Die Kleidung Gottes (Eph 6,10-20)

Eph 6,10-20
[10] Zuletzt: Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. [11] Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. [12] Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. [13] Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt. [14] So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit [15] und an den Beinen gestiefelt, bereit einzutreten für das Evangelium des Friedens. [16] Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, [17] und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. [18] Betet allezeit mit Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit im Gebet für alle Heiligen [19] und für mich, dass mir das Wort gegeben werde, wenn ich meinen Mund auftue, freimütig das Geheimnis des Evangeliums zu verkündigen, [20] dessen Bote ich bin in Ketten, dass ich mit Freimut davon rede, wie ich es muss.

[Vorbemerkung: Es kommt gut an, wenn man die einzelnen Gegenstände (Gürtel, Schild etc.) vorzeigen und anziehen kann.]

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

endlich ist es soweit: Ein Jahr Konfirmandenunterricht liegt hinter euch. Ein Jahr mit manchem Schönen, manchem Ärgerlichen. Manchmal war es spannend, manchmal habt ihr euch gelangweilt. Manches wusstet ihr schon, manches musstet ihr auswendig lernen. Oft liegt es gerade am Auswendiglernen, dass Konfirmanden das Ende der Konfi-Zeit herbeisehnen. Nun, heute ist’s soweit. Und natürlich, nicht zu unterschätzen, es gibt Geschenke.

Ich erinnere mich an meine eigene Konfirmation vor 23 Jahren: Da habe ich meinen ersten Fotoapparat bekommen, dazu Bücher, Spiele und Unmassen von Handtüchern. Es waren locker 10 Stück, mit denen ich aber auch gar nichts anfangen konnte. Freunde von mir bekamen ähnlich sinnvolle Geschenke wie Butterdosen, Tortenplatten oder Blumenvasen: Das ideale Geschenk für einen Konfirmanden/eine Konfirmandin. Wenn ihr Pech habt, dann bekommt ihr auch Hosen, Pullover und Strümpfe anstelle von etwas Gescheitem. Aber es passt, was euch Paulus zu diesem Festtag dazu schreibt. Er schreibt nämlich: „Zieht an die Waffenrüstung Gottes!“

Wenn ihr nachher Ja sagt zu Gott, euren Glauben zu ihm bekennt und in seinem Namen eingesegnet werdet, dann ist es ja auch passend, wenn ihr Gottes Kleidung anlegt. Nur fällt uns das nicht so ganz einfach. Denn was versteht man denn unter der Waffenrüstung Gottes? Soll ich in den C&A oder den Wöhrl gehen und die Verkäuferin fragen: „Wo bitte haben Sie die Waffenrüstung Gottes?“ Oder muss ich da eher in ein Waffengeschäft, um mir eine Art mittelalterliche Panzerung anpassen zu lassen? Einen Helm, einen Brust-Harnisch, Beinschienen? Ich bin sicher, keiner von euren Eltern, euren Paten, Verwandten oder Freunden hat daran gedacht, euch die Waffenrüstung Gottes zur Konfirmation zu schenken. Typisch: Ein Gesangbuch gibt es, aber das wirklich wichtige, die Waffenrüstung Gottes, das haben sie wieder vergessen. Dabei wäre es doch so wichtig, gerade an der Konfirmation, wo ihr euch zu Gott bekennt, dass ihr von nun auch seine
Kleidung tragt.

Nun wird es Zeit, dass ich euch ein Bekenntnis mache: Wenn ich in meinen Kleiderschrank schaue, dann finde ich dort auch keine Waffenrüstung Gottes. Auch da hängen nur Hosen, Hemden, T-Shirts – das Übliche halt. Aber das ist nicht schlimm, denn die Waffenrüstung Gottes können wir ohnehin nicht zu kaufen wie Kleidung im Kaufhof und dann anziehen. Vielmehr versteht Paulus ideelle Dinge darunter, das heißt Sachen, die nicht gegenständlich sind. Schauen wir doch einmal, woraus diese Kleidung besteht:

Da gibt es den Gürtel der Wahrheit, den Panzer der Gerechtigkeit, die Stiefel des Evangeliums, den Schild des Glaubens, den Helm des Heils, und das Schwert des Geistes.

Paulus stellt da einen beeindruckenden Anzug vor unsere inneren Augen. Wenn wir den anziehen, d.h. wenn wir uns an diese Eigenschaften halten, dann sind wir gut gerüstet für unser Leben.

Wenn ihr den Gürtel der Wahrheit anzieht, also euch immer an die Wahrheit haltet, dann geht es euch gut – so behauptet zumindest Paulus. Nun gibt es Menschen, die halten das die-Wahrheit-sagen für überflüssigen Schnickschnack, für Luxus. Aber denkt einmal darüber nach: Was würdet ihr tun, wenn ihr eine gute Freundin habt, und ihr merkt, dass sie euch immer wieder belügt? Ihr werdet euch von ihr distanzieren, von ihr fernhalten. Lügen zerstört also Beziehungen, die Wahrheit sagen erhält sie. Darum halte ich es mit Paulus für so wichtig, dass ihr den Gürtel der Wahrheit anzieht.

Weiterhin gibt es da den Panzer der Gerechtigkeit. Auch mit der Gerechtigkeit ist es so eine Sache. Schließlich kann jeder von uns aus dem Stegreif 5 Dinge aufzählen, die ungerecht sind. Ihr erinnert euch dazu sicherlich an das Konfirmandenwochenende, wo ihr Ungerechtigkeiten unserer Welt aufgezählt habt. Da ist es doch einfacher, wenn man mitmacht, oder?

Ich merke es als Lehrer in der Schule immer wieder, wie wichtig Gerechtigkeit ist. Denn meine Gerechtigkeit macht mich berechenbar. Jeder Schüler weiß, was er sich erlauben kann und wo er eine Strafe zu erwarten hat. Oder wie würdet ihr es finden, wenn ich über alles hinwegsehe, was z.B. die Julia anstellt, während ich den Patrick oder den Philipp für das Gleiche ausschimpfe? Sicherlich fällt es mir schwer, ganz gerecht zu sein, schließlich bin ich nur ein Mensch mit Fehlern und Schwächen. Aber ich bemühe mich trotzdem darum, so gerecht wie möglich zu handeln. Denn schließlich erwarte ich auch, dass Gott gerecht ist.

Die Stiefel des Evangeliums tragen wir schon unlieber. Ich verstehe darunter, mich zu meinem Glauben zu bekennen. Das fällt mir als Pfarrer wahrscheinlich leichter als euch. Denn als ich in eurem Alter war, da war es total uncool über Gott, Religion und Glauben zu reden. Man macht sich darüber lustig, behauptet aufgeklärt zu sein, glaubt, wenn überhaupt, nur noch an die Wissenschaften. Aber zuzugeben, dass ich an Gott glaube, meinen Freunden von Gott zu erzählen, von meinen Erlebnissen mit Gott, das fordert Überwindung, fordert Mut und Kraft. Wie ein Stiefel, der viel zu groß ist, dass ich kaum darin laufen kann. Und doch werdet ihr mit der Zeit merken, dass es gar nicht so schlecht ist, über den eigenen Glauben zu reden. Denn dann findet ihr plötzlich andere, denen das auch wichtig ist, oder ihr helft anderen zum Glauben zu kommen.

Und damit sind wir schon beim Schild des Glaubens. Mit einem Schild wehrt ein Ritter alle Schläge ab. Wenn ihr tief im Glauben steht, dann werdet ihr sehen, wie gut ihr in der Welt zurecht kommt. Das merke ich immer wieder in Gesprächen mit Menschen, die nicht glauben können. Wenn es z.B. über das Thema Tod geht. Ihnen bleibt nichts anderes als die Verzweiflung. Uns, die wir glauben, bleibt die Hoffnung.

Wenn wir den Schild des Glaubens immerzu tragen, wenn wir mit ihm durch die Welt gehen, dann werden wir uns beschützt wissen durch den Helm des Heils. Denn wer im Glauben steht, der darf darauf vertrauen, dass Gott ihm Heil schenken wird. Schließlich feiern wir in der kommenden Woche Karfreitag und Ostern, d.h.: Christus ist für meine Sünden gekreuzigt worden und auferstanden. Mir steht dadurch das Heil Gottes offen, wenn ich glaube.

Als letztes Stück Kleidung brauchen wir noch das Schwert des Geistes. Paulus erklärt es selbst, was er darunter versteht. Es ist das Wort Gottes. Wer im Wort Gottes lebt, der kann alle Angriffe auf sich abwehren.

Wer ab und zu in der Bibel, dem Wort Gottes liest, der weiß, was Gott von ihm will. Und wer weiß, was Gott von ihm will, der kann in diesem Willen leben.

Diese Kleidung, bestehend aus dem Gürtel der Wahrheit, dem Panzer der Gerechtigkeit, den Stiefeln des Evangeliums, dem Schild des Glaubens, dem Helm des Heils und dem Schwert des Geistes, habt ihr im Konfirmandenunterricht schon kennenlernen können. Das Lernen und vor allem das Auswendiglernen gehört auch zu dieser Kleidung dazu. Ihr müsst nur mal eure Großeltern oder andere ältere Menschen fragen: Die werden euch bestätigen, dass sie den Psalm 23 und das ein oder andere Lied bis heute auswendig können, und dass es ihnen in ihrem Leben schon viel geholfen hat.

Wenn ihr nachher also eure Geschenke auspackt, und darunter befinden sich auch die ein oder anderen Kleidungsstücke, dann denkt immer an die Kleidung, die ihr jetzt tragen sollt: Die Kleidung Gottes, die euch hilft, im Glauben an Gott und in seinem Willen durch die Welt zu gehen und sie zu bestehen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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