafür, dass der heilige Geist Menschen überrascht hat, die das so gar nicht wollten, dass sie plötzlich etwas verstanden, womit sie nicht gerechnet hatten und etwas taten, was sie sich vorher nicht hatten vorstellen können. Niemand ist vor dem Wirken des heiligen Geistes völlig sicher. Gerade auch die Schülerinnen und Schüler von Jesus waren von Wind und Feuerzungen und dem, was sie dann taten, überrascht. Denn die heilige Geistkraft weht wo sie will. Das steht auch in der Bibel. Trotzdem kann es hilfreich sein, wenn wir Gott um Verständnis für die anderen bitten. Und wir dürfen damit rechnen, dass Gott es uns schenkt, dass wir uns besser mit anderen verstehen. Das kann allerdings Nebenwirkungen haben. Vielleicht war es vorher leichter als wir noch nicht soviel Verständnis für die anderen hatten. Vielleicht sind wir dann gezwungen unsere Vorurteile auf den neuesten Stand zu bringen. Das kann durchaus anstrengend sein. Aber insgesamt wird es uns sicher gut tun, wenn wir um den heiligen Geist beten und Gott unsere Gebete erhört.

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