Ein Wort und vier Ohren

Die Liebe Gottes, unseres Vaters, und das Licht Jesu Christi und die heilsame Kraft des Heiligen Geistes ist mit uns allen! Liebe Konfirmand*innen, liebe Gemeinde!

„Guten Morgen,“ sagt der Ehemann zu seiner Frau, nachdem beide wach geworden sind. „Guten Morgen,“ knirscht sie zurück und der Mann spürt, dass sie schlecht geschlafen hat, obwohl sie die gleichen Worte sagt.
„Guten Morgen,“ ruft die Mutter in das Jugendzimmer. Es klingt wie ein Wecker, denn die Augen ihres Sohnes sind vom nächtlichen YouTube-Sehen noch verschlossen, doch seine Ohren hören schon, grummeln etwas Undefinierbares zurück.
„Guten Morgen,“ wünscht die Sekretärin dem Besucher ihres Büros, doch der ist mit seinen Gedanken ganz woanders.
„Guten Morgen,“ diesen guten Wunsch wünscht sich manche Witwe, mancher Witwer oder Alleinstehende, aber niemand sagt es, selbst das „Guten Morgen“ aus dem Radio drückt das nicht aus.

Diese vier Beispiele zeigen: Es sind immer dieselben zwei Worte, doch sie sagen nicht dasselbe aus und sie treffen nicht immer auf offene Ohren. Eigentlich haben wir vier Ohren, zwei, die die FFP-2-Maske tragen und zwei die hören, nein, kleiner Predigtscherz …
Ein Beispiel dafür, dass jedes Wort auf vier Ohren trifft, erzählt Friedemann Schulz von Thun in seinem Buch „Miteinander Reden“:
Ein Mann und eine Frau sitzen beim Mittagessen. Der Mann sieht Kapern in der Soße und fragt: „Was ist das Grüne in der Soße?“ Er meint damit auf den verschiedenen Ebenen:
– Sachebene (den rechten Zeigefinger heben): Da ist was Grünes.
– Selbstoffenbarung (beide Hände zeigen auf das Herz): Ich weiß nicht, was es ist.
– Beziehung (Beide Hände öffnen sich nach vorne): Du wirst es wissen.
– Appell (den linken Zeigefinger heben): Sag mir, was es ist!
Die Frau versteht den Mann auf den verschiedenen Ebenen so:
– Sachebene (den rechten Zeigefinger heben): Da ist was Grünes.
– Selbstoffenbarung (beide Hände zeigen auf das Herz): Mir schmeckt das nicht.
– Beziehung (Beide Hände öffnen sich nach vorne): Du bist eine miese Köchin!
– Appell (den linken Zeigefinger heben): Lass nächstes Mal das Grüne weg!
Die Frau antwortet gereizt: „Mein Gott, wenn es dir hier nicht schmeckt, kannst du ja woanders essen gehen!“

Richtiges Miteinander Reden ist das Geheimnis jeder guten Beziehung, zu zweit oder überall dort, wo Menschen miteinander leben. Und darum geht es auch in dem wunderbaren Gleichnis, das uns drei Evangelien mit je eigenen Akzenten vom predigenden Jesus erzählen. Wir haben es aus dem Evangelium des Arztes Lukas, als Frohe Botschaft vorhin gehört. Doch was macht dieses Gleichnis zu einer Frohen Botschaft?

Zunächst einmal freue ich mich: hier wird etwas mit einfachen Worten klar ausgedrückt. Wer aus der Landwirtschaft kommt oder einen Garten hat, kennt sich aus. Vielleicht habt ihr, liebe Konfirmand/innen auch schon gesät, Radieschen oder Blumen. Es macht Spaß, kleine Körnchen in der Hand zu halten, sie in die Erde zu streuen, abzuwarten, ob und wie sie sich entwickeln.

Frohe Botschaft: Ich freue mich an dem Sämann. Der ist Jesus selbst ganz ähnlich. Er geht fröhlich durch die Welt und streut lebensspendende Worte, Worte die sich zu lebendiger Saat entfalten. Worte, die viel Frucht bringen. Worte von Liebe, von Gerechtigkeit und Frieden. Lukas erzählt in den Versen davor, dass in der damaligen Männermachtwelt viele Frauen Jesus folgten und ihm zuhörten. Damals wie heute: Unsere Welt hört viel zu viele ganz andere Worte, Worte, die Gewalt in sich tragen. Worte, die kränken anstatt zu heilen. Worte, die zerstören statt aufzubauen. Solche Worte wachsen leicht und schnell und mit hundertfacher Geschwindigkeit.

Um so wichtiger, dass uns hier ein ganz anderer Sämann begegnet. In seiner Lust zum Säen wirkt er auf mich überschwänglich, fast verschwenderisch. Der Sämann Gottes streut aus mit vollen Händen aus der Fülle des Lebens. Worte mit liebevollen Zwischentönen, vielleicht sogar Melodien wie der Gesang der Vögel im Frühling, Gesang, der sich wie Samenkörner überallhin verteilt und verbreitet, aber längst nicht von allen Menschen gehört oder wahrgenommen wird.

Und der Sämann: Überall fallen die Samen hin: auf den harten Weg, den felsigen Boden, unter die Dornen und Disteln und – Gott sei Dank – auch auf den guten Boden. Und ich spüre: die verschiedenen Böden – das sind nicht die anderen: die Hartherzigen, die Oberflächlichen, die Bitteren. Ich kenne diese Böden alle ganz gut: in mir. In uns sind diese verschiedenen vier Böden.

Ich möchte in diesem Gleichnis mich selbst, sozusagen vierfach wiederentdecken. Ich will fragen, wie mich das ausgestreute Wort trifft. Und ich will hören, ich will ganz ein Hörender werden!

Da kenne ich die ausgetretenen Pfade in meinem Leben. Sie verlaufen oft gleich, ach, der schon wieder. Und wenn der etwas sagt, kann ich kaum etwas Fruchtbares von ihm aufnehmen. Ausgetretene Pfade sind nicht ganz unwichtig. Sie sind vertraut. Aber sie bieten wenig Möglichkeit Neues aufzunehmen. Solche Wege sind nicht selten gepflastert mit Ängsten, mit Vorurteilen oder mit unseren Prinzipien. Und sie sind manchmal hart gepflastert. Gut wenn der Sämann sich nicht beirren lässt. Denn manches Samenkorn wird zur leckeren Nahrung für Vögel, manches Samenkorn findet, oh Wunder, sogar einen feinen Ritz im Pflaster, weil es Wachstums- und Lebenskraft in sich trägt, weil es wachsen will.

Das felsige Gelände in mir? Verhärtungen auf meiner Seele infolge mancher Verletzungen. Jede nach außen gezeigte Härte wurzelt in einer harten Stelle unserer Seele, einer vernarbten Wunde. In der Erziehung bewirkt man manchmal solche harte Stellen. Sie sperren sich gegen die eindringenden Samen der Zärtlichkeit. Wer sich nicht anrühren lassen will, wer sich abgehärtet hat auch gegen alles, was schmerzt, der tut sich auch schwer die Samen der Zärtlichkeit eindringen zu lassen. Auf dem harten Felsboden meiner Seele haben es die Samen dieses Sämanns schwer, trotzdem wirft er freimütig und mit unglaublichem Optimismus seine Saatkörner auch auf den harten Boden. „Man kann nie wissen,“ (sagte der kleine Prinz.)

Dann gibt es ja auch noch die Dornen, die jeden guten Ansatz von außen im Keime ersticken. Wie gerne verstecke ich mich hinter Sachzwängen: Ich würde ja gerne, aber… Gerade in diesen Tagen wird viel von Sachzwängen geredet. Nur die virologisch Registrierten kommen durch, die registriert Gesundeten und die Geimpften, egal ob mit mRNA- oder mit Vektorimpfstoff. Sachzwänge unter Ängstlichen.

Die natürlich Immunisierten, die auf ihr gestärktes, natürliches Immunsystem vertrauen, die z.B. in den Kirchen der Afroamerikaner sich immer mehr zu Wort melden, die sind nicht registriert, die fallen durch das Sachzwängenetz wie die Samen unter die Disteln. Die Sachzwänge machen sich so breit, dass sie alles Aufkeimende verdrängen. Unser Körper mit seinem Immunsystem ist ein schöpferisches Wunderwerk, über das wir staunen sollten. Der heilende Pastor von Baltimore, Reverend Terris King und andere schwarze Kirchenführer in den USA setzen auf Gesundheitsvorsorge, auf das natürliche Immunsystem, auf die heilende Kraft Christi und sie begegnen einer aus bitteren Erfahrungen der Afroamerikaner gemachten Impfskepsis. Reverend King ist ein Pionier in der Mission, Gesundheit und Gott zu verknüpfen und sagt: „Es ist die Verantwortung der Kirchen, die Gläubigen ganzheitlich im Auge zu haben!“ Seine Haltung teile ich ausdrücklich, besonders auf dieses Gleichnis bezogen!

Liebe Gemeinde, der Sämann sät eine Frohe Botschaft. Manches von seinen Samenkörnern kämpft sich gegen die Disteln durch, kämpft wie ein Vater um sein Kind gegen eine Mutter, die alleinerziehend bleiben möchte, weil sie nicht mehr miteinander reden will.
Hat der Sämann unter solchen Bedingungen eine Chance. Der Sämann ist sich sicher: das Ganze lohnt sich am langen Ende! Überschwänglich, fröhlich teilt er aus, Worte wie Samenkörner, egal, ob sie gehört werden, ob sie Lebensfreude auslösen oder nicht. Wo wir Menschen skeptisch sind, ist der Sämann hundertprozentig sicher, hochoptimistisch. Er blickt auf die Fülle, auf Wachstum und Ernte. Welch ein Sämann! „Welch ein Mensch!“ Welch ein Schöpfer!

Nun zu uns: Wir müssen nicht skeptisch bleiben, sondern sollten sein fröhlich hochoptimistisches Gesicht vor uns sehen. Wir sollten wie er vom Vertrauen in die erstaunliche Lebenskraft der Saat ausgehen!
Tatsächlich: Ihr werdet es erleben. Was auf guten Boden fiel, wuchs auf und trug hundertfältig Frucht. Wer Ohren hat, höre! Ihr werdet vielfältige Frucht sehen: Ich verzichte z.B. auf eine Position der Stärke. Ich höre dem Anderen zu. Ich lasse Schwäche zu und gestehe sie ein. Jetzt erweise ich mich stark, weil ich Schwäche zugeben kann.
Oder ich übe mich in Geduld – mit mir und mit anderen. Und ich merke: Mir gelingt manches, was ich aufgeregt nicht geschafft hätte. Oder ich spüre in mir den unbedingten Willen, einem Menschen zuzuhören. Das allein ist schon eine Hilfe und kann trösten. Ich spüre, wie die Kraft der Liebe manche Verhärtung durchbricht.

Die gute Saat geht auf, übrigens nur, weil es gutes Land gibt. Der Same braucht uns. Gottes Wort braucht uns. Das Wort Gottes allein wäre wie ein Weizenkorn in einem Vorratskeller, wie ein unverstandener Konfirmationsspruch. Worte aus der Bibel ohne die Gemeinschaft einer Kirchengemeinde, ohne das frohe, gemeinsame Singen im Gottesdienst wären wie einsame Samenkörner. Das richtige Miteinander Reden ist das Geheimnis jeder guten Beziehung, auch der Beziehung zu unserem Vater im Himmel. Das Wort Gottes ist ein Samenkorn, das das Genmaterial der Liebe enthält, ein Samenkorn der Lebensfreude voller Lust zum Wachsen. Es gibt genug guten Boden, weil es genug einzigartige Menschen gibt. Trotz der Schrecken in unserem Leben und in der Welt – die Worte der Liebe Gottes gelten allen Menschen. Lassen wir sie in uns optimistisch wachsen, sie bringen Frucht – hundertfältig. Der göttliche Sämann Christus macht mich ganz sicher.

Ich komme zum Schluss und kehre zum Anfang zurück: „Im Anfang war das Wort,“ beginnt das Johannesevangelium. „Wer Ohren hat, zu hören, der höre .“ Wenn Ihr also morgen früh erwacht, hört, hört wie bei jedem Anfang. Christus ist der erste, der zu Dir spricht: „Guten Morgen!“
Amen.

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