Ein reines Herz (Ps 51,12)

Ps 51,12
[12] Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist.

Liebe Frau Xxx, liebe Familie Xxx, liebe Familie xxx, liebe Angehörige und Freunde, liebe Trauergemeinde.

Diesen Freitag wurde unser Bruder in Christo Xxx im gesegneten Alter von 89 Jahren vor unseren Schöpfer gerufen. Er verstarb im Krankenhaus in Ebermannstadt, drei Wochen nachdem er dorthin eingeliefert wurde. Ich möchte das Gedenken an unsern Bruder in Christo unter ein biblisches Wort stellen, welches zugleich sein Konfirmationsspruch gewesen ist. Wir lesen es im Psalm 51, im zwölften Vers: „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist.“

Ein reines Herz und einen beständigen Geist – um diese zwei für ein Menschenleben wesentlichen Dinge bittet der Psalmbeter in jenem Bußpsalm. 1931 wurde dieses Wort noch von Pfr. xxx für den jungen Konfirmanden Xxx ausgesucht und es sollte eben in jenen beiden Punkten tatsächlich Anknüpfungspunkte geben, die uns heute im Rückblick als Hilfe dienen. Herr Xxx wurde 1918 in Xxx geboren – einen guten Monat ist es her, dass wir seinen Geburtstag gefeiert haben. Geboren in eben diesem Anwesen mit Mühle, welches sein Vater, der Müller war, erst 1905 gekauft hatte. Nach ihm wurden der Familie noch zwei Kinder geschenkt, die aber schon vor ihm zu Gott berufen wurden. Es war eine schlimme Zeit, in der unser Bruder in Christo seine Jugend verbringen musste. Mit knapp 20 Jahren wurde er in den Arbeitsdienst eingezogen und fand sich bald darauf im Kriegsgeschehen wieder. Als Spätheimkehrer – erst 1949 betrat er wieder den heimischen Boden – hatte er Vieles und Schreckliches in seinen vier Jahren der Kriegsgefangenschaft erlebt. Vier Jahre in Polen als Gefangener arbeitend in einem Kohlebergwerk. Im Gespräch mit den Angehörigen bekam ich eine Ahnung davon, was dies heißen kann. Er legte sich um sein Herz einen harten Panzer, der ihn schützen sollte vor all dem Schrecklichen, vor dem, was ihn bedrängte und von dem wir längst nicht alles wissen.

Wir wissen aber, wie ein solcher Panzer wirken kann. Er schütz mit seiner harten Schale vor dem, was von außen auf einen eindringen mag, aber er verhindert auch all zu oft, dass etwas nach außen dringen kann. Herr Xxx wirkte eben so oft genug nach außen: hart und nicht bereit seine Gefühle zu zeigen. Wir sind aber auch gewiss, dass dies seinem eigentlichen Wesen nicht entsprach – der Panzer um sein Herz war es, der ihn so werden ließ. Denn manchmal konnte es die Familie spüren und erfahren, dass hinter dieser harten Schale etwas anderes verborgen lag. Etwa dann, wenn den Enkel etwas zustieß, Unfall oder Krankheit mit ungewissem Ausgang. Ja dann kamen die Tränen auch bei ihm und man spürte etwas von dem Menschen der darunter verborgen war. „Schaffe in mir Gott, ein reines Herz“ – so drückt es sein Konfirmationsspruch aus und verbindet damit die Gewissheit, dass Gott dies schaffen wird, denn er allein kann in die Herzen der Menschen schauen, ganz egal, was die Welt mit ihnen gemacht hat.

Dieses reine Herz, dieses neue Herz: dieser Mensch, so wie ihn Gott gewollt und geschaffen hat – dieser Mensch darf nun unser Bruder in Christo endlich sein. Seine Lebensbahn auf dieser Erde hat er vollendet und die Aufnahme in Gottes Reich steht ihm bevor: befreit von allem, was einen Menschen bedrücken und einengen kann, gereinigt von allem Leid und allem Schmerz. Es ist ein Trost, liebe Gemeinde, dies benennen zu dürfen. Es ist die Hoffnung, die uns tragen kann in diesem Leben.

1956 hat Herr Xxx geheiratet, zwei Kinder sind aus dieser Ehe hervorgegangen. Er hat sich mit ganzer Kraft in seine Arbeit gestürzt. Er versuchte, den Mühlbetrieb zu retten und modernisierte nochmals, aber das Mühlensterben war nicht aufzuhalten, so verlegte er sich weiter auf das Sägewerk und ein wenig Landwirtschaft. Manch einer mag sich noch erinnern, wie er auch in Hiltpoltstein das gemahlene Mehl ausgefahren hat. Über seine Arbeit konnte er sich definieren: Lob und die persönliche Anerkennung für das, was er geschaffen hat, waren ihm wichtig und man konnte es spüren: dort blühte er auf. Die letzte Zeit jedoch geschah zweierlei. Die Demenz setzte ein und hielt ihn gefangen für die letzten 10 Jahre seines Lebens. Vorbei war es spätestens dann auch mit den geselligen Runden am Sonntag-Nachmittag im Wirthaus oder später auch mal unter der Woche, zu denen er gerne mit seinem Moped unterwegs war. Gleichzeitig jedoch, wie sich sein Geist verschleierte, fiel mehr und mehr die Notwendigkeit von ihm ab, sich zu schützen und es kehrte etwas wieder von dem Wesen, auf das wir eben hoffend geblickt hatten: Freundlichkeit, Zugewandtheit, Dankbarkeit. „Schaffe in mir Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen beständigen Geist.“

Während sich der menschliche Geist verschleierte, jener Geist der geprägt war vom Erleben in dieser Welt, wurde ein Stückchen sichtbar von dem anderen Geist, jenem Geist, der in Gottes Reich herrschen wird. Auf diesen Geist zielt der Psalmbeter aus Herrn Xxxs Konfirmationsspruch hin: einen neuen und einen beständigen Geist. Wenn wir heute unseren Bruder in Christo endgültig ziehen lassen und ihm das Valet singen, dann tun wir das im Blick auf dieses Reich Gottes, in dem er bekommen wird, was sein Konfirmationsspruch erbittet. Ein reines Herz, einen neuen Geist – etwas, das bleiben wird. Und das, liebe Gemeinde, gilt nicht nur für ihn, sondern es ist auch die Hoffnung für uns alle. Die Verwandlung in jenes gottgefällige Wesen, jenseits unserer Welt, die immer noch durchsetzt ist von Leid und Tod, von Schmerz und Trauer, von Unvollkommenheit und Sünde. Wir dürfen unsere Toten dorthin abgeben, sie ziehen lassen in jenen göttlichen Schutz und Allgegenwart, die wir Lebenden hier noch nicht vollständig erfahren können.

Wir dürfen gewiss sein, dass an unserem Bruder in Christo, Herrn Xxx eben dieses geschieht, so wie es ihm sein Konfirmationsspruch versprochen hat: die Umwandlung von Herz und Geist durch Gottes Vollmacht.

Vergessen wir es nicht, liebe Gemeinde, wir stehen noch diesseits der Schwelle und spüren nur den Schmerz über den Verlust, die Toten jedoch sind schon bei Gott geborgen. Auch das Grab und der Grabstein, zu welchem wir nachher gehen werden, dienen nicht den Toten, sondern nur uns. Als Ort der Sammlung, als Ort der Erinnerung und als Ort, um die Trauer zu üben. Unser Herz und unser Geist aber dürfen darüber hinaus blicken: auf die Herrlichkeit des Herrn, wie sie uns versprochen ist.

Uns, die wir zurückbleiben, bleibt die Aufgabe, bei den Angehörigen zu sein, soweit es unsere Kraft vermag: Nähe zu zeigen, Trost zu spenden, indem wir selbst zu lebendigen Zeugnissen für eben jenes Wort werden: „Gott wird schaffen ein reines Herz und einen neuen, beständigen Geist“.

Und der Friede Gottes, der weiter reicht, als nur in dieses Leben, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

print

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen