Das flammende Herz

Liebe Gemeinde!

Heute halten wir Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr in unserer Gemeinde. Es gab keine Jubiläen wie im Jahr 2003. Doch auch so lohnt es sich heute Abend inne zu halten – und bevor die Böller lauthals das Neue Jahr begrüßen – das Gemeindejahr zu überdenken.

1. Beginnen möchte ich mit den Taufen. 15 Kinder wurden in diesem Jahr getauft. Eltern und Paten haben darum gebeten. Sie haben Ja zur Taufe und christlichen Erziehung gesagt. Wir haben als Gemeinde Ja gesagt für sie dazu sein und ihnen kein Anstoß zum Ärgernis zu geben. Auch beim Tauferinnerungsgottesdienst haben viele Kinder, Eltern und Paten den Weg zur Kirche gefunden. Mit ihnen haben wir ein Netz geknüpft. Darum entzünde ich nun die erste Kerze an.

Klein ist, mein Kind, dein erster Schritt,

Klein wird dein letzter sein.

Den ersten gehen Vater und Mutter mit.

Den letzten gehst du allein.

Sei’s um ein Jahr, dann gehst du, Kind,

Viele Schritte unbewacht,

Wer weiß, was das dann für Schritte sind

Im Licht und in der Nacht?

Geh kühnen Schritt, tu tapfren Tritt,

Groß ist die Welt und dein,

Wir werden, mein Kind, nach dem letzten Schritt

Wieder beisammen sein.

(Albrecht Goes)

2. Insgesamt wurden 25 junge Menschen in beiden Gottesdiensten festlich eingesegnet. Nach zweijährigem Unterricht haben sie ihr Ja bei der Taufe wiederholt.

Dabei nahm ich die Frage eines besorgten Gemeindegliedes auf: „Wissen die Konfirmanden eigentlich, woraus sich einlassen?“ um am Ende auf das Wort von Friedrich Bodelschwingh, dem Begründer der Betheler Anstalten zu verwiesen. „Es geht kein Mensch über diese Erde, den Gott nicht liebt.“ Dies galt es auch – dieses Jahr in Windesheim – den Jubiläumskonfirmanden zuzusprechen: „Was habe ich vom Glauben? Ich darf mich festmachen an Gott!“

Auch das gehört zur jährlichen Erfahrung der Gemeinde, dass Menschen der Kirche aus Enttäuschung, aus Wut, aus Unverständnis über ihre Entscheidungen oder Nichtstellungnahme den Rücken kehren. Oft bleiben sie dann in Distanz zur Gemeinde. Einige treten konsequenterweise dann aus. Das taten insgesamt 4 Gemeindeglieder. 2 traten wieder ein. Für sie alle entzünde ich die zweite Kerze an:

Ohne Gott bin ich ein Fisch am Strand,

Ohne Gott

ein Tropfen in der Glut,

ohne Gott

bin ich ein Gras im Sand

und ein Vogel, dessen Schwinge ruht.

Wenn mich Gott bei meinem Namen ruft,

bin ich Wasser, Feuer, Erde, Luft.

(Jochen Klepper)

3. Acht Paare haben in diesem Jahr sich vor Gott das JA- Wort gegeben. Sie haben bewusst ein Zeichen gesetzt, dass sie gewillt sind, ihre Lebensgemeinschaft auf der Grundlage des Glaubens zu führen. Es gehört zu den schönen Ereignissen, dass Menschen in unserer modernen schnelllebigen Zeit sich nicht auseinander gelebt haben. Sie durften ihre Silber- oder Goldhochzeit feiern, manchmal kopfschüttelnd, manchmal stauend, doch immer voller Dankbarkeit.

Zugleich schmerzt es, wo Menschen sich trennen, weil die Liebe erkaltet, die Grundlage zerstört ist. Zurück bleiben – wenn auch nach außen nie so sichtbar – verletzte Seelen der Partner und ihrer Kinder, die sich in Patchworkfamilien zu Recht finden müssen. Für sie alle zünde ich die dritte Kerze an:

für alle, die sich ihr Ja zur Ehe gegeben haben, dass sie in Freude und Leid zusammenstehen und einander die Lasten des Lebens teilen,

für die Eheleute, die es schwer miteinander haben, die sich fremd geworden sind und die mit der Enttäuschung ringen, dass sie nicht aufhören, einander zu suchen, dass sie Verständnis und Geduld füreinander aufbringen, dass sie den Mut finden für einen neuen Anfang,

für alle, die sich getrennt haben, voller Bitterkeit und Zorn, ohne Sinn und Ziel, dass sie Menschen finden, die ihren Weg begleiten und ermutigen.

4. 18mal haben wir Menschen aus unserer Gemeinde das letzte Geleit gegeben. Sie haben unter uns gelebt und gewirkt. Sie haben gelacht und geweint. Sie haben Höhen und Tiefen erlebt, ja durchlitten. Manchmal kam der Tod wie eine Erlösung, ein andermal unverhofft und plötzlich. Besonders hart war der Tod zweier früh geborener Kinder, denen nur 1 bzw. 4 Tage Leben geschenkt war. Zurück blieben Eltern rat- und fassungslos. So sehr gehofft und gebangt. Doch statt eines Anfanges gab es ein jähes Ende. Dennoch gilt die christliche Botschaft: „Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber.

Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“ (Römer 14,7-8) Für sie und alle, die wir in diesem Jahr in der Nähe oder ferne verloren haben, vor allem für die Opfer der Flutkatastrophe in Südasien, deren Zahl ins Unendliche zu steigen scheint, zünde ich die 4. Kerze an:

Leiche an Leiche

Gott – Warum?

Tod an Tod

Gott – Wozu?

Soviel Unglück und Not

Gott – Weshalb?

Und du

Gott – Wo bist du?

(Anton Rotzetter)

5. In diesem Jahr wurden erstmals in unserer Gemeinde Zentralgottesdienste angeboten mit anschließendem Beisammensein- Im März war es der Gottesdienst in Windesheim mit Behinderten und ihren Angehörigen. Sehr einfühlsam und einprägsam die Darstellung. „Die Heilung der verkrümmten Frau“. Zu Himmelfahrt fand ein Gottesdienst im Grünen auf dem Campingplatz Lindengrund (Guldental) statt. Auch wenn es ungewöhnlich war, etwas zum Essen mitzubringen, umso besser klappte es im Juni, September und November, als sich der neue Gottesdienstkreis „Treffpunkt“ vorstellte. So wurde jeweils danach zum gemeinsamen Essen eingeladen. Auch ohne große Organisation klappte es mit dem Aufruf: Eine jede® bringe etwas mit.

Auch die von den Frauenhilfen gestalteten Gottesdienste –sei es zum Weltgebetstag oder zum 1. Advent sind Erlebnisse besonderer Art. Nicht zu vergessen seien die Vorstellungsgottesdienste der Konfirmanden und der Katechumenen. Sie zeigen immer wieder, dass Gottesdienste nicht langweilig und fade sein müssen. Wo Menschen sich daran beteiligen, sich einbringen, da wird sichtbar, wie Alltag und Sonntag, doch zusammengehören. Darum entzünde ich nun die 5. Kerze an:

Aus dem Gottesdienst Kirche anders zitiere ich einen Beitrag.

Ich habe mich schon oft gestoßen an den Leichenbittermienen in Gemeinde und Gottesdienst oder an den strafenden Blicken von Kirchenbesuchern, wenn andere anders sich verhalten.

Daher wünsche ich mir, dass Gottes Geist der Freundlichkeit sich niederschlägt in Herzlichkeit unter uns, dass wir den anderen wahrnehmen als eine Bereicherung unseres Gemeindelebens.

6. Im Febraur waren Presbyteriumswahlen angesetzt. Leider fanden sich nur so viele Gemeindeglieder bereit wie zu wählen war. Das bedauere ich persönlich sehr. Über die Ursachen könnte lange geredet werden. Dennoch gilt mein ganz besonderer Dank denen, die sich in finanzschwierigen Zeiten trotzdem bereit erklärt haben. Sei haben sich in kürzester Zeit in schwierige Themen einarbeiten, ja, sie haben auch weitreichende Entschlüsse fassen müssen, damit in einigen Jahren die Kirchengemeinde wieder auf besseren finanziellen Beinen steht. Mein Respekt gilt all den Betroffenen, die diese Entscheidungen mittragen. Meine Hoffnung bleibt, dass die Gemeinde bereit ist, auch ihren Anteil daran mitzutragen. Last not least gilt mein Dank den ausgeschiedenen Presbyteriumsmitgliedern. Sie haben sich in je ihrer Art und Weise um den Gemeindeaufbau verdient gemacht. Es war eine schöne und arbeitsreiche gemeinsame Zeit. Es freut mich, dass sie engagiert und interessiert die Gemeinde weiter begleiten. Darum zünde ich die 6. Kerze an:

Erleuchte und bewege uns,

leite und begleite uns,

erleuchte und bewege uns,

leit‘ und begleite uns,

(EG 608 Fr. K. Barth)

7. Ein ausgeschiedener Presbyter sagte sinngemäß. „Um die Zukunft der Gemeinde ist mir nicht bange, auch wenn jetzt die Finanzprobleme schwer wiegen. Denn unsere Gemeinde ist eine lebendige Gemeinde.“ Recht hat er. Denn immer noch lebt unsere Gemeinde von einer Vielzahl ehrenamtlicher Mitarbeitenden in den Kreisen und Chören. Ich bin sehr dankbar, dass die vorgenommenen Einschnitte nicht zu einer Lähmung geführt haben. Vielmehr ist eine Lebendigkeit überall zu spüren, Menschen hier eine geistliche Heimat zu schenken, sei es in den Gemeindekreisen, Chören, Bibelstunden, Hauskreisen.

Danken möchte ich den vielen, vielen Stillen in unserer Gemeinde, die durch das persönliche Gebet, durch ihre Art und Weise dazu beitragen, dass Alte und Kranke nicht vergessen bleiben, dass in jedem Haushalt ein Gemeindebrief gelangt, das unsere Gemeinde mit einer gut besuchten Homepage im Internet vertreten ist u.a.m. Darum zünde ich die 7. Kerze an:

Herr, erwecke deine Kirche und fange bei mir an.

Herr, baue deine Gemeinde auf und fange bei mir an.

Herr, lass Frieden und Gotteserkenntnis überall auf Erden kommen

und fange bei mir an.

Herr, bringe deine Liebe und Wahrheit zu allen Menschen

und fange bei mir an.

8. Es hat mich gefreut, welch große Unterstützung das Projekt Kirchvorplatz in Windesheim gefunden hat. Es ist schon erstaunlich, wie viel Menschen für diese Aktion gewonnen werden konnten, die ihre Gaben, ihre Zeit oder ihr Geld dafür eingesetzt haben. Es ist schön gewesen, am letzten Augustsonntag den ersten Teil bereits einweihen zu können. Ich bin mir sicher, gemeinsam wird es uns auch gelingen, den restlichen Vorplatz neu zu gestalten. Dieses Projekt ist auch ein Ansporn für die kommenden Jahre, wenn Reparaturen anfallen, die der Haushalt nicht mehr finanzieren kann. Darum zünde ich die 8. Kerze an:

Die christliche Kirche ist eine Gemeinschaft von hoffenden Glaubenden,

die sich weder vor dem Leben noch vor dem Tode,

weder vor der Gegenwart noch vor der Zukunft fürchten müssen.

(Reinhold Niebuhr)

9. Es tut gut, über den eigenen Tellerrand zu schauen. So waren mehr als 30 Personen im Mai zwei Tage im Ruhrgebiet, andere auf dem Jahresausflug mit den Frauenhilfen oder dem Posaunenchor. Sie haben Gemeinde erlebt, haben Anregungen erhalten. Sie haben Fortbildungen wahrgenommen und sind beglückt und erbaut in den Alltag zurückgekommen. Wir haben Kontakte gepflegt nach Polen und miterlebt, wie unsere Spenden direkt Menschen in Not zugute. Mich beschämen die vielen Dankesbriefe aus den Schulen und Kindergärten, der Suppenküche von Lublin immer wieder aufs Neue. Da wird jeder Cent ein Segen. Darum zünde ich die 9. Kerze an.

Die erste Frage soll nicht sein:

Was kann ich von dem Nächsten erwarten?

sondern:

Was kann der Nächste von mir erwarten?

(Friedrich von Bodelschwingh)

10. In der Diskussion stand in diesem Jahr auch der Kindergarten Guldental. Ist er noch finanziell tragbar? Ist er nicht abzugeben an die Kommune? Was bringt solch eine Einrichtung in unserer Zeit? Ich erinnere daran, dass dieser Kindergarten eine Stiftung ist. Unsere Vorväter und Vormütter im Glauben haben diese Einrichtung in schwieriger Zeit – gewiss aus unserer heutigen Sicht kaum mehr nachvollziehbar – nicht in Frage gestellt.

Heute, wo wir den Bildungsverfall, den Werteverlust lauthals beklagen, sind wir scheinbar nicht mehr bereit, da, wo wir hier vor Ort etwas tun können, dass christlicher Glaube im Alltag lebendig bleibt, diese Einrichtung mitzutragen. Darum entzünde ich die 10. Kerze.

Wer dieses Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf;

und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.

(Lukas 9,48)

11. Um die Ökumene scheint es stiller geworden zu sein. Es gehen keine neuen Impulse aus. Vielmehr scheint ein jeder auf seine Identität zu setzen. Ökumenische Sonntagsgottesdienste sind offiziell erst nach 11 Uhr möglich. Umso erfreulicher ist es, dass die gewachsene Ökumene vor Ort davon wenig berührt ist. Die ökumenische Bibelwoche findet statt, der ökumenische Arbeitskreis hat immer wieder interessante Themen. In diesem Jahr das Thema: Frieden und Friedensdienste. Ich denke auch an die mutige Entscheidung von Iris Kessel für ein Jahr nach Rumänien zu gehen. Es ist schade, dass sie ihren Einsatz vorzeitig abbrechen musste.

Der Seniorenkreis, der Frauenchor und der Kinderchor in Windesheim freuen sich über ökumenische Offenheit. Gegenseitige Mitgestaltung der Gottesdienste durch die Chöre ist in Windesheim selbstverständlich. Das im Dezember stattgefundene Gemeinschaftskonzert gehört dazu wie die Gottesdienste an der Bergkapelle und zur Kerb und der Weltgebetstag der Frauen. Das der Geist der Ökumene weiter wehen möge, darum zünde ich die 11. Kerze an:

Herr, du hast darum gebetet,

dass wir alle eines sein.

Hilf du selber uns zur Einheit,

denn die Kirche ist ja dein.

Dein Volk ist nicht unsre Kirche,

unsre Konfession allein,

denn dein Volk, Herr, ist viel größer.

Brich mit deinem Reich herein!

(Otmar Schulz)

12. Noch eine Kerze brennt nicht. Ich möchte Sie anzünden für all das, was in unserer Gemeinde geschehen ist, aber ich nicht weiß oder vergessen habe. Ich möchte sie entzünden als Hoffnungslicht für alle, die müde und verzagt, verbittert oder enttäuscht wurden, sei es durch meine Person oder den Mitarbeitenden unserer Gemeinde. Wenn Sie es sehen können, sehen Sie, es ist jetzt ein Herz entflammt. Ein Zeichen der Hoffnung, wenn wir in diesen Abend, in diese Nacht des Jahreswechsels gehen, nehmen Sie diese Gewissheit mit, Gottes Herz ist für uns entflammt. Und in Jesu Wort aus Lukas 22,32 – die Jahreslosung für das neue Jahr – liegt der Grund jeglicher Gemeindearbeit:

„Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.“

print

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen