Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt

Liebe Gemeinde!

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes und der Kirche. Es ist das Fest der göttlichen Zusage. „Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.“ (Apg 2,17f) Und wer sich von seinem Geist erfüllen lässt, der kann nicht anders als dem Ruf zu folgen: Setz dein Segel in den Wind Gottes!

Schon seit Alters her ist das Schiff ein Symbol für die Kirche. Das Lied vom "Schiff, das sich Gemeinde nennt" beschreibt mit einfachen, leicht verständlichen Worten den Zustand so mancher Gemeinde. Sicher trifft davon auch einiges auf unsere Gemeinde zu. Die Bestimmung

Die Bestimmung eines Schiffes erfüllt sich hauptsächlich darin, dass es fährt, also unterwegs ist, sich von einem Hafen zum anderen bewegt und nicht an Ort und Stelle liegen bleibt. Wie ist das mit uns in unserer Gemeinde? Sind wir noch gespannt und aufgeregt, wenn wir etwas Neues beginnen? Sind wir beweglich? Oder reicht es uns aus, verankert an unserem Standort zu bleiben? Welche Gründe hindern uns, die Leinen loszumachen? Vielleicht erscheint es uns sicherer und eventuell auch bequemer, den festen Platz im Hafen nicht verlassen zu müssen. Das Wagnis, in unbekanntem Gewässer zu fahren und dabei stranden zu können, möchte man nicht gern auf sich nehmen. Ein weiterer Hinderungsgrund könnte das nicht zu überschauende Risiko sein. Auch die nötige Energie und Kraft um abzulegen, ist oft nicht mehr vorhanden. Wir fühlen uns ausgepowered oder sind frustriert.

Das Lied zeigt uns aber auch, wie eine Gemeinde, "die im Hafen festliegt", wieder flott gemacht werden kann. Dann nämlich, wenn ein jeder an seinem Platz feststeht und das Wagnis auf sich nimmt, sich in die Gemeinde einzubringen. "In Glaube, Hoffnung, Zuversicht", wie es im Liede heißt.

In der heute immer wieder zu hörenden Aufforderung, sich der Wertediskussion zu stellen, haben wir Entscheidendes einzubringen. Mit dem Wertesegel. Glaube, Hoffnung und Liebe – wie es das Plakat der Konfis uns zeigt, steuern wir gegen die Gefahren unsrer Zeit:

Da ist einmal der Materialismus unserer Zeit. Für ihn zählt nicht der schwache, sondern nur der leistungsstarke Mensch. Für ihn zählt nicht die Nächstenliebe, sondern der finanzielle Gewinn. Der Materialismus ist verführerisch: er verspricht ein bequemes Leben, wenn man das Geld hat; er verspricht Sicherheit, wenn man die Finanzen aufweist. Der Materialismus verkauft sich gern als große Perspektive, als ob der Reichtum und Wohlstand auch alle persönlichen Probleme lösen könnten.

Ein andere Gefahr ist die große Gleichgültigkeit. Die Gleichgültigkeit interessiert es nicht, ob die Natur zerstört wird oder ob jemand Not leidet. Sie verhindert es erfolgreich, dass der Glaube lebendig gelebt wird. Sie erfindet Tausende von faulen Ausreden, um die Nächstenliebe zu verweigern oder sich einem notwendigen Engagement zu entziehen.

Eine weitere mächtige Gefahr ist der Unglaube. Er meint. „Da könne man doch nichts machen!“ „Dafür reichen meine Kräfte doch nicht aus!“

In dem Anspiel haben die Konfis an den französischen Dichter und Pilot Saint Exupery erinnert. „Wenn du ein Schiff bauen willst …wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem endlosen weiten Meer.“

Diese Sehnsucht heißt übertragen: Ich träume von einer Gemeinde,

· die sich sonntäglich trifft zu einem festlichen, frohen Gottesdienst, in dem alle Gruppierungen und Generationen sichtbar werden und eingebunden sind, nach dem man sich dann zusammenfindet und die Feier im Gespräch ausklingen lässt;

· von einer Gemeinde mit vielen Gruppen, die miteinander etwas Nützliches tun, die miteinander über den Glauben sprechen, die einander helfen, die ein Herz und eine Seele sind;

· von einer Gemeinde, in der ein reger Austausch zwischen den Gruppen stattfindet, wo viele Dinge gemeinsam gemacht werden, wo die Gruppen sich gegenseitig einladen und unterstützen;

· von einer Gemeinde, in der niemand ausgrenzt wird, in der sich alle interessieren für die Kinder im Kindergarten, die Konfis, die Neuzugezogenen, die Neuvermählten, die Alten und Kranken, die Trauernden, wo die Menschen einander einladen, besuchen, helfen, miteinander sprechen, Aktionen unterstützen, einander Mut machen und Heimat geben;

· von einer Gemeinde, die ihre Verantwortung nach außen wahrnimmt in politischen Entscheidungsprozessen für Frieden und Gerechtigkeit, für die Dritte Welt, für Asylanten, Aussiedler und Randgruppen;

· von einer Gemeinde, die für alle Generationen offen ist und auch Andersdenkende und Schwierige erträgt;

· von einer Gemeinde, die offen ist für Veränderungen und immer neue Wege sucht, die bereit ist zur Umkehr, zur Versöhnung;

· von einer Gemeinde, in der ein solches Vertrauen gewachsen ist, dass jeder alles sagen kann, was er denkt und glaubt, in der kritische Worte offen geäußert werden und sich niemand hinter anonymen Briefen zu verstecken versucht;

· von einer Gemeinde, in der alle füreinander leben, in der immer mehr Gemeindemitglieder zur Verantwortung und Mitarbeit bereit sind;

· von einer Gemeinde, wo der Pfarrer Zeit hat für die Seelsorge und die Menschen, wo er nicht ausgebucht ist mit Sitzungen und Verwaltungsarbeit und überfüttert mit Papier.

Wie gesagt, Es gibt genug Gefahren. Doch sie sollten uns nicht abschrecken, unsere Sehnsucht, unsere träume zu leben. Dietrich Bonhoeffer hat es einmal in einem Glaubensbekenntnis auf den Punkt gebracht:

„Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.“ (EG 813 RWL)

Pfingsten ermutigt also auf Gottes Geist zu vertrauen und die Segel in der Gewissheit zu setzen: der Steuermann heißt Jesus Christus. Dem Steuermann eines Schiffes kommt eine bedeutende Aufgabe zu. Er kann die anfallenden Aufgaben nicht allein bewältigen, sondern braucht seine Mannschaft. Er koordiniert den störungsfreien Ablauf der Fahrt. Er hilft in den Beziehungen der Einzelnen untereinander. Er achtet darauf, dass jeder seine übernommene Aufgabe erfüllt. Das Wichtigste aber: Er achtet darauf, dass wir das gemeinsam festgelegte Ziel erreichen. Wenn wir gemeinsam im Gespräch mit Jesus und unseren Geschwistern ein Ziel der Gemeindearbeit festgelegt haben, wird Jesus als unser Steuermann uns helfen und dafür sorgen, dass wir am Ziel ankommen. Jesus könnte das Schiff Gemeinde ganz sicher auch alleine steuern, aber er will Dich und mich an Bord haben. Er will uns an den unterschiedlichsten Stellen gebrauchen, damit das Schiff Gemeinde auf große Fahrt gehen kann.

Was benötigt ein Schiff, um immer seetauglich und manövrierfähig zu sein? Da wäre zum einen das entsprechende Kartenmaterial zu nennen. Es hilft, die Gefahren rechtzeitig zu erkennen, Untiefen zu umfahren, nicht vom Kurs abzukommen, am Ziel anzukommen. Das Kartenmaterial unserer Gemeinde ist die Bibel. Ohne sie genau zu studieren und mit unseren Geschwistern darüber im Gespräch zu sein, sollten wir nichts Neues beginnen. Durch das Lesen und Hören des Wortes Gottes wird uns der rechte Weg gezeigt. Es hilft uns, immer wieder den Kurs zu überprüfen, Gefahren zu erkennen, Aufgaben zu sehen und wahrzunehmen.

Ein Schiff muss gewartet werden. Das heißt, regelmäßig mit Treibstoff und frischem Wasser aufgetankt sowie von Schmutzwasser und Müll entsorgt werden. Hierfür muss die Fahrt unterbrochen werden, denn dazu braucht man Zeit. Eine wunderbare Entsorgungsstation ist für uns Jesus Christus. Er will uns vom persönlichen und gemeindlichen Müll befreien und uns immer wieder durch sein Wort und die Gemeinschaft mit Anderen neue Energie schenken. An seiner Entsorgungsstation anzulegen, bedeutet, neue Kraft zu bekommen und ohne Altlasten weiterfahren zu können. Wie viel Zeit nehmen wir uns persönlich und auch als Gemeinde dafür?

Unterwegssein hat zur Folge, nach einer langen Fahrt auch einmal am Ziel anzukommen. Wie schön ist es dann, sich erst einmal auszuruhen und sich gemeinsam an dem Bewältigen der Schwierigkeiten und dem unterwegs Erlebten zu erfreuen. Gemeinsames Freuen und Feiern nach erreichten Zielen sollte in unserem Gemeindealltag einen festen Platz haben. Dazu lädt die Gemeindewanderung mit seinen verschiedenen Stationen heute ein.

Das endgültige Ziel ist es dann, einmal in der Ewigkeit bei unserem himmlischen Vater anzukommen und sich bei ihm von allem auszuruhen. Bis dahin ist unsere Bitte an unseren Steuermann: „Bleibe bei uns Herr, denn sonst sind wir allein auf der Fahrt durch das Meer. O, bleibe bei uns Herr“.

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