Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin (1. Kor 15,1-11)

1. Kor 15,1-11
[1] Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, [2] durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr’s festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt. [3] Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; [4] und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; [5] und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen. [6] Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. [7] Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln. [8] Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. [9] Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. [10] Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. [11] Es sei nun ich oder jene: so predigen wir und so habt ihr geglaubt.

« Was bin ich – wer bin ich? » diese Frage stellen wir uns wohl immer wieder im Laufe unseres Lebens, doch besonders brennend ist sie oft für die Jugendlichen, die Heranwachsenden. In einer Zeit, in der sich so vieles ändert und in der so viele Weichen gestellt werden, ist es oft schwierig, sich zurechtzufinden und zu sehen, wer man eigentlich ist und wo man im Leben steht. Die Berufswahl kann euch vor bohrende Fragen und verwirrende Unsicherheiten stellen : Was soll ich werden? Und in einer schnellebigen Zeit, in der Betriebe sich rasch ausdehenen und noch schneller wieder eingehen, kann ein Beruf, den ihr heute erlernt, schon morgen nicht mehr gefragt sein. Aber nicht nur in der Berufswahl, auch im übrigen Leben stellt sich die Frage : Wer bin ich eigentlich – und wer möchte ich sein ? Ich würde euch jetzt gerne trösten und sagen : Wenn ihr dann zwanzig, oder vierzig oder noch älter seid, dann werdet ihr es wissen, dann kommen keine Zweifel und keine Fragen mehr. Aber eben, nicht wahr, ihr Eltern, Grosseltern, Paten und alle übrigen, auch mit dem Älterweden kommen sie doch ab und zu wieder, diese Zweifel und Fragen : Wer bin ich eigentlich – was soll das alles?

Bestimmt, es gibt Perioden in unserem Leben, wo wir uns sicher fühlen, wo wir wissen, wohin wir gehören. Und das sind die Zeiten, in denen wir uns geborgen fühlen, meist Zeiten, in denen wir eine stabile Beziehung haben : Als Kinder in der Familie, geborgen bei den Elten, in einer harmonischen Ehe, in einem guten Arbeitsverhältnis. In der Beziehung zu andern erst finden wir Antworten auf die Frage : Wer bin ich ?

In den Evangelien lesen wir von einem, der von sich selbst immer wieder erklärt hat : « Ich bin… » – « Ich bin das Brot des Lebens » – « Ich bin das Licht der Welt » – « Ich bin die Tür » – « Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben » – « Ich bin der Gute Hirte » – « Ich bin der Weinstock ». Die Konfirmanden haben diese Sätze mit Jacqueline ausführlich besprochen und auch einige Arbeit damit geleistet. Ihr wisst es alle, wer so von sich selbst spricht : Jesus Christus, unser Heiland und Erlöser.

Aber warum konnte Jesus solche grossen Dinge von sich selbst sagen? Uns hat man ja von früh an beigebracht: Selbstruhm stinkt. Man hängt doch nicht an die grosse Glocke, was man alles kann und ist. Bescheidenheit ist eine Zier. – Das alles stimmt auch. Und doch : Wer in einer Beziehung geborgen ist, wer spürt und weiss, dass er wertvoll und geliebt ist, der lernt, zu sich selber stehen und kann auch einmal sagen : « Ich bin… »

Genau das ist es, was ausmachte, dass Jesus diese Dinge sagen konnte : Er war so verbunden mit Gott, den er als « Abba », wir würden sagen « Papi » ansprach, dass er genau wusste, wer er selbst war.

Und der Apostel Paulus, der den Korinthern den Brief geschrieben hat, aus dem wir vorhin einen Ausschnitt gelesen haben, sagt es so : Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, daß ich ein Apostel heiße, darum daß ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber von Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe vielmehr gearbeitet denn sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist.

Trotz seiner dunklen und unrühmlichen Vergangenheit weiss Paulus, dass er etwas wert ist – aber nicht aus eigenem Verdienst, sondern « aus Gottes Gnade », weil Gott ihn liebt, annimmt un ihm vergibt, kann er Grosses vollbringen, eine unglaubliche Arbeit leisten : er wird zum ersten Missionar in einem grossen Teil der damals bekannten Welt. Er trägt die Gute Nachricht weiter, dass Jesus Christus für uns gestorben und auferstanden ist und auch uns das neue, ewige Leben mit Gott ermöglicht, ein Leben, in dem wir mit Gott in enger Gemeinschaft leben dürfen und uns wertvoll, angenommen und geliebt fühlen dürfen.

Auch in unseren Unsicherheiten, unseren Zweifeln, unseren Fragen nach dem Sinn des Lebens will Gott uns nahe sein, will er uns seine Gnade schenken, seine Liebe, in der wir uns geborgen fühlen dürfen wie ein Kind in den Armen seiner Mutter. Und wie so ein kleines Kind es im Innersten genau weiss, auch wenn es es nicht mit Worten sagen kann, dürfen auch wir wissen: Weil ich geliebt bin, bin ich wertvoll, trotz meinen Unvollkommenheiten, trotz meinen Fehlern und dunklen Seiten. Und mit diesem Wissen können wir viel mehr leisten, als wir uns je zugetraut hätten, nicht aus eigener Kraft, sondern eben : Aus Gottes Gnade.

Ich wünsche es Euch, liebe Konfirmanden, ich wünsche es uns allen, dass wir es immer wieder wissen und erfahren dürfen : Durch Gottes Gnade bin ich was ich bin : In der Beziehung zu Gott erst dürfen wir ganz tiefgreifend erfahren wie wertvoll und wichtig wir sind : Von Ihm geschaffen, von Ihm angenommen, von Ihm geliebt! Die Konfirmanden haben Euch allen ein kleines Geschenk vorbereitet : Diese gefalteten Vögel tragen jeder ein Christuswort unter dem Flügel. Mögen sie es euch allen sagen : Ihr seid geliebt und angenommen durch den, der unser guter Hirte, unser Lebensbrot und unser Licht ist.

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