Der Unsichtbare

Liebe Weihnachtsgemeinde,

an Weihnachten fühle ich mich wie durchsichtig. Manche von Ihnen werden sich an die Fernsehserie erinnern, die ich in meiner Jugend geliebt habe: der Unsichtbare. Der konnte mitten im Raum stehen und niemand konnte ihn sehen. Und mehr noch: man konnte immer alles und jeden genau sehen, was oder wer hinter ihm stand. Er konnte niemanden und nichts verdecken.

An Weihnachten steht der Pfarrer im weißen Talar im Altarraum oder auf der Kanzel und er ist völlig durchsichtig. Die Weihnachtsbotschaft scheint durch ihn und all die anderen durchsichtigen Akteure völlig hindurch. Der Lektor, die Mesnerin, der Organist, die Posaunenchorbläser, selbst die Kinder, die Musik machen sind durchsichtig, damit das Jesuskind in der Krippe zur Geltung kommt. Unsichtbar, nicht unwichtig. Denn der Felix und der Maik und alle anderen, die zu diesem Gottesdienst etwas beitragen tun einen ganz wichtigen Dienst. Aber sie tun ihn nicht für sich, sondern – wie durchsichtig- für das Christkind.

An Weihnachten heben wir Christen uns von anderen Religionen ab. Gott ist für uns kein Fremder, kein Entfernter, kein Donnernder, kein Angst einflößender, abgewendeter Gott. An Weihnachten feiern wir, dass Gott mitten unter uns geboren wurde, mitten unter den Menschen lebte. Und er lebte ein Leben wie du und ich. Ein Christenleben so wie deins und meins.
Die Schule und das Helfen daheim hat ihm Mühe gemacht. Er hat die Hitze der Sonne und die Kälte der Nacht gespürt. Er hat gelacht und war enttäuscht, er war glücklich und traurig, er hatte Angst und war stolz auf seine Freunde, er hat gelitten, ist gestorben – so wie wir das alles einmal tun oder erleben.
Aber ganz am Anfang war er ein kleines schutzloses Kind in der Krippe von Bethlehem.
Das ist für die Menschen manchmal wie ein Witz, unbegreiflich, vielleicht sogar enttäuschend. Eine Torheit, steht in der Bibel. Ein Gott als schutzloser Säugling, wie doof.
Aber das ist es gar nicht. Unsere schutzlosen Kinder sind ja auch nicht doof. Und unser persönliches Leiden ist wie unsere persönliche Freude wichtig und zu respektieren. Und Gott respektiert eben Leben und Leid an uns allen, ganz individuell. Deswegen kam er ja zu uns. Um das Leben, wie wir es erleben, ganz auszuloten. Er nimmt uns damit ernst, er respektiert uns, er liebt uns. Das feiern wir an Weihnachten. Unser Gott vertröstet uns nicht aufs Paradies und lässt uns in einem erbärmlichen Leben allein. Unser Gott hält unser Leben hoch, er heiligt es und ehrt es, indem er es selber erlebt, durchlebt, von den Windeln bis zum Schluss.
Gott ist in Christus dein und mein persönlicher Gott. Dein und mein Freund und Berater. Für dich und mich einer der uns ermahnt und lobt. Kurz einer, der den richtigen Lebensweg kennt, weil er ihn selber schonmal gegangen ist.
Ein kleiner Gott ist der da in der Krippe, schutzlos, unmündig, so wie mir es waren und manchmal sind. Ein großer Gott ist er dadurch geworden, der dich versteht, der dich liebt und der immer mit dir geht bis ans Ende der Welt.
Glaub es! Denn es ist Weihnachten. Gott kommt heute zu dir!

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