Das Leben braucht einen Rahmen!

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde!

Alles hat seinen Rahmen (den Holzrahmen hochhalten) – auch der heutige Tag. Der Konfirmationstag hat sogar einen besonders festlichen Rahmen. Dazu gehören der Gottesdienst und eine volle Andreaskirche. Zum Rahmen dieses Tages gehört die Aufregung und Anspannung vorher, schicke Kleidung, festliche Musik und jetzt eine Predigt, die es zu überstehen gilt. Aber das ist nur der Rahmen, den wir als Andreasgemeinde zu verantworten haben. Für den weiteren Verlauf des Tages habt ihr vermutlich gemeinsam mit euren Eltern den Rahmen überlegt und festgelegt: die Gäste, die eingeladen werden sollen. ein festliches Mittagessen oder ein kaltes Büffet zuhause oder im Restaurant; am Nachmittag Kaffee und Kuchen und vielleicht halten Vater oder Mutter auch eine Rede.

Ein aufwändiger Rahmen, wenn man das alles so aufzählt und es kostet ja auch einiges. Aber ´die Konfirmation feiert man schließlich nur einmal im Leben. Und der festliche Rahmen soll dazu beitragen, dass es ein schöner Tag wird, an den ihr euch gern erinnert. Denn alles andere wird gewissermaßen aus dem Rahmen dieses Tages ausgesperrt. Die Schule zum Beispiel; oder der letzte Ärger und Streit in der Familie; die schrecklichen Ereignisse in der Welt, wie das Blutbad im Gutenberggymnasium in Erfurt vor 2 ½ Wochen und die Trauer der Menschen in Erfurt am vorletzten Freitag bei der Trauerfeier für die Opfer; aber auch die Sorgen, die Sie, liebe Eltern, sich um Ihre Kinder machen – das alles bleibt – wenn auch nicht für immer – so doch für heute draußen. Dafür sorgt der Rahmen, den wir diesem Tag geben.

Eigentlich gilt das für jeden Rahmen, in dem wir uns bewegen. Er soll das Schlechte aussperren, zum Gelingen des Lebens beitragen, eine Zukunft geben und uns Sicherheit und Geborgenheit schenken. Die Schule z.B. soll dafür sorgen, dass ihr etwas lernt und wenn eure Eltern von euch verlangen, dass ihr zu einer bestimmte Zeit nach Hause kommt, dann wollen sie sicherstellen, dass euch nichts passiert. Sie haben Angst um euch und setzen euch deshalb manchmal einen engen und unbequemen Rahmen. Und ein Rahmen kann manchmal sehr eng oder hart sein, wie dieser Holzrahmen hier. Ich denke, ihr kennt das. (Rahmen wegstellen!!) Man kann aber auch aus einem festgelegten Rahmen herausfallen. Wenn man z.B. bei der Probe für den Vorstellungsgottesdienst ständig quatscht und nicht aufpasst, wenn man im Konfirmandenunterricht immer wieder zu spät kommt, häufig fehlt oder den Unterricht stört. Dann gibt es Ärger, manchmal laute und deutliche Worte. Mal mehr, mal weniger. Wir haben das ja zusammen erlebt.

Also, liebe KonfirmandInnen, doch besser im Rahmen bleiben? Besser an die vereinbarten Regeln halten, keine Grenzen überschreiten und nicht anecken? Besser nicht auffallen und überall durchrutschen? Es lebt sich doch einfacher, wenn man sich immer brav anpasst und so verhält, wie die Erwachsenen es von einem erwarten? Dann müsste man doch eigentlich bequem durchs Leben kommen – oder? Ihr bemerkt, dass ich das ironisch meine! So ein Leben wäre doch ziemlich langweilig? Im Gegenteil, ihr probiert doch aus, was das Leben euch anbietet. Ihr wollt nicht mehr als Kinder betrachtet und behandelt werden, sondern Erwachsen werden. Ihr nabelt euch – und vor allem grenzt ihr euch – ab von den Eltern und Erwachsenen. Ihr wollt raus aus der Enge, aus den Zwängen, aus den Grenzen und Verboten, aus den Rahmen, die wir Erwachsenen euch oft setzen. Ihr sucht euren eigenen Rahmen zum Leben, der euch Freiheit und Schutz, aber auch Luft zum Atmen und eurem Leben einen Sinn gibt.

Euren Lebensrahmen zu finden, dazu möchte ich euch Mut machen und wünsche euch dabei zweierlei – auch wenn jetzt einige von euch rote Ohren bekommen und die Erwachsenen sich räuspern wollen – ich wünsche euch zweierlei: Einmal, dass ihr aus den Rahmen, die euch gesetzt werden und die ihr euch später selbst setzen werdet, herausfallen könnt. Und zum anderen wünsche ich euch, dass ihr auch unbequeme Rahmen akzeptieren könnt, wenn Sie für euch oder für andere zum Gelingen des Lebens helfen.

Dabei denke ich nun aber nicht daran, dass ihr andere ständig ärgert oder euren Eltern, den Lehrern oder auch dem Pastor oder der Diakonin auf der Nase herumtanzt. Das ist doch Kinderkram. Und noch viel weniger denke ich daran, dass ihr jede Rücksicht auf andere beiseite lasst und nur an euch selber denken sollt. Nein, wenn ich euch wünsche, dass ihr aus dem Rahmen fallen könnt, dann denke ich dabei an Jesus von Nazareth, um den es in Eurer Konfirmandenzeit ja immer wieder ging. Der hat quer zu den Gewohnheiten und Erwartungen gelebt. Der hat Rahmen gesprengt und neue Rahmen gesetzt.

Zuallererst den Rahmen, in den Menschen immer wieder versuchten, Gott hineinzuzwängen. Jesus hat ihnen klar gemacht: Wir brauchen es uns nicht zu verdienen, dass wir von Gott geliebt werden. Er nimmt uns so, wie wir sind. Wir brauchen ihm nichts vorzumachen. Um es mit heutigen Worten zu sagen: Wir müssen Gott nicht durch gute Noten, ordentliches Verhalten oder einen starken Glauben beeindrucken. Er liebt uns einfach ohne jedes wenn und aber.

Mit solchen Aussagen zog Jesus zu seiner Zeit den Zorn der frommen Leute auf sich. Denn die glaubten mit ihrem guten und moralisch einwandfreien Leben zu den Auserwählten Gottes zu gehören. Sie glaubten sich einen Platz im Himmel verdienen zu können. Jesus aber sagte: In den Himmel kommen nicht die, die reichlich spenden, sondern die, die beim Spenden nicht rechnen. In den Himmel kommen nicht die, die zwischen Schuld und Unschuld, zwischen Recht und Unrecht, zwischen Gut und Böse säuberlich zu unterschieden wissen, sondern vor allem die, die sich ihrer eigenen Schuld und ihrem eigenen Unrecht stellen. In den Himmel kommen auch nicht die, die nur ihren Freunden Gutes tun, sondern die, die den Fremden und Ausländer wie einen Freund bei sich aufnehmen. Und dann hat er sich auch noch für die stark gemacht, die von anderen verachtet und ausgegrenzt wurden. Z.B. für den Zöllner Zachäus. Zu diesem stadtbekannten Halsabschneider geht er ins Haus und setzt sich mit ihm an einen Tisch. Einen blinden Mann, den alle als aufdringlich empfinden, öffnet er die Augen. Er nahm sich Zeit für die Kinder, die sonst kaum beachtet werden und machte sie zum Vorbild im Glauben für die Erwachsenen. Und den schuldig Gewordenen schenkte er Gottes Vergebung.

Damit hat Jesus den Rahmen dessen gesprengt, was die Menschen damals gewöhnt waren. Und er hat gezeigt, dass der Rahmen der Dinge, die man hinnehmen muss und nicht ändern kann, längst nicht so eng ist, wie wir glauben. Die Liebe zu Gott und zum Nächsten wie zu sich selbst, das war für Jesus das wichtigste Gebot Gottes und der Rahmen in dem das Leben gelingen kann. (Rahmen wieder hervorholen) Geschlossene Rahmen waren nicht die Sache Jesu. Auch nicht die Sache derer, die ihm durch die Jahrhunderte hindurch gefolgt sind. Und wenn die Kirche einmal zu sehr an ihren eigenen Rahmen hing und ja auch noch bis heute oft hängt, standen immer wieder Menschen auf, die ihrerseits aus dem Rahmen fielen und ihn dadurch öffneten. Unsere Gemeinde würde nicht existieren, die evangelische Kirche gäbe es nicht, wenn nicht ein Mann wie Martin Luther in seiner Zeit aus dem Rahmen gefallen wäre.

Ich will euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, im Namen Jesu Mut machen, es ebenso zu tun: aus dem Rahmen zu fallen, wenn der bisherige Rahmen nicht mehr zum Gelingen des Lebens hilft. Und nun mache ich euch und Ihnen allen vor, wie das „Aus-dem-Rahmen-fallen“ nach Gottes und Jesu Willen aussieht. (Rahmen zum Kreuz umbauen) So sah es aus, als Jesus den Rahmen sprengte. Aus dem Rahmen wurde ein Kreuz. Dieses Kreuz ist nach allen Seiten offen. So hat sich Jesus nach allen Seiten geöffnet. Er hat die Liebe Gottes in sich hineingelassen und aus Liebe heraus nach allen Seiten hin Liebe verschenkt. Wenn es um der Liebe willen nötig wurde, setzte er sich sogar über die hoch geachteten Frömmigkeitsregeln hinweg.

Er sprengte den Rahmen kleinkarierter Gesetzlichkeit, um dem Leben Raum zu schaffen. Davon konnte ihn auch der Tod nicht abbringen. Auch diese Grenze, den Rahmen der Vergänglichkeit und des Todes, hat er durchbrochen. Darum lebt er für uns bis heute. Er lebt da unter uns, wo Menschen in seinem Namen versammelt sind und seinem Sinne in der Welt reden und handeln. Er lebt unter uns, wo keiner über die Schwächen des anderen herfällt, keiner fertig gemacht wird mit Worten, Taten oder Gewalt, wo die Schwachen in die Mitte genommen werden.. Er lebt da unter uns, wo Menschen nicht nur an das eigene Wohl denken, sondern auch die Not und das Leid der anderen sehen.

Liebe KonfirmandInnen, gleich nach eurer Einsegnung wird jeder und jede von euch ein kleines Holzkreuz überreicht bekommen. Es soll an den heutigen Tag erinnern und ich verbinde damit die Hoffnung, dass Gott euch begleiten möge in diesem Segenszeichen, dass ihr euer Leben entwickelt in der Freiheit die Jesus für uns will und das ihr nie vergesst, dass Gott euch begleitet und für euch da sein will, ganz gleich, was auf eurem weitern Lebensweg geschieht.

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