Dienstverpflichtung durch Gott

Liebe Gemeinde,
Mose ist uns in erster Linie als ein großer Führer bekannt. Im Auftrag Gottes führte er sein Volk, die Israeliten, aus Ägypten. Er holte es aus der Gefangenschaft und geleitete es über 40 Jahre durch die Wüste.

Genauso bekannt ist uns auch Mose im Bastkörbchen, der gerettet wurde durch des Pharao Tochter. Oder Mose als junger Mann, der im Zorn einen ägyptischen Aufseher erschlug. Weshalb er Ansehen und Reichtum verlassen musste und auf die Halbinsel Sinai, ins Land Midian, floh.

Dieser geflohene Totschläger begegnet uns wieder am Berg Horeb, auch Berg Sinai genannt, wieder. Dort in der Wüste hütet er Ziegen und Schafe seines Schwiegervaters Jithro. Und hier in dieser Kargnis passiert das Eigentliche, das Entscheidende. Hier entstand der wahre Grund, weswegen wir Mose heute noch kennen. An diesem Berg begegnete Ihm Gott!

Hören wir den Predigttext niedergeschrieben im 2. Mose 3,1-14

Ein Dornbusch, der brennt, aber nicht verbrennt! Es gibt auf Sinai eine Buschart die heißt „Diptam“. Wird auch „Aschwurz“ oder „Brennender Busch“ genannt. In der Reifezeit, im Sommer, kann sich das Gas der abgesonderten ätherischen Öle selbst entzünden. Das freigesetzte Gas verbrennt, schadet der Pflanze aber nicht. Diese Pflanze hat aber keine Dornen.

Allerdings, würde dieser „brennende“ Sachverhalt schon meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Nun genug des Ausflugs in die Botanik. Wenn hier in meinem Sichtfeld ein Gebüsch brennen würde, hätte das ganz profane Ursachen. Dann würde ich es löschen oder meine Kollegen der Feuerwehr rufen.

In der Geschichte war das etwas ganz Anderes: Mose näherte sich diesem Schauspiel. Zumal er aus dem Busch heraus bei seinem Namen gerufen wurde. Auf dem Wege dorthin trifft ihn noch ein Ruf: „Halt“ – „Tritt nicht herzu!“

Wie beim Besuch einer Moschee musste er seine Schuhe ausziehen. Ein schönes Symbol: Mit den Schuhen, mit denen man durch den Dreck stapft, sollten wir uns Gott nicht nähern. Darum auch die rituelle Fußwaschung vor den Gotteshäusern. Dies zeugt von Respekt vor Gott und der Heiligkeit des Raumes.

Und dieser Respekt entstand nicht nur durch die Stimme aus dem Busch, sondern auch bei Mose selbst. Für ihn gab es keine Zweifel: „Hier redet der Gott der Väter mit mir!“ Wo Gott redet, ist der Alltag zu Ende. Plötzlich und unerwartet, mitten in seiner Arbeit begegnete ihm Gott und stellte ihn in seinen Dienst.

Dieser Sachverhalt erweckte seine Ehrfurcht und Ehrfurcht braucht Zeichen. Der Boden war nicht heilig, aber er wurde heilig durch die Anwesenheit Gottes. Keine Kirche ist per se heilig. Aber sie wird genauso heilig, dadurch, dass hier Gottes Wort gepredigt und die Sakramente gefeiert werden. Darum herrscht in der Kirche eine respektvolle, gedämpfte Atmosphäre. Wir kleiden uns entsprechend, wenn wir vor unseren Herrn und Gott treten. Vor den Gottesdiensten sammeln wir uns in Stille. Eben, respektvoller Umgang mit der Heiligkeit des Raumes.

Ehrfurcht braucht auch eine Antwort. Mose erhielt eine. Auch uns kann es passieren, dass wir plötzlich in seinen Dienst genommen werden. Und das mitten in unserem Alltag. Wir dürfen uns Gott nähern und drauf vertrauen, dass er uns in seinen Dienst nehmen will.

So z.B. am Breitscheidplatz, als viele Menschen seinen Ruf vernahmen und unkompliziert Hilfe leisteten. Ob in der Rettung und der Verletzenversorgung. Einem schützenden, wärmenden Raum in den umliegenden Geschäften. Dem liebevoll, tröstenden Arm oder der Schulter für einen verängstigten Menschen. Dann gibt es auch Menschen die werden für langfristige und umfangreiche Aufgaben in Dienst genommen. Und ich weiß, dass solche verschiedenen Indienstnahmen durch Gott täglich geschehen.

Allerdings eins muss auch klar verstanden werden, Gott bleibt Gott! Selbst dann, wenn er den Menschen ganz nahe kommt. Wie auf dem Berg Sinai. Wie durch seinen Sohn in der armseligen Krippe von Bethlehem. Lassen sie uns Gottes Nähe feiern wie in diesem Gottesdienst. Gerade hier begegnet er den Menschen, die seine Nähe suchen.

Gott steigt herab und erkennt das Elend seines Volkes. Wir, als Christen dürfen stellvertretend Boten für ihn sein. Wir dürfen den Menschen helfen, auch Gott zu begegnen.

Der weiterführende Inhalt des 2. Buch Mose ist der Exodus, der Auszug aus Ägypten und die über 40-jährige Wanderung durch die Wüste. Dies ist die Kernerfahrung Israels mit seinem Gott. Das war das wesentliche Glaubensbekenntnis: Gottes Zuwendung zu den gefangenen Menschen. Gott will nicht, dass Menschen in Sklaverei leben. Darum begegnet er Mose, um der Versklavung seiner Erwählten ein Ende zu setzen.

Gott wendet sich den Menschen in Freiheit zu und bestimmt über Nähe und Distanz. Er bindet sich an einen Menschen, um seine Botschaft der Befreiung Wirklichkeit werden zu lassen. Durch die Ehrfurcht des Einen wird Befreiung der Vielen realisierbar. Das geschieht auch heute immer wieder.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus, Jesus. Amen.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Pfarrer Michael Schäfer.)

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