Der Tod muss dran glauben

Liebe Gemeinde,

Kinder und Frauen zuerst: wenn’s ernst wird, geht’s schön der Reihenfolge nach, auch bei der Auferstehung: zuerst Christus, dann Christen und Christinnen, dann der Rest der Menschheit. Und zum Schluss muss der Tod selbst dran glauben:

Der Tod selbst muss dran glauben: Die Auferstehung Christi ist Anfang seines Endes. Der Tod selbst muss dran glauben: Er und seine kleinen Brüder sind die einzigen, die nicht ewig leben werden. Er und seine kleinen Brüder, die da heißen Gewalt, Herrschsucht und Machtmissbrauch. Alle anderen werden den Tod und seine Brüder bis in alle Ewigkeit überleben.

Alle – nicht nur wir, die wir hier sitzen, nicht nur die weltweite Christenheit, sondern alle werden in Christus lebendig gemacht. Nur eben schön der Reihenfolge nach. Irgendwie erstaunlich, dass Paulus so genau weiß, wie’s mit der Auferstehung der Toten vonstatten geht. Er, der sonst durchaus einräumt, dass unser Wissen Stückwerk ist, dass wir durch einen Spiegel ein dunkles Bild sehen und eher im Glauben denn im Schauen wandeln, er entwirft plötzlich einen detaillierten Heilsfahrplan: Zuerst Christus, dann Christen und Christinnen, dann der Rest der Menschheit. Und zum Schluss muss der Tod selbst dran glauben.

Auch bei Heiligen Aposteln muss doch die Frage erlaubt sein: Woher weiß der das eigentlich so genau? Und auch eine zweite Frage: Was interessiert uns das eigentlich wer wann wo wie genau aufersteht?

Vor 2000 Jahren in der korinthischen Gemeinde war die Auferstehung heiß umstritten. Manche Korinther hielten sich schon für so erlöst, dass es kein Halten für sie gab. Sie glaubten sich schon jetzt im Himmel und lehnten jede Verantwortung für die Welt ab. Schließlich waren sie schon jetzt mit Christus auferstanden, der Geist ist alles, die Welt ein Dreck, Auferstehung der Toten brauchen wir nicht, haben wir schon.

Diese geistlichen Überflieger versuchte Paulus mit seinem Brief wieder auf den Boden des Bekenntnisses zu bringen: Alles hat sich am Glauben, an der Hoffnung und an der Liebe zu messen. Christen und Christinnen haben auf dieser Welt Verantwortung, wir haben auch was auszuhalten, haben manchmal zu kämpfen. Das Leben ist kein einziges Halleluja. Wir leben noch nicht im siebten Himmel, wir warten noch auf unsere Auferstehung.

Nun sind wir hier keine Korinther. Und ich denke, dem Friesen an sich ist eine solche Schwärmerei eher fremd. Wir sind das andere Extrem: Während die Korinther mit ihrem Glauben vollends abhoben, behalten wir die vollkommene Bodenhaftung. Unser Glaube löst sich nicht in himmlischen Sphären auf. Unsere Schwerkraft ist der Realismus, der Glauben flach macht. Denn mal ehrlich: Wir wollen’s mal nicht übertreiben mit dem süßen Jenseits, was zählt ist dieses Leben, nichts anderes. Und in diesem Leben war Jesus Christus eben ein guter Mensch aus Nazareth, der bestenfalls zum leuchtenden, ethischen Vorbild taugt.

Doch, so Paulus: Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten.

Glauben Sie an die Auferstehung der Toten? Ich meine nicht nur, dass jeder irgendwie in unseren Herzen weiterleben wird, dass immer irgendwo ein Lichtlein herkommt, ich meine wirkliche Auferstehung:

Denn es kommt nicht immer irgendwo ein Lichtlein her, aber es gibt das eine, helle, strahlende Licht des Ostermorgens, das jede Dunkelheit verschlingen wird. Der Tod selbst muss dran glauben. Nicht nur irgendwie gefühlsmäßig oder symbolisch, sondern wahrhaftig: Das, was, uns ausmacht, geht nicht verloren, es geht nicht auf in Staub und Asche und in den Erinnerungen unserer Familien und Freunde. Tote haben es nicht nötig in unseren Herzen weiterzuleben, wir können sie irgendwann gehen lassen, denn sie werden in Gott weiterleben.

Es ist das Letzte, wovon ich rede: Gott wird alles in allem sein. Wir werden in seiner Liebe ohne den Tod leben. Wir, die Menschen, die wir lieben, die uns gleichgültig sind, und auch die, die wir hassen, wir alle haben dieselbe Zukunft, dasselbe Ziel, auch wenn wir nicht dran glauben wollen.

Wir haben nicht nur dieselbe Vergangenheit: Unser Leben erschöpft sich nicht im alten Adam, in einem Menschsein, das in sich gefangen ist. Wir alle werden in Christus neugeboren. Wir alle werden erfahren, dass es Leben ohne Grenzen gibt. Wir alle werden einen neuen Himmel und eine neue Erde sehen. Alle Macht und Gewalt, die unserem Leben Grenzen setzte, wird zerstört.

Freuen Sie sich drauf. Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude, denn sie kann schon jetzt unser Leben verwandeln. Vielleicht kennen Sie folgende kleine Geschichte: Stirbt ein Ehepaar im gesegneten Altern von 104 Jahren und kommt in den Himmel. Alles ist einfach paradiesisch: Überall goldenes Licht, herrliche Musik und wundervolles Essen. Doch der Mann stapft ärgerlich durch die Wolken und grantelt: Du mit deinen dämlichen Knoblauchpillen. Das alles hätten wir schon 40 Jahre früher haben können. Manch einer liebäugelt so sehr mit dem Jenseits, dass er den liebevollen Blick für sein Diesseits verliert. Wer nur gen Himmel stiert, verkennt, das Gott auch unsere Erde segnen will. Natürlich ist unser Leben hier kein einziges Halleluja. Doch wir können schon jetzt auf dem Boden, den wir Realismus nennen, auch Abschied, Schmerz und Trauer aushalten, weil es nicht das letzte sein wird, was wir erleben.

Die Botschaft, dass wir alle von den Toten auferstehen werden, ist nicht nur Durchhalteparole, keine bloße Vertröstung auf ein besseres Jenseits. Unsere Welt kann schon jetzt in einem neuen Licht erscheinen, im Licht der Auferstehung. Was tot ist, wird nicht tot bleiben. Auch nicht, was in uns tot ist. Christus brach als erster aus dem Grab dieser Welt aus. Man kann den Tod seitdem einfach nicht mehr ernst nehmen, er steht schon jetzt auf der Verliererseite bis in alle Ewigkeit.

Himmel an Erde: Wenn Ihr wüsstet, was auf euch zukommt, dann würdet Ihr schon jetzt zum Leben aufstehen. Auch wenn Ihr’s jetzt noch nicht glaubt: Der Tod musste dran glauben, er und seine kleinen Brüder Krieg, Terror und Zwietracht.

Himmel an Erde: Ihr habt keinen Grund zum Todesernst und zur Todesangst. Das, was euch jetzt bedrückt, das, was euer Leben jetzt so schwer macht, wird nicht in alle Ewigkeit so weiter gehen. Lasst euch also nicht unterkriegen: Steht auf und geht aufrecht. Christen und Christinnen zuerst.

Himmel an Erde: Ihr habt die Wahl: Früher oder später werdet Ihr alle in Christus lebendig gemacht. Auf lange Sicht wäre es einfach unsinnig, auf Macht und Gewalt zu setzen, steht also lieber jetzt schon zum Leben auf:

Brecht das Schweigen, wenn es euch zu erdrücken droht. Beugt euch nicht dem Unrecht, nur weil Ihr glaubt, Ihr hättet eh keine Chance. Verfallt nicht in bodenlose Resignation, sondern steht fest auf der Erde. Gott wird sie vollends verwandeln. Fangt schon mal an. Christen und Christinnen zuerst. Die Auferstehung der Toten kann euch egal sein, wenn ihr nicht schon jetzt in der Hoffnung lebt, dass neues Leben möglich ist. Fangt zu leben an, verfallt nicht in den alten Trott, lasst euch von Glaube, Liebe, Hoffnung Beine machen.

Wer wann wie zu leben anfängt, ist in der Tat keine haltlose oder uninteressante Jenseitsspekulation.

Der Tod hat jetzt schon keine Chance mehr. Christ ist erstanden und fragt: Wer ist der Nächste? Und sollte es in Nordfriesland geistige Korinther geben würden sie natürlich sofort rufen: ICH! ICH! Doch wer in dieser Welt zum Leben aufersteht, der steht mit beiden Füßen auf der Erde, der hebt nicht ab, sondern behält die Welt im Blick, nur eben unter einem ganz bestimmten Vorzeichen:

Nichts ist umsonst, was wir für diese Welt im Namen Gottes tun. Auch wenn es uns nicht immer gelingt, Frieden zu schaffen und Liebe zu üben, es ist nicht umsonst. Keine Mühen um Trost, um Gerechtigkeit oder Verantwortung sind umsonst, Gott wird sie zu Ende führen.

Unter diesem Vorzeichen können wir schon jetzt frei und aufrecht leben. Mit dem Mut zur Vorläufigkeit und zur Unvollkommenheit, mit der Gewissheit, dass wir uns nicht an Besitz, Prestige oder auch Ämter klammern müssen, um leben zu können, mit der Hoffnung auf eine Welt, in der Gott alles in allem sein wird. Stehen wir also auf. Christen und Christinnen zuerst.

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