Der verborgene Schatz

Vor kurzem habe ich etwas Eigenartiges gelesen.

Das Fremdenverkehrsamt von Malysia schreibt: „Gigantische Weihnachtsbäume, Karussells, Weihnachtsmänner und gesangliche Darbietungen sorgen mit einer weihnachtlichen Dekoration der Superlative für eine festliche Stimmung im gesamten Stadtbild von Kuala Lumpur.“

Kuala Lumpur ist die Hauptstadt von Malaysia und laut Globe Shopper Index nach Honkong die zweitbeste Einkaufsstadt im fernen Osten. Und die „Christmas Season“ ist inzwischen auch dort zur Hochsaison für Händler und Hoteliers geworden.

Was ist denn daran eigenartig?

Eigenartig ist: Malaysia ist ein islamisches Land, der Islam ist dort Staatsreligion. Und darum sollen bei all diesem Weihnachtstamtam nach Möglichkeit keine Bibelworte verwendet werden, keine Krippendarstellungen und auch keine Lieder gesungen werden, in denen Jesus Christus vorkommt.

Mit anderen Worten: Weihnachten ja bitte – Jesus nein danke.

Mein erster Gedanke dazu war:

Das hat doch geradezu etwas Zukunftsweisendes.

In diese Richtung geht doch auch die Entwicklung bei uns.

Wochenlang wird doch auch bei uns Weihnachten schon gefeiert, jeder Verein, jede Firma macht eine Weihnachtsfeier, überall gibt es Weihnachtsmärkte mit Weihnachtsmännern und Glühwein ohne Ende – aber auch ohne Jesus, um den es an Weihnachten doch eigentlich geht.

Und als zweites musste ich an Herrn Patel denken.

Herr Patel ist ein „Computerinder“, ein indischer Ingenieur, der in Deutschland lebt und arbeitet und den ich in München kennengelernt habe und der in Wirklichkeit auch gar nicht Patel heißt.

Herr Patel ist Hindu – und er feiert jedes Jahr mit großer Begeisterung Weihnachten. Und als ich ihn darauf hingewiesen habe, dass das doch ein gewisser Widerspruch ist, da hat er mir gesagt:

Natürlich glaube ich nicht an Jesus. Aber Weihnachten ist doch so ein schönes Fest! Die Lichter! Die Stimmung! Die Geschenke! Das Fest für die Familie! Und alle wollen einander eine Freude machen. Klar feiert er Weihnachten, weil er ist doch nicht blöd!

Und dann hab ich mir gedacht: Das ist doch eigentlich etwas Wunderbares.

Jesus Christus wird geboren, und auch für die Menschen, die mit ihm selber gar nichts anfangen können oder wollen ist er der Anlass für die weltweit größte Party überhaupt. Er ist der Anlass für das weltweit schönste Fest, das sich um die Familie dreht, das voller Freude ist und das den Frieden feiert, der dann leider doch nicht anhält.

Ich meine: Es gibt Schlechteres!

Es ist doch so: Wenn wir an Mohammed und Islam denken, dann fallen uns so Sachen ein wie Salafisten und ISIS und Kopftuchzwang und Fanatiker und Selbstmordattentäter.

Und mit Jesus verbinden die Menschen vor allem Weihnachten – eine weltweite Party, ein großes Fest der ganzen Menschheit.

Ich gebe zu: Ich bin parteiisch, aber ich meine: Da schneidet Jesus deutlich besser ab.

Jedenfalls: Die Welt feiert Weihnachten mit und ohne Jesus als Fest der Freude, der Familie und des Schenkens.

Und wir? Warum feiern wir Weihnachten?

Ich gebe zu:

Ich frage mich das jedes Jahr aufs Neue, warum ihr alle da seid.

Das ganze Jahr über sind wir hier in der Kirche ein ganz kleines Häufchen – aber heute, am Heiligen Abend ist alles voll.

Warum seid ihr heute alle da?

Aus Gewohnheit? Weil man das halt so macht?

Wegen der festlichen Stimmung, die ihr genießen wollt?

Weil es halt ein toller Event ist, der nicht einmal Eintritt kostet?

Oder ist das heute so eine Art jährlicher Anstandsbesuch beim lieben Gott, damit er nicht unzufrieden und böse wird? Eine lästige Pflichtübung, so wie manche Leute ein Mal im Jahr die Oma im Altersheim besuchen, damit der Form genüge getan wird?

Ich hoffe nicht.

Und ich glaube es auch nicht.

Ich glaube eher, dass es eine Art Sehnsucht ist, die die meisten Menschen gerade an Weihnachten in die Kirche zieht – oder treibt.

Eine Sehnsucht nach heiler Welt.

Einer Sehnsucht nach Heimat und Geborgenheit.

Einer Sehnsucht danach, dass die Leere, die wir oft in uns spüren, gefüllt wird.

Einer Sehnsucht danach, dass endlich wirklich Frieden wird.

Frieden mit uns selber und Frieden mit den anderen. Die uns so oft das Leben schwer machen und manchmal kaum zu ertragen sind.

Einer Sehnsucht nach Hoffnung.

Einer Sehnsucht nach Liebe, die jeden Streit überwinden kann.

Eine Sehnsucht danach, geliebt zu werden.

Einer Sehnsucht danach, dass alles gut wird.

Einer Sehnsucht auch nach Glauben – mitten im Unrecht und Leid und Krankheit und Gemeinheit dieser Welt und auch mitten im Tod, mit dem diese Welt so voll ist.

Einer Sehnsucht nach einer Begegnung mit Gott, der meinem Leben Sinn und Halt und Grund geben kann und soll.

Einer Sehnsucht nach einem Anker.

Und genau darum geht es ja an Weihnachten.

Gott wird Mensch, damit wir ihm begegnen können.

Gott wird Mensch, damit wir ihn begreifen können.

Gott wird Mensch, damit wir uns an ihm festhalten können.

Und an Weihnachten sind wir eingeladen, darüber nachzudenken.

An Weihnachten sind wir eingeladen, über Jesus Christus nachzudenken.

Paulus hat das auch gemacht. Und den Christen in der Stadt Kolossäe hat er dazu folgendes geschrieben:

In Jesus Christus sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. (…) Wie ein Baum in der Erde, so sollt ihr in Christus fest verwurzelt bleiben, und nur er soll das Fundament eures Lebens sein. (…) Für das, was Gott euch geschenkt hat, könnt ihr gar nicht dankbar genug sein. (…) Denn in ihm allein wohnt wirklich die ganze Fülle Gottes.

Was sind denn das für Schätze der Weisheit und der Erkenntnis?

Warum sind sie verborgen und nicht klar und deutlich und einfach zu sehen?

Was hat uns denn Gott geschenkt?

Was heißt das: In Christus fest verwurzelt sein?

Und: was heißt das mit der Fülle Gottes in Christus?

Ich fang einmal mit dem Verborgenen an.

Warum kommt Gott so still und heimlich in diese Welt, in Gestalt eines kleinen Babys, das ganz normal geboren wird, so wie jedes andere Baby auch.

Warum kommt er nicht mit Pauken und Trompeten, mit Glanz und Gloria, ganz unübersehbar und glasklar erkennbar?

Ich denke, das ist zunächst eine Charakterfrage.

Unser Gott ist kein Freund von Pomp und Prunk, er ist auch kein Freund von lauten Tönen. Er will auch niemanden bedrängen und überrumpeln und mit Glanz und Prunk beeindrucken, sondern er kommt lieber bescheiden und unaufdringlich.

Ich stehe vor der Tür und klopfe an, sagte Jesus einmal.

Und wer mir aufmacht, zu dem werde ich hereinkommen.

Und wenn nicht, dann bleibe ich halt draußen und warte.

Anstatt Menschen zu überwältigen lässt Gott sich lieber herumschubsen.

So ist er halt.

Und zum anderen ist das glaube ich ein ganz einfacher Test.

Interessiertest du dich wirklich für mich – oder bist du nur bereit, mich so im vorbeigehen mitzunehmen, wenn ich dir bequem auf dem Präsentierteller serviert werde?

Generationen von Frauen haben mit großem Erfolg eine ganz einfache Methode angewendet um herauszufinden, ob der junge Mann, der sie da umwirbt, es wirklich ernst meint – oder nicht so wirklich: Indem sie ihn zappeln lassen.

Wer es wirklich ernst meint, der bleibt dran.

Und wer nicht, der lässt es schnell bleiben.

So macht es auch Gott mit uns.

So hat es auch Jesus gemacht.

Er hat viele Gleichnisse erzählt.

Die Oberflächlichen haben gesagt: Nette Geschichte, und sind weitergegangen.

Die weniger Oberflächlichen, die sich wirklich interessiert haben, die haben nachgefragt: Moment einmal – was willst du uns mit dieser netten Geschichte eigentlich sagen?

Und denen hat er es dann erklärt.

Wer etwas verbirgt, der findet ganz schnell und leicht heraus, wer bereit ist, sich Mühe zu machen. Wer mit Ernst dabei ist.

Und wer bei Jesus weiterbohrt, der wird eine Menge entdecken.

Schon seine Zeitgenossen haben erkannt: Jesus war wirklich außergewöhnlich.

Er hat die Menschen beeindruckt.

Niemand hat jemals so gesprochen wie er, sagten die Leute.

Mit 12 Jahren hat er eine Ansammlung von Theologieprofessoren mit seiner Weisheit und Klugheit verblüfft.

Weiß eigentlich jemand, warum Jesus so außergewöhnlich war?

Ist doch klar: Er hatte von Geburt an einen Krippenplatz!

Das war jetzt übrigens ein Witz….

Paulus hat eine andere Erklärung. Er schrieb: In ihm allein wohnt wirklich die ganze Fülle Gottes.

Jesus ist der Mensch gewordene Gott.

Jesus ist Mensch geworden, damit Gott Hand und Fuß hat.

Und das hat Jesus auch selber immer wieder gesagt:

Wer mich sieht, der sieht Gott.

Wer mich sieht, der sieht Gott.

Wer so etwas sagt, der ist entweder ein Witzbold, ein Scherzkeks, oder er ist total plem plem, total übergeschnappt, ein Fall für die Psychatrie – oder er ist, was er behauptet.

Niemand hat Jesus je für einen Scharlatan oder Witzbold gehalten.

Und die einzigen, die ihn für verrückt erklärt haben, waren seine Geschwister, die nicht verstehen konnten, warum er nicht weiter im Familienunternehmen Karriere machen will und sich stattdessen um Probleme anderer Menschen kümmert.

Alle anderen waren beeindruckt davon, wie vernünftig und klug und weise er war.

Sie waren davon beeindruckt, wie er sie durchschaut hat.

Und sie waren davon beeindruckt, wie durch und durch gut er war.

Nicht nett, sondern voller Liebe. Voller Hingabe. Bis zur Selbstaufgabe.

Die einen hat das fasziniert und es hat ihr Leben total verändert.

Die andern haben sich dagegen verschlossen und sind zu seinen Feinden geworden.

Aber beide haben es eigentlich erkannt:

In Jesus begegnet uns Gott.

In Jesus begegnet uns Gott.

Damit wir eine klare Vorstellung bekommen, wie Gott ist.

Und damit wir erkennen, wie er über uns denkt und was er von uns will.

Er gibt viele verschiedene Vorstellungen von Gott, viele Gottesbilder.

In Jesus ist Gott Mensch geworden, damit wir an ihm erkennen, wie er wirklich ist.

Nämlich von Herzen gut und uns Menschen freundlich zugewandt.

Jemand, der uns nur Gutes will.

Jemand, der da ist und sich kümmern will.

Jemand, der uns bedingungslos und unwiderruflich liebt.

Jemand, der uns frei machen will von Gebundenheiten und Zwängen und von Angst.

Jemand, der uns große Freiheit geben will.

Jemand, der niemals zwingt und Druck ausübt.

Jemand, der uns sagt: Für mich bist du so einzigartig, so kostbar, so liebenswert, so wertvoll, dass ich bereit bin, für dich zu sterben.

Und er hat es nicht nur gesagt, sondern auch getan.

Und das ist der Schatz der Weisheit und Erkenntnis, den wir entdecken sollen.

Wobei – dazu gehört noch eine zweite Erkenntnis.

An Jesus können wir nicht nur erkennen, wie Gott ist.

An Jesus können wir auch erkennen, wie Gott sich uns Menschen vorstellt.

Er ist sozusagen der absolute Maßstab dafür, wie wir Menschen eigentlich sein sollen.

Mit Maßstäben ist das ja so eine Sache.

Wenn sie nicht richtig geeicht sind, dann messen sie Quatsch.

Unser Maßstab für das Menschsein ist meistens so der Durchschnitt der Allgemeinheit, und nach dem Maßstab halten wir uns dann meistens für ziemlich ok.

Jedenfalls sind wir nicht schlechter als die meisten anderen halt auch.

Wenn wir aber diesen absoluten Maßstab Namens Jesus an uns anlegen, dann sieht das anders aus.

Dann haben wir die Chance auf eine zweite große Erkenntnis:

Dass wir ganz und gar nicht so sind und leben, wie Gott sich das wünscht und eigentlich vorstellt.

Da sind wir Meilenweit bis Lichtjahre davon entfernt.

Und das zu erkennen ist eine große Chance.

Denn wer das erkennt, der erkennt so seine Gottesbedürftigkeit.

Dass er Gottes Hilfe und Zuwendung braucht, um anders zu werden.

Um auch „gut“ zu werden.

Um auch wirklich lieben zu können.

Auch die, die schwierig sind.

Und das alles will Gott uns schenken.

Nicht nur an Weihnachten. Sondern jederzeit.

Wenn wir uns in Jesus verwurzeln.

Indem wir ihn einladen.

Herz und Hirn weit aufmachen und ihm sagen: Komm – und übernimm das Ruder.

Sag mir, was ich tun soll.

Ich will hören.

Das alles schenkt uns Gott in Jesus.

Und noch etwas:

Er schenkt Vergebung.

Deine ganze miese Vergangenheit, alles, was du falsch gemacht hast, womit du anderen wehgetan hast – ich lösche es aus.

Und dann fangen wir miteinander neu an.

Darum geht es an Weihnachten.

In einem Lied hat Albert Frey das einmal so ausgedrückt:

 

Es gibt bedingungslose Liebe,

die alles trägt und nie vergeht

und unerschütterliche Hoffnung,

die jeden Test der Zeit besteht.

Es gibt ein Licht, das uns den Weg weist,

auch wenn wir jetzt nicht alles sehn.

Es gibt Gewissheit unsres Glaubens,

auch wenn wir manches nicht verstehn.

Es gibt Versöhnung selbst für Feinde

und echten Frieden nach dem Streit,

Vergebung für die schlimmsten Sünden,

ein neuer Anfang jederzeit.

Es gibt ein ewges Reich des Friedens.

In unsrer Mitte lebt es schon:

ein Stück vom Himmel hier auf Erden

in Jesus Christus, Gottes Sohn.

Er ist das Zentrum der Geschichte,

er ist der Anker in der Zeit.

Er ist der Ursprung allen Lebens

und unser Ziel in Ewigkeit.

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