Daran glaub‘ ich!

Liebe Konfirmandinnen! Liebe Konfirmanden! Liebe Eltern und Paten! Liebe Festgemeinde!

Daran glaub ich! So steht es auf Eurem Liedblatt. Sozusagen als Zusammenfassung dessen, was wir gemeinsam im kirchlichen Unterricht erarbeitet und im Gottesdienst vor 14 Tagen vorgestellt haben.

Unter anderem habt Ihr von einer Umfrage berichtet: „Glauben Sie? Wenn Ja, an wen oder an was? Wenn nein, warum nicht?“ Als wir über diese Fragen im Unterricht sprachen, blieb einer am Ende der Stunde zurück und fragte mich beim Gehen: „Eine Frage: Glauben Sie?“ „Wäre ich sonst Pfarrer geworden!“ gab ich etwas vorschnell zurück und ging. Hinterher sagte ich mir, dass ich damit wohl eine kurze, aber keine klärende Antwort gegeben hatte; denn etwas irritierend blickte der Frager mich an. So möchte ich es heute tun.

Also: Woran glauben Sie? und ich antworte:

1. Daran glaube ich, dass Gott mein Lebensbegleiter ist. Ich weiß mich getragen von Gottes Zuspruch. Ich möchte von einem jungen Mann erzählen, der vor einer großen Aufgabe stand. Er heißt Josua. Nach dem Tod Mose, sollte er, Josua, das Volk in das gelobte Land führen. Er tat das nicht gern. „Bin ich wirklich gut genug? Kann ich das? Kann ich die Menschen überzeugen? Werden sie mir folgen?“ Er war voller Selbstzweifel. So wie eigentlich jeder Mensch, der vor einer wirklich großen Aufgabe steht. Nur die Selbstgerechten und Besserwisser kennen solche Zweifel nicht. Für alle anderen bedeutet eine große Herausforderung auch immer, dass ein Scheitern möglich ist. Josua zweifelt und zögert. Und da spricht Gott zu ihm diesen Satz, der so verheißungsvoll ist und Mut macht. „Sei getrost und unverzagt. Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“ Wenn eine schwierige Aufgabe auf uns wartet, dann ist es tatsächlich wichtig, ob wir allein davor stehen oder ob wir uns darauf verlassen können, dass uns jemand zur Seite steht. Für Josua war dieser Satz Gottes entscheidend. Er wagte es. Er ging den entscheidenden Schritt und wurde zur Leitfigur für das Volk Gottes, das unterwegs war zum gelobten Land.
Ihr habt Eure Konfirmationssprüche weitgehend selbst ausgesucht. Auch sie erzählen vom Vertrauen auf Gott, von der Hoffnung und der Liebe, die stärker sind als alles andere. Sie erzählen von der Kraft des Guten und der Wahrheit, vom Segen und vom Schutz Gottes und davon, dass Gott unsere Angst kennt und sie überwinden will. Von der Freude reden sie und vom Trost, der bei Gott ist. Wenn ich nachher jeder und jedem einzelnen das ausgesuchte Bibelwort zusprechen, dann dürft Ihr gewiss sein: „Gott ist mein Lebensbegleiter. Daran glaub ich!“

Also: Woran glauben Sie? und ich antworte:

2. Daran glaube ich, dass Gott mich ziehen lässt. Er klammert nicht. Das ist oftmals die Art von uns Erwachsenen. Wir sehen in dem Jugendlichen immer noch das Kind, das Fürsorge und Obhut braucht. Doch nun ist es an der Zeit loszulassen, damit er oder sie selbstständiger werden kann. Wir wollen Euch nicht festhalten. Im Gegenteil: Wir möchten, dass Ihr in diese Welt hinausfliegen könnt – dass ihr die Möglichkeiten entdecken könnt – dass ihr eure wunderbaren Gaben und Fähigkeiten weiter entwickeln könnt – dass ihr Menschen habt, die euch Rückendeckung geben, die euch auffangen. Um in die Welt fliegen zu können, braucht man nicht nur Menschen, die es gut und ehrlich und aufrichtig mit euch meinen. Man braucht auch – nein, eigentlich muss es heißen: vor allem – man braucht vor allem Gott, um hinauszufliegen. Denn von Gott heißt es einmal in der Bibel: „Gott geht mit uns um wie ein Adler, der seine Jungen fliegen lehrt: Der wirft sie aus dem Nest, begleitet ihren Flug, und wenn sie fallen, ist er da, er breitet seine Schwingen unter ihnen aus und fängt sie auf.“ (5.Mose 32,11 nach der Übersetzung „Hoffnung für alle“) Ein schöne Bild, wenn man los fliegen will, wenn man in die große Welt hinaus möchte. Gott wie ein Adler, der seine Jungen das Fliegen lehrt. Wie ein Adler seine Jungen ausführt und dabei über ihnen schwebt, breitet Gott seine Flügel aus. Und wenn ein Junges zu fallen droht, dann kommt er und nimmt es und trägt es auf seinen Flügeln. Wohin ihr aber auch fliegt, in welche Richtung ihr euch entfaltet – ihr müsst es wissen. Es ist euer Leben. Es ist ein Leben, in dem man auch schnell fallen kann. Jede und jeder fällt im Leben. Die Älteren können einiges davon erzählen. Und manche von uns sind mehrmals heftig gestürzt. Keine und keiner konnte es vorhersehen. Und niemand hat es gewollt. Und dann kommt es beim Fallen doch auf das eine an: Dass man weiß: Ich werde aufgefangen. Dass Gott seine Flügel ausbreitet. Und ich wieder den Überblick gewinne. Oder zur Besinnung komme. Dass mir deutlich wird, was ich für einen Unsinn gedacht oder getan habe. Dass mir die Augen geöffnet werden und ich merke: Die anderen haben mich ja nur ausgenutzt. Ich war einfach nur Mittel zum Zweck. Oder Gott bewirkt es, dass mir neue Kräfte zuwachsen, dass ich doch noch durch eine schwere Zeit durchgekommen bin, eine Zeit, die niemand gewollt hat. Eben deshalb ist das Bild mit dem Adler eine schöne Übertragung, weil es uns gewiss macht: Wo du auch hinfliegst. Gott ist bei dir. Nicht nur solange du jung bist, sondern dein ganzes Leben. Daran glaub ich!

Also: Woran glauben Sie? und ich antworte:

3. Daran glaube ich, dass Gott neue Perspektiven schenkt. Das Geschenk, das Ihr heute für Eure Lebensreise bekommt, ist dieses Kreuz. Es steht für Jesus, den Christus. Es steht für den Gott, der uns ganz nahe gekommen ist. Es steht für den, der in den Augen vieler am Kreuz gescheitert ist. Es steht für den, dem Gott neue Lebensmöglichkeiten eröffnet hat, damals am Ostermorgen.

Und dass es für Euch immer wieder Ostern wird. Nicht nur einmal im Jahr, wenn der Kalender es anzeigt, sondern auch immer wieder mitten im Leben. Damit wir neue Flugversuche wagen können. Das Kreuz steht für den Mut, mit Gottes Hilfe das Vertrauen in das Leben immer wieder neu zu wagen. Hebt es gut auf. Und mit einem Kreuzeszeichen besiegeln wir gleich auch Gottes Segen für Euch. Gottes Segen ist eine Kraft, die uns hilft, dass wir gut durch das Leben kommen. Und Segen macht gewiss, dass Gott auffängt, wenn man hinfällt, weil Gott mit uns umgeht wie ein Adler, der seine Jungen fliegen lehrt: Der wirft sie aus dem Nest, begleitet ihren Flug, und wenn sie fallen, ist er da, er breitet seine Schwingen unter ihnen aus und fängt sie auf. Daran glaub ich!

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