Ein guter Grund zu feiern (Joh 6,68)

Joh 6,68
[68] Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.

Liebe Mädchen und Jungen, liebe Gemeinde,

endlich ist es so weit. Heute ist der große Tag der Konfirmation. Das ist für euch und eure Eltern ein großes Fest. In jedem Volk und in jeder Gesellschaft gibt es solche Feste am Übergang vom Kind zum Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie haben alle einen kultischen und zumeist religiösen Rahmen.

Warum euch heute so viele Leute gratulieren, ist mir nicht so klar. Viel auswendig lernen musstet ihr nicht. Älter geworden seid ihr ganz von selbst. Dazu braucht ihr nichts tun. Warum euch heute liebe Menschen beschenken, ist mir auch unklar. Ihr habt euch das nicht in irgendeiner besonderen Weise verdient. Ein besonderer Lebensabschnitt liegt nicht vor. Früher begann für die meisten Jugendlichen mit 14 Jahren die Berufsausbildung. Das ist heute nicht mehr so. Die meisten von euch werden weiterhin zur Schule gehen. Zuletzt seid ihr auch noch gar nicht erwachsen.

Den Unterricht mit einem so großen und teuren Fest abzuschließen ist auch nicht gerechtfertigt. Alles in allem, wenn ich es so bedenke, gibt es keinen besonderen Grund und Anlass, dieses aufwendige Fest zu feiern. Keinen Anlass für ein Fest zu haben, wäre ja schon wieder ein Anlass, ein Fest zu feiern. Es gibt für uns trotzdem noch genug Gründe, miteinander ein Fest zu feiern. Auch dann, wenn ihr es euch nicht verdient habt. Einfach ein Fest zu feiern, weil es euch Mädchen und Jungen gibt. Einfach ein Fest zu feiern, weil euch eine ganze Menge Menschen lieben und froh darüber sind, dass ihr in der Welt seid. Neben euren Eltern und Paten werdet ihr noch viele finden, die das gern bestätigen, was ich sage.

Wir brauchen es uns nicht zu verdienen, dass wir von Gott und den Menschen geliebt werden. Wir werden geliebt und Punkt. Das ist ein sehr guter und wichtiger Grund, uns das in einem besonderen Fest bewusst zu machen. Wo wir gerade von der Liebe reden, wollen wir auch gleich noch von Gott sprechen. Denn Gott liebt ausnahmslos jeden Menschen. Er nimmt uns so, wie wir sind. Wir brauchen ihm nichts vorzumachen. Wir müssen ihn nicht durch gute Noten, ordentliches Verhalten und einen starken Glauben beeindrucken. Er liebt uns einfach, weil er uns liebt und damit basta.

Jeder und jeder von uns darf erleichtert zu sich selbst sagen: „Gott liebt mich, weil ich es bin. Er liebt mich um meinetwillen.“ Im Konfirmandenunterricht haben wir uns darum bemüht, ein wenig mehr davon zu wissen. Wenn dich nun einer fragt, woher du das denn wissen willst, kannst du ihm antworten: „Das ich weiß ich durch Jesus Christus.“ Er ist die Tür zu diesem Wissen. Er ist die Tür zum Leben.

Jesus hat versucht, das den Menschen klar zu machen. Die meisten wurden ganz schön wütend. Sie wollten sich durch ihre Frömmigkeit den Platz bei Gott verdienen. Sie hielten sich für die von Gott Auserwählten. Sie rechnen ihre guten Taten hoch. Gott kann mit ihnen zufrieden sein. Sie geben vor, von Gott alles zu wissen. Zum Beispiel, wen Gott liebt und wen nicht. Wer zu Gott gehört und wer ausgestoßen ist. Wer in den Himmel kommt und wer in die sogenannte Hölle, der Gottesferne.

Von Jesus müssen nun alle hören, dass niemand sich den Himmel verdienen kann. Er sagt: „Gottes Geist allein macht lebendig; alle menschlichen Möglichkeiten richten nichts aus.“ Mit Jesus Christus hat Gott uns den Weg zum Glauben und zu sich vorgegeben. Einen anderen Weg gibt es nicht.

Schon immer zimmern sich die Menschen ihr Gottesbild selbst zurecht. Dabei machen sie Gott nur für ein paar selbsternannte Auserwählte erreichbar. Sie gehören selbstverständlich dazu. Wir Christen entwerfen auch immerwieder uns Gott so, wie er uns am besten in den Kram passt. Der selbstgezimmerte Gott ist immer beleidigt und zornig. Er straft und richtet, was das Zeug hält. Er hat immer miese Laune. Er lacht nie und freut sich, wenn wir ganz klein und bedröppelt daherkommen.

Vor einem solchen Gott sollten ihr immer fliehen. Er hat nichts mit dem Gott zu tun, der uns liebt und von dem uns Jesus erzählt.

Die Leute sind auf Jesus sauer und verlassen ihn. Dabei haben sie natürlich lauthals geschimpft, was er für ein komischer Typ und Gotteslästerer er nur ist. „Und, wollte ihr mich auch verlassen“, fragt Jesus seine engsten Freunde und Weggefährten? Petrus antwortet für alle: „Wo ist noch jemand zu finden, der Worte ewigen Lebens hat? „Wir glauben und wissen, dass du der bist, in dem Gott uns begegnet“. Da ist sonst keiner, der ewiges Leben für uns hat.

Wir sollten als Kirche eigentlich keine Konfirmation feiern, weil wir uns damit selbst das Wasser abgraben. Nach der Konfirmation verschwinden die meisten Jugendlichen aus der Gemeinde. Dabei ist mit dem heutigen Tag für euch die Gemeinde ganz offen. Euer Weg soll in die Gemeinde führen und nicht aus ihr heraus. Ihr werdet euch aber kaum anders verhalten, als die Leute, die sich über Jesu Worte aufregen. Sie verlassen ihn.

Wovon Jesus spricht, ist kein Massenartikel, den er mit Dumpingpreisen auf den religiösen Markt schmeißt. Das ewige Leben und der Glaube an Jesus Christus ist eine kostbare Perle, für die es sich lohnt, alles andere, was uns wichtig und wertvoll ist zu geben. Glauben können wir nicht lernen. Wir können uns darüber verständigen, was er beinhaltet. Aber Gott schenkt ihn uns. Wir können ihn annehmen, aber ihn uns nicht selbst nehmen.

Wir haben einen guten und wichtigen Grund, diesen Tag festlich zu feiern, weil wir an der Grenze von der Kindheit zur Jugend ein gutes Wort mit auf unseren Weg zum Erwachsenwerden brauchen. Nur ein unzerstörbares, ein ewiges Wort gibt uns Mut und Kraft, jeden Tag aus Gottes Hand anzunehmen. Es öffnet uns die Augen dafür, dass unser Leben einen Sinn und ein Ziel hat. Die Menschen, die euch heute beglückwünschen, beschenken und Gutes tun sind ein Zeichen für unseren Gott, der immer und jeden Augenblick mit uns geht. In ihrer Liebe und Zuneigung zu Euch wird Gottes Liebe sichtbar. In seiner Hand bleibt ihr und jeder Mensch gehalten und geborgen. Das glauben und wissen wir durch Jesus Christus, der gekreuzigt, gestorben und auferstanden ist. Das geben wir euch in der Konfirmation mit.

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