Der heruntergekommene Gott

Liebe Gemeinde,

Feste wurden schon immer gerne gefeiert, so heute das Weihnachtsfest, damals das Laubhüttenfest. Die Menschen kamen damals nach Jerusalem und fragten sich: "Würde er da sein?" "Vollbringt er ein Wunder oder hält er eine Rede, dieser Jesus von Nazareth." Jesus redete damals auf dem Laubhüttenfest: "Ja, ihr kennt mich und wisst, woher ich komme." Auch wir sind heute zum Weihnachtsfest gekommen. Welche Fragen haben wir? Welche Hoffnungen und Erwartungen bringen wir mit. Jesu Worte können uns Antworten geben und unsere Hoffnungen und Erwartungen erfüllen, weil er bei dem anknüpft, was wir heute in diesen Gottesdienst mitbringen: "Ja, ihr kennt mich und wisst, woher ich komme."

Wir kennen das Kind in der Krippe, wir kennen den Ort an dem Jesus geboren wurde: Bethlehem. Und vielleicht wissen wir auch, dass in Bethlehem die meisten Weihnachtsfeiern ausfallen müssen, weil die politische Lage dafür viel zu gefährlich ist. Informiert waren die Menschen damals, informiert sind wir heute, worum geht es also Jesus, wenn er beim Laubhüttenfest quer durch den Tempel schreit: "Aber der mir den Auftrag gegeben hat, den kennt ihr nicht." Sind wir informiert, was Jesus wirklich wollte? Wir sind informiert, aber ist unser Glaube Herzenssache? Wir sind informiert, aber leben wir in einer persönlichen Beziehung mit dem Kind in der Krippe? Um auf diese drei Fragen eine Antwort zu finden, müssen wir Jesus persönlich begegnen. Damals haben die Menschen Jesus im Tempel getroffen. Seit seiner Auferstehung und Himmelfahrt können wir Jesus in unserem Herzen begegnen. Das es gar nicht so schwer ist, zeigt uns die Geschichte von der dreijährigen Jessica:

Ein Seelsorger kam zu Jessica, einem dreijährigen Mädchen, das an einem bösartigen Tumor litt. In der Kinderklinik traf er das Kind und auch die Mutter. Er suchte beiden beizustehen und ihnen das Evangelium zu sagen. Es ist ergreifend, was der Seelsorger in diesen Wochen an Jessicas Krankenbett erlebt hat. Es war kurz vor Weihnachten 1995. Bei einem Besuch erzählte ich ihr, wie der Vater den verlorenen Sohn in den Arm schließt. Jessica unterbricht mich: »Du, das verstehe ich nicht: Gott ist im Himmel.« »Ja … ! « »Aber warum kommt Gott denn nicht mal runter vom Himmel? « – »?« – »Ja, warum kommt er nicht mal runter, er ist so weit weg! « Jetzt machte es »klick«. »Du, Jessica, stell dir mal vor, das hat er wirklich einmal gemacht. Damals in Bethlehem, da wurde in einem ganz armseligen Stall ein Kind geboren … « – So haben wir an diesem Abend Weihnachten gefeiert, und ich bin überzeugt, meine kritische Hörerin hat begriffen, dass Jesus ganz nahe ist, auch bei ihr.« – Wenige Wochen danach ist das Mädchen gestorben. Aber in allem Schweren war es am Ende eine weihnachtliche Geschichte. Jessica hatte begriffen, was Weihnachten eigentlich ist: »Stell dir vor, Gott hat das tatsächlich einmal gemacht!«

Jessica hat verstanden, was Jesus wirklich wollte: "zu uns kommen und uns zu Gott seinem Vater mitzunehmen." Das ist die Botschaft von Weihnachten, das Gott in unsere Dunkelheit kommt, um sie hell zu machen. Jessica hat den Glauben zu einer Herzenssache gemacht. Sie hat Jesus, der zu uns auf die Erde kam, die Tür Ihres Herzens aufgemacht. Damit wurde es trotz ihrer dunkeln Krankheit in ihrem Herzen hell und sie konnte in Frieden sterben. Jessica hat die wenigen Wochen ihres Lebens, die ihr noch bleiben in einer engen Gemeinschaft mit Jesus gelebt. Es kommt nicht nur auf die Länge unseres Lebens an, sondern auch auf seine Tiefe. Jetzt verstehen wir auch, was Jesus mein, wenn er von Gott sagt: "Er ist die Wahrheit." Es ist der Unterschied zwischen dem, was wir meinen und dem was die Wirklichkeit ist. Ich will es am Beispiel der dreijährigen Jessica erläutern. "Ein armes Kind, das es schon mit drei Jahren sterben muss." Die Wirklichkeit Gottes sieht so aus, dass Jessica durch ihre Krankheit in Jesus den heruntergekommenen Gott kennenlernte durfte, der er sie dann zu seinem Vater in die ewige Heimat nahm. Es ist der Unterschied zwischen dem was wir meine, dass Weihnachten ist, und was in Wirklichkeit Weihnachten ist. Viele verbinden das Weihnachtsfest mit einer friedevollen Atmosphäre, und trotzdem artet es, wenn wir uns umschauen, oft in handfesten Streit aus. Die Wirklichkeit Gottes sieht so aus, dass unsere friedlose Lage sieht und uns durch seinen Sohn Frieden schenken möchte. Der Unterschied liegt darin, dass der Friede, den wir krampfhaft selbst machen wollen, uns von Gott geschenkt wird. Viele Menschen suchen die Wahrheit, aber leider suchen sie an der falschen Stelle. Wo finden wir die Wahrheit Gottes: im Stall von Bethlehem bei dem heruntergekommenen Gott: In der Alten Pinakothek in München hängt Rembrandts Weihnachtsbild: "Die Anbetung der Hirten." Im Stall sind nur die dunklen Umrisse der Gegenstände und der Menschen zu erkennen. Der Heiland in solcher Armut? Und wie von einem tiefen Dunkel umgeben? Da kommt die Frage auf: Und der soll der Heiland sein und alle Menschen retten?

Doch das ist Weihnachten. Gott kommt in die Dunkelheit unserer Welt und unseres Herzens, denn die dunklen Umrisse sind nicht alles. Von dem Kind in der Krippe strahlt Licht aus und erhellt auch die Gesichter der Menschen um die Krippe. Gottes Licht, das in das Dunkel der Welt hineinleuchtet! Gottes Leben, das in das Verderben der Welt hineinkommt. Wenn wir nachdenklich das Bild betrachten, kann es in unserem Herzen aufleuchten. Ja, dazu ist Jesus gekommen; dazu hat der lebendige Gott seinen Sohn in diese Welt gesandt. Er ist der Retter der Welt! Und in uns kann die Überzeugung: wachsen: Ich will ihm nur umso mutiger vertrauen, denn dann kann es auch in meinem Leben hell werden! Wenn es heute schon Streit gab an Weihnachten, dann bist du richtig hier: Gott möchte in die Dunkelheit deines Streites das helle Licht des Kinde von Bethlehem hineinleuchten lassen. Öffne ihm dein Herz. Wenn du heute schon geweint hast, dann bist du richtig hier. Gott möchte in die Dunkelheit deiner Tränen kommen und aus jeder Träne einen Lichtstrahl der Hoffnung für die Zukunft machen.

Wenn du heute schon Zweifel in deinem Glauben gehabt hast, dann bist du richtig hier. Gott möchte in die Dunkelheit deiner Zweifel sein Licht bringen und ruft dir zu: "Ich kenne ihn, weil ich von ihm komme und er mich zu euch gesandt hat." Was Jesus hier sagt, ist ganz einfach zu verstehen, wenn bedenken, das bevor Jesus auf Erde kam, sich im Himmel folgende Szene abgespielt hat:

Eines Tages herrschte sogar im Himmel völlige Ratlosigkeit, Die Menschen und die Engel hatten sich einander vollkommen entfremdet. Kein Bote kam mehr auf die Erde, um von etwas anderem zu erzählen als von Arbeit und Not. Selbst die Träume waren auf der Erde erloschen. Die Ratlosigkeit der Engel nahm auch kein Ende, als ihr oberster, der Erzengel Gabriel, zu Gott vorgeladen wurde. Er kam und kam nicht zurück. Intensiv diskutierten die Engel miteinander, "Eine Sintflut gehört wieder her!" riefen die einen. Andere wollten es mit himmlischem Glanz versuchen, so dass die Menschen Augen und Ohren vor Staunen nicht mehr zubrächten. Bei allen Lösungsvorschlägen mussten die Engel aber eingestehen, dass sich auf der Erde wohl doch nichts verändern würde. Plötzlich verstummte das Gespräch. Gabriel kehrte zurück. Noch konnte man an seiner Gestalt das Licht Gottes erkennen. Was würde er ihnen erzählen? Mit leiser Stimme, er brachte es fast nicht heraus, sagte der Erzengel: "Ein Kind" – und als keiner so recht zu verstehen schien, wiederholte er: "Ein Kind gibt Er ihnen, ein Kind. Er sagt, das sei seine endgültige Antwort auf die Entfremdung der Menschen von Gott." "Ich kenne ihn, weil ich von ihm komme und er mich zu euch gesandt hat." Der heruntergekommene Gott, das Kind in der Krippe ist Gottes Antwort auf unsere Entfremdung von Gott. Mach heute dein Herz zur Krippe und du wirst das Licht Gottes in deinem Leben erfahren.

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