Die Sache mit dem Joch

Im Matthäusevangelium wird berichtet, wie Johannes der Täufer ins Zweifeln kommt:

Ist Jesus wirklich der Messias, auf den wir warten?

Er ist auf einmal ganz unsicher.

Und Jesus lässt ihm ausrichten:

Schau doch auf das, was ich mache, auf das, was geschieht.

Und dann redet Jesus über seinen Frust darüber, dass die Menschen einfach nicht hören.

Taub und blind sind für das, was da jetzt geschieht.

Und dann berichtet Matthäus folgendes:

Zu der Zeit rief Jesus aus: »Ich preise dich, Vater, du Herr über Himmel und Erde, dass du das alles den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.

Ja, Vater, so hast du es gewollt, und dafür preise ich dich.

Alles hat mir mein Vater übergeben.

Niemand kennt den Sohn, nur der Vater kennt ihn; und auch den Vater kennt niemand, nur der Sohn – und die, denen der Sohn es offenbaren will.«

»Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen.

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.

Denn das Joch, das ich auferlege, drückt nicht, und die Last, die ich zu tragen gebe, ist leicht.

Es geht hier um 3 Dinge:

1) um die Einzigartigkeit von Jesus

2) um die Lasten, die Menschen niederdrücken und wie ein Joch sie befreien kann und

3) darum, wie man das praktisch erreichen kann.

 

Zuerst zur Einzigartigkeit von Jesus:

Alles hat mir mein Vater übergeben.

Niemand kennt den Sohn, nur der Vater kennt ihn; und auch den Vater kennt niemand, nur der Sohn – und die, denen der Sohn es offenbaren will.

Da nimmt jemand den Mund ganz schön voll.

Oder er sagt die Wahrheit.

Und der Kern dieser Rede ist:

Niemand, kein Mensch, kein Rabbi, kein Philosoph, kein sonstiger Religionsgründer kennt Gott auch nur annähernd so gut wie ich.

Für ihn ist er nämlich nicht nur „Gott“ oder „Allah“ oder „das ewig Seiende“ – sondern „mein Vater“.

Er kennt ihn ganz intim.

Das tut niemand sonst.

Er ist nämlich etwas ganz besonderes.

Darüber sind sich übrigens Bibel und Koran – das heilige Buch der Muslime – ganz einig.

Denn im Koran wird erzählt:

Jesus wurde von einer Jungfrau geboren – Mohammed nicht.

Jesus hat viele Wunder getan – Mohammed nicht.

Jesus hat viele Kranke geheilt – Mohammed nicht.

Denn Mohammed war ein Mensch.

Und Jesus war mehr als ein Mensch.

Er war – so sagt er selber – der Sohn Gottes (da steigt der Koran allerdings aus).

Darum ist es völlig logisch, dass der Gott, von dem Mohammed erzählt, weit weg ist.

Ein hoch erhobener, mächtiger König.

Unerreichbar.

Unberührbar.

Ungreifbar.

Der Gott, von dem Jesus erzählt, ist sein geliebter Vater.

Den er in- und auswendig kennt.

Von dem er geliebt wird – und den er wiederum liebt.

Das ist an Jesus einzigartig.

Nur er kann uns zeigen, wie Gott ist.

 

Und das zweite:

Wir sind Menschen, die uns plagen und die von den Lasten, die wir tragen, fast erdrückt werden.

Ja, manchmal ist das anders.

Aber in Zeiten wie jetzt wird das deutlicher als sonst sichtbar.

Wir tragen viele Lasten, und wir plagen uns damit ab.

Das ist die Grundsituation.

Und jetzt kommt Jesus und sagt:

Ich kann und will euch Ruhe geben für Eure Seele.

Und jetzt kommt das Paradoxe, das Verrückte:

Das geschieht, indem Ihr a) zu mir kommt b) mein Joch auf euch nehmt und c) von mir lernt.

Kommen.

Jesus ist sehr entgegenkommend, aber wir müssen es wollen. Wir müssen kommen. Wir müssen uns entscheiden.

Er tut das nicht für uns und nicht gegen unseren Willen.

Wir müssen kommen.

Und sein Joch auf uns nehmen.

Was ist eigentlich ein Joch?

Ein Joch ist ein Tragegeschirr, das Lasttieren oder auch Menschen angelegt wird, um sie mit einer Last zu verbinden.

Und zwar: Fest zu verbinden.

Und dann hatte zur Zeit von Jesus der Begriff „Joch“ noch eine andere Bedeutung:

Damals wie heute war die Bibel oft nicht selbsterklärend, sondern sie muss ausgelegt werden, verstanden werden, erklärt werden.

Und die Art und Weise, wie ein Rabbi die Bibel ausgelegt hat und erklärt hat, wie dieses und jenes zu verstehen und in die Praxis umzusetzen ist, wurde das Joch dieses Rabbis genannt.

Und wer einem Rabbi und seiner Lehre gefolgt ist, über den hat man gesagt: Er trägt das Joch dieses Rabbis.

Wenn Jesus davon spricht, dass wir sein Joch auf uns nehmen sollen, dann heißt das: Wir sollen seine Auslegung der Bibel annehmen und auf sie hören und sie beherzigen.

Das heißt aber noch viel mehr.

Wenn wir in unserer Kultur etwas lernen, dann belegen wir einen Kurs, gehen zu einem Lehrer, hören uns das an und gehen wieder heim und gut ist.

Damals war das anders.

Damals haben Schüler von ihren Rabbis gelernt, indem sie auf Schritt und Tritt mit ihnen gelebt haben.

Indem sie ihr ganzes Leben dem Leben des Rabbis unterworfen haben.

Indem sie ihm immer zugeschaut und zugehört haben bei allem, was er gesagt und getan hat und sie haben gelernt durch dabei sein und durch imitieren.

Wenn Jesus also sagt: Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, dann meint er damit:

Ich will, dass Ihr meine Schüler werdet.

Ich will, dass ihr euch meiner Herrschaft unterwerft in allen Dingen.

Ich will, dass ihr Tag und Nacht mit mir lebt und bei mir seid, in meiner Nähe.

Ich will dein ganzes Leben dominieren, oder beherrschen.

Und ich verspreche:

So wirst Du Frieden finden für deine Seele.

Also nicht:

Halte dich an meine Ratschläge, besuche mal meine spirituelle Service-Station, sondern es geht um Herrschaft.

Das widerspricht natürlich total den höchsten Werten unserer heutigen Kultur.

Autonomie

Freiheit

Selbstbestimmung

Unabhängigkeit

Selbstverwirklichung

Ablehnung von Autoritäten

Das sind die höchsten und heiligsten Werte unserer Kultur.

Aber wir haben ein Problem in unserer Kultur.

Wir haben keinen Frieden.

Wir haben Druck und Lasten und plagen uns herum.

Und das ist auch logisch.

Denn wir alle tragen ein Joch.

Wir alle haben ein Joch, das uns mit dem wichtigsten Inhalt unseres Lebens fest verbindet.

Jeder muss für etwas leben.

Jeder hat einen zentralen Lebensinhalt, um den sein Leben dreht, der sein Leben bestimmt.

Und der ihn belastet.

Wofür leben wir?

Manche leben für ihren Ehepartner. Alles dreht sich um ihn oder sie. Und das Resultat ist oft eine emotionale Abhängigkeit.

Manche leben für ihre Kinder.

„Meine Kinder geben meinem Leben Sinn.“

„Wenn ich meine Kinder nicht hätte, ich wüsste nicht, wofür ich leben sollte.“

Das ist Missbrauch der Kinder und verbindet sich oft mit der Angst, von ihnen verlassen und vergessen zu werden.

Manche leben für ihre Arbeit, für ihre Karriere.

Und spüren gewaltigen Druck.

Und opfern dem alles andere.

Wir alle haben so ein Joch.

Und Jesus sagt:

Frieden findet ihr, indem ihr stattdessen mein Joch tragt.

Und er sagt:

Ich weiß, dass Du Angst davor hast, dass ich dich misshandle und unterdrücke, wenn du deine Unabhängigkeit aufgibst.

Aber ich bin sanft und demütig.

Mein Joch ist voller Gnade und Barmherzigkeit, nicht voller Ansprüche und Drohungen.

Und dass es mir um Dich geht, um Dein Leben, um Deinen Frieden siehst Du daran, dass ich für Dich ans Kreuz gegangen bin.

Darum wage es.

Nimm mein Joch und lerne es zu tragen.

Lernen.

Und dafür sind nicht die Gelehrten und Studierten die Vorbilder, die Weisen und die Klugen, sondern die Unmündigen, nämlich die kleinen Kinder.

Christ werden und Kind werden sind eigentlich ein und dasselbe.

Mt 18,3: Wenn ihr euch nicht ändert und so werdet wie die Kinder, kommt ihr ganz sicher nicht in Gottes himmlisches Reich, sagt Jesus.

Ich denke, es sind besonders zwei Merkmale von Kindern, die hier bedeutsam sind.

Zum einen wissen Kinder, dass sie schwach und hilflos sind. Und es macht ihnen nichts aus.

Kleine Kinder sagen ganz selbstverständlich:

Binde mir die Schuhe zu, denn ich kann es nicht.

Trag mich, weil ich bin müde.

Für uns Große ist es oft schwer, unseren Stolz herunterzuschlucken und unsere geistliche Hilfsbedürftigkeit einzugestehen.

Dass wir es zugeben: Wir machen Gutes und Schlechtes und das Gute was wir machen, tun wir oft aus schlechten Gründen.

Das zu erkennen und zuzugeben ist echt eine Zumutung.

Aber eine befreiende Zumutung.

Kinder haben damit keine Probleme.

Und noch etwas zeichnet kleine Kinder aus: Sie gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass sie geliebt werden – egal was sie machen.

Darum haben sie keine Hemmungen, wenn sie früh um halb 5 wach werden ihre Eltern zu wecken, damit sie endlich mit ihnen Spielen.

Und wenn die Eltern darüber nicht begeistert sind und schimpfen, kommen kleine Kinder trotzdem bald wieder.

Denn sie sind sich völlig sicher:

Meine Eltern lieben mich, egal was ich mache.

Von den Kindern sollen wir lernen, wie es geht, das Joch von Jesus zu tragen.

Wir sollen keine Angst davor haben, dass uns das unfrei macht oder unterdrückt, denn Jesus ist sanft und freundlich und von Herzen demütig.

Und er verspricht:

Wer sich darauf einlässt, der findet Frieden.

 

Amen.

 

Und der Friede Gottes, ……..

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