Das Land eurer Zukunft (Dtn 30,11-20)

Dtn 30,11-20
[11] Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. [12] Es ist nicht im Himmel, daß du sagen müßtest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, daß wir’s hören und tun? [13] Es ist auch nicht jenseits des Meeres, daß du sagen müßtest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, daß wir’s hören und tun? [14] Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, daß du es tust. [15] Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse. [16] Wenn du gehorchst den Geboten des HERRN, deines Gottes, die ich dir heute gebiete, daß du den HERRN, deinen Gott, liebst und wandelst in seinen Wegen und seine Gebote, Gesetze und Rechte hältst, so wirst du leben und dich mehren, und der HERR, dein Gott, wird dich segnen in dem Lande, in das du ziehst, es einzunehmen. [17] Wendet sich aber dein Herz und du gehorchst nicht, sondern läßt dich verführen, daß du andere Götter anbetest und ihnen dienst, [18] so verkünde ich euch heute, daß ihr umkommen und nicht lange in dem Lande bleiben werdet, in das du über den Jordan ziehst, es einzunehmen. [19] Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zu Zeugen: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, damit du das Leben erwählst und am Leben bleibst, du und deine Nachkommen, [20] indem ihr den HERRN, euren Gott, liebt und seiner Stimme gehorcht und ihm anhanget. Denn das bedeutet für dich, daß du lebst und alt wirst und wohnen bleibst in dem Lande, das der HERR deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat, ihnen zu geben.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde!

Es ist in den letzten Jahren in Böblingen viel darüber diskutiert worden, wann denn der richtige Zeitpunkt für den Konfirmandenunterricht und die Konfirmation wäre – in der 8. oder in der 9.Klasse? Gar schon in der Grundschule, bei Konfi 3? Oder erst viel später, mit 18 oder 19 Jahren, wenn die Pubertät überwunden ist und man für alle Lebensbereiche selbst entscheiden darf? Geht es bei der Konfirmation nicht auch um eine lebenswichtige Entscheidung, so wie es im Predigttext heißt: „Siehe, ich habe dir heute das Leben vorgelegt und den Tod“?

Die damals die Wahl hatten, das waren die Israeliten. Das war das Volk, das aus Ägypten befreit wurde und 40 Jahre durch die Wüste gezogen ist, mal Gott ganz nahe war und dann wieder weit weg… und nun stehen sie da, an der Grenze des Gelobten Landes, so wie ihr dasteht an der Grenze zum Erwachsenwerden. Man kann schon hinüberschauen. Man kann schon sehen, welch wunderbare Dinge die Zukunft bringen wird. Manche können es schier gar nicht mehr erwarten, wollen schon kosten von den verlockenden Früchten des Landes jenseits der Grenze, so wie man mit 14 oder 15 schon mal kosten möchte, wie ein Zigarette schmeckt oder ein Glas Wein oder ein „richtiger“ Kuss. Da werden auch schon Kuriere ausgeschickt in das Land der Zukunft, möglichst unbemerkt von denen, die da zur Zeit noch wohnen, heimlich, still und leise. Man will sich ja möglichst rasch zurechtfinden. Da werden auch noch Vorbereitungen getroffen, Fertigkeiten geübt, die man drüben, im anderen Land, wird brauchen können. Gute Ausbildung ist von Nutzen, immer schon und auch in Zukunft! Welche Kleidung wird man dort tragen, welche Sprache wird man sprechen, wie wird man sich dort behaupten können oder gar zu Ansehen und Ehren kommen, dort drüben im Gelobten Land und auch dort drüben in der Welt der Erwachsenen?

Manche werden dem ganzen Unternehmen auch noch zögerlich gegenüberstehen, sind noch nicht bereit, hinüberzuziehen. Schliesslich kennt man sich doch ganz gut aus in der Wüste: Da ist einer, der sein Volk mit Nahrung und Wasser versorgt, der voranzieht in der Wolkensäule und den Ton angibt, so wie euch eure Eltern ernähren und versorgen und euch die Richtung zeigen, indem sie euch Ausbildung und Schule ermöglichen, eure Begabungen fördern und euch Grenzen aufzeigen, wenn es nötig ist. Noch ein bisschen Kind bleiben dürfen, das ist manchmal ganz schön, und das macht ihr auch noch ganz gerne – das haben wir manchmal gemerkt, wenn euch die Selbständigkeit zu viel wurde, die wir euch im Konfis zumuten wollten. Nicht, dass ihr es nicht gekonnt hättet – aber in neue Gefilde aufbrechen, selbst Verantwortung übernehmen mit allen Konsequenzen, das erfordert viel Mut. Da geht nicht alles auf einmal. Und deshalb ist es gut, auf dem Weg in so ein fremdes, großes Land noch einmal eine Rast einzulegen. Sich klarzuwerden über das, was kommen mag. Sich einiges zurechtzulegen an Rüstzeug für den Weg. Einige Grundsatzentscheidungen zu treffen: „Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse“.

Ihr habt die Wahl, ihr Israeliten, sagt Gott. In dem Land, das vor euch liegt, habt ihr die Wahl, wie ihr dort leben wollt. Welches Recht dort gilt: Das Recht des Stärkeren – oder Gottes Recht, das die Schwachen schützt und anderen Gerechtigkeit widerfahren lässt. Ihr könnt entscheiden, wie die Gesellschaft aussehen wird, die dort entsteht. Ob es nur die eigene Familie ist, die Nachbarn und Freunde, die euch zu Nächsten werden, oder ob ihr Barmherzigkeit an allen tun wollt, die euren Beistand brauchen, ob ihr sie kennt oder nicht, ob ihr euch etwas davon versprecht oder ob ihr es uneigennützig tut. Ihr habt die Wahl, ob euer Leben erfüllt und reich sein wird oder ob euer Herz immer unruhig und voller Sehnsucht bleibt. Ihr habt die Wahl, ob ihr bei dem Gott bleibt, der euch geschaffen hat, oder ob ihr euch von ihm abwendet.

Ihr merkt schon, liebe KonfirmandInnen, das sind eigentlich die selben Entscheidungen, die ihr treffen müsst auf dem Weg ins Erwachsenwerden. Und deshalb ist es gut, dass ihr gerade in diesem Alter, zwischen 13 und 16 Jahren (ich will das gar nicht an der Klassenstufe festmachen), dass ihr in dieser Zeit die Chance habt, über all diese Fragen nachzudenken. Eure Konfirmandenzeit, die ist genau so eine Rast wie die der Israeliten im Predigttext gewesen, und was in dieser Zeit besprochen und an Themen angerissen wurde, das wird euch weiter begleiten.

Denn so, wie die Israeliten im Gelobten Land angekommen sind (übrigens nach einem langen und beschwerlichen Abstieg!), wie sie es bebaut und bewirtschaftet haben, so werdet ihr alle (so Gott will) erwachsen werden, werdet wählen dürfen und den Führerschein machen, werdet die Schule hinter euch lassen und einen Beruf ergreifen, vielleicht auf Reisen gehen und Neues entdecken, irgendwann einmal eigenes Geld verdienen, vielleicht reich und berühmt werden. Ihr werdet hoffentlich immer euer Auskommen haben und irgendwann einen Menschen finden, mit dem ihr zusammenbleiben und selbst eine Familie gründen möchtet. All das wird kommen, so oder so, ganz egal, wie und mit welchem Gepäck ihr in das Land eurer Zukunft zieht – und wir alle wünschen euch, dass Gott das andere auch noch gibt: Gesundheit für euch und Frieden und Wohlstand für unser Land, so wie ihn eure Eltern auch schon erfahren durften.

Freilich, da wird unser Predigttext einwenden, dass das Letztere, dass Frieden und Wohlergehen schon wieder mit hineingehören in die Entscheidung, die ihr treffen müsst: . Wenn du gehorchst den Geboten des HERRN, deines Gottes, die ich dir heute gebiete, dass du den HERRN, deinen Gott, liebst und wandelst in seinen Wegen und seine Gebote, Gesetze und Rechte hältst, so wirst du leben und dich mehren, und der HERR, dein Gott, wird dich segnen in dem Lande, in das du ziehst, es einzunehmen. Wendet sich aber dein Herz und du gehorchst nicht, sondern lässt dich verführen, dass du andere Götter anbetest und ihnen dienst, so verkünde ich euch heute, dass ihr umkommen und nicht lange in dem Lande bleiben werdet, in das du über den Jordan ziehst, es einzunehmen.

Da liegt es also an euch: Ihr werdet ankommen in dem Land eurer Zukunft – aber wie mag es euch da ergehen? Wenn ich an eure Beiträge zum Glaubensbekenntnis und zu den 10 Geboten denke, dann habt ihr ein gutes Gespür dafür, wie schwierig es sein mag, da immer die richtigen Schritte zu tun (Thema Drogen, Todesstrafe…). Und ihr seht ja an dem, was um euch vorgeht, dass es andere, auch nicht immer so genau wissen. Ihr seid unterwegs auf dem Weg des Lebens und des Glaubens, und für das kleine Stück des Weges, das ihr in eurem Konfirmandenjahr gegangen seid, habt ihr sehen können, dass andere mit euch unterwegs sind, dass sie euch unterstützen können oder selbst ein wenig Hilfe und Unterstützung brauchen (Besuche im Altenheim …). Wie schön, wenn ihr auf diesem eingeschlagenen Weg weitergehen und mit uns zusammen die Zukunft gestalten wollt als wache und interessierte Glieder unserer Gemeinde und Kirche!

Schliesslich lässt Gott uns mit unseren Entscheidungen und auf unserem Weg nicht allein: Das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.

Ein Bibelwort wenigstens ist euch in den letzten Wochen ganz nahe gekommen – euer Konfirmationsspruch. Ihr habt ihn euch selbst ausgesucht, jede und jeder für sich, und ich habe euch gebeten, mir wenigstens kurz zu begründen, warum ihr gerade diesen Vers gewählt habt. Das war kein Trick, um euch mit einer „Hausaufgabe“ zu ärgern, und bloße Neugier war es auch nicht (obwohl ich es schon sehr spannend fand, was ihr geschrieben habt, und noch einmal viel über euch entdecken konnte). Durch diese Aufgabe habt ihr euch schon einmal intensiv mit diesem Wort beschäftigen müssen, das euch ja in eurem ganzen Leben besonders begleiten soll. Ihr seid dem Wort Gottes an diesem einen Punkt schon einmal besonders nahe gekommen, und es soll euch nahe bleiben.

Aber es gibt noch ein anderes Wort Gottes, das euch nahe sein will. Im Johannesevangelium wird es vorgestellt: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort – und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater. Das klingt ein wenig abstrakt und kompliziert. Deshalb will ich es noch einmal mit den Worten des Barmer Bekenntnisses sagen: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“ (kann man im Gesangbuch zu Hause nachlesen). Durch seinen Sohn ist uns Gott ganz nahe gekommen, und er bleibt auch nahe bei uns! Jesus Christus hat uns vorgelebt, was wir tun und wie wir leben sollen, und er lädt uns ein, seinem Vorbild zu folgen und in seiner Nähe zu bleiben. Ihr seid getauft und jetzt auch eingeladen, an Jesu Tisch zu kommen. Wenn ihr diese Einladung annehmt, dann ist Gottes Wort euch wirklich ganz besonders nahe in eurem Mund und in eurem Herzen, dass ihr es tut.

Wie gesagt, die Israeliten hatten nach ihrer Rast noch ein ganzes Stück Wegs zurückzulegen, bis sie in dem wunderbaren Land jenseits des Jordan ankamen, und auch vor euch liegt noch so manche Herausforderung und Prüfung auf dem Weg ins Erwachsenenalter. Auch euer Glaube wird sich noch verändern: So Gott will, wird er weiter wachsen und euch helfen, die Dinge zu tun, die dem Leben dienen. Der Segen, den ihr nachher empfangt, will euch darin bestärken, dass Gott mit euch geht:

Denn siehe: Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zu Zeugen: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, damit du das Leben erwählst und am Leben bleibst, du und deine Nachkommen, indem ihr den HERRN, euren Gott, liebt und seiner Stimme gehorcht und ihm anhanget.

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