Der Gemeindebaum

[Benötigt werden ein Baum, der hinterher eingepflanzt werden kann sowie Papierzettel in Blattform mit den Namen der KonfirmandInnen, die während der Einsegnung an den Baum gehängt werden können.

Ihr Lieben!

Hier steht er, der Predigttext für eure Konfirmation: Ein Baum. Wie ihr seht, ist es ein kleiner Baum, der noch wachsen muss – es wird also eine kurze Predigt werden. So ein Baum ist in mancher Hinsicht wie unsere Gemeinde. Er besteht aus vielen einzelnen Teilen – den Wurzeln, dem Stamm, den Zweigen und Ästen, den Blättern. Und doch kann kein einzelnes Teil lange ohne die anderen Teile überleben. Nur die Wurzeln alleine, sie würden kein Licht bekommen und so würde der Baum verkümmern. Nur der Stamm alleine – er würde kein Wasser aufnehmen können, und so würde er verdursten. Nur die Blätter alleine – sie würden nicht stark genug sein, um einem kräftigen Windstoß zu widerstehen, sie würden in alle Winde zerstreut. Erst alles gemeinsam ergibt einen lebensfähigen Baum. So ist es auch in unserer Gemeinde, so ist es auch in jeder Gemeinde. Nur gemeinsam wird es lebendig und bleibt es lebendig. Wären wir nur alte Menschen, wir wären bald ausgestorben. Wären wir nur junge Menschen, wir müssten jeden Tag das Rad neu erfinden, weil wir auf die Erfahrungen der älteren nicht mehr zurückgreifen können. Erst gemeinsam sind wir lebendige Gemeinde.

Solch ein Baum, der muss eingepflanzt werden, damit er Nährstoffe bekommt. Wir werden das übrigens in der nächsten Woche tun – dieser Baum wird hinter der Kirche eingepflanzt, so dass ihr ihn, wenn alles gut geht und er anwächst – immer als Erinnerung an den Tag eurer Konfirmation betrachten könnt. Denn so ein Baum, der kann ganz schön alt werden, der kann sich lange halten, wie unsere Gemeinde hoffentlich auch. Auch wir als Gemeinde sind sozusagen eingepflanzt, auch wir brauchen unsere Nährstoffe, brauchen immer wieder etwas, von dem wir leben können. Unser Nährstoff, das ist Gott. Gott uns seine Botschaft an uns, die wir in der Bibel immer wieder nachlesen können, seine Botschaft, dass er zu uns hält, dass er uns liebt, dass er uns nicht alleine lässt. You’ll never walk alone – du bist niemals alleine – das war vor einigen Jahren ein Nr. 1 Hit. Der Titel könnte aus der Bibel stammen. Gott lässt dich nicht alleine, dich nicht und mich nicht, keinen von uns. Egal, wie sehr dich andere Menschen im Stich lassen, egal, was du selber in deinem Leben falsch machst, Gott lässt dich nicht alleine. You’ll never walk alone. Das ist unser Nährstoff, die Botschaft, von der unser Gemeindebaum lebt. Unsere Wurzeln sind in Gott und seiner Liebe.

Der Stamm, das sind wir als Gemeinde. Solch ein Stamm, wenn er 70 oder 80 Jahre alt ist, wie unsere Gemeinde, dann ist er schon ganz schön belastbar. So manchem Sturm hat er dann schon standgehalten. So leicht wirft ihn nichts um, man kann sich auf ihn verlassen. Beständigkeit, Verlässlichkeit, dafür ist der Baumstamm ein Symbol. Beständigkeit und Verlässlichkeit, das brauchen wir Menschen in unserem Leben, gerade dann am meisten, wenn es uns mal schlecht geht, wenn ein Sturm in unserem Leben aufgezogen ist. Dann brauchen wir etwas, woran wir uns festhalten können, etwas, das uns Sicherheit uns festen Halt gibt. So ein alter Baumstamm, sturmerprobt und festgewachsen, so ein Gemeindebaumstamm, der kann uns das geben, Halt und Sicherheit, Beständigkeit und Verlässlichkeit. Erinnert euch daran, wenn durch euer Leben mal ein Sturm tobt.

Die einzelnen Blätter an dem Baum, das sind wir. Blätter, die ein Lebenszeichen des Baumes sind, Blätter, die er hervorgebracht hat. Wir werden gleich an diesen noch ganz kleinen Baum Blätter mit euren Namen anbringen. Ihr Konfirmandinnen und Konfirmanden seid die Blätter, die unser Gemeindebaum hervorgebracht hat, ihr seid ein Lebenszeichen unserer Gemeinde. Ohne euch würde unser Baum alt und knorrig aussehen, wenig einladend und freundlich, grün und schön. Ohne Blätter könnte ein Baum ja auch nicht Abgase in gute Atemluft verwandeln. Und ihr als die Blätter an unserem Gemeindebaum – ihr könnt für frischen Wind in unserer Gemeinde sorgen. Ihr mit euren Ideen und mit eurer Phantasie, mit eurer – vielleicht manchmal chaotischen – Lebendigkeit, ihr könnt dafür sorgen, dass unsere Gemeinde nicht alt und knorrig wird, sondern frisch und grün bleibt. Ohne euch Blätter am Gemeindebaum würden wir verkümmern.

Unsere Wurzeln in Gott und seiner Liebe zu uns – unser Stamm, der Sicherheit gibt und Halt – unsere Blätter, also wir alle mit unseren Ideen und unserer Lebendigkeit – ich glaube, dass unser Gemeindebaum recht gut geraten ist. Er hat beste Voraussetzungen, um noch zu wachsen, um größer zu werden. Denn ein großer Baum, der kann vielen Menschen Schatten spenden, unter dem kann man sich gut ausruhen, da kann man sich wohlfühlen und Abstand gewinnen vom Alltagsstress. So ein großer Baum, der tut unserer Seele gut. Das alles kann unser Gemeindebaum uns geben.

Aber er braucht auch Pflege, er braucht Menschen, die sich um ihn kümmern. Er braucht Wasser, um gedeihen zu können. Manchmal muss er auch geschützt werden, vor allem, wenn er noch klein ist.

Das, ihr Lieben, ist unsere Aufgabe. Wir müssen dafür sorgen, dass unser Gemeindebaum gute Rahmenbedingungen hat zum Wachsen. Wir müssen ihn hegen und pflegen, damit wir noch viel Freude an ihm haben können, damit er uns Schatten spenden kann bei knallender Sonne und einen Unterstand bei Regen, Halt bei einem Sturm und gute Luft für unseren Alltag. Es lohnt sich. Bleibt dabei und helft mit, dass dieser Baum noch ganz ganz lange lebendig bleibt und wachsen kann.

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