Der Lack ist ab. Die Luft ist raus. Eine Weihnachtspredigt.

Christvesper 24.12.2015

Ev. Luth. Kirchengemeinde Gnevsdorf – Karbow

Johannes 3 16           – Der Lack ist ab. Die Luft ist raus –

 

„Freue dich … o Christenheit!“- haben wir eben gesungen.

Manche freuen sich über den Weihnachtsurlaub. Ein paar ruhige Tage nur … zwischen den Jahren. Mehr nicht. Die Luft ist nach dem stressigen Jahresendspurt raus.

Andere freuen sich auf ein Wiedersehen mit lieben Angehörigen.

Manch einer kann sich gar nicht mehr freuen. Manche haben Angst vor der Einsamkeit, die gerade in diesen Tagen schmerzhaft bewusst wird. Sie sind froh, wenn das „Fest der Liebe“ vorbei ist. Ja der geregelte Alltag ist gut.

Alles gut soweit. Oder auch nicht. Wie man es nimmt.

Mir scheint: Da hat sich einiges wie Zuckerguss und Rankwerk um den ursprünglichen Kern gelegt.

Wer ist unser Geburtstagskind Jesus von Nazareth? Schauen wir auf die heimelig anmutende Geburt im Stall von Bethlehem:

Die „Heilige Familie“: Maria war etwa 15 Jahre alt.

Mit  Josef war sie nicht einmal verheiratet.

Die Geburt Jesu  war für die Betroffenen alles andere als „heilig“!

Eine harte Wirklichkeit und um es salopp zu sagen: Überhaupt nicht romantisch..

Eine Notunterkunft. Ein Viehstall.

Wer möchte so das Licht der Welt erblicken?

Wenig später mußte die junge Familie vor dem machtbesessenen König Herodes ins Ausland fliehen um ihr Leben zu retten.

Nicht anders als die Menschen heute, die zur Zeit aus Syrien, dem Irak oder aus Afrika oder anderen Ländern vor Bürgerkrieg und Terror flüchten.

Von Geburt an ist das Leben dieses Säuglings bedroht.

Wie es mit dem Baby weitergeht? Auch ganz normal!

Sehr bald schon ist nichts mehr vom „holden Knaben im lockigen Haar“ zu erkennen.

Als Halbwüchsiger legt er sich nicht nur mit seinen Eltern an, sondern  sucht als zehnjähriger in Streitgesprächen und Provokationen die Herausforderung mit religiösen Autoritäten im Tempel – ein frühpubertierendes aufmüpfiges altkluges Bürschlein?

Oder gar ein schwererziehbarer Jugendlicher? Nein.

Jesus übte keinen ehrbaren bürgerlichen Beruf aus.

Er schließt sich stattdessen einer strengen religiösen Gruppe an, die das baldige Weltende und die Wiederkunft des Messias erwartet.

Spätestens hier ist der Weihnachtslack ab!

Erst in seinem letzten Lebensjahr zieht er mit ein paar Fans im Gefolge als Wanderprediger in einem Radius von ca. 40 kilometern in Israel umher und predigt, vollbringt Heilungswunder und wendet sich Armen und Aussenseitern zu.  Er erzählt vom Gottes Reich.

Einfach und klar ist seine Botschaft an seine Zeitgenossen: Liebe zu Gott, Liebe zum Nächsten und Liebe zu sich selbst. Radikale Umkehr!

Er bringt das alttestamentliche Gesetz neu zu Gehör. Doch geht er noch darüber hinaus: Nicht Auge um Auge – dafür fordert er noch intelligente Feindesliebe ein! Radikaler Gewaltverzicht. Er wendet sich Menschen am Rande zu. Er vollbringt spektakuläre Wunder und weckt sogar Tote auf!

Jesus schrieb nie ein Buch, hinterliess kein Parteiprogramm, kein Manifest.

Einige wenige, die das Besondere in ihm erkannt hatten, gaben  ihm damals den Würdetitel „Gottes Sohn“.

War er ein religiöser Spinner, ein Revoluzzer, ein Fanatiker, ein Gotteslästerer, ein Störenfried?

Gerne hätte ich damals eine Umfrage gemacht.

Er hat nicht reingepasst ins System!

Doch wichtiger als die Frage wie Jesus damals wahrgenommen wurde scheint mir die frage zu sein: Wer ist unser Geburtstagskind heute – für mich und dich?

Passt Jesus rein in mein oder dein System? Passend gemacht? Einmal im Jahr passt er.  Zu Kommerz und Leuchtdioden, die längst den Stern über dem armseligen Stall  überstrahlen.

Damals hat er nicht gepasst: Er  starb eines gewaltsamen Todes. Im  Alter von etwa 30 Jahren in der Amtszeit des römischen Statthalters Pontius Pilatus. Nach einem Schauprozess. Angeklagt der Gotteslästerung. Am Kreuz zwischen zwei Verbrechern hauchte er sein Leben aus.

Vom Jubel der Engel ist da auf den Feldern nichts mehr zu hören. Ein paar Jünger, ein paar Schaulustige und eine weinende Maria sind geblieben.

Seine Anhängerschaft zerstreut sich, ist frustriert und enttäuscht.

Hätte Gott nicht noch ein allerletztes Wort mitgeredet, dann wäre hier Ende.

Doch nun beginnt es erst richtig. Nimmt uns mit hinein. Aus bloßen Zuschauern und weihnachtlichen Christen werden Beteiligte.

So wie  damals…

Ganz sachte macht sich Jesus nach seinem Tod bemerkbar, erst den erschrockenen Jüngern, dann den beiden auf dem Weg nach Emaus … oh ich bin bei Ostern angelangt!

Zurück zur menschwerdung Gottes:

Warum tut Jesus das alles?

Ganz einfach: weil er von seinem Vater einen glasklaren Auftrag bekommen hatte.

Rette die Menschen!

Weihnachten ist im Kern nichts anderes als der Beginn einer bis heute andauernden Rettungsaktion Gottes!

Was muss Gott für einen Narren gefressen haben an seiner Welt!

Dramatisch ist Gottes Such- und Rettungsaktion.

Gott geht aufs Ganze.

„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle die an ihn glauben nicht verloren werden, sondern das ewige leben haben:“

Was für ein Geschenk!

Jesus hätte auch sagen können:

“Lass mich doch  lieber dort im Himmel bleiben, da ist es gemütlicher. Hake diese seltsamen und starrsinnigen Menschen ab mitsamt deiner ganzen wunderbaren Erde. Die sind es nicht wert. Du hast es gut gemeint, aber die begreifen es nicht. Es war ein Versuch. Vergiss es!

„Also hat Gott die welt geliebt, damit alle die an ihn glauben nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben !“

Wie muss gott diese Welt lieben!

Das  ist eine unglaubliche große Hoffnungsdimension, die uns hier aufgetan wird.

Ewiges Leben haben!

Ewiges Leben bedeutet viel mehr als nur die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Das auch. Doch nicht nur das.

Wäre es nur das, dann wäre Glaube  nur Vertröstung aufs Jenseits.

Das ewige Leben beginnt schon hier im irdischen Alltag.

Das reicht ja schon jetzt in die Zeit hinein.

Was für ein Geschenk!

Mitten in Finsternis und Trostlosigkeit wird Gott Mensch.

Wo es um uns herum finster ist und  Sorgen- und Zukunftsängste drücken.

Wo es einfach dunkel ist in vielfältiger Form….

Ich denke, das ist ein ganz wichtiger Teil unseres Geschenks. Das zu Entdecken sich lohnt: Dass alles Leid und alle Finsternis, alles Kriegsgeschrei und alle Panikmache, alles Böse – sind kein Argument mehr gegen Gottes Liebe zu diesem Planeten Erde seit Gott Mensch wurde im Dreck und Elend eines Viehstalles, in einem irgendeinen Winkel in Bethlehem.

Was für ein Geschenk!

Mitten in Finsternis und Trostlosigkeit wird Gott Mensch.

Jesus ist nicht als König der Könige mit Glanz und Gloria von einer Wolke herabgestiegen!

Sein Weg ist von Armut, Demut und Selbsterniedrigung bestimmt.

 Also hat Gott die Welt geliebt, damit alle die an ihn glauben nicht verloren werden…“

Glaube rettet vor Verlorengehen.

Ich frage: Was ist Glaube?

Es ist nicht das, was landauf darunter verstanden wird: Etwas nicht genaues wissen, so nach dem Motto: ich glaube, es jetzt ist viertel vor sieben.

Die Antwort finden wir in der Krippe.

Ich schaue mir die Hirten an wie sie da stehen: einfache Menschen, wettergegerbte Gesellen.  Ihre Gesichter sind von Arbeit, Sorge und Mühe um das tägliche Brot gezeichnet.

Sie durften dabei sein. Anbetend. Staunend. Empfangend.

Das ist Glaube!

… Wie wir auch …

Ich schaue auf  das wehrlose kleine Kind im Futtertrog.

Es lächelt mich an, so, als will es sagen: Lass mich deine Krippe sein. Schenke  mir dein Herz. Gib mir Raum in Dir.

Mehr braucht es nicht.

Nichts musst du tun.

Nur mich  aufnehmen.

Da, wo es „arm-selig“ ist,

„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle die an ihn glauben nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben!“

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